Bedenken
Hi Zusammen,
ohne das ich ein kleines Teleskop noch kleiner reden will, so kann ich das nicht stehenlassen.
Es gibt bei einem 70/800 ganz gravierende Einschränkungen für deepsky.
Die erste Einschränkung ist die Öffnung. Für DeepSky-Beobachtung ist es gut, von halber Öffnung in mm als Normalvergrößerung auszugehen.
Das bedeutet, wir reden von 35-facher Vergrößerung mit diesem Gerät.
Wenige DeepSky Objekte sind hell genug, um mehr Vergrößerung zuzulassen. Dabei handelt es sich (mal abgesehen von Blendgranaten wie dem Orionnebel) um kleine planetarische Nebel, die dann allerdings bei weniger als 100-facher Vergrößerung eher Sternförmig wirken. Hier wird allein das Aufsuchen ein gewaltiges Problem.
Andere ausgedehnte Objekte, wie zum Beispiel der Nordamerikanebel, oder der Zirrusnebel, scheitern allein schon an der AP, denn beim 70/800 mit 1,25" Okular ist bei 40mm Okularbrennweite die Obergrenze erreicht, entspricht AP 3,5. Ohne einen UHC-Filter wird es da für beide Objekte sehr schwer mit der Erkennbarkeit - man braucht Gebirgshimmel. Wenn man nun den Preis eines UHC mit dem des Teleskopes vergleicht...
Bei 35-facher Vergrößerung gibt es nur wenige Objekte, die man wirklich in der Form beobachten kann, daß Form und Details erkennbar werden. Der so "berühmte" Ringnebel in der Leier ist nicht für seine Helligkeit berühmt, so daß es mit 70mm Öffnung nicht leicht ist, ihn als Ring zu sehen. Es braucht schon einen guten Himmel, damit das geht.
Die großen, offenen Sternhaufen sind für so ein Gerät natürlich wunderbare Beobachtungsobjekte. Darüber hinaus ist die Auswahl stark begrenzt. In unseren Breiten kann man (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) etwa die Liste Orionnebel M42, Hantelnebel M27, Ringnebel M57, Andromedaglaxie M31 und M32 nennen. Bei den hellen Nebel im Bereich Schütze (Lagunennebel, Omeganebel, Trifidnebel,...) ist die Beobachtung von unseren Breiten aus schwierig, da die Objekte sehr tief stehen und mit Dunst und Streulicht zu kämpfen haben.
Andere Messierobjekte sind zwar sichtbar, aber an Detailerkennung ist nicht zu denken. Man kann kaum mehr als das Auffinden abhaken. Da nenne ich Krabbennebel, kleiner Hantelnebel, die Kugelsternhaufen M13, M92, M15, M3, M5, M10, M11, M12... Bei M13 könnte unter optimalem Himmel ein Hauch von Randsternen machbar sein, unter normalen Bedingungen: Runder Nebelfleck. Ähnlich sieht es mit den Zentren der Messier-Galaxien aus, die sich als runde oder ovale Nebelflecken abzeichnen. Auch die Andromedagalaxie müsste man schon darunter nennen, hier ist aber wenigstens der kleine Begleiter M32 als Detail zu werten.
Um mal zum Ende zu kommen: Natürlich sollte man das einmal selbst ausprobiert haben, allein schon um zu erfassen, wie gut der eigene Himmel (vom Beobachtungsort her) ist. Ausserdem ist das Gerät ja da, und es kostet nichts.
Die bisher gegebenen Ratschläge aber erscheinen mir einfach zu todsicher, erzeugen eine unangebrachte Erwartungshaltung. Dem wollte ich einmal anhand von konkreten Objekten einen Dämpfer entgegensetzen. Meiner Meinung nach lassen sich die hier geäusserten Meinungen nur für Beobachtungsorte umsetzen, zu denen man erstmal per Auto hinfahren muß.
Ansonsten sollte man sich auf die offenen Sternhaufen, konkret H&Chi, M45, M11, M34, M35, M36, M37,... konzentrieren, die für das Gerät wirklich schön zu beobachten sind.
Clear Skies
Sven