70/800 Refraktor für Deep-Sky geeignet?

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Schrank21

Mitglied
Ja, ich hab's als Planetenteleskop gekauft...
Nun frage ich:
Kann ich damit die bekanntesten Deep-Sky-Objekte einigermaßen beobachten, oder ist es dafür zu klein?
 
Hi Schrank21,
Kann ich damit die bekanntesten Deep-Sky-Objekte einigermaßen beobachten,

Auf jedenfall...
M42(Oríonnebel); M13(Kugelsternhaufen);
M31(Andromeda-Galaxie); viele offene sternahufen(Plejaden,M41,M44,Hyaden,M36-38,usw) und viele viele meeehr
----> kannst du schon wundervoll in deinem Teleskop sehen. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />

Gruß **SKY_WATCHER**
 
Hallo!

Also, für den Orionnebel reicht schon ein Fernglas, den kannst Du also gut sehen.
Die Plejaden kan man mit bloßem Auge schon sehen, sollte also auch kein Problem sein.


M31 Andromeda ist selbst im 8-Zöller zumeist immer wieder eine Enttäuschung wert, mehr als einen nebligen Fleck habe ich in meinem 76/700er Tchibo-Newton auch nie gesehen.

Was M13 angeht: Rechne auch hier mit einem eher nebligen Fleck...wenn Du hoch vergrößerst, also auf max 140fach, kannst Du Einzelsterne erkennen. Ich fürchte aber, dass das Bild sehr dunkel sein wird.

Kurz: Probiere es aus, aber erwarte nicht zu viel.

Grüße
Thomas
 
Hi Schrank21
wie so oft im Leben kommt es nicht allein auf die Größe an <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. An einem dunklen, besser sehr dunklen Standort kann man auch mit kleinen Gerätschaften glücklich werden. Mit 6mag Grenzgröße (aber wo gibt`s die schon?) wirst Du die meisten Messier und vieles andere gut beobachten können. Die Andromedagalaxie ist zum Beispiel in einem einfachen 7x42 Fernglas von Norwegen aus in ihrer ganzen Pracht zu sehen!! Der alte Messier hatte übrigens, soweit ich weiß, auch nur ein 9cm Refraktor, allerdings auch keine Lichtverschmutzung.
Clear Sky, Roland
 
Bedenken

Hi Zusammen,

ohne das ich ein kleines Teleskop noch kleiner reden will, so kann ich das nicht stehenlassen.

Es gibt bei einem 70/800 ganz gravierende Einschränkungen für deepsky.
Die erste Einschränkung ist die Öffnung. Für DeepSky-Beobachtung ist es gut, von halber Öffnung in mm als Normalvergrößerung auszugehen.
Das bedeutet, wir reden von 35-facher Vergrößerung mit diesem Gerät.
Wenige DeepSky Objekte sind hell genug, um mehr Vergrößerung zuzulassen. Dabei handelt es sich (mal abgesehen von Blendgranaten wie dem Orionnebel) um kleine planetarische Nebel, die dann allerdings bei weniger als 100-facher Vergrößerung eher Sternförmig wirken. Hier wird allein das Aufsuchen ein gewaltiges Problem.
Andere ausgedehnte Objekte, wie zum Beispiel der Nordamerikanebel, oder der Zirrusnebel, scheitern allein schon an der AP, denn beim 70/800 mit 1,25" Okular ist bei 40mm Okularbrennweite die Obergrenze erreicht, entspricht AP 3,5. Ohne einen UHC-Filter wird es da für beide Objekte sehr schwer mit der Erkennbarkeit - man braucht Gebirgshimmel. Wenn man nun den Preis eines UHC mit dem des Teleskopes vergleicht...

Bei 35-facher Vergrößerung gibt es nur wenige Objekte, die man wirklich in der Form beobachten kann, daß Form und Details erkennbar werden. Der so "berühmte" Ringnebel in der Leier ist nicht für seine Helligkeit berühmt, so daß es mit 70mm Öffnung nicht leicht ist, ihn als Ring zu sehen. Es braucht schon einen guten Himmel, damit das geht.
Die großen, offenen Sternhaufen sind für so ein Gerät natürlich wunderbare Beobachtungsobjekte. Darüber hinaus ist die Auswahl stark begrenzt. In unseren Breiten kann man (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) etwa die Liste Orionnebel M42, Hantelnebel M27, Ringnebel M57, Andromedaglaxie M31 und M32 nennen. Bei den hellen Nebel im Bereich Schütze (Lagunennebel, Omeganebel, Trifidnebel,...) ist die Beobachtung von unseren Breiten aus schwierig, da die Objekte sehr tief stehen und mit Dunst und Streulicht zu kämpfen haben.
Andere Messierobjekte sind zwar sichtbar, aber an Detailerkennung ist nicht zu denken. Man kann kaum mehr als das Auffinden abhaken. Da nenne ich Krabbennebel, kleiner Hantelnebel, die Kugelsternhaufen M13, M92, M15, M3, M5, M10, M11, M12... Bei M13 könnte unter optimalem Himmel ein Hauch von Randsternen machbar sein, unter normalen Bedingungen: Runder Nebelfleck. Ähnlich sieht es mit den Zentren der Messier-Galaxien aus, die sich als runde oder ovale Nebelflecken abzeichnen. Auch die Andromedagalaxie müsste man schon darunter nennen, hier ist aber wenigstens der kleine Begleiter M32 als Detail zu werten.

Um mal zum Ende zu kommen: Natürlich sollte man das einmal selbst ausprobiert haben, allein schon um zu erfassen, wie gut der eigene Himmel (vom Beobachtungsort her) ist. Ausserdem ist das Gerät ja da, und es kostet nichts.

Die bisher gegebenen Ratschläge aber erscheinen mir einfach zu todsicher, erzeugen eine unangebrachte Erwartungshaltung. Dem wollte ich einmal anhand von konkreten Objekten einen Dämpfer entgegensetzen. Meiner Meinung nach lassen sich die hier geäusserten Meinungen nur für Beobachtungsorte umsetzen, zu denen man erstmal per Auto hinfahren muß.
Ansonsten sollte man sich auf die offenen Sternhaufen, konkret H&Chi, M45, M11, M34, M35, M36, M37,... konzentrieren, die für das Gerät wirklich schön zu beobachten sind.

Clear Skies
Sven
 
Hi Schrank,
ich sehe das ähnlich wie Sven. Damit gehen, unter guten Bedingungen wohlgemerkt, wirklich brauchbar nur die allerhellsten Objekte.
M13 kann man dann den ein oder anderen Einzelstern entlocken. M57ist ein kleines verwaschenes Fleckchen, selbst der Handelnebel gibt nicht wirklich viel her. So zumindest meine Erfahrungen mit einem LIDL 70/700. Mit Deinem Gerät wird das wohl ähnlich sein.
Lohnenswert sind die angeführten offenen Sternhaufen. So fand ich im LIDL grade letzt getestet h&chi durchaus toll mit dem 14mm Speerswaler. Was ne Kombination <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> .
Eine Disziplin für Dein Gerät von der noch nicht die Rede war, ist die Doppelsterntrennung und -beobachtung. Ich weiß ist kein DS aber vielleicht ne Anregung. Eps Lyra kann mein LIDL eindeutig trennen.
CS
Antares
 
Mahlzeit!

Kann ich damit die bekanntesten Deep-Sky-Objekte einigermaßen beobachten, oder ist es dafür zu klein?

Jetzt muß ich mal ein paar Leuten hier widersprechen. Ja, mit einem 70/800 kannst Du die bekanntesten Objekte schon ganz brauchbar beobachten, wenn auch mit ein paar Abstrichen.

Meine Erfahrungen beziehen sich auch auf das Lidlscope, mit dem ich schon selber eine ganze Menge Deep-Sky-Objekte beobachtet habe. Auf offene Sternhaufen ist man in keiner Weise beschränkt. Gerade dieses Wochenende habe ich zum Beispiel mit einem Tal-Plössl sehr schön den Schwanennebel beobachtet, allerdings von der Kärntner Alm aus. Die meisten Beobachtungen mit dem Lidlscope habe ich aus dem Saarbrücker Hinterhof gemacht, also keinem Ort mit allzu dunklem Himmel. Die Ringstruktur von M57 war durchaus schon zu erkennen. M13 war auch schon deutlich mehr als ein nebliger Fleck, zumindest am Rand konnte man ihn auflösen. Also planetare Nebel und Kugelsternhaufen (auch so kleine wie M56) sollten schon gehen. Mit Galaxien wird es schon schwieriger, geht aber auch. M81/82 sind geradezu trivial, sogar NGC3077 ließ sich schwach erkennen. Den Kern von M51 und der Begleitgalaxie habe ich z.B. auf dem Peterberg (Landhimmel) beobachtet, von Spiralstruktur war allerdings nichts zu sehen (wär auch etwas viel verlangt mit 70 mm). Die Leo-Galaxien waren auch machbar, zwischen Saarbrücker Flughafen und Saargemünder Industrieanlage, das Aufsuchen war hier allerdings schon weniger trivial. Kritisch wird es so mit M101, das habe ich auf der Alm zum allerersten mal mit dem Lidlscope gefunden, trotz narrensicherem Starhopping. Extrem schwierig sollten so Funzeln wie NGC891 oder M74 werden, aber bis dahin gibt es noch einiges Anderes zu sehen.

Der wichtigste Unterschied zu einem Teleskop mit mehr Öffnung ist meistens nicht das Sehen oder Nichtsehen (jedenfalls bei den meisten Messiers), sondern die Detailfülle, die mit 70mm meist ausbleibt. Die Teilung des Trifidnebels oder das Staubband in M104 kannst Du Dir eher abschminken. Weitere limitierende Elemente sind die Qualität des Himmels (betrifft aber alle Öffnungen), die Qualität Deines Tubus (70mm sind nicht gleich 70mm), und der wahrscheinlich nicht so grandiose Sucher an Deinem Gerät (der kann bei Deep-Sky eines der größten Hindernisse darstellen). Aber mit dem Karkoschka, einem 32mm-Oku und einem Starpointer sollte schon einiges gehen in Sachen Deep Sky, auch mit 70mm. Probiers einfach aus.

CS, Gernot
 
hallo gernot,

wie immer, du sprichst nur weise worte! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

am ITT hab ich dich leider nicht getroffen, wo bist du
denn da immer rumgegondelt? den lidl hast du mitdabeigehabt?

@all: zu deepsky mit 70mm: möglich sind mehrere hundert
objekte alleine auf der nordhalbkugel. M57 (ringnebel in der
leier) aus der großstadt wien heraus locker als ringerl,
bei grenzhelligkeit 4.5m und zwar ohne nebelfilter!, M13
unter gutem himmel am rand aufgelöst (ca. 10-20 einzelsterne),
M3 körnig mit ein paar vereinzelten sternchen, ebenso M15.
offene sternhaufen wie M11, M37, h&chi,... sind eine pracht,

galaxienfunzeln gehn bis herab zur 12. größenklasse, wem's
spaß macht die zu jagen, kein problem. fragt einfach mal den matthias
juchert, was ein gerät dieser größe alles zeigen kann,
der wird euch noch was beibringen!

wehe einer macht mir die kleinen öffnungen um 70mm schlecht,
der bekommts mit mir zu tun! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

c.s. tom
BINOVIEWER
(Member of Albireo)
 
Hi Schrank21,

also mit 70mm lassen sich unter dunklem Himmel als Messier Objekte beobachten. Du wirst natürlich bei den meisten nur einen Nebel sehen. Aber die helleren wie M31, M33, M36, M42, M45, M46, M47, M81, M82, etc. gehen auch mit 70mm gut und lassen schon einige Details erkennen.

Merke: Für Deep Sky zählt die Durchsicht und die Güte des Himmels mehr als die Optik!

Gruß

Lots
 
Klarstellung

Hi Zusammen,

ich wollte nur nochmal darauf hinweisen, daß ich nicht von "sehen" oder "nicht sehen", sondern von Beobachten mit Detailerkennung sprach. Das sind sicher Randsterne am Kugelhaufen. Nur bei Galaxien endet die Sache eben mit dem Galaxienkern. Toll. Kann man dann ein "gesehen" eintragen.
Heisst also nicht "unmöglich", sondern "uninteressant". Ins Detail bin ich da wohl genug gegangen.
Beim Anfänger würde ich von weniger Beobachtungserfahrung, also weniger Detailerkennung ausgehen. Von Bedingungen auf 1800m Höhe zu berichten dient nur der "Verteidigung" der Geräte, keinesfalls einer dem Anfänger dienlichen Bewertung.

Bitte das zu berücksichtigen. Also auch kein Widerspruch.

Clear Skies
Sven
 
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