8*20, 8*30 oder 7*42

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Re: Zeiss Victory FL

Hallo Frank,

ich finde ja nur die Bezeichnung FL so beschissen, weil es sich für Zeiss offensichtlich auch nicht mehr lohnt,
nur einfach gute Ferngläser zu bauen und mit Top-Optik zu beeindrucken - nein, heutzutage muß der Kunde
beschissen werden, indem man ihm vormacht ein "Fluorit-Apo" Fernglas zu haben. Nachdem auch Du mir nicht
sagen kannst, was gegenüber den Victory "bisher" geändert wurde außer dem Preis und der verstärkten
Einbeziehung von Kunststoff wundere ich mich über die "Superachromatenoptimistische" Beurteilung.

Habe mich da mit ersten Urteilen im Laden auch selbst schon ziemlich unhaltbar verstiegen (Minox, Olympus).
Und werde mich diesbezüglich in Zukunft zurückhalten.

Meine Definition von APO stammt übrigens aus "Gottfried Schröder - technische Optik -Kamprath-Verlag" und
lautet ganz einfach "bei 2 Wellenlängen Farbfehler auf 0 korrigiert" im Gegensatz zu den Achromaten, die nur
für eine Wellenlänge korrigiert sind. Insofern ist der Gebrauch von "APO" bei den Astronomen auch eigentlich
nicht logisch begründbar (wieso soll ein 3 Linser ED Objektiv optimaler Konstruktion schlechter sein als ein
2 Linser Fluoritapochromat?)

Aber vielleicht meint Zeiss ja auch mit FL Für Laien? Oder Fluorit Laßmerlieberwegisehschoteuergnug?


Gruß
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
 
Re: Zeiss Victory "FL"

> Nachdem auch Du mir nicht
sagen kannst, was gegenüber den Victory "bisher" geändert wurde außer dem Preis und der verstärkten
Einbeziehung von Kunststoff
Hallo hanz,

na klar kann ich Dir das sagen. Es wurde ein FL ans Victory gehängt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...

Ansonsten ist das Bild etwas klarer, etwas farbreiner und einen Tick schärfer. Ob die zwei "Etwas" und der eine "Tick" den Aufpreis wert und eine deutliche Verbesserung zur alten Serie sind, das muß jeder Interessent mit sich selbst abmachen.

An der Stelle klinke ich mich aus.

Superachromatische Grüße, Frank <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />.
 
Re: Zeiss Conquest

Hallo Frank,

das mit den Reflexen beim Conquest hat mir keine Ruhe gelassen!

Ich habe mir das 12x45 Conquest, das 7x42 Vixen Ultima (mit bekannt guter Reflexfreiheit) und meinen Spechtelstuhl (ein "Karpfenstuhl" für Angler - wirklich genial fürs Fernglas) geschnappt und bin raus aufs Land um jedes Streulicht auszuschließen.

Ich habe das Conquest millimetergenau direkt neben den fast halbvollen Mond gestellt: Außer einer völlig homogenen Aufhellung des Himmelshintergrundes, die zum Mond hin stetig zunimmt, keinerlei -ich wiederhole: keine- Reflexe zu sehen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/tongue.gif" alt="" /> Auch beim Abfahren des Gebietes um den Mond herum aus keinem Blickwinkel heraus irgendein Reflex oder unnatürliche Aufhellung.

Dagegen zeigt das Vixen leicht inhomogene Aufhellungstrukturen, keine Reflexe, aber nicht so naturgetreu, wie die Aufhellung mit bloßem Auge empfunden wird. Vielleicht liegts hier aber an dem etwas unkomfortablen Einblickverhalten, das oft dezentes kidney-beaning zeigt.

Ich habe daraufhin meinen Frieden mit dem Conquest gemacht und bin beruhigt ins Bett <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

carpe noctem
Matthias

 
Achromat und Apochromat

Hallo hanz,

Deine Zeilen mit (unrichtigem) Bezug auf Schröders „Technische Optik”, die in der Ausgabe von 1974 aus dem Vogel-Verlag in Griffweite hinter mir im Fachbücherregal steht, veranlaßt mich zu einer kleinen Berichtigung der Definitionen von „Achromat” und „Apochromat”:

Eine Korrektion auf eine Wellenlänge ist insofern Unsinn, als schon jede einfache Linse diesen Tatbestand erfüllt. Denn man kann für jede gewünschte Wellenlänge, z.B. für 546 nm, einfach die Brennweite des „Objektivs” so definieren, daß dort ein Nulldurchgang liegt.

Ein Achromat liegt daher erst dann vor, wenn es innerhalb des visuellen Bereichs zu zwei Nulldurchgängen kommt (an geeigneten Stellen, die vom Anwendungsbereich abhängen können, im allgemeinen für die Fraunhoferschen Linien F = 486 nm und C = 656 nm), das Objektiv also auf zwei Wellenlängen korrigiert ist.

Ein Apochromat wurde früher gemäß den Anforderungen der inzwischen überholten fotografieren Reprotechnik (jetzt durch Scannertechnologie ersetzt) so definiert, daß er drei Nulldurchgänge bei der für die drei Farbauszüge relevanten Farben aufweist, also für drei Wellenlängen korrigiert ist. Da es aber bei normalen fotografischen Anwendungen (vor allem Tele- und Superteleobjektive) und auch bei Fernrohren und Ferngläsern aber nicht um passergenaue Farbauszüge geht, sondern um ein übers volle visuelle Spektrum möglichst geringes sekundäres Spektrum, hat man inzwischen diese letztgenannte Definition mit drei Wellenlängen aufgegeben und definiert einen Apochromaten eben über das verbleibende sekundäre Spektrum. In der professionellen Fotografie beispielsweise wird ein Objektiv üblicherweise dann als apochromatisch korrigiert bezeichnet, wenn der Farblängsfehler kleiner als 0,2% der Brennweite ist - unabhängig davon, ob es zwei oder drei Nulldurchgänge hat. In anderen Anwendungsbereichen können davon abweichende Kriterien sinnvoller sein, doch wird so gut wie immer anhand des für die praktische Bedeutung viel wichtigeren gesamten sekundären Spektrums entschieden und nicht mehr auf Nulldurchgänge an drei Wellenlängen Bezug genommen. Leider aber ist die überholte 3-Wellenlängen-Definition immer noch in den Köpfen vieler Fotografen und Hobbyastronomen verankert, so wie z.B. auch heute rund drei Jahrzehnte nach der Umstellung viele von „Grad Kelvin” statt nur von „Kelvin” bei der Temperatur und Farbtemperaturskala sprechen. Und darum sind solche Hinweise wie dieser auch immer wieder nötig.

Der Vollständgkeit halber möchte ich auch noch kurz den Halbapochromaten erwähnen, der im Grund ein Achromat mit durch den Einsatz von z.B. Kurzflintgläsern auf mindestens auf die Hälfte reduziertem sekundären Spektrum ist und daher in der Regel auch nur auf zwei Wellenlängen korrigiert ist, aber dazwischen und beiderseits der Nullstellen eben kleinere Abweichungen zeigt.

Schließlich noch ein Wort zu den Victory-FL-Ferngläsern. Auch ich vermute, daß sie wohl gewisse Verbesserungen gegenüber der bisherigen Victory-Serie zeigen, die aber nicht so spektakulär sind, wie die hier in vielen Forumsbeiträgen (vielleicht durch hohe Hysterie-Ansteckungsbereitschaft ausgelöste) erkennbare Euphorie glauben läßt. Auch bisher wurden von den Großen der Fernglasoptik (Leica, Zeiss, möglicherweise auch Swarovski) nach meinem Wissen in einigen Fernglasmodellen fluorhaltige Gläser eingesetzt, ohne daß das werblich an die große Glocke gehängt wurde. Gerade von diesen seriösen Firmen weiß man, daß sie in solchen Dingen eher zurückhaltend sind und sich darin z.B. von Firmen wie Steiner wohltuend abheben, die sich nicht scheuen, sogar Unsinn (Stichwort „Schärfentiefe”) öffentlich zu verbreiten, wenn's nur werblich was bringt. Erst die in den letzten Jahren unter Hobbyastronomen immer beliebteren und vieldiskutierten Apos mit Flouridlinsen haben dieses Merkmal werblich höchst attraktiv gemacht. Interessanterweise konnte ich auf der Zeiss-Website bei den Victory-FL-Ferngläsern immer nur die Abkürzung „FL” und nirgendwo „Fluoridlinsen” oder „Fluoridglas” lesen. Vielmehr ist im Text nur von „Sondergläsern mit anomaler Teildispersion” die Rede. Lediglich bei einigen Händlern (z.B. Ehlert & Partner) taucht explizit der Begriff „Fluoridgläser” auf, ob mit oder ohne Kenntnis von Zeiss, weiß ich natürlich nicht.

Ich werde also durchaus mit positiver Erwartung dem ersten eigenen Test eines Victory FL entgegensehen, aber ich glaube nicht, daß damit eine „neue Ära im Fernglasbau” eingeläutet wird. Und was die Okulare als Dein Lieblingsthema betrifft, so erkenne ich in einem Fernglas-Schnittbild in einem Katalog der letzten Photokina 2002, das übrigens etwas beschnitten auch auf der Zeiss-Website zu sehen ist, den grundsätzlich gleichen optischen Aufbau aus fünf Linsen in drei Gruppen. Nur daß das erste Linsenpaar dort im Schnittbild dünner ist als auf dem neuen Victory-FL-Schnittbild. Das aber dürfte nur darauf zurückzuführen sein, daß es sich um andere Bernnweiten handelt, denn das Bild im Katalog und Internet bezieht sich auf ein 8x56 und das neue auf ein ?x40.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Achromat und Apochromat

Hallo Walther,

danke für die Korrektur - natürlich meinte ich 2 ZUSÄTZLICHE Wellenlängen beim Apochromat. Mein "Schröder" ist
zwar 3te Auflage von 1980 aber sonst ist wohl alles noch gleich. Und aus der Sicht des Chemikers muß ich noch
beisteuern, daß zwischen "fluoridhaltigen Gläsern" und Fluorit (=Flußspat, CalciumfluoridEINKRISTALLE, kein Glas)
ein himmelweiter Unterschied besteht. Nochmal den Schröder zitiert: mit 2 Linsen lassen sich Apochromaten nur
mit Flußspatoptik verwirklichen, mit 3 Linsen (bei den Astronomen als "ED-APO" bekannt) auch mit speziellen Gläsern.
Vermutlich will sich Zeiss aus den derzeit wirklich schwammigen APO-Definitionen heraushalten, aber trotzdem
von der "Legende" Fluorit-APO" über die Buchstaben FL profitieren (bringt ja auch eine Erklärung der wieder mal
wesentlich höheren Preise - Fluorit-APOs kosten selbst aus China für ein Rohr fast soviel wie das FL Fernglas)

Insgesamt bin ich Dir sehr dankbar für Deine objektive Ergänzung meines doch gestern recht subjektiv gefärbten
Beitrags - Fazit natürlich daß der "Superachromat" (ich nehme an, daß Zeiss sich den Begriff patentieren hat lassen)
durch 3 Linsen mit z.T. ED Gläsern den legendenumwobenen Fluorit (nicht Fluoridglas) Apochromaten vom Prinzip
her nicht unbedingt unterlegen sein muß. Und Triplettobjektive hat heute sogar das TS China 20x80 für billiges
Geld! (und genau den Vergleich will Zeiss wohl bei dem Preis nicht haben!)

Allerdings gilt das alles auch schon für die bisherigen Zeiss Victory Gläser, so daß die FL in dieser Hinsicht
zwar wohl eine Weiterentwicklung (s.Test Frank Schäfer) aber keine grundsätzliche Änderung der Optik
darstellen. Meine Aussage "Werbegag" halte ich daher nach wie vor für gerechtfertigt, der wesentliche
konstruktive Unterschied der Victory gegen die neuen Victory FL ist also wohl die verstärkte Verwendung
von hochwertigem Verbundkunststoffmaterial bei den FL (üblicherweise als "Plastik" bezeichnet).
Und dafür wird der Preis ganz saftig erhöht (zweiter Hauptunterschied). Daß die Garantien dann auch
nicht mehr so ganz Zeiss-mäßig sein sollen ist dagegen wohl noch ein Gerücht?

Gruß
 
Re: Zeiss Conquest

Hallo Matthias,

wie es scheint, ist das Conquest 12x45 wohl das beste aus der ganzen Serie. Schau mal ins Forum vom Werner Juelich (hier), da gibt es einen aktuellen Bericht von Wolfgang Henseler. Das 8x30 ist wohl am empfindlichsten, was Reflexe betrifft. Dann werde ich doch bei naechster Gelegenheit nochmal zum Fotohaendler gehen und mir das 12x45 etwas genauer anschauen. Mal sehen, vielleicht juckt es mich dann <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Zum Begriff „Superachromat”

Hallo hanz,

Deinen Hinweis auf den Unterschied zwischen Fluorit (Flußspat) und Fluoridglas kann ich nur unterstreichen. Ich wollte in meinem vorherigen Beitrag auch schon daran erinnern, habe es dann aber unterlassen, weil ich nicht soviel Zeit hatte und mein Beitrag ohnehin länger als geplant wurde. Mich ärgert immer wieder, daß selbst Leute, die man für kompetent halten sollte (z.B. Astrohändler und Gerätehersteller in ihrer Werbung) den Unterschied zwischen „t” und „d” im Wort Fluorit bzw. Fluorid entweder aus Schlampigkeit ignorieren oder (was noch schlimmer, aber wahrscheinlicher ist) gar nicht kennen. Ich hatte vor nicht sehr langer Zeit einen ähnlichen Fall, als ich für einen weltweit bedeutenden Hersteller von Fotochemikalien in einer Broschüre über Filmverarbeitung von „Sulfid” schrieb, der zuständige Marketingmann der Firma mir das in „Sulfit” korrigierte, und er dann, als ich auf meiner Schreibung bestand und sie begründete, nur sagte, daß er gar nicht gewußt hatte, daß es sowohl Sulfid als auch Sulfit gibt und was der Unterschied ist. Aber kann man das heutzutage noch erwarten, da doch täglich millionenfach gegen alle Rechtschreibregeln verstoßen wird und auch hier im Forum die Mehrzahl der Teilnehmer erhebliche Schwierigkeiten damit hat? Wo liegt denn der Unterschied zwischen der Gleichsetzung einerseits von „das” und „daß” (bzw. „dass” nach neuer Schlechtschreibung) und andererseits von „Fluorit” und „Fluorid”? Allgemeine Ansicht: „Ist doch eh' wursch, Hauptsache, man weiß, was gemeint ist” – aber genau das ist dann eben nicht erfüllt, denn richtiger wäre zu sagen, „man weiß eh' nicht, was gemeint ist”. Armes Deutschland - ehemals Land der Dicher und Denker, dann vorübergehend der Richter und Henker, heute Land der Schreib- und Leseschwachen. Da habe ich doch neulich so treffend Formuliertes gelesen: „Der Pisastudie sein Ergebnis war voll schlecht”. Ja, leider.

Aber wieder zur Sache. Die Bezeichnung „Superachromat” läßt sich bestimmt nicht patentieren, sondern höchstens als Warenzeichen oder Gebrauchsmuster schützen. Das dürfte jedoch kaum geschehen sein. Ob Zeiss (oder ein Zeiss-Mitarbeiter) Urheber dieses Begriffs ist, weiß ich nicht. Erst gestern las ich in der neuesten (Juli-)Ausgabe von Sky & Telescope in einem Leserbrief auf Seite 12, daß angeblich der Optikkonstrukteur James G. Baker im Jahre 1963 den Begriff „Superachromat” geprägt habe.

Auf der Zeiss-Website wird in einem Optik-ABC zum „Superachromat” unter dem Stichwort „Objektiv” (man muß also unter O und nicht unter S wie Superachromat suchen) folgendes gesagt:

(Zitat) „Der Superachromat hat sehr gute Farbkorrektur, da hier das sekundäre Spektrum nur etwa halb so groß wie das des Achromaten ist. Objektive vom Typ "Superachromat" werden zum Teil auch als "Fluorit-Objektiv", "ED", "HD" oder "EDX" bezeichnet.” (Zitat-Ende, man beachte auch die typografisch falschen Anführungszeichen und die falsche Deklination „des Achromaten” im Zitat)

Nun hat aber bereits der längst verstorbene Dr. Naumann (ein bedeutender Optikkontrukteur von Rodenstock und Verfasser des sehr empfehlenswerten, aber kaum noch erhältlichen Werks „Optik für Konstrukteure”) vor gut 30 bis 40 Jahren schon den Halbapochromat*) auf gleiche Weise über ein halb so großes sekundäres Spektrum definiert. Demnach wäre der Superachromat = Halbachromat qualitativ zwischen Achromat und Apochromat einzuordnen, während Zeiss den Superachromat*) oberhalb des Apochromats*) einstuft. Die Verwirrung ist also mangels (nicht: „dank“, wie heutzutage die Schlechtschreiber unter den Zeitungsredakteuren schreiben) verbindlicher Defnitionen groß. Und das wird in der Werbung leider immer wieder für vollmundige Versprechen ausgenützt.

*) Bei dieser Gelegenheit die richtige Deklination im Singular (nicht für Dich, hanz, Du hast das nicht falsch gemacht):

1. Fall: der Achromat, der Apochromat
2. Fall: des Achromats, des Apochromats
3. Fall: dem Achromat, dem Apochromat
4. Fall: den Achromat, den Apochromat

Man liest leider immer wieder „des/dem/den Achromaten/Apochromaten”, was ebenso falsch ist wie die z.B. in Funk und Fernsehen immer wieder zu hörende falsche Deklination „des/dem/den Autoren” statt richtig „des Autors, dem Autor, den Autor”. Pisa läßt erneut grüßen.

Nachdem ich mir nun mit diesen Bemerkungen sicher einige Feinde gemacht habe, ziehe ich mich jetzt für ein paar Tage schweigend zurück - um nachzudenken, ob ich dann mal den Vorschlag einer neuen Rubrik „Rechtschreibung” im Astronomie.de-Forum machen soll, damit solche Anmerkungen nicht als „nicht sachbezogen” (für unsere denglischen Forumsteilnehmer: „off topics”) kritisiert werden können.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Zeiss Conquest

Hallo Frank,

für diesen link bekommst Du von mir den Ehrenpokal!!!

Ich konnte mich garnicht von der Lektüre losreißen, aber die Arbeit ruft <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Die dort geführte Diskussion hat mir wieder eines gezeigt:

Ferngläser unterscheiden sich IMHO in nichts von anderen Luxus-Konsumgütern. Erzähle doch mal einem Rennradfreak, daß sein Carbonteil für 5.000,-EUR ihn auch nicht schneller macht als ein Versandhausrad für 1/5 des Preises, oder einem Hifi-Freak, daß sein Burmester Vorverstärker teurer ist als die komplette Japananlage, die fast genauso klingt.

In den Foren hier findest Du massenhaft Beispiele für solche (teils sehr emotional) geführten Diskussionen - ich denke da nur an den Synta ED "Volksapo".

Das letzte Quentchen Qualitätssteigerung kostet eben richtig Geld. Und wer das Geld dafür mal ausgegeben hat, wird immer versuchen, preiswertere Produkte runterzuputzen.

Ich jedenfalls hatte erst vor kurzem ein 10x42 Trinovid zum Testen für mehrere Tage zu Hause und habe abgesehen vom Sehfeld und dem Gewicht keinen Unterschied zu meinem Conquest feststellen können. Vielleicht bin ich ja zu genügsam oder habe krumme Augen, aber ich bin mit meinem Conquest 12x45 absolut zufrieden und sehe es auf einem Niveau mit den High-end-Gläsern!

carpe noctem
Matthias
 
Re: Zeiss Conquest

Hallo Matthias,

mit dem Pokal kann ich nichts anfangen. Gib ihn dem Werner, er hat ein interessantes Forum mit kompetenten Leuten und interessanten Themen. Da geht es zwar weniger um Astroglaeser, aber mitlesen lohnt sich trotzdem.

> aber ich bin mit meinem Conquest 12x45 absolut zufrieden

und nur darum geht es doch. Ich bin mit dem 8x30 auch zufrieden. Kennt und akzeptiert man die Grenzen, dann ist das ein nettes kleines Fernglas. Bei passender Gelegenheit werde ich mir das 12x45 trotzdem mal anschauen. Nur aus Neugierde ...

Frank.
 
Re: Zum Begriff „Superachromat”

HalloWalter,

anbei noch eine kleine Ergänzung zum Thema Apochromat:
http://www2.pmf.fh-goettingen.de/~awolf2/Videopraktikum/Photo-Workshop/ws02n.htm
(dürfte eine ganz gut vertretbare Definition sein).

zum Thema "Superachromat" habe ich noch folgendes gefunden (Schröder, technische Fotografie):

als Superachromat wurde von Zeiss das Sonnar 250mmm f5,6 für die Hasselblad/Rollei66 bezeichnet, die Definition
dort lautet:
von 400 bis 1000nm korrigiert, also bis weit ins IR verwendbar ohne Fokusänderung. Denke aber, daß diese
Definition nicht für die Ferngläser relevant ist. Das Sonnar hatte Triplett als Frontlinse und 3 weitere Linsen
im Strahlengang (die letzte die übliche Negativlinse, kann man also wohl als "Apo-Barlow" sehen).

Gruß
 
Definition von „Apochromat”

(Zitat.) „anbei noch eine kleine Ergänzung zum Thema Apochromat:
http://www2.pmf.fh-goettingen.de/~awolf2/Videopraktikum/Photo-Workshop/ws02n.htm
(dürfte eine ganz gut vertretbare Definition sein).” (Zitat-Ende)

Hallo hanz,

unter dem von Dir angegebenen Link habe ich zwar einige Aussagen, aber keine Definition zum „Apochromat” gefunden. Und was ich da unter dieser Überschrift (also rechts vom ersten Bild und unter diesem) las, ist nicht nur etwas schwammig, sondern teils sogar falsch. Wenn jemand schon „Abberation” (mit zwei b, aber nur einem r) schreibt, als wäre der Begriff von Ernst Abbe abgeleitet, so ist er mir schon suspekt, denn er kann wohl nicht vom Fach sein. Aberration kommt von „aberrare” aus dem Lateinischen (wie Du sicher weißt, aber leider nicht jeder hier im Forum): „ab” bedeutet „von etwas weg” und „errare” bedeutet „irren” (siehe „errare humanum est” = „Irren ist menschlich”), also „aberrare” = „sich verirren” oder „abweichen”, womit in unserem Falle das Abweichen der verschiedenen Farben vom Soll-Bildpunkt gemeint ist.

Ein zweiter Lapsus ist dem Autor mit „anormaler Dispersion” unterlaufen, die korrekt „anomale Dispersion” heißen muß, also „anomal” ohne r. Offenbar gilt nicht erst seit Pisa, aber heute mehr denn je „deutsche Sprache, schwere Sprache”. Aber es geht nicht nur um sprachliche Unzulänglichkeiten.

Der Autor bezieht sich auf eine Korrektion für drei Farben, jedoch ohne daß er dies als richtige „Definition” formuliert (Zitat: „… empfiehlt sich die Korrektur aller drei Hauptfarben …”). Daß dies, wie er weiter schreibt, „nur durch den Einsatz spezieller Gläser …” erreicht werden könne, ist insofern auch nicht richtig, als man statt spezieller Gläser z.B. auch Calciumfluorid (CaF2) nehmen kann, also kein Glas, sondern ein Kristall.

Weiterhin ist falsch, daß anomale Dispersion bedeutet, daß der Brechungsindex für Blau größer ist als der für Rot. Er schreibt: „Das heißt, diese Spezialgläser brechen blaues Licht stärker als rotes!”. Richtig ist vielmehr: Alle (farblosen) Gläser brechen blaues Licht stärker als rotes. Es sieht so aus, als meinte der Autor irrtürmlich, normale Gläser brächen roses Licht stärker als blaues, und bei den Spezialgläsern mit anomaler Dispersion sei es gerade umgekehrt. Anomale Dispersion bedeutet vielmehr nur, daß der Verlauf des Brechungsindex über die Wellenlängen von der leicht durchhängenden Standardkurve (± enger Toleranzzone) abweicht, nicht aber, daß die Kurve mit wachsender Wellen ansteigt statt abzufallen.

Weiterhin schreibt der Autor sozusagen als Krönung seines Inkompetenznachweises „Objektive mit einer Korrektur aller sichtbaren Wellenlänge heißen Apochromaten (APO), sie sind apochromatisch korrigiert und enthalten eine oder mehrere Linsen aus solchen Spezialgläsern” (fette Hervorhebungen stammen vom Autor, nicht von mir). Au weia, das hört sich schlimm an.
1. Die Mehrzahl von Achromat heißt im Nominativ „Achromate” und nicht „Achromaten” (aber das Thema hatte ich je erst kürzlich hier im Forum).
2. Es ist interessant zu erfahren, daß Apochromate (nicht: Apochromaten) apochromatisch korrigiert sind.
3. Neu ist mir, daß es Objektive gibt, die für alle Wellenlängen des sichtbaren Lichts korrigiert sind. Bislang erschienen mir schon solche, die für nur drei Wellenlängen korrigiert sind, als Meisterleistung. Wer ist eigentlich das Genie, dem diese grandiose Leistung gelungen ist? Man sollte ihm ein Denkmal setzen.

Schließlich sagt der Autor auch noch, daß Objektive mit der Bezeichnung Apo oder AD „für höchste erreichbare Bildqualität” stehen. Auch das ist falsch. Zwar wird das in der Regel vom Käufer oder Anwender erwartet, aber das braucht nicht so zu sein. Denn hohe Bildqualität wird nicht allein durch minimierte chromatische Aberration erzielt, sondern liegt erst dann vor, wenn auch andere Bildfehler wie sphärische Aberration, Koma, Astigmatismus, Bildfeldwölbung, Verzeichnung, Vignettierung usw. so klein sind, daß sie nicht mehr störend wahrgenommen werden. Manche Apos erfüllen diese Forderung. Aber je nach Anwendungsfalls kann es durchaus auch apochromatisch korrigierte Objektive mit z.B. sehr starker Verzeichnung oder Bildfeldwölbung oder mit anderen starken Abbildungsfehlern geben. „Apo” garantiert also nicht generell hohe Abbildungsqualität, sondern zunächst nur bezüglich der Farbsaumfreiheit!

Nun habe ich Deine vermeintlich „ganz gut vertretbare Definition” ziemlich niedergemacht. Aber das mußte sein, damit die sehr fehlerhaften Aussagen nicht von den Lesern Deines Links künftig als Definition mißbraucht werden.

Ich empfehle ersatzweise zwar nicht als im streng wissenschaftlichen Sinne verbindliche Definition, aber doch als ziemlich gut brauchbare Umschreibung der Eigenschaften eines Apochromats (nochmals, damit es besser haften bleibt, nicht „eines Apochromaten”) folgendes:

In der fotografischen Reprotechnik war früher ein Apochromat als ein für drei Wellenlängen im Visuellen (auf die Schwerpunktfarben der drei Farbauszugsfilter) auskorrigiertes Objektiv definiert. Damit war auch das verbleibende (unkorrigierte) sekundäre Spektrum, also die Abweichungen bei anderen als den drei Korrektur-Wellenlängen, deutlich kleiner als bei einem Achromat. Diese Definition war sehr lange auch in anderen Bereichen der Optik, z.B. bei Mikroskopobjektiven, üblich.

Neuere Glassorten mit anomaler Dispersion und Fluorid (Calciumfluorid CaF2) ermöglichen auch bei Korrektion auf nur zwei Wellenlängen eine deutlich bessere Minimierung des sekundären Spektrums als bei Achromaten. Da es außerhalb der Reprotechnik (Herstellung von Farbauszügen für den Vierfarbdruck, der eigentlich ein Dreifarbdruck plus Schwarzdruck ist) nicht nur auf drei bestimmte Wellenlängen ankommt, sondern auch darauf, was dazwischen passiert, kann bei geschickter Abstimmung mit geeigneter anomaler Dispersion eventuell eine Korrektion auf zwei Wellenlängen sogar zu einem im Mittel bzw. in der Summe geringeren sekundären Spektrum führen als manche Korrektion auf drei Wellenlängen. Das ist er Grund, weshalb man heute von der früheren Definition abgekommen ist und sich nurmehr am Ausmaß des sekundären Spektrums orientiert, je nach Hersteller aber leider in unterschiedlicher Strenge. So wird sehr oft schon dann von „Apo” gesprochen, wenn das sekundäre Spektrum halb so groß wie bei einem vergleichbaren Achromat ist (und andere Abbildungsfehler evtl. sogar nur mäßig gut behoben sind); andere Hersteller nennen das aber noch einen „Halbapo” und lassen für einen echten Apo nur noch kleinere Abweichungen zu. Eine Norm wäre wünschenswert, hätte aber wohl vor mindestens 15 Jahren festgelegt werden müssen, bevor die alten Schott-Patente ausliefen und danach eine Apo-Schwemme bei Fotoobjektiven einsetzte und die Apo-Maßstäbe sehr verflacht wurden. Ob man heute noch strengere Vorschriften zur Benutzung des Begriffs „Apochromat” einführen kann, wage ich zu bezweifeln. Das wäre wohl genauso zum Scheitern verurteilt wie der Versuch der Wiedereinführung einer guten Kindererziehung.

MfG Walter E. Schön
 
Re: Definition von „Apochromat”

Hallo Walter,

es sind leider wirklich viele Fehler drin. Was mir gefallen hat, war:

"Leider gibt es keine Norm zur Definition von 'Apochromaten', so daß der Korrekturgrad de APO-Objektive von
Hersteller zu Hersteller unterschiedlich ausfallen kann. In Einzelfällen weisen Nicht-Apochromaten namhafter
Hersteller einen besseren chromatischen Korrekturgrad auf als 'APO-Objektive' anderer Herkunft."

Das hast Du ja auch mit anderen Worten gerade gesagt. Und auf dem Bild sind die blauen Strahlen stärker
gebrochen als die roten, trotz des Fehlers im Text. Wenn alles richtig wäre, wäre es natürlich noch schöner.

Danke nochmal für die Hilfe bei der Orientierung. Ist sicher auch interessant für viele "APO-Refraktor-Fans" .

Gruß

PS: auch ich finde eine richtige Rechtschreibung gut, schaffe es aber am Computer selbst oft nicht und finde daher,
Du solltest da nicht zu "päpstlich" sein. Und der Unterschied zwischen Fluorit (=dem Mineral Calciumfluorid CaF2,
auch Flußspat genannt) und Fluorid ist, daß ein Fluorid einfach ein Salz der Flußsäure HF ist - egal von welchem
Alkali- Erdalkali- oder sonstigen Metall. Ist also nicht ganz so wie bei Sulfid (Schwefelverbindung, die sich vom
H2S ableitet) und einem Sulfit (Salz der schwefligen Säure H2SO3). Ist zwar verwirrend, aber halt Definition.
 
Apochromat und Spiegel

Hallo Walter,

das Problem wirst Du nicht lösen können. Es gibt mittlerweile soviele Optiken vom Typ "Apochromat", daß kein Mensch mehr durchblickt. Ohne Quantifizierung der Lage der Nullstellen und des verbleibenden Farbfehlers dazwischen sowie einer hieraus abgeleiteten Definition wird man nicht zu Stuhle kommen. Mit dem alten Begriff der Apochromasie kann man wahrscheinlich Objektive mit recht unterschiedlichem Restfarbfehler bauen. Ist halt eine Frage, wie die Kurve des verbleibenden Farbfehlers in Abhängigkeit von der Wellenlänge verläuft und wieweit sie sich auf dem Weg von blau nach rot von Null entfernt. Und solange das so ist, wird es "APO's" von Astrophysics, Tele Vue, Meade, Synta und vielen anderen geben (wobei die Reihenfolge der Auflistung keine Wertung sein soll).

Das ganze erinnert mich stark an vergangene Diskussionen zum Reflexionsvermögen von Spiegelbeschichtungen. Manche Händler werben mit 92%, 95% oder mit 98%. Dem lieben Kunden sagt man leider nicht immer, ob das ein Minimalwert über den gesamten visuellen Teil des Spektrums oder ein Maximalwert aus diesem Bereich ist <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />.

Übrigens gibt es aus der Mikroskopie schöne Beispiele für apochromatisch korrigierte Objektive mit diversen Bildfehlern anderer Natur. Beim auf Ernst Abbe zurückgehenden Apochromat war der Farblängsfehler wie gewünscht auf ein nicht mehr störendes Maß reduziert. Leider hatten Objektive diesen Typs neben einer starken Bildfeldwölbung auch eine chromatische Vergrößerungsdifferenz. Erst in Kombination mit den passenden Okularen hatte man ein System von entsprechender Güte. Beim Teleskop ist es nicht viel anders. Die Güte der Abbildung kann ich nicht allein am verbleibenden Farbfehler festmachen. Das sagt mir, mit einem "APO" bin ich nicht automatisch auf der sicheren Seite.

Frank.
 
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