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52. Woche - NGC 2264, Konusnebel und Fuchsfell in Sh2-273

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Das heutige AdW bringt uns ins Sternbild Einhorn (Monoceros), mitten in die Sternassoziation Monoceros OB1. Bildautor ist Kai-Oliver Detken, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie und Aktiver in seinem Heimatverein, dem Astronomischen Verein Lilienthal. Er nutzte am 17.03.2020 bei ausgezeichneter Transparenz ein Celestron C11 SC XLT in der Variante HyperStar mit FlatfieldAdapter, d.h. mit 280 mm Öffnung und 560 mm Brennweite, dazu eine Farbkamera ZWO ASI071MC Pro. Der Bildautor schreibt: „Es war ein weiterer Versuch, im heimischen Garten den Duofilter Optolong 2" L-eNhance in Kombination mit dem lichtstarken C11-HyperStar auszuprobieren. Und ich finde, der Filter macht einen recht guten Job.“ Belichtet wurde 5 min pro Einzelbild, insgesamt 240 min einschließlich Dithering. Aufnahmeort war Grasberg im Umfeld von Bremen. Das Autoguiding lief über ein Lacerta M-GEN V2. Als parallaktische Montierung diente eine iOptron CEM60. Aufnahmesoftware war AstroPhotography Tool (APT), Version 3.82, dazu als Bildbearbeitungssoftware PixInsight 1.8.8 und Photoshop CS6. Zur Orientierung: Das Bildfeld misst 2,4° x 1,6°, Norden liegt auf 13 Uhr.

In Monoceros OB1 sitzt der sehr locker aufgebaute offene Sternhaufen NGC 2264. Was die hellsten, innen gelegenen Sterne betrifft, so erinnert die Form des Haufens für Beobachter am Nordhimmel an eine auf dem Kopf stehende Fichte. Darum wird NGC 2264 im englischsprachigen Raum auch als „Christmas Tree Starcluster“ bezeichnet. Den Weihnachtsbaum und die umgebenden Objekte zeigt das Zusatzbild 1. Der hellste Stern in NGC 2264 ist der Veränderliche S Monocerotis in der Bildmitte, er bildet den Fußpunkt des Baumes. Dieser enorm leuchtkräftige O7-Stern ist im Blauen 4,40 mag hell und im Visuellen 4,64 mag, was einen Farbindex B-V = -0,24 mag ergibt, d.h. in reinen RGB-Bildern sollte ein knalliges Blau auftreten. S Monocerotis ist auch ein Doppelstern. Sein Begleiter hat den Spektraltyp B2. An der Spitze des Weihnachtsbaums steht bei den Pixelkoordinaten (1913/2456) der B2-Riese HD 47887 mit V = 7,14 mag. Von dort aus erstreckt sich nach links unten der knapp 10' große Konusnebel. Er stellt nichts anderes dar als der Elefantenrüssel in IC 1396, nämlich einen molekularen und staubförmigen Rest interstellarer Materie, die durch die Sternwinde und Strahlung von S Monocerotis kometarisch in die Länge gezogen wird, mit hell leuchtenden ionisierten Rändern. Die Spitze des Konusnebels leuchtet dabei am hellsten und ist als Infrarotquelle IRAS 06384+0929 bekannt.

Viele der in NGC 2264 liegenden Sterne sind noch nicht soweit entwickelt, dass sie in stabiler Weise Wasserstoff zu Helium fusionieren. Diese Sterne haben das stabile Hautreihenstadium noch nicht erreicht, sie befinden sich noch im Stadium "vor der Hauptreihe" (engl.: pre main sequence). Das gilt auch für S Mon und HD 47887. Aus dieser Tatsache lässt sich bereits ableiten, dass NGC 2264 sehr jung sein muss. Man darf von etwa 3 Millionen Jahren ausgehen (Grellmann et al. 2011). NGC 2264 ist daher auch reich an T-Tauri-Sternen, das sind typische Vertreter junger Sterne. Ein passendes Beispiel sind die beiden T-Tauri-Sterne V591 Mon und V365 Mon. Sie liegen in der hellen, leuchtenden Spitze des Konusnebels sehr dicht zusammen, erscheinen hier im AdW nur als ein nicht aufgelöster Punkt bei (1858/2489). Im Zusatzbild 2 (gemäß Sloan Digital Sky Survey) ist der Konusnebel und seine Spitze mit den enthaltenen T-Tauri-Sternen gut aufgelöst sichtbar.

Sung et al. (1997) fanden in NGC 2264 mehr als 1000 "pre-mainsequence objects". Ihr mittleres Alter liegt in der gesamten Region um S Monocerotis bei 3,1 Mio. Jahren. Die Entfernung wird von Sung et al. (1997) auf 760 pc (2480 Lj) geschätzt. Bei den Entfernungsangaben sind sich die Astronomen aber gar nicht einig, so dass starke Streuungen in den gemessenen Distanzwerten verschiedener Autoren auftreten. Die gesamte Szenerie wird von Hα-leuchtenden Gasmassen dominiert, durchsetzt von dichten Dunkelwolken und als Sh2-273 katalogisiert. Im gesamten Bild verteilt findet man die "bright rims", etwa bei (2815/1170), (2768/1493), (3564/1798), (1726/3050) oder sogar weit entfernt von S Monocerotis bei (585/1642). Ein wenig oberhalb von S Monocerotis wurden zwei IR-Sternhaufen gefunden: NGC 2264 IRS 1 und NGC 2264 IRS 2. Erst auf IR- Aufnahmen treten sie als offene Sternhaufen in Erscheinung, hier im AdW nicht. Etwa 8' unterhalb von S Monocerotis ist der enthaltene Staub als Reflexionsnebel ausgeprägt (einen Katalognamen dafür habe ich nicht gefunden). Das Nebelgebiet rechts davon ist als "Fox Fur Nebula" (Fuchsfellnebel) bekannt, siehe Astronomy Picture of the Day vom 30.12.2015.

Anmerkungen: Der Duofilter Optolong 2" L-eNhance ist ein Schmalbandfilter, der nur zwei Durchlassbereiche aufweist, nämlich 26 nm für [OIII] im Türkisbereich und 10 nm im Hα-Bereich. Alle anderen Wellenlängen werden absorbiert. Umso mehr erstaunt es, dass der Autor mit dieser Falschfarbenaufnahme ein Bild erzeugt hat, das einem regulären RGB-Bild sehr ähnlich sieht. Sicherlich wird hier die Bildbearbeitung "in vollen Registern" erfolgt sein, denn kalibrieren lassen sich die Sternfarben (insbesondere, wenn der gesamte visuelle Spektralbereich abgedeckt werden soll) nur mit aufwändigen Methoden, die ich bisher für die Schmalbandfotografie auch nirgends von Astrofotografen behandelt sehe - auch nicht von fortgeschrittenen.

Ein zweiter Punkt ist das Rauschen. Selbst wenn 4 Stunden mit dem Öffnungsverhältnis 1:2 belichtet wurde (was 16 Stunden bei 1:4 bedeutet), tritt in den lichtschwachen Nebelzonen beim Hineinzoomen doch noch ein deutliches Rauschen auf. Meine Meinung zum Rauschen habe ich hier des öfteren vertreten: Das Rauschen ist ein physikalisch realer Effekt, daher lieber Rauschen als eine unnatürliche, zu heftige Rauschreduzierung. Und doch (jetzt muss ich über meinen Schatten springen) könnte man dieses Bild durch eine moderate Rauschreduzierung bestimmt noch ein wenig ansprechender gestalten.

Kai-Oliver Detken hat hier ein sehr schönes Beispiel für den Einsatz eines Duo-Filters gebracht. Wir danken ganz herzlich für das interessante und informative Bild und gratulieren herzlich zum Astrofoto der Woche.

Peter Riepe
Bildautor: Kai-Oliver Detken

Koordinaten (J2000) von NGC 2264:
RA = 06 h 40 min 58 s, DE = +09° 53´ 42´´


Vollbild unter: https://www.astronomie.de/neuigkeiten/52-woche-ngc-2264-konusnebel-und-fuchsfell-in-sh2-273/

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