Liebe Sternfreunde,
Möchte hier noch kurz meine Meinung kundtun:
"Informationen zu Beobachtungsobjekten" haben mehrere Perspektiven, je nachdem was man als Leser davon erwartet.
Als Beobachter fragt man sich, welche Objekte sind interessant und welche kann ich mit meinen Mitteln und an einem für mich erreichbaren Ort beobachten. Um das zu entscheiden, sind vorgefertigte Auswahllisten eine wesentliche Hilfe. Ein Beobachtungsführer zeigt auf, mit welcher Optik man rangehen muss, um Aussicht auf Erfolg zu haben. Wann man guckem kann, findet man dann mittels Drehbarer Sternkarte, App oder auch Angaben im Buch heraus.
Natürlich ist es spannend, auch etwas über die Astrophysik der beobachteten Ziele zu erfahren. Gedruckte Informationen veralten schnell, im Web findet man aber nahezu beliebig viel. Es ist ja auch nicht unbedingt notwendig, solche Angaben direkt bei der Beobachtung zur Verfügung zu haben.
Historische Informationen zur Entdeckungsgeschichte oder zur Bedeutung einzelner Objekte in der Astronomie sind dann wieder eine eigenständige Perspektive. Hier liegen weitaus weniger häufig neue Erkenntnisse vor als zu den physikalischen Eigenschaften. Es gibt eine ganze Reihe spannender Bücher zur Beobachtungshiostorie, wobei ich hier ausdrücklich "Observing and Cataloguing Nebulae and Star Clusters: From Herschel to Dreyer's New General Catalogue" von Wolfgang Steinicke empfehlen möchte.
Mythologie und Kunst (z.B. alte Sternkarten) sind dann wieder eine Perspketive, die ebenfalls von spezialisierten Büchern abgedeckt wird, so z.B. "Star Names, their Lore and Meaning" von Allen oder diverse Bücher zur Mythologie der Sternbilder.
Wenn man nun erwartet, alle Perspektiven in einem Buch vereint zu sehen, dann ist das nur möglich, wenn die Anzahl der dargestellten Objekte noch überschaubar bleibt. Bücher, die mehrere Perspektiven abdecken sind z.B. die von Stephen O'Meara oder der "Atlas der Messier-Objekte" von Ronald Stoyan. Würde man den Umfang der Darstellung der Messier-Objekte aus dem Atlas auf den NGC hochrechnen, dann kämen da wahrscheinlich so viele Bücher dabei heraus, dass man ein ganzes Regal damit füllen könnte.
Es ist wie so oft im Leben: man kann nicht alle Aspekte unter einen Hut bekommen. Die Fülle der vorhandenen Informationen zu Himmelsobjekten zwingt zur Beschränkung. Beim Deep Sky Reiseführer und Atlas findet man immerhin noch ein paar astrophysikalische Angaben. Wichtiger daran ist doch, dass der Bedarf des Beobachters damit gut gedeckt wird: bis man damit durch ist, hat man eine Weile zu tun.
Für die gemütlichen Leseabende zuhause gibt es schöne andere Bücher. Wobei mir gerade noch spontan der "Burnham" einfällt: den benutze ich schon lange nicht mehr zweckgemäß als Referenz zur Beobachtungsplanung, aber ich lese gerne "einfach so" drin. Der Charme und einzigartige Charakter des Buchs fasziniert mich noch heute, 35 Jahre nachdem ich es mir als mein erstes englischsprachiges Werk (es sind ja 3 Bände) überhaupt gekauft habe. Da stört es mich nicht, dass viele astrophysikalische Fakten inzwischen einfach überholt sind. Man findet auch keine Angaben zum Gebrauch von Filtern, weil die damals einem Amateur nicht zur Verfügung standen. Ein Dokument aus vergangenen Tagen, die für mich in beobachterischer Hinsicht spannender waren als heute: 1000 Objekte weiter als damals sind die Highlights längst abgegrast und wieder und wieder beobachtet worden. Der Burnham erinnert mich an manche Nacht, in der ich oft auch erfolglos versuchte, dies und jenes zu finden was heute en passant eingestellt wird. Nostalgie, Romantik, Verklärung, ich hör' euch trapsen
Tom