7 x 50 für 29,99

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Hi,

das Design kommt mir merkwürdig bekannt vor. So sehen eine Menge günstiger Ferngläser aus, unabhängig von den Namen, die da drauf stehen. Vor der Nase hatte ich sowas schon mal mit Bresser-Aufschrift und fand das Bild dunkel und flau, dafür starke Reflexe. Vor dem Kauf testen oder mit Rückgaberecht kaufen. Die Vergütung ist nicht alles, auch die Fassung und die Linsenradien spielen bei den Reflexen und der Streulichtminderung eine Rolle, außerdem die Prismenmattierung.

Außerdem gibt es große Unterschiede im Bildfeld, in der Nahgrenze, in der Brillen- und Stativtauglichkeit...

Und letztlich gibt es für dieses Geld problemlos gebraucht gute Ware aus der guten alten Zeit.

Ich tippe mal, daß die Vergütung rot ist?

Gruß
Ralf C.
 
Ich hab' das Glas heute in der Werbung gesehen und will's mir morgen mal anschauen. Daher keine Ahnung, ob die Vergütung rot ist. Wäre aber nicht schlimm, oder?

Viele Grüße
Dirk
 
Wenn es wirklich eine Vergütung sein sollte nicht. Ist meist aber eine Filter-Beschichtung, vermutlich um Farbränder zu mindern. Diese Beschichtung schluckt erstens Licht und verfälscht zweitens die Farbwiedergabe.

Für mich sieht das Glas sehr nach den auch von Bresser angebotenen Gläsern aus. In dieser Preisklasse würde ich gebraucht kaufen. Oder (deutlich) mehr ausgeben. Ich habe selbst kürzlich gesucht. Unter 100 Euro habe ich nichts brauchbares gefunden. Über 100 Euro gibt es Kompromisse wíe guter Kontrast und gute Schärfe, aber kleiner Bildwinkel. Wenn alles stimmen soll ist man schnell im mittleren dreisteligen Bereich und kann mühelos auch vierstellig werden.

Die guten, und für damalige Verhältnisse schließlich auch nicht billigen, Gebrauchtgläser aus den 60er/70er, vielleicht auch 80er Jahren scheinen mir die bessere Alternative zu sein. Und kaum jemand gibt (oder verlangt) heute viel für diese Gläser, die so schön altmodisch aussehen.

Die Gläser aus dem Niedrigpreisbereich fand ich alle auffallend dunkel. Da wird die große Austrittspupille so eines 7*50 eigentlich ad absurdum geführt.

Aber wenn das Ding tatsächlich gut sein sollte laß es uns bitte wissen.

Gruß
Ralf C.
 
Re: 7 x 50 - was falsch machen?

ziemlich viel, kauf auf keinen Fall ohne durchzuschauen und schau mal in diesem board unter "Qualitätsprüfung von Ferngläsern",
"Fernglas aus dem Lebensmittelladen" und so nach!!!!
 
Hi

Günstige Ferngläser können schon gut sein, doch bedenke, dass bei günstigen Ferngläser die MEchanik eher schwach ist. Hinzukommt, dass Glas verwendet wird, das weniger Licht durchlässt als bei einem teuerern Glas. Zudem habe ich häuffig festgestellt, dass gerade günstige Gläser einen Röhrenblick haben. Ich persönlich habe einen Röhrenblick nicht so gerne und deswegen rate ich Dir vom Kauf ab.

Vielleicht helfen Dir meine Tips auf meiner HP http://avila.notrix.net

Viele Grüsse


Thomas Knoblauch
 
kann man da was falsch machen? - Sicher!

> Wenn die Vergütung einigermassen ok ist, kann man da was falsch machen?

Wenn 29,99 Euro in der Haushaltskasse keine Rolle spielen, dann kann man den Versuch wagen. In der Regel kann man allerdings bei so preiswerten Ferngläsern annehmen, daß man genau das bekommt, was man bezahlt. Das heißt im Klartext, die Schärfe und der Kontrast werden wohl eher mittelprächtig bis nicht so toll ausfallen. In der Praxis könnte die Bildhelligkeit weit unter dem bleiben, was ein gutes 7x50 zu leisten imstande ist. Wenn die Vergütung eine einfache bläulich schimmernde Vergütung ist, dann wäre das schon mal gar nicht so schlecht. Die Billiggläser mit der typischen Rot-"Vergütung" schlucken sehr viel Licht, so daß ein 7x50 u.U. in der Bildhelligkeit einem guten 8x40 unterlegen ist. Zudem verpassen sie dem Fernglas auch einen unangenehmen Farbstich. Bei so preiswerten Gläsern wird meist auch an der Optik gespart. Die Okulare sind dann recht einfach aufgebaut (z.B. dreilinsig) und bei manchen Exemplaren findet sich die Vergütung nur auf der außen liegenden Linse. Wenn an den Okularen gespart wurde, dann ist auch das Einblickverhalten nicht besonders komfortabel. Daß solche Gläser ein recht mickriges Sehfeld haben können, wurde schon gesagt. Ein gutes Fernglas zeichnet sich neben einer scharfen und kontrastreichen Optik auch durch eine gute Kollimation der beiden Binohälften aus. Soll die Kollimation auf lange Sicht erhalten bleiben, dann sollten die Prismen im innern auch solide montiert und justiert sein. Leider hat das alles seinen Preis, so daß man für 29,99 Euro an der einen oder anderen Stelle mit Einschränkungen rechnen muß.

Also vor dem Kauf unbedingt sehr kritisch testen! Dazu gehört als erstes die Kollimation. Betrachtet man für ein paar Minuten Objekte in wechselnden Entfernungen, sollten dabei keine Augenschmerzen auftreten. Ich habe schon Gläser gesehen, die so miserabel kollimiert waren, daß nach Absetzen des Glases Schwindelgefühle auftraten. Schaut man sich einen Laternenmast im Bildfeldzentrum an, so sollte dieser einigermaßen gerade bleiben und nicht wie ein gespannter Bogen aussehen. Ansonsten leidet das Glas unter einer unangenehmen Bildfeldwölbung. Wenigstens im zentralen Teil (den Bereich, den man ohne Augenbewegung bewußt wahrnehmen kann) sollte man den Eindruck eines scharfen Bildes haben. Treten schon hier sichtbare Farbsäume an kontrastreichen Objekten auf (Dach eines Hauses oder Äste eines Baumes gegen hellen Himmel), dann hat das Glas einen ausgeprägten Farbfehler und damit leidet auch der Kontrast. Die Schärfe der Abbildung kann man allerdings nur sinnvoll bewerten, wenn man ein gutes Fernglas zum direkten Vergleich hat. Bei dem Bilora für 29,99 sollte man natürlich nicht gerade ein Zeiss Dialyt als Vergleich wählen, das bringt nix. Für einen brauchbaren Vergleich wären die preiswerten Modelle von Minolta oder Olympus gut geeignet, die gibt es schon für weniger als 100 Euro. Wenn das Bilora dann im Verhältnis von Preis und Leistung eine gute Figur macht, könnte man die 29,99 Euro im Geschäft lassen. Ist das Bild im Bilora deutlich dunkler oder auffallend flau (kontrastarm), dann würde ich besser zu Minolta oder Olympus greifen. Neben der Optik kannst Du auch mal einen Blick auf die Mechanik werfen. Der Mitteltrieb sollte sich nicht von allein bewegen und die Knickbrücke sollte zumindest soviel Vertrauen erwecken, daß sich das Glas nicht in absehbarer Zeit in seine Einzelteile auflöst. Letztendlich - und das ist nicht unwichtig - muß das Fernglas gut in der Hand liegen, man muß es sicher halten und problemlos ohne dritte Hand fokussieren können.

Am Ende ist es auch immer eine Frage, wieviel man in den Spaß der binokularen Beobachtung investieren will. Keine Frage, man kann auch mit einem Fernglas für 29,99 Spaß am Sternhimmel haben. Persönlich stehe ich allerdings auf dem Standpunkt, man sollte seinen Augen etwas gutes tun. Wer täglich eine Brille braucht, der nimmt auch nicht gerade das billigste Modell, was irgendwo zu kriegen ist. Man muß nicht gleich einen dreistelligen Betrag ausgeben, aber ein gewisses Mindestmaß an optischer Qualität sollte man zulassen. Und da sind die preiswerten Ferngläser von Minolta oder Olympus bestimmt nicht die schlechteste Idee.

Wenn Du Dich noch weiter informieren willst, schau mal auf die Fernglasseiten von astronomie.de. Dort gibt es auch eine pdf-Datei zum runterladen - mit einer kleinen Checkliste am Ende.

Frank.

Meine Homepage
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: kann man da was falsch machen? - Sicher!

Danke für die ausführlichen Tipps!
Ich will schon ein kleines <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" /> Binoerlebnis <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" /> haben. Da der Laden rund 20km von mir entfernt ist und ein Kauf nun schon einen kleinen bitteren Beigeschmack beinhalten würde, schau' ich mir das Teil gar nich näher an. Ich werde jetzt mal gebrauchte und günstige Markengläser unter die Lupe nehmen.
Viele Grüße
Dirk
 
Re: kann man da was falsch machen? - Sicher!

Hallo Dirk,

ich wollte Dir das Glas bestimmt nicht ausreden, aber scheinbar ist es doch gelungen ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Wenn so viele Leute zur Vorsicht raten, dann wird da schon was dran sein.

Ich denke mal, Du fährst nicht schlecht, wenn Du Dich unter preiswerten Markengläsern umschaust. Versuch doch mal einen guten Fotoladen zu finden, der Minolta und/oder Olympus Gläser im Angebot hat. Die Olympus Gläser gibt es bei uns z.B. auch bei Karstadt. Es gibt noch mehr Alternativen, aber unter 80 bis 100 Euro wird's mit brauchbaren Gläsern wirklich eng. Wenn Du einen Jagdausstatter in Deiner Nähe hast, kannst Du auch mal nach Schnäppchen (z.B. von Tasco) suchen. Oder Du folgst der Empfehlung nach guten alten Gläsern und suchst auf ebay. Allerdings ist da das Risiko nicht unerheblich, ein beschädigtes oder dejustiertes Glas zu ersteigern. Eine weitere Möglichkeit wäre die Suche nach einem der Vorgängermodelle der aktuellen Nikon Action VI Serie. Das 7x50 oder 10x50 aus der alten Serie ist wirklich gut und steht vielleicht irgendwo preisgesenkt in einem Schaufenster. Und letztendlich kannst Du auch hier im Astromarkt nach so einem Glas inserieren.

Frank.
 
Nachdem ich ein bißchen üebr die Sache nachgedacht habe und mal den Bresser-Katalog als PDF gespeichert und durchgelesen habe, halte ich auch einen Zwillingsbruder des Bresser Hunter für möglich. Das wäre dann nicht rot, sondern "einfach" vergütet und praktisch überall für den Preis zu haben, manchmal auch für weniger.

Ich bleibe aber dabei, daß in dieser Preisklasse Gebrauchtkäufe das Mittel der Wahl sind. Ich habe gerade mal in alten Photo-Porst-Zeitschriften geblättert. 1959 hat das HaPo Export (Hausmarke, Hanns Porst) 10*50 218 Mark gekostet, Tasche ging extra. Das war damals rund ein halbes Monatsgehalt, brutto. Läge preislich übertragen auf heutige Einkommensverhältnisse also etwa bei Leitz und Zeiss. Nun hat es zwar einerseits durchaus Fortschritt in der Optik, und vor allem auch in der Mechanik der Gläser gegeben. Andererseits hat man sich damals für soviel Geld auch schon eine Menge Mühe gegeben. Meine Tessare, Skopare und Flektogone aus der Nachkriegszeit sind alle noch gut dabei ;-) So ein HaPo Export ist bei Ebay gerade um 10 Euro weggegangen.

Nur so als Idee

Gruß
ralf C.
 
Re: Flektogone??

Hi, Flektogon war eine Bezeichnung für Weitwinkelobjektive von Carl Zeiss (Jena). Tessare waren vierlinsige (ein Kitglied) Normal- und Teleobjektive. Skopare waren die Voigtländer-Variante der Tessare.

Das HaPo-Export habe ich ersteigert. Hatte ich schon wieder vergessen. Ferngläser fangen an, sich hier zu häufen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> Ich berichte dann bei Gelegenheit.

Gruß
ralf C.
 
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