Hallo Erich,
also beim Übersichtsokular ist es noch am einfachsten. Da gibt es einfach eine Klasse von Okularen bis 130, na 150 Euro. Die sind alle relativ ähnlich in ihrer Abbildung und man kann sich trefflich streiten, ob man denn nun mit einem Antares Erfle wirklich besser abschneidet, als mit einem TS-WA, baugleich Vixen SV/GSO Superview, oder ob es doch das beste war, ein Meade QX anzuschaffen. Dann gibt es schonmal ausgefallen große Gesichtsfelder wie beim BW 30mm=Moonfish=ach wie es sonst immer heißt... Alle diese Okulare haben gemeinsam, dass sie Weitwinkel sind, an f/6 als Übersichtsokular taugen, aber am Rand wegen schlecht korrigiertem Okularastigmatismus und Bildfeldwölbung unscharfe Sterne zeigen. (Manche Leute nennen das Koma, das ist aber falsch, Koma ist etwas anderes.)
Man kann damit leben, man muss es auch, wenn man nicht mehr Geld ausgeben kann.
Mehr Geld, das würde Bedeuten, in eine Leistungsklasse vorzustoßen, die für f/6 in meinen Augen von den drei Panoptic Brennweiten 27mm, 35mm und 42mm sehr gut repräsentiert wird. Je nach Himmelsqualität wird man sich für eine längere Brennweite entscheiden, je dunkler der Himmel ist. Um die Skala da mal festzulegen: 42mm bedeutet dunkelste Gebirgsregionen. 35mm geht schon unter einem guten Landhimmel. Ansonsten stört der mit schwacher Vergrößerung hellere Himmelshintergrund, es sei denn man beobachtet Objekte, an denen man Filter wie OIII und UHC einsetzen kann.
Klar gibt es zu den Panoptic Alternativen, Nagler, XW, LVW, UWAN, UWA,...
Dazwischen klafft nun eine heftige Lücke, und neuerdings versuchen einige Firmen darin Okulare zu platzieren, die dann so im Bereich um 250 Euro liegen. Was ich davon bisher zu sehen bekam, war eher kläglich, wenn ich schon mehr Geld ausgebe, dann auch so viel, dass das Bild perfekt oder nahezu perfekt ist.
Nun zu den Ultrawide von Skywatcher (wer nennt die eigentlich UWA? So nennt Meade seine Ultraweitwinkel der Serie 4000 und 5000 und so ist mein UWA oben gemeint).
Das sind Weitwinkel und die sind an f/6 auch soweit brauchbar. Fragt sich, wie lange sie einem Spaß machen. Wie Armin schon schreibt, Okulare wie Hyperion oder Speers-Waler sind wesentlich eher Okulare, an denen man lange Freude hat. Aber natürlich liegt dazwischen eine Kluft von gut 130 Euro.
Armin schrieb auch schon, dass es auf die Brennweite ankommt. Mit 14mm und weniger kann man diese Okulare an f/6 wunderbar einsetzen. Längere Brennweiten werden wieder von Problemen geplagt. Bei den Speers-Waler wird dann die Randunschärfe wieder störend, bei den Hyperion ist die Randabbildung besser, aber 17mm und 21mm zeigen am Bildfeldrand eine leichte Aufhellung des Himmelshintergrundes durch Streulicht. Nicht unerträglich, es bringt aber einige Sternfreunde dazu, lieber ein 22mm LVW als ein 21mm Hyperion einzusetzen - erheblicher Preisunterschied. Es kommt da bereits auf den persönlichen Geschmack an. Man kann so eine Randaufhellung gut tolerieren, genauso gut stören andere Sternfreunde Unschärfen am Bildrand weniger. Das mag sicher auch an den Sehgewohnheiten liegen, speziell wie sehr man mit dem Auge im Bild "herumwandert". Aus dem Augenwinkel sieht man Aufhellungen stärker und Unschärfe weniger.
"Besser als Plössl" wird ja gerne gefragt. Aber die Frage hilft nun gar nicht. Plössl sind schon sehr gut, wenn sie ordentlich gefertigt sind. Sie haben einen prima Kontrast und mit 50° einen geringen Tunnelblick. Schärfe muss man gesondert ansprechen, und zwar sind sie absolut scharf, solange man nicht mehr als die 2/3 der Teleskopöffnung in Millimetern beobachtet. Geht man über diesen Wert, zeigt sich, dass die optimale Bildschärfe nicht in der Bildmitte sondern etwa auf 1/3 vom Weg zum Bildrand erreicht wird. Liegt am Design. Das merken aber die Wenigsten. Eher störend empfunden wird bei den Plössls dass sie keine Weitwinkel sind und dass sie als Augenabstand etwa Okularbrennweite x 0,7 haben. Beim 10mm Plössl wird das schon langsam unbequem. An schnellen Optiken haben die Plössls auch so ihre Probleme, die Unschärfe am Bildrand nimmt dann zu. f/6 ist aber für Plössls gut verträglich.
"Besser" im Sinne von "schärfer" oder "kontrastreicher" ist für ein Weitwinkel schwierig. Das klappt nicht an jedem Teleskop und nicht mit jeder Preisklasse.
Clear Skies
Sven