kann man da was falsch machen? - Sicher!
> Wenn die Vergütung einigermassen ok ist, kann man da was falsch machen?
Wenn 29,99 Euro in der Haushaltskasse keine Rolle spielen, dann kann man den Versuch wagen. In der Regel kann man allerdings bei so preiswerten Ferngläsern annehmen, daß man genau das bekommt, was man bezahlt. Das heißt im Klartext, die Schärfe und der Kontrast werden wohl eher mittelprächtig bis nicht so toll ausfallen. In der Praxis könnte die Bildhelligkeit weit unter dem bleiben, was ein gutes 7x50 zu leisten imstande ist. Wenn die Vergütung eine einfache bläulich schimmernde Vergütung ist, dann wäre das schon mal gar nicht so schlecht. Die Billiggläser mit der typischen Rot-"Vergütung" schlucken sehr viel Licht, so daß ein 7x50 u.U. in der Bildhelligkeit einem guten 8x40 unterlegen ist. Zudem verpassen sie dem Fernglas auch einen unangenehmen Farbstich. Bei so preiswerten Gläsern wird meist auch an der Optik gespart. Die Okulare sind dann recht einfach aufgebaut (z.B. dreilinsig) und bei manchen Exemplaren findet sich die Vergütung nur auf der außen liegenden Linse. Wenn an den Okularen gespart wurde, dann ist auch das Einblickverhalten nicht besonders komfortabel. Daß solche Gläser ein recht mickriges Sehfeld haben können, wurde schon gesagt. Ein gutes Fernglas zeichnet sich neben einer scharfen und kontrastreichen Optik auch durch eine gute Kollimation der beiden Binohälften aus. Soll die Kollimation auf lange Sicht erhalten bleiben, dann sollten die Prismen im innern auch solide montiert und justiert sein. Leider hat das alles seinen Preis, so daß man für 29,99 Euro an der einen oder anderen Stelle mit Einschränkungen rechnen muß.
Also vor dem Kauf unbedingt sehr kritisch testen! Dazu gehört als erstes die Kollimation. Betrachtet man für ein paar Minuten Objekte in wechselnden Entfernungen, sollten dabei keine Augenschmerzen auftreten. Ich habe schon Gläser gesehen, die so miserabel kollimiert waren, daß nach Absetzen des Glases Schwindelgefühle auftraten. Schaut man sich einen Laternenmast im Bildfeldzentrum an, so sollte dieser einigermaßen gerade bleiben und nicht wie ein gespannter Bogen aussehen. Ansonsten leidet das Glas unter einer unangenehmen Bildfeldwölbung. Wenigstens im zentralen Teil (den Bereich, den man ohne Augenbewegung bewußt wahrnehmen kann) sollte man den Eindruck eines scharfen Bildes haben. Treten schon hier sichtbare Farbsäume an kontrastreichen Objekten auf (Dach eines Hauses oder Äste eines Baumes gegen hellen Himmel), dann hat das Glas einen ausgeprägten Farbfehler und damit leidet auch der Kontrast. Die Schärfe der Abbildung kann man allerdings nur sinnvoll bewerten, wenn man ein gutes Fernglas zum direkten Vergleich hat. Bei dem Bilora für 29,99 sollte man natürlich nicht gerade ein Zeiss Dialyt als Vergleich wählen, das bringt nix. Für einen brauchbaren Vergleich wären die preiswerten Modelle von Minolta oder Olympus gut geeignet, die gibt es schon für weniger als 100 Euro. Wenn das Bilora dann im Verhältnis von Preis und Leistung eine gute Figur macht, könnte man die 29,99 Euro im Geschäft lassen. Ist das Bild im Bilora deutlich dunkler oder auffallend flau (kontrastarm), dann würde ich besser zu Minolta oder Olympus greifen. Neben der Optik kannst Du auch mal einen Blick auf die Mechanik werfen. Der Mitteltrieb sollte sich nicht von allein bewegen und die Knickbrücke sollte zumindest soviel Vertrauen erwecken, daß sich das Glas nicht in absehbarer Zeit in seine Einzelteile auflöst. Letztendlich - und das ist nicht unwichtig - muß das Fernglas gut in der Hand liegen, man muß es sicher halten und problemlos ohne dritte Hand fokussieren können.
Am Ende ist es auch immer eine Frage, wieviel man in den Spaß der binokularen Beobachtung investieren will. Keine Frage, man kann auch mit einem Fernglas für 29,99 Spaß am Sternhimmel haben. Persönlich stehe ich allerdings auf dem Standpunkt, man sollte seinen Augen etwas gutes tun. Wer täglich eine Brille braucht, der nimmt auch nicht gerade das billigste Modell, was irgendwo zu kriegen ist. Man muß nicht gleich einen dreistelligen Betrag ausgeben, aber ein gewisses Mindestmaß an optischer Qualität sollte man zulassen. Und da sind die preiswerten Ferngläser von Minolta oder Olympus bestimmt nicht die schlechteste Idee.
Wenn Du Dich noch weiter informieren willst, schau mal auf die
Fernglasseiten von astronomie.de. Dort gibt es auch eine pdf-Datei zum runterladen - mit einer kleinen Checkliste am Ende.
Frank.
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