Hallo "rooibos" und herzlich Willkommen im Forum,
der genannte 114/900er ist ein sehr typisches und bewährtes Gerät für Einsteiger mit geringem Budget.
Sicherlich helfen Dir unsere beratrischen Hinweise und Hintergründe. Das Beste aber ist es, Kontakt zu Sternfreunden in der Nähe aufzubauen und mit diesen gemeinsam unterm Sternenzelt zu quatschen und mit deren Geräten mal zu beobachten. Dies ist sehr hilfreich, wertvoll und nicht zu ersetzen. Eine Kontaktaufnahme könnte durch unser Treffpunktforum gelingen, über unsere Mailfreundschaften (Astronomie.de-Portalseite links in der Linkleiste, nicht auf der Foren-Start-Seite) oder über unser Vereinsverzeichnis zur Freizeitastronomie hier (GAD, ebenda).
Sollte - nach hoffentlich noch ausgiebiger und sorgfältiger Diskussion und Abwägen - es ein 114/900-Newton werden, würde ich mir unbedingt überlegen, ob die Beipackokulare in eine angedachte Okularpalette für den gesamten Arbeitsbereich (Vergrößerung, Austrittspupillen-Größe) optimal passen. Sollte da ein 25er Okular im Paket sein, würde ich auf jeden Fall - selbst bei Aufpreis - in ein 32er Taiwan-Plössl wandeln, dies böte dann nämlich Minimalvergrößerung bei max. Feld am Himmel. Ausgehend von diesem überlegen, welche Reihe nach unten fortgesetzt werden soll und ggfs. auch ein eventuell 2. beiliegendes wandeln. Da solltest Du vielleicht noch hier um Okularberatung anfragen, wir werden sicher gern helfen und Du bekommst dann ein Maximum an Leistung für das Gesamtbudget.
Dein Budget mit 200 Euro ist sehr nah am 8"-f/6-Dobson (200/1200 Newton auf "Rockerbox-Monti"). Nur zur klaren Information: wenn Du da noch etwas drauflegst und/oder im Gebrauchtmarkt, bei Aktion/Messe/Teleskoptreff schaust, wäre der Leistungssprung in JEDER Hinsicht sehr gewaltig!
Dies habe ich neulich schon mal geschrieben, daher hier nochmals einkopiert (und geringfügig geändert), so einiges wesentliches zum 8"-f/6-Dob für "Einsteiger, die mehr wissen wollen":
mit den unter allen Bedingungen bewährten, wirklich visuell allroundfähigen und kostenschonenden Dobsons 200/1200 (Achtzoll-f/6) gelingen freudvolle Beobachtungen, und kaum wird je jemand ein solches Instrument wegen Unzufriedenheit wieder dringend loswerden wollen (eher wegen weiterem Aufstieg nach Jahren). Ich habe selbst einen solchen und kenne so einige Sternfreunde, die auch voll zufrieden sind. Das Gerät bietet auch bei Bastelwillen Möglichkeiten zur Leistungssteigerung (Tuning), das sind aber nur Optionen, auch ohne ist es ein solides Leistungsgerät. Bis man wirklich alles, was damit möglich ist am Himmel gesehen hat, kann man schon Uropa werden...
Das Gerät hat im Vergleich zu vielen kleineren Geräten im Budgetrahmen einige Vorteile, die ich mal kurz aufführen möchte:
- viel Geld geht in die Optik, kaum etwas in die solide brauchbare Montierung (Rockerbox, sozusagen "Möbelstück")
- 200 mm Öffnung bieten ordentliche Auflösung und Vergrößerungspotential. (Bei anderen geringer öffnenden Geräten im Budget wird schnell das Ende der Fahnenstange erreicht.) Öffnungs-Preis-Leistung ungeschlagen.
- mit f/6 ist das Gerät a) okularunkritisch (auch niederpreisigere Okulare arbeiten gut), b) universell einsetzbar (von richtiger Geringvergrößerung bei großen Feldern bis zur Hoch- und Höchstvergrößerung geht alles; andere bes. kompakte Geräte können oft nicht so gut weite Felder; vollständig nutzbarer AP-Bereich im Vergleich zu vielen anderen Geräten im Budget von 7mm-0,8mm ca.) c) justierbar, relativ justierstabil und justierunkritisch (gegenüber "schnelleren" Geräten: f/5...f/4)
- durch den Zwei-Zoll-Okular-Auszug können weitwinklige Zwei-Zoll-Okulare verwendet werden, die sehr freudvolle Spaziergänge am Firmament ermöglichen.
All diese bekannten und gern genutzten Vorteile haben das Gerät heute zu DEM Allrounder für geringe Budgets in der Freizeitastronomieszene gemacht. Entsprechend groß ist auch die Konkurrenz, das Marktangebot, die Häufigkeit auf dem Gebrauchtmarkt, die sehr gute Preis-Leistung und überhaupt der relativ geringe Kostenrahmen.
Gegenüber praktisch allen kleineren Geräten im Budget, liegt der Dobson in einer ganz anderen Leistungsliga. Das Schöne: im Preise kaum!
Anmerkung zum Transport: Dobson: Rockerbox und Rohr, passt auch in jeden Kleinwagen. Parallaktischer Newton: Tubus, Montierungskopf, Gegengewichtsstange mit Gegengewicht, Stativ, (evtl. biegsame Wellen, Steuerung, Batteriepack). Im Vergleich tut sich nicht viel. Wenn man die jeweils fürs schwerste Teil rund 10 kg körpernah trägt, gibt es eigentlich keine Probleme.
Anmerkung zu Okularen: ganz unabhängig davon, welches Gerät es auch immer wird (am besten mit Sternfreunden vor Ort vergleichen!!) - Du wirst Okulare brauchen. Meist ist die Minimal-Anfangsausstattung: Ein Übersichtsokular (lange Okularbrennweite, geringe Vergrößerung, großes Feld am Himmel, große AP=Lichtmenge, wenn 2-Zoll geht, dann sehr gern), ein mittleres und eins für hohe Vergrößerung (geringe Okularbrennweite). Die letzteren können unter Umständen auch erstmal durch eins der marktgängigen sehr niederpreisigen und bewährten Zooms ersetzt werden, ein gutes, meist weitwinkliges Hoch-Höchstvergrößerungsokular ist dann zu überlegen. Wenn Du Dein Gerät gefunden hast (wie gesagt, am besten mit Sternfreunden unterm Himmel), auf jeden Fall schlauerweise noch hier klar eine Okularberatungs-Diskussion anregen, da gibt es viel zu beachten und Du kannst auch hier durch kluge Wahl für Dein Budget das Maximum rausholen. Häufig sind die Beiliege-Okulare eher überflüssig, wenn man schon genau (oder wenigstens brennweitenmäßig) weiß, welche man haben wird oder mitbestellt, so kann das Beiliege-Okular eventuell gewandelt werden. Wäre ja schade Geld dafür auszugeben, wenn man es nicht oder nur sehr sporadisch nutzt.
Anmerkung zum Kauf: Pakete (=Scope plus Okulare z. B.) bringen gewöhnlich Vergünstigungen, Messen, Aktionen und Teleskoptreffs sind auch typische Gelegenheiten nochmals einen Zusatznachlaß zu erzielen, direkt vor Ort (Messe, T-Treff) fallen auch keine Porto-Kosten an.
Anmerkung zu Tuningmöglichkeiten bei gewissem Bastelwillen:
die zum typischen "Tuning" geforderten Arbeiten sind abschrauben und anschrauben, kleben und schneiden. Mit 2-3 Schraubendrehern und einer starken Schere ist die nötige Werkzeugausstattung schon komplett. Am Dobson umfaßt das typische Tuning einige Dinge, die ich kurz mal beschreiben will:
- Okularauszug: (nur bei Bedarf): gegen mögliches "Schlackern" Tesastreifen längs aufkleben. Dauer: Minuten, Kosten: Cents
- Tiefschwärzung: (anzuraten): durch Lösen der haltenden Schrauben wird die Hauptspiegeleinheit, der Okularauszug und die Fangspiegelspinne ausgebaut. Schwarzvelours-Selbstklebefolie aus dem Baumarkt für komplett vielleicht 18 Euro wird nach Absaugen und Fusselabrollen in den Tubus und das Innere des Okularauszugs eingeklebt. Alle Abbauten wieder in umgekehrter Reihenfolge einbauen. Dauer: vielleicht 2-3 Stunden.
- Lüfter: (anzuraten): die einfachste Möglichkeit meines Erachtens ist ein Computerzubehör-Lüfter, der auf schwarze Hartschaumplatte angebracht wird. Die billige Hartschaumplatte ist schwarz, wetterfest, leicht und mit einer starken Schere zu schneiden. So wird für den Lüfter ein Loch und am Umfang der Hauptspiegelzelle unten ein entsprechender Ausschnitt ausgeschnitten, daß eine Lüfterverplattung entsteht, und der Venti die Luft aus dem Tubus am Hauptspiegel vorbei nach unten außen weg zieht. Abdichtung kann durch Moosgummi erfolgen, Fixierung über Gurte, Klett, Gummiband oder Magneten. So kühlt das Instrument schneller aus, läuft der fallenden Nachtkühle nicht weit hinterher - bildverschlechterndes Tubus-Seeing bleibt aus - und schließlich wird noch überhaupt für Hochvergrößerung die Luftströmung koordiniert, was der Abbildung zuträglich ist. Mit Akkus vom Discounter, einem Batteriehalter von einem beliebigen Elektro-Discounter und der benötigten 20x40cm²-Hartschaumplatte aus dem Baumarkt kann eigentlich nichts schief gehen. Das ganze ist einfach spurenlos abnehmbar und für rund 20 Euro komplett zu realisieren. Bei gewissenhafter Ausführung wird der Anfänger wohl einen Nachmittag brauchen.
- Tubusverlängerung himmelwärts: (empfehlenswert) bringt bessere Abschirmung von Streulicht und der Atemwärme des Beobachters, schützt noch zusätzlich den Fangspiegel vor Tau und Reif, spurenlos abnehmbar. Ich empfehle einen dreischichtigen Aufbau: innen Selbstklebe-Schwarzvelours, mittig: 1,25-mm-PE-Folie (Meterware Baumarkt, Eurofuffzich) und außen Heizkörpertapete (ca. 8 Euro für das ganze Rohr). Die Tubusverlängerung sollte leicht trichterförmig öffnen zum Himmel hin (für die üblichen Tuben des Marktes). Vielleicht eine halbe Stunde Aufwand.
- Tubusisolierung: "Heizkörpertapete"=biegsames Styropor, mit Aluminiumfolie beklebt mit der Alufolie nach außen auf der Rolle für wenig Euro im Baumarkt: In mehreren Stücken um den Tubus gelegt, eventuell Zuschnitt für Höhenräder mit der Schere. Befestigung durch Gurte, Riemen oder Gummispannringe. Spurenlos abnehmbar. Beruhigt die Luft noch weiter im Rohr, schirmt vor Beobachterwärme ab, denn jede Wärmeschwade stört die Wellenfront der Objekte massiv. Bildverbesserung. Schnell und unkompliziert.
-Rockerbox: meiner Erfahrung nach hilft für etwaige Probleme der AZ-Drehbewegung (rechts/links) das saubere Einstellen der Zentralmutter und gegebenenfalls Anbringen einer Kontermutter (Cents, Sekunden). Im Höhenlager half mir das einseitige Aushängen der Spannfeder und Anbringen von Aquarienmagneten (3 Stck aus dem Discounter, sind schön velourst) als "Gegengewicht" in Hauptspiegelnähe. Tipp: von unten her anbringen, dann bleibt das Gleichgewicht auch bei unterschiedlicher Höhenausrichtung erhalten.
Mit diesen Maßnahmen ist die Leistung jedwelchen Newton-Geräts, gleich ob Dobson oder parallaktisch nochmals deutlich höher, wenn er nicht bereits so sein sollte (im High-End-Bereich durchaus möglich). Gerade für budgetlimitierte Einsteiger kann so nochmals kostenschonend ein Leistungsschub erzielt werden. All diese Bastelarbeiten kommen mit Schrauben, Kleben und Schneiden aus, so daß weder ein Maschinenpark noch sonstwelche Fachfertigkeiten nötig sind. Die Materialien sind niederpreisig und gut verfügbar. Die einzelnen Maßnahmen sind auf vielen Homepages von Mitgliedern dokumentiert und genau beschrieben. Auch ist es gang und gäbe, sich dabei unter Sternfreunden zu helfen. Schließlich: bis auf die Tubusinnenschwärzung durch das Klebevelours sind alle Maßnahmen spurenlos abnehmbar. Falls also - entgegen den Erwartungen - doch einmal ein Weiterverkauf anstehen sollte oder beim Basteln etwas nicht perfekt gelingt, macht das dem Gerät selbst nichts. Der für Anfänger als problematischst anzusehende Knackpunkt ist vielleicht die Grundjustage nach dem Velours-Tuning, hier sollte man sich vielleicht einen bewanderten Sternfreund zu einladen, oder die Justage bei einer gemeinsamen Beobachtung unterm Firmament mit diesem zusammen machen. Die Kenntnis um die Justage brauchst Du sowieso, so daß auch dies relativiert zu sehen ist.
Um nicht mißverstanden zu werden: all diese Bastelmöglichkeiten sind optional. Auch ohne ist der Standard-200/1200-Dobson schon ein voll einsetzbares freudvolles Leistungsgerät. Mir war nur wichtig, mal klar aufzuzeigen, daß die üblichen Tuningmaßnahmen keine unüberwindbare Schwelle für den Einsteiger sind, daher habe ich das auch so klar geschildert. Besonders die Gängigkeit - falls es da Suboptimalitäten geben sollte - ist mit wenigen Handgriffen getan, das ist ja nicht wirklich Basteln. Ebenso eventuell nötige Verbesserung des Laufs am OAZ. Von groß Basteln beim Aufbringen zweier Tesastreifen kann man ja eigentlich nicht sprechen. Dennoch können allein diese beiden - nur eventuell nötigen - Schnellmaßnahmen unterm Sternenzelt bereits viel bringen.
Nochmal ganz ganz knapp zum 200/1200: kann visuell alles (Weitfeld bis Planet, riesiger Arbeitsbereich), alles sehr ordentlich (Licht, Auflösung), Okulare nieder-midpreisig wunderbar einsetzbar, Reichweite (Objektzahl) vergleichsweise groß. Während ein Erstgerät mit geringer Öffnung häufig nach Monaten bis Jahren um ein anderes ergänzt wird, ist eine 200er Öffnung in aller Regel ein Gerät für lange Zeiten.
Schließlich: über Motorisierung (entweder 2achsig hoch/runter-rechts/links oder EQ-Plattform) ist sogar hoher Beobachtungskomfort im Sinne einer Nachführung für visuell nachrüstbar - vielleicht für Hochvergrößerungsfans von gewisser Bedeutung. Hier würde der Mond als beliebtes Objekt im Winter wegen hohem Stand über dem Horizont eine Rolle spielen, die Planeten auch, da ist aber für einige Jahre nicht so viel drin, weil die leider erstmal eher unattraktiver sind: Saturns Ringöffnung wird immer geringer, Mars bleibt bei seinen 2jährigen Oppositionen leider recht klein, Jupiter bis etwa 2011 für uns hier im horizontnahen Dunst, Dreck und in der höheren Luftunruhe dort. Aber bei guter Einstellung der Gängigkeit und Verwendung von weitwinkligen Okularen für Hochvergrößerung ist eine Motorisierung auch beileibe keine Pflicht, sondern nur Option. Bei guter Verstellbarkeit macht auch Hochvergrößerung Spaß - so wie das Gerät vom Anbieter kommt.
Die eventuell kleine Preisstufe bei Neukauf zu Deinem Budget entscheidet schon heftig über die Gesamtleistung. (Vor 15 Jahren wäre für den Durchschnittssternfreund eine solche Öffnung wohl meist ein Traum geblieben und lag preislich in einer anderen Größenordnung. Die Augen und Objekte aber sind gleich geblieben...)
Ich wünsche Dir Kontakte zu Kollegen in der Nähe, eine besonnene Teleskopwahl und klare Himmel mit Top-Bedingungen,
Matthias.