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7. Woche - IC 63, ein Teil von Sh2-185

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Das heutige AdW zeigt den Nebel IC 63, der ca. 22 Bogenminuten nordöstlich des Sterns Gamma Cassiopeiae (γ Cas) liegt. Bildautor ist Fachgruppenmitglied Christoph Kaltseis. Am 12.09.2020 nahm er das Motiv mit einem Celestron 14 Edge HD und einer Nikon D810A auf. Das geschah in seiner Gartensternwarte im heimatlichen Sarleinsbach (Oberösterreich). Die Teleskop besitzt eine Öffnung D = 355 mm und die Brennweite f = 3852 mm. Das Öffnungsverhältnis f/D beträgt also f/D = 10,85 (diese korrekte Definition des Öffnungsverhältnisses soll hier noch einmal deutlich genannt werden). Belichtet wurde erstaunlicherweise nur 140 min bei ISO 800, ohne Autoguiding. Der im AdW gemessene Abbildungsmaßstab kommt auf 0,785 arcsec/px, was zu einer Bildgröße von 31' x 20,8' führt. Norden liegt links, Osten unten, γ Cas befindet sich rechts oben außerhalb des Bildfeldes.

Jetzt zu den astronomischen Fakten. IC 63 ist ein heller Nebel, eine Kombination aus Reflexions- und Emissionsnebel (K. France et al., 2005). Er steht in direkter Beziehung zum benachbarten 2,4 mag hellen Stern γ Cas (HD 5394), der ihn sowohl beleuchtet als auch zur Emission anregt. Der Spektraltyp dieses Sterns wird mit B0–B0,5 angegeben. So liefert γ Cas die nötige Energie zur Anregung. Gas gibt es hier genug. IC 63 und sein Nachbar IC 59 (hier im AdW aber nicht im Bild) sind helle Partien aus dem größeren Nebelgebiet Sh2-185, wo radioastronomisch auch neutraler Wasserstoff in großer Menge nachgewiesen wurde (D. Blouin et al., 1997). Diese Wissenschaftler haben in ihrem Artikel eine schöne Gegenüberstellung von Sh2-185 eingebaut, einmal im roten und dann im blauen Licht. Das Zusatzbild zeigt diese Gegenüberstellung. Die unregelmäßige Form von Sh2-185 wird gut sichtbar. Schwache rote Nebelausläufer liegen auch noch nördlich bis östlich von IC 63 (Bildteil a, rot). Der rechte Bildteil b (blau) zeigt, wie sehr γ Cas die Szenerie dominiert. In der Literatur wird die Entfernung zu γ Cas mit 190 bis 230 pc (im Mittel 685 Lj) angegeben. Das ist dann auch die Distanz zu Sh2-185. IC 63 hat damit zu γ Cas eine projizierte Distanz von ca. 4,4 Lj.

IC 63 zeigt eindeutig eine kometarische Struktur, genauer gesagt eine auf γ Cas gerichtete Keilform. Während das Innere des Nebels bläulicher wirkt, sind die Ränder hell rötliche Ionisationsfronten. Das Alter wird für IC 59, den unscheinbareren Nachbarnebel, auf 1,1 Mio. Jahre geschätzt. Im Laufe der nächsten 600.000 Jahre wird IC 59 zerbröselt sein (Miao et al., 2010). IC 63 dagegen wird aufgrund seiner kompakten Form noch länger bestehen bleiben.

Im AdW ist in der linken unteren Ecke ein schwächerer, aber doch deutlich roter und blauer Nebel gelegen. Es handelt sich nicht um IC 59, denn der liegt außerhalb der linken oberen Ecke (siehe oben genanntes Zusatzbild). Das Objekt ist ein namenloser Nebel, der dem Komplex aus IC 63 und IC 59 angehört. Wesentlich interessanter erscheint das kleine, nebelige Objekt links oben bei den Pixelkoordinaten (497/313), dazu das Originalbild herunterladen und hineinzoomen. Man könnte eine Höhle darin vermuten, und direkt darum scharen sich ein paar Sterne. Wir haben hier eine kleine HII-Region mit der Bezeichnung MSX6C G123.8059-01.7805 vor uns. Aufgrund ihrer recht großen Flächenhelligkeit wurde sie schon vom Schweden Cederblad erkannt, sie als Cederblad 4a vermerkte. Der große Nachbar IC 63 wird übrigens als Cederblad 4b geführt. IR-Untersuchungen zeigen, dass die Sternchen in Cederblad 4a einem kleinen offenen Sternhaufen namens [BDS2003] 49 angehören. Das AdW beweist als kalibriertes Farbbild, dass HII-Regionen bei Überlagerung durch Staub auch bräunlich verfärbt werden können.

Kurz ein Wort zu den äquatorialen Koordinaten von IC 63. Sie werden in der Datenbank Simbad für die unmittelbare Keilspitze angegeben. Das geht an der astrofotografischen Realität vorbei. Deshalb beziehen sich die unten angegebenen Koordinaten (J2000) auf die Mitte im fotografischen Bild, also hier im AdW.

Anmerkungen: Die Aufnahme ist bei f = 3852 mm langbrennweitig. Umso erstaunlicher, dass Christoph Kaltseis ohne Autoguider gearbeitet hat. So etwas funktioniert natürlich nur unter zwei Bedingungn: (a) muss die Montierung sehr präzise laufen, etwa durch verwendete Encoder, die beispielsweise periodische Schneckenfehler aufheben. Aber das dürfen wir bei einer 10Micron GM2000 HPS auch erwarten; (b) sollten die Belichtungszeiten der Einzelaufnahmen in zeitlicher Länge so gewählt werden, dass gerade keine Abweichung der Sterne von der Punktform erkennbar ist. Solche Fehler (Bildrotation) treten bei ungenauer Polaufstellung in Erscheinung. Zwar hat der Bildautor die Einzelbelichtungszeiten nicht angegeben, aber das würde hier sowieso nichts nützen, denn jeder muss für seine Instrumentierung und bezogen auf die Genauigkeit der Poljustage selbst in Erfahrung bringen, wie lange ohne Autoguiding sinnvoll belichtet werden kann.

Was die Farbgebung betrifft, so bin ich von Christophs Ergebnissen immer wieder angetan. Er zeigt uns, dass auch mit einer DSLR farbneutrale Bilder erreichbar sind – wenn man die Bildbearbeitung beherrscht. Das Bild birgt genügend Farbigkeit, daher ist auch keine Erhöhung der Farbsättigung erforderlich. Noch ein Pluspunkt ist zu vergeben: Trotz der großen Nähe von γ Cas zu IC 63 fallen keine störenden Lichtstreuungen des Sterns ins Bildfeld. Das ist nicht selbstverständlich!

Einen großen Dank für dieses sauber ausgeführte, gelungene Bild. Dazu auch die Gratulation des AdW-Teams zum Astrofoto der Woche!

Peter Riepe
Bildautor: Christoph Kaltseis




Koordinaten von IC 63 (J2000.0):
RA = 00 h 59 min 29 s, DE = +60° 54' 42''

Vollbild unter: https://www.astronomie.de/neuigkeiten/7-woche-ic-63-ein-teil-von-sh2-185/

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