Abgesunkene Kante will nicht verschwinden!

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Karbobasti

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Hallo liebe Leute,

ich versuche mich derzeit an meinem allerersten Spiegel, einem 8 Zoll f/5. Das Spiegelschleifen hat soweit gut geklappt, der Spiegel ist sphärisch und auspoliert. Jedoch hat er eine abgesunkene Kante (turned down edge), die ich trotz intensiver Bemühungen nicht wegbekomme. Bevor ich ihn parabolisiere, möchte ich dieses Problem unbedingt in den Griff bekommen.

Ronchigramm:
Intrafokal habe ich in einem schmalen Randbereich Häkchen nach innen, extrafokal sind es Häkchen nach außen. Ansonsten sind die Balken gerade. Ich habe leider keine Möglichkeit, das Ronchigramm zu fotografieren, aber es sieht exakt so aus: Ronchigramm im ATM-Wiki

Bisherige Rettungsversuche:
Die Daumenmethode nach Stathis ausprobiert. Dabei darauf geachtet, nicht mit dem Daumen über die Kante zu pflügen. Direkt danach zeigte das Ronchigramm die umgekehrte Situation (d.h. eine turned up edge). Jedoch kehrt die turned down edge bald zurück, noch bevor ich den durch die Daumenmethode entstandenen Graben wegpolieren kann.
Die Methode habe ich ca. 5x wiederholt, mit demselben Ergebnis. Weniger Druck beim Polieren verzögert das Wiederkommen der TDE, aber selbst bei absolut drucklosem Polieren (=nur Eigengewicht des Granittools, angefasst mit den Fingern an den Seiten) kommt sie wieder. Schnelle Striche machen die Oberfläche im Foucault-Test rauer, ansonsten ändert sich auch dadurch nichts. Längere Striche scheinen das Auftreten zu beschleunigen, aber auch bei 1/6 Strichen kommt sie wieder.

Mein Vorgehen beim Polieren (beim letzten Versuch):
  • Mit einer Aluschiene wurden Kanäle in das warme Pech des Granit-Volltools eingedrückt.
  • Über den Rand stehendes Pech wurde unter Wasser mit einem Cuttermesser entfernt und der Rand 45° abgeschrägt, wie es auch bei Stellafane empfohlen wird: Link
  • Das Tool wurde im Waschbecken ca. 3 min. mit heißem Wasser übergossen und dabei mehrfach gedreht. Anschließend wurde es auf den Spiegel gelegt (mit Fliegengitter dazwischen) und für ca. 15 min. mit einem Wischeimer beschwert (5 Liter Wasser, d.h. ca. 5kg Gewicht). Die Kanäle fließen dabei ein wenig zu, und ich habe den Abdruck des Fliegengitters bis ganz zum Rand des Tools.
  • Tool und Spiegel kühlen ab.
  • Anschließend wird poliert: TOT, COC mit 1/3 Strichen. Nach ca. 10-20 Strichen werden Tool und Spiegel um einen zufälligen Betrag gegeneinander verdreht.
Ich habe inzwischen alle nur denkbaren Varianten durch (warmpressen vs. nur kaltpressen, mit Druck vs. ohne Druck, lange pressen lassen vs. kurz pressen lassen, schnell vs. langsam, 1/3 Striche vs. 1/6 Striche) und egal was ich mache, diese verdammte TDE kommt immer wieder!

Poliertemperatur ist ca. 22°C und das Pech ist optisches Pech 26° aus dem Set von Stathis.

Aktuelle Laune:
Muskelkater und kurz davor, das Ding im hohen Bogen parabelförmig in den Restmüll zu entsorgen.

Meine Frage:
Was mache ich falsch? Habt ihr eine Idee?

Viele Grüße,
Sebastian
 
Hallo Sebastian,

Eine abgesunkene Kante kommt ja durch das "Einpflügen" der Glaskante in das Pech zustande.
Vor dem Parabolisieren muß die TDE auf jedenfall weg.
Du schreibst, daß Du das Tool nur als Eigengewicht wirken läßt.
Hast Du den Spiegel auf ein Granittool geklebt?
Dann ist sicher das hohe Gewicht der Grund für das "Einpflügen".
Ein anderer Grund kann eine ehöhte Randtemperatur sein (Lampe in der Nähe, Handwärme oder so etwas).
Versuche auch mal mit ganz wenig Überhang zu polieren, sodaß die Kante kaum angegriffen wird.
Das mit dem Tool würde mich sehr interessieren, z.B. das Gewicht.
Nicht die Flinte ins Korn werfen, es gibt garantiert eine Lösung.

Gutes Gelingen
Peter

 
Hi Sebastian,

habe gerade noch eimal Deine Nachricht gelesen und gemerkt, daß Du ja TOT polierst, versuch doch mal, den Spiegel oben auf der Pechhaut zu bearbeiten, dann hast Du "nur" das Glasgewicht plus irgend ein leichtes Teil zum Anfassen.
Denk mal darüber nach den Spiegel mit einer Holzscheibe zu fassen. Das haben die Urväter des Spiegelschleifens so gemacht.

Gruß
Peter
 
Hallo Peter,

vielen Dank für deine Ideen.

Mein Tool besteht aus Granit und ist mit einer Pechhaut überzogen. Der Spiegel ist nirgendwo draufgeklebt (die Idee wäre mir gänzlich unbekannt, macht man sowas?). Tool und Spiegel sind gleich groß. Also ein ganz normales Granittool, wie es überall beim Spiegelschleifen verwendet wird. Das Tool hat eine gemessene Masse von 3,0kg.

Ich habe mir jetzt ein Minitool aus einer 20ct-Münze, einer M6-Schraube mit flachem Kopf und Alleskleber gemacht. Die Schraube habe ich mit Alleskleber auf die Rückseite der Münze geklebt und bei 200°C im Backofen für 15 min. aushärten gelassen. Die Vorderseite hab ich mit Isoklebeband umrandet und mit Pech begossen. Im Prinzip ist das jetzt eine mit Pech überzogene 20ct-Münze mit Griff. Ich bilde mir ein, dass ich damit die Daumenmethode von Stathis etwas exakter durchführen kann, und außerdem meinen ramponierten Daumen etwas schone.

Damit werde ich gleich einen Grand Canyon ins Glas pflügen. Ich stimme dir zu, dass es am Einpflügen der Glaskante in das Pech liegen muss. Daher folgende Verbesserungen:
  • Abspülen mit lauwarmem Wasser und Spiegel/Tool immer erst die Raumtemperatur annehmen lassen, bevor weitergearbeitet wird (20-22°C, Kontrolle mit Infrarotthermometer).
    (--> Wenn das Pech zu weich ist, pflügt sich die Kante schneller ein. Außerdem könnten Temperaturschwankungen generell die Politur beeinträchtigen.)
  • Warmpressen der Pechhaut nur noch MOT und ohne Zusatzgewicht!
    (--> Möglicherweise verzerrt der zusätzliche Druck die Form der Pechhaut, so dass sie ohne Druck dann nicht mehr korrekt passt?)
  • Politur TOT/MOT im Wechsel, ohne Überhang, ohne Druck, Strichlänge zwischen 1/6 und 1/4 des Durchmessers variieren.
    (--> Kante durch kurze Striche möglichst schonen, Variation beugt Zonen vor)
Die Pechhaut hat eine frische, neue Oberfläche bekommen. Die unruhige Oberfläche, die ich im Foucault beobachtet habe, könnte an zu alter, gesättigter Pechhaut gelegen haben. Diese Fehlermöglichkeit will ich gleich mit ausschließen.

Jetzt bin ich gespannt, ob ich das Projekt doch noch retten kann.

Viele Grüße,
Sebastian
 
Hallo Sebastian,

früher hat man bei kleineren Spiegeln 6" eine Holzscheibe zum Anfassen mit einigen Pechtropfen aufgeklebt.
Ist natürlich Astigmatismus gefährdet.
Besser wäre eine Scheibe mit seitlichen Begrenzungen, die möglichst genau ohne Druck den Spiegel halten.
Dann kannst Du nur mit dem Eigengewicht des Spiegels plus wenig Extragewicht rechnen.
Wie Du richtig erkannt hast, gräbt sich die Kante in die Pechhaut ein und nimmt den Rand weg.
Ein Versuch wäre auch, mit einer im Durchmesser kleineren Pechschicht zu arbeiten.

Viel Glück
Peter
 
Ich frage mich gerade, wieso das Problem überhaupt bei mir auftritt und andere es durch die Daumenmethode, kürzere Striche etc. behoben bekommen?

Die Holzscheiben sind ja nicht umsonst heutzutage ausgestorben, es scheint ja auch ohne zu gehen?
 
Hallo Sebastian,

ja, die Holzscheiben nutzt man heute eigentlich nicht mehr, aber die hatten eine positiven Effekt.
Die haben nämlich ganz gut isoliert gegen Wärme und das kann in Deinem Fall auch eine Rolle spielen, wenn die Randpartie eine höhere Temperatur als die sonstige Glasmasse während der Politur bekommt.
Nur eine Idee.

Gruß
Peter
 
Die TDE hab ich auch bekommen, als ich ausschließlich TOT poliert habe. Dabei habe ich die Finger vom Glas weggehalten, da das Granittool ca. 3cm dick ist, sie kamen nicht einmal in die Nähe des Spiegels. Deshalb ist es eine gute Idee, aber dennoch wahrscheinlich nicht die Lösung.

Ich starte heute den Reparaturversuch (bin gestern nicht dazu gekommen) mit Minitool, Temperaturkontrolle und verändertem Warmpressvorgang. Es muss ja an einer schlechten Passform liegen, dass die Pechhaut die Kante absägt. Entweder wird sie durch Temperatur/Druck verformt, oder der Spiegel wird durch Temperatur/Druck verformt, oder beide.

Ich werde auch nochmal schön langsam und ohne Druck schleifen. Es ist mein erster Spiegel, vermutlich bin ich zu schnell und erzeuge dadurch Reibungswärme?
 
Hallo Sebastian,

nach dem Ronchigramm vom ATM-Wiki hast Du wohl keine abgesunkene Kante, sondern einen flachen Randbereich bzw. weniger kugelig.

Meine Methode ist MOT mit seitlichem Überhang (~1/4) aber und das ist gaaanz wichtig: Druck nur auf den aufliegenden Randbereich des Spiegels geben. Mit anderen Worten: Die Hände, die den Spiegel vor- und zurückschieben, sind immer über der Pechhaut! Ansonsten hast Du ein "Loch" in deinem Spiegel. Es geht darum Druck/Politur MOT auf den Randbereich zu konzentrieren. Bei MOT wird dieser "kugeliger", was das Problem beseitigt. Bei mir hat das gut funktioniert. Max. 15min, dann prüfen.

VG
Gerhard
 
Ich glaub, ich hab's jetzt!

Mir ist ein unglaublich dummer Anfängerfehler passiert. Meine Strichgeschwindigkeit war viel zu hoch. Lt. Forenbeiträgen sollte sie bei 8 Zoll ungefähr 1 Strich pro Sekunde betragen. Ich hab mir gerade nochmal den Spiegelschleif-Workshop von Stathis angeschaut, und dort betont er auch nochmal, dass man nicht zu schnell arbeiten darf. Ansonsten heizt sich lt. Stathis die Pechhaut lokal auf, verformt sich und säbelt die Kante rund.

Ich habe dummerweise immer mit einem Vielfachen dieser Strichgeschwindigkeit gearbeitet und dadurch haben sich natürlich auch die Kräfte multipliziert, die auf die Kante gewirkt haben. Das erklärt dann auch, warum "langsamer" und "weniger Druck" geholfen haben, aber das Problem trotzdem nie ganz verschwunden ist - ich war immer noch zu schnell!

Ich habe jetzt alles nochmal auf null zurückgesetzt. Die Pechhaut hat neue (und deutlich mehr) Kanäle bekommen, die Kante der Pechhaut wurde 45° abgeschrägt und eine Mikrostruktur per Fliegengitter warm hineingepresst (TOT + Eimer mit 5L Wasser, ca. 15 min.). Mit dem Minitool habe ich die äußerste Zone vertieft, bis im Foucault eine deutliche Rille zu sehen war und das Ronchigramm eine hochgezogene Kante (TUE) angezeigt hat. Jetzt fange ich mit deutlich langsameren Strichen (wie gesagt: 1 Strich pro sek.) an, und hoffe, dass sich das Problem damit erledigt hat.

Man...da schläft man ja beim Polieren ein! :smiley63:
 
Hallo Sebastian,

ja, die Arbeitsgeschwindigkeit kann eine Temperaturerhöhung bewirken und genau:
dann wird die Kante abgesäbelt.
Beobachte die Kante im Test sehr häufig und arbeite bei Bedarf mit ganz wenig Überhang, hatte ich schon geschrieben.

Viel Erfolg und nicht verzagen, es wird sicher klappen.

Peter
 
Hallo Peter,

ab jetzt scheint alles super zu klappen! Ich hab den Spiegel gestern mit 1/3 Strichen und 1/3 Überhang, wechselnd zwischen TOT und MOT, total einfach zur Sphäre bekommen. :smiley61: Ich habe im Ronchitest nur noch millimeterbreite Häkchen gesehen, die deckungsgleich mit der Fase waren und daher wohl von dieser stammen.

Danach hab ich mit W-Strichen die Parabel eingeleitet. Der Foucaulttest mit 5 Zonen-Coudermaske hat auch auf Anhieb geklappt, hier die Auswertung in FigureXP im Anhang. Sehe ich das richtig, dass jetzt in der Mitte (Zone 1/2) und am Rand (Zone 5) noch was weg muss?
 

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Hallo Sebastian,

konnte einige Tage nicht online sein, nun klappt es wieder und mich interessiert, wie Du inzwischen weitergekommen bist.

Gruß
Peter
 
Hallo Sebastian,

versuche mal den ROC Regler etwas nach links zu verschieben, bis der Randbereich runter geht und flach wird. Da kannst Du noch sehen, was in der Mitte weg muss, ohne den Rand zu berühren. Beim wegpolieren des großen Hügels kann der Rand danach etwas niedriger ausfallen. Wie groß ist denn dein Tool? Als Toolgröße würde ich vielleicht um die 70mm Größe verwenden, beim parabolisieren mit ToT eher wenige kurze Striche mit Überhang und viele zentrale lange Striche. So würde ich vorgehen.

Viele Grüße

Christian
 
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