Altes Meade mit defektem Goto

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas MarSch
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

MarSch

Neues Mitglied
Hallo zusammen,

ich bin Markus, 48 Jahre alt durch einen Zufall zu einem Teleskop gekommen und erst seit kurzem im Astrobereich unterwegs.
Zu meinem Problem:
Ich habe ein MEADE Teleskop geschenkt bekommen was der alte Besitzer wegschmeißen wollte. Es ist ein 114/1000 mit Goto Steuerung. Das Alter kann ich nicht sagen aber aufgrund vom Zustand ist es schon ein älteres Gerät.
Jetzt habe ich aber folgendes Problem wie auf einem der Bilder zu sehen ist. Die Motorhalterung von einem Antrieb ist kaputt bzw. hat sich in relativ viele Einzelteile aufgelöst. Momentan kann ich nicht beurteilen ob noch alle Einzelteile vorhanden sind aber sie einfach nur zusammen kleben würde meiner Meinung nach nicht halten.
Wo kann man Ersatz dafür herbekommen.
Des weiteren ist die Steuerung Kabelmäßig recht mitgenommen, was man aber einfach lösen kann durch neue Leitungen.
Im Netz habe ich bisher gar nichts gefunden was mir da weiter helfen würde bei den Motorhalterungen (Kunststoffteilen) . Bin für jede Anregung dankbar.

Markus
 

Anhänge

  • IMG_8138.JPG
    IMG_8138.JPG
    324 KB · Aufrufe: 136
  • IMG_8139.JPG
    IMG_8139.JPG
    547,3 KB · Aufrufe: 136
  • IMG_8140.JPG
    IMG_8140.JPG
    336,4 KB · Aufrufe: 147
  • IMG_8141.JPG
    IMG_8141.JPG
    341,1 KB · Aufrufe: 159
Hallo Markus,

also Ersatzteile wirst du dafür nicht bekommen.
Mit viel Aufwand kann man vielleicht ein Teil mit 3D Drucker neu anfertigen.

Ich würde versuchen, das Teleskop ohne Goto/Nachführung zu nutzen.
Klemmungen lockern und manuell suchen/nachführen wenn das hoffentlich geht.

Damit kannst du etwas in das Hobby hinein schnuppern und wenn es dir zusagt, etwas funktionierendes gebrauchtes kaufen ...

Gruß Martin
 
Hallo Markus, @MarSch ,
oh je! Was für ein Schlamassel! Ich hatte letztes Jahr von einem Spezl ein etwas anderes Meade ETX-70 GoTo geerbt. Das war und ist glücklicherweise in Ordnung gewesen. Das Goto hat sehr gut funktioniert und das "Kleine" hat richtig Freude gemacht. Lediglich hat es einen Höllen-Spektakel gemacht wenn es gearbeitet hat und ziemlich viel Batterien verbraucht. Ich bin jemand der versucht alte Teile immer funktionsfähig zu erhalten bzw. in Stand zu setzen. Ich fürchte nur es dürfte schwierig werden, außer Du findest etwas bei den Kleinanzeigen oder ebay. Ich habe mal für Dich gesucht und direkt nichts gefunden.

Ich habe letztes Jahr vor meiner Meade-Erbschaft schon etwas an Erfahrung mit Astronomie mit einem f/5, 10", 1.250mm Newton auf Dobson Montierung, darum ist es mir nicht schwer gefallen damit zu arbeiten und es einschätzen zu lernen. Für Dich als Anfänger ist es mit dem defekten Gerät natürlich schwer zu beginnen. Dein Teleskop ist ein Newton mit einer Brennweite von 1.000 mm, einen Spiegel von 114mm Durchmesser, daraus errechnet sich dann 1000/114 das f/8,8 - heute oft üblich sind bei 1.000mm Brennweite Spiegelgrößen von 200 mm - das wäre dann ein f/5. Wenn Du ein 1.000 mm Teleskop mit f/5 und ein zweites mit f/8,8 mit einem 10 mm Okular (als Beispiel) auf den Planeten Jupiter richtest, siehst Du den Planeten jedes Mal gleich groß aber mit einem f/5 heller und damit auch Detail-reicher als mit einem f/8,8. Ein Newton Teleskop hat zwei Spiegel, einen großen, hinten im Rohr, der hat bei Dir einen Durchmesser eben von 114 mm, damit sammelt er das Licht und lenkt es nach vorne, dort ist quasi der zweite Spiegel, der Fangspiegel im Weg und lenkt den Lichtstrahl um 90° um, so dass dieser "Lichtstrahl" quasi seitlich rauskommt. Dort sitzt dann der OAZ - Okularauszug. In den OAZ steckt man ein Okular und mit der "Schraube" kann man das Okular rein und rausfahren. Damit kann man dann einstellen, dass man das "Bild" scharf sieht. Hat das Okular eine Brennweite von 10mm, wird Dir das Bild 100-fach (1000/10=100x) vergrößert angezeigt, hast Du ein Okular mit 20 mm wird Dir das Bild 50x (1000/20=50x) vergrößert angezeigt.

Auf Grund des größeren Spiegels ist ein 1.000 mm f/5 Newton deutlich schwerer als ein 1.000 mm f/8,8 - das hat Nachteile aber auch Vorteile. Auf Grund des geringeren Gewichts braucht es dann keinen so großen mechanischen Aufwand, das Teleskop motorisch zu betreiben. Der motorische Antrieb dient dazu, das Teleskop nachzuführen und bei einer Goto Steuerung hilft es Dir direkt um im selben Beispiel von oben zu bleiben Jupiter anzufahren und Dir im Okular zu zeigen. Aber ganz so einfach ist es nicht wie es zuerst klingt. Damit das Teleskop an die richtige Stelle fahren kann, muss es wissen wo es steht und wohin es zeigt. Wenn dies richtig eingestellt ist, jetzt stark vereinfacht erzählt, stellst Du am Handkontroller ein, zeige mir Jupiter und brumm, brumm und Du siehst Jupiter. Da die Erde sich dreht, ist es aber erforderlich, nach dem es Jupiter gefunden hat, dass sich das Teleskop mitdreht, sonst wandert Jupiter durch das Sichtfeld des Okulars. Je nach Vergrößerung passiert dies in wenigen Sekunden, dass der Planet aus dem Sichtfeld des Okulars verschwindet. Diese Nachführung erledigt dann wieder die motorische Steuerung und Jupiter bleibt immer mittig im Okular und Du hast Zeit ausführlich den Planeten zu beobachten.

Mit so einem Goto hat man eine Möglichkeit ein Teleskop in ein "EAA-Teleskop" umzubauen. Electronic-Assisted-Astronomy - dazu steckt man statt dem Okular wieder alles vereinfacht erklärt eine CMOS Kamera in den OAZ. Die Kamera macht laufend Fotos mit kurzen (Sekunden) Belichtungszeiten und ein Software rechnet diese Fotos zusammen (stackt) und errechnet daraus ein laufend, sichtbares Summenbild. Dieses Summenbild wird laufend (binnen kurzer Zeit, also insgesamt einzelnen oder wenigen Minuten) besser je mehr Fotos dazu kommen. Dadurch kann man Details und sogar Farben im Weltall sehen und entdecken die einem bei rein "visueller" Astronomie, also Auge an Okular verwehrt bleiben. Für EAA gibt es sogar kostenlose Software. Aber Physik, Mechanik und Optik lassen sich nicht überlisten und man kämpft mit den fixen Eckparametern und Unzulänglichkeiten in Punkto Qualität, Toleranzen, Abmessungen und Gewicht. EAA ist anders als Astro-Fotografie und quasi die "Kurzzeit- und Online" und Live-Zuschauen-Variante im Vergleich zur Astrofotgrafie. Bei Astrofotografie werden über viele, viele Stunden zum Teil sogar verteilt über mehrere Nächte Langzeit-Belichtungen ( 1, 2, 3 ... 5, 10, 15 Minuten) gesammelt und später Offline zusammengerechnet werden. Da ist das Ziel das nach Stunden errechnete perfekte, einzelne Foto.

Ich habe auch erste EAA Versuche mit meinem funktionierenden Meade unternommen und bin dann am Ende an was ähnlichem geendet, konnte und wollte aber das Meade nicht dazu verwenden. Aber die Initial-Zündung kam durchaus von dem Meade Teleskop. Hier kannst Du etwas über meinen EAA-Setup nachlesen.

Ein weiterer Gedanke könnte auch sein, dass Du Dir passend zu dem Teleskop eine Dobson Montierung baust. Eine Dobson-Montierung ist einfach ausgedrückt eine (horizontal-) drehbare Holzkiste in der das Teleskop schwenkbar (rauf / runter) gelagert ist. Für so eine Dobson Kiste braucht es etwas handwerkliches Geschick und Freude etwas selber zu machen. Selbst wenn man keine Schreinerei zuhause hat, bekommt am so etwas mit einfachen Mitteln selbst gebaut. Mit Deinem Newton auf so einer Dobson Montierung steht Dir dann die Welt der Astronomie wirklich offen und es wäre der Einstieg quasi über die Grundlagen in eine faszinierende Wissenschaft. John Dobson ein US-Amerikaner hat quasi in den 80er/90er Jahren des vergangenen Jahrtausend diese Montierung erfunden. Schau Dir das dazu folgende YT Video "Come- watch the Moon" an. Die Begeisterung und das Dauergrinsen der Leute die zum ersten mal den Mond durch ein Teleskop gesehen haben, ist den Passanten förmlich ins Gesicht geschrieben ist und sieht man wirklich!

Ansonsten kann ich Dir noch raten, fragen, googlen und sich inspirieren lassen. Vieles zum Thema Selbstbau findest Du auch im blauen Nachbarforum.

Viel Erfolg - MünchenBeiNacht - Ewald
 
Zuletzt bearbeitet:
Vielen Dank für Eure Antworten Martin und Ewald.

Das mit dem 3D Druck hatte ich auch schon ins Auge gefasst, ich muss nur schauen das ich mir dazu eine Zeichnung erstelle das ich mir das dann ausdrucken kann.
Momentan nutze ich es so und bediene es manuell, klappt auch für den Anfang um sich am Himmel zu orientieren.

Danke Ewald für deine ausführlichen Erklärungen. Diese sind schonmal hilfreich und bringen auch ein wenig Licht ins Dunkel.
Zu deinem Setup und Bilder machen, das wäre was, wo ich später dann auch gerne mal hin möchte. Aber eines nach dem anderen.
Das mit der Dobson Montierung ist auch eine gute Idee. Manchmal denkt man zu sehr in eine Richtung. Dann werde ich wohl die nächste Zeit erstmal so mit dem Teleskop verbringen und nebenbei ein wenig basteln.

Wenn dann die Preise wieder in Richtung normal Niveau gehen werde ich in ein neues Gerät investieren mi dem man dann auch den Himmel ablichten kann.

Ich wünsche Euch noch ein schönes Wochenende.
Markus
 
Für mich sieht das aus wie ein 500mm Spiegel mit Barlow-Verlängerung auf 1000mm. Da würde ich optisch nicht viel erwarten.
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben