Hallo Hans,
ich melde mich nun auch mal zu Wort, als Benutzer von Dobsons (10"f/5 und 16" f/4,5) wie auch eines SCT (8" f/10).
Das SCT steht bei mir fest in einer Sternwarte. Das hat den Vorteil, daß es den Temperaturen im Laufe des Tages 'folgt', aber trotzdem des Abends zur Beobachtung gut 1/2 Stunde Vorlauf mit Lüftern braucht, bis es so einigermaßen startklar ist. Als f/10 ist es von seiner Auslegung her eigentlich eher ein Hochvergrößerer, dafür muss es jedoch gut ausgekühlt sein, sonst verwischt das Bild durch das Tubusseeing, also die termischen Luftschlieren innerhalb des Gerätes.
Obgleich ein Hochvergrößerer, leidet der Kontrast der Abbildung durch die hohe Obstruktion, die Abschattung durch den Fangspiegel im SCT. In Summe sind die Vorteile eines solchen Systems folgendermaßen zu sehen:
Kompakte Bauweise -> hohe Mobilität, niedrigere Anforderungen an die Montierung (im Vergleich zu einem Gerät gleicher Brennweite und anderer Bauweise)
Gute Feldkorrektur
Fotografieren mit dem SCT:
In der Nexstar-Version, als Einarmkonstruktion, azimutal betrieben bietet das Gerät zum Zenit gerichtet kaum Platz eine Kamera anzubringen, sie wird am unteren Gehäuse der Montierung anschlagen. Durch die Himmelsbewegung entsteht im Bildfeld eine Drehung, die visuell keine Rolle spielt, fotografisch aber in recht kurze Belichtungszeiten zwingt, was aber der 'Blende' f/10 entgegen steht -> es bleiben nur recht helle Objekte übrig, die man damit fotografieren kann.
Man kann und würde hier dann auf eine Polhöhenwiege ausweichen, das ganze Gerät also entsprechend des geografischen Standortes schräg stellen. Dies hebt die Bildfelddrehung auf und schafft so auch den nötigen Platz für die Kamera im Zenit. Jedoch weiterhin aufpassen, daß die Kamera beim durchschwenken nicht anstößt.
SCT Mobil:
Es bedarf schon einiger, aber insgesamt doch händelbarer Ausrüstung, um ein SCT mobil zu betreiben. Beim Nexstar kommt also noch ein Stativ dazu und eine geeignete Spannungsquelle (am Besten NICHT vom KFZ-Bordnetz). Will man hier noch ein paar Planeten fotografieren kommt wahrscheinlich noch ein Notebook dazu, Tisch, Stuhl...
Beim Newton/Dobson gibt es viele dieser Probleme nicht. Der Newton ist ein offen konstruiertes System, d.h. es kühlt relativ schnell aus. Auch hier werden nochmals Lüfter verbaut, die das Tubusseeing in Zaum halten sollen. Meine Dobsons haben so etwas nicht, da sie in der Garage bei annähernd Außentemperatur gelagert werden.
Der Dobson ist ein absolut auf visuelle Beobachtung hin optimiertes System. In der Grundausstattung gibt es keine Nachführung, kein automatisches Findesystem. In recht häufiger Regel stattet man seinen Dobson mit einem Peilgerät wie z.B. dem Telrad oder Rigelquickfinder aus und schafft sich entsprechende Karten an. Das Aufsuchen erfolgt dann über das sogenannte Starhopping, man hangelt sich von Stern zu Stern, über gedachte Linien, geometrische Figuren zum Zielgebiet hin. Das Suchen und Finden gehört bei den Dobsonbenutzern mit zum Hobby und 'Sport'.
Durch die fehlende Nachführung und der azimutalen Montierung kann mit einem Dobson nur begrenzt fotografiert werden, Aufnahmen von Mond, Sonne mit geeigneten Filtern oder hellen Planeten sind aber möglich. Möchte man später die Fotooption ausbauen kauft man sich entweder eine parallaktische Montierung dazu, die das Teleskop trägt oder man schaut sich nach einer Äquatorialplattform um, auf die der ganze Dobson so wie er ist draufgestellt wird und so Belichtungszeiten von mehreren 10sec ermöglicht. Das Newton-System aber ansich ist hier der größere Faktor. Ein einem Newton muss schon bei der Konstruktion festgelegt werden, ob er vusuell oder fotografisch genutzt werden soll. Dabei geht es dann um Fokuslage und Fangspiegelgröße. Nicht selten 'klagen' Einsteiger darüber, wenn sie ihre DSLR an den Dobson anschließen, daß sie nicht in den Fokus kommen, der Chip der Kamera, der doch im Vergleich zum Okularfokus sehr weit aussen liegt, erreicht die Brennebene des Teleskops nicht.
Ob Goto nun nötig ist oder nicht wäre hier eine weitere und als Glaubensfrage hitzige Diskussion und letztlich von keinem anderen als Dir selbst zu beantworten. Für den effizienten Fortschritt des Nachts bei der Fotografie ist es ein nützliches Hilfshimmel, da so keine wertvolle wolkenlose Nachtzeit mit Suchen vergeudet wird. Dafür erwächst dem Nutzer aber auch kein Wissen darüber, wo sich was am Himmel befindet. In einer Sternwarte, stationär montiertes Teleskop und einmalig genauestens ausgerichtet gehört ein Goto-System schon zum State-of-the-Art. Im Mobilen Einsatz muss man einfach wissen, ob man diesen Ausrichtevorgang jedesmal machen möchte. Ich für mich würde ein System bevorzugen, daß auch Quick&Dirty ohne Ausrichtung und nach Versagen der Batterie noch nutzbar wäre, befände ich mich in der Situation, daß ich am späten Nachmittag begonnen hatte, das Auto zu packen, Recherchen über lohnenswerte Objekte zu treiben, mir passende Kleidung anzulegen und einige bis viele km zurückgelegt hätte um zu beobachten.
Aus diesen Gründen würde ich mich insgesamt nicht für das Nexstar 8i entscheiden, sondern ein SCT lieber auf einer parallaktischen Montierung wählen. Will ich auch einmal spontan 2-3h Beobachtungszeit nutzen würde ich (und tue ich auch) den Dobson nehmen.