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9. Woche - Der Sternhaufen IC 1805 in der HII-Region Sh2-190

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Mit dem heutigen AdW zeigen wir ein beliebtes Standardobjekt: Die HII-Region Sh2-190. Sie wird ihrer Form wegen auch als „Herznebel“ bezeichnet und liegt in der Cassiopeia. Bildautor Frank Röttcher erstellte die Aufnahmeserie im Zeitraum 04.-08.11.2020 im Taunus am Ort Hofheim-Wildsachsen. Verwendet wurde ein ONTC 8-Zoll-Newton 203 mm / 1000 mm, dazu eine Moravian Instruments G2-8300 Mono. Die Belichtungszeiten für diese Darstellung in der Hubble-Palette: 30 x 10 min mit Hα-Filter, 14 x 20 min für die [OIII]-Filterungen und 12 x 20 min für die [SII]-Filterungen, das macht insgesamt 13 h 40 min. Die Schmalbandfilter mit 6 nm Halbwertbreite stammen von Astronomik. Das Bild zeigt Norden links und Osten unten. Bildfeldgröße: 56,3' x 43,0'.

Manchmal wird Sh2-190 fälschlicherweise als IC 1805 bezeichnet. Das ist jedoch der Name des Sternhaufens im Zentrum des Emissionsnebels. Als der IC-Katalog entstand, war der rotleuchtende Nebel noch unbekannt, denn damals gab es noch keine rotempfindliche Filmemulsion. Allerdings war Sharpless auch nicht der Entdecker des Nebels. Vor ihm waren es der schwedische Astronom Cederblad und die Russen Gase und Shajn, die auf den umgebenden Nebel aufmerksam machten (Ced 7 = [GS55] 16). IC 1805 wird in den Katalogen auch als Melotte 15 geführt.

Der Sternhaufen ist mit 1 bis 2 Millionen Jahren recht jung. Er beherbergt zwei heiße, massereiche Sterne. Das ist einmal HD 15558 bei den Pixelkoordinaten (1437/476), dann noch BD+60°501 bei (1380/435). Der erstgenannte Stern hat 7,87 mag und ist ein Riesenstern vom Spektraltyp O4.5. Der zweite ist ein 9,56 mag heller Hauptreihenstern vom Spektzraltyp O7. Diese beiden Sterne bilden sozusagen das „Energiezentrum“, das die Anregung und das Leuchten von Sh2-190 bewirkt. Eine Bestätigung dafür ist auf dem AdW sofort erkennbar: Alle ionisierten, leuchtenden Ränder der sich auflösenden Molekülwolke („bright rims“) zeigen mit ihrer hellsten Seite auf IC 1805.

Anmerkungen: Das Bild ist, wie schon erwwähnt, eine Darstellung nach der Hubble-Palette. Das besagt: Die [SII]-Serie wird dem Rotkanal zugeordnet, die Hα-Serie dem Grünkanal und die [OIII]-Serie dem Blaukanal. Da alle anderen Wellenlängen des sichtbaren Spektralbereiches fehlen, ist das Bild ein „Falschfarbenbild“. An dieser Stelle soll noch einmal betont werden: Die HII-Regionen haben ihre stärksten Emissionen üblicherweise bei Hα und [OIII]. Die [SII]-Linie ist im Schnitt viel lichtschwächer. Dennoch wird sie für den Rotkanal verwendet, weil mit ihrer Hilfe plus dem Grün von Hα der goldfarbene Ton sämtlicher Molekülreste erzeugt werden kann (Goldgelb sozusagen als Mischfarbe aus Rot und Grün). Blaue Farbbereiche zeigen an, wo [OIII] am stärksten ist, grünliche Bereiche zeigen hingegen, wo Hα dominiert.

Zunächst reichte Frank Röttcher ein Bild mit stärkerer Grüntönung ein, danach legte er eine zweite Version vor, die deutlich grünreduziert war. Ich habe diese „entgrünte“ Bildvariante aber nicht fürs AdW verwendet, sondern die vorliegende grünere Bildversion. Der Grund sollte jedem klar sein: Wir wollen doch nicht unter den Tisch kehren, wo das Hα-Leuchten am stärksten ausfällt! Dazu noch einmal als kleine Erinnerung: Die Darstellung nach der Hubble-Palette wurde nicht erfunden, weil sie so schön ausschaut, sondern weil sie die Verteilung der drei chemischen Elemente im Nebel ideal wiedergibt.

Das AdW zeigt hier (nach der Bildbearbeitung) einen FWHM-Wert von ca. 2,5 Bogensekunden. Das ist recht ordentlich für eine Langzeitbelichtung mit 203 mm Öffnung. Wir bedanken uns für dieses gelungene Bild und gratulieren Frank Röttcher vielmals zum Astrofoto der Woche!

Peter Riepe
Bildautor: Frank Röttcher

Koordinaten von HD 15558 in IC 1805 (J2000.0):
RA = 02 h 32 min 43 s, DE = +61° 27' 22''
 
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