Anfängerfragen zur Bestimmung der Himmelsqualität

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Canopus

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Hi Leute!

ich bin ganz neu im Forum und relativ neu in diesem faszinierenden und Demut lehrenden Hobby. Ich beobachte rein visuell, und zwar ausschließlich mit Ferngläsern (8x42, 15x70 und 120 mm mit Wechselokularen). Meine Beobachtungsobjekte sind dabei vor allem Deep-Sky-Objekte mit dem Großfernglas, insbesondere offene Sternhaufen, Kugelsternhaufen und Galaxien.
Nun ist für mich nicht nur die Suche nach Beobachtungsobjekten spannend, sondern auch die nach guten Beobachtungsstandorten. Dazu meine Fragen:

1) Wann ist ein Himmel für euch ein guter, dunkler Himmel, gut geeignet für schwache Deep-Sky-Objekte wie z.B. M51? Ich habe in meinem Garten einen SQM von 20,76 mag./arc sec², konnte bisher aber z.B. M33 nur mit dem 120-mm-Fernglas als schwachen Lichtfleck sehen. M51 konnte ich bisher noch nicht sehen, sehr wohl aber bei meinen Eltern (21,32 mag./arc sec²), inkl. dem Begleiter.

2) Könnt Ihr mir Tipps geben, wie ich möglichst ohne Technik den Himmel rein mit meinen Augen bewerten kann?
Mein Vorgehen bisher: Ich suche im Internet über "lightpollutionmap" Orte in der Nähe, die wenig Lichtverschmutzung haben. So habe ich ganz hier in der Nähe (Nordwest-Deutschland) einen sehr nahen Ort mit 21,5 mag./arc sec² gefunden, und, ca. 35 Min. entfernt, einen Ort auf einem Feld mit sehr guten (?) 21,69 mag./arc sec². Dort ist es auch stockdunkel, da das in Waldrandnähe liegt und die nächste Ortschaft etwas weiter weg ist.
Dann inspiziere ich den Ort abends auf Fremdlichtinterferenz, z.B. naheliegende Straßen, etc. Was ist zu Windrädern zu sagen? Stören die? Ist in Norddeutschland leider häufig der Fall. Wenn sie rote Signallichter haben, dürfte die Dunkeladaption ja nicht beeinträchtigt werden, oder?
Der Blick zum Himmel ist dann der abschließende Schritt: Kann ich Ursa Minor komplett sehen? Kann ich M31 freiäugig sehen? Kann ich sogar M33 freiäugig sehen? Was sind weitere freiäugige Indizien für einen guten Himmel?

3) Wie kann ich Tranparenz und Seeing messen/bewerten? Hohe Luftfeuchte = schlechte Transparenz? Es gibt anscheinend Leute, die per Infrarotthermometer Luftschichten in Bodennähe und in der Höhe messen und eine große Temperaturdivergenz als sehr gute Bedingunen werten. Wäre das eine Möglichkeit? Ein SQM-Gerät möchte ich mir nicht unbedingt kaufen, da ich vor allem meinen Augen vertrauen möchte.

Ich freue mich auf eure Antworten!

Klaren Himmel
Nico
 
Servus Nico,

Das ist ein gutes Thema.

Ich bewerte meinem Himmel auf Sicht.
Wichtige Marker sind für mich das Aussehen vom "Himmelshintergrund". Ist er mehr oder weniger grau oder geht es schon ins dunkle grau oder noch besser ins schwarze über.
Ein grauer Hintergrund zeugt oft von mangelnder Transparenz und viel Feuchtigkeit in der Luft. Zu diesem Aspekt gehören auch noch die Lichtglocken naher Städte, die bei höherer Feuchtigkeit schon sehr hoch in den Himmel ragen.

Weiter Marker sind auch Messier 31 und Messier 33. Sind beide zu sehen, ist die Transparenz auch gut. Im Sommer ist die Milchstraße für mich ein weiterer Hinweis, ob der Himmel dunkel und transparent ist, oder eben nicht.
In manchen Nächten ist die Milchstraße nur ein gerade sichtbares Band am Himmel, in guten Nächten ist sie aber sehr hell und strukturiert.

Ein für mich ganz guter Hinweis, ob mein Standort dunkel ist oder nicht:
Kann ich mein Teleskop in der Nacht noch gut sehen, oder stolpere ich fast darüber, weil es in der Dunkelheit nur schwer auszumachen ist.

Mit einem SQM-L messe ich auch. Mit dem kann aber nur die Dunkelheit vom Himmel bestimmt werden, aber nicht die Durchsicht.
Das extreme wäre eine bewölkte Vollmondnacht. Das SQM mag dann zwar einen guten Wert anzeigen, sehen tut man aber trotzdem nichts.

Windkraftanlagen stören mich nicht. Die roten Lichter sind in einiger Entfernung so dunkel, das sie nicht mehr stören.

Die Transparenz "bestimme" ich im Okular. Auch hier gilt wie weiter oben geschrieben: ist der Hintergrund im Okular grau oder schon fast schwarz. Je dunkler im (Übersichts-) Okular der Himmelshintergrund ist, desto besser ist auch die Transparenz.
Mit einem Infrarotthermometer habe ich auch schon gemessen, es sind aber keine verlässlichen Werte dabei herausgekommen.

Viele Grüße
*entfernt*
 
Hallo Gerd,

vielen Dank für diese hilfreichen Tipps! Würdest Du sagen, dass das Messen mit dem SQM einen Mehrwert hat oder reicht es aus, vorher im Internet nachzuschauen? Ich könnte mir vorstellen, dass es vor allem im Auto einen Mehrwert hat, denn ich habe mein 15x70 immer im Auto dabei und hole es auch mal zur einer spontanen Beobachtungsaktion raus.
Zu den Okularen: Hattest Du es mal, dass Okulare einen aufgehellten Bildfeldrand hatten? Wenn ja, hat das mit den Beobachtungsbedinungen (Feuchtigkeit? Lichtverschmutzung?) zu tun?

Viele Grüße
Nico
 
Hallo Nico,

Im Internet sehe ich gar nicht nach, denn ich habe nur eine begrenzte Auswahl an Plätzen, an denen ich mein Teleskop aufstellen kann.
Ich weis aus Erfahrung die Vor- und Nachteile der einzelnen Plätze, an welchen in mit Lichtverschmutzung zu kämpfen habe, dafür aber schnell zu erreichen sind, und die in dunkleren Gegenden liegen, aber einen weiteren Anfahrtsweg benötigen.

Für die Schätzung der Himmelshelligkeit ist die "faintest Star" Methode ein gutes Werkzeug.
Entweder wird in der Polsektion nach dem schwächsten noch sichtbaren Stern gesucht, oder, was besser ist, man sucht in der Himmelsregion in der beobachtet wird nach dem für das freie Auge schwächsten noch sichtbaren Stern.
Karten für die fst Methode gibt es im Internet.

Extra ein SQM anzuschaffen würde ich nicht, sondern nach der fst Methode die Helligkeit des Himmels bestimmen.

An meinem Okularen hatte ich noch keinen aufgehellten Bildrand. Die Feldblende erscheint auch bei aufgehellten Himmel an meinem Okularen immer dunkel.
Eventuell hast du bei deinem Okularen mit internen Reflexen zu kämpfen, entweder durch mangelnd geschwärzte Linsenkanten oder reflektierenden Gehäusen.

Viele Grüße
*entfernt*
 
Hallo Nico,

ich habe auch so ein Okular, das zeigt die Randaufhellung immer, unabhängig von Lufttransparenz.

Zu den Windrädern hatte ich mal einen kontroversen Thread angeschubst. Da gehen die Meinungen auseinander. Ich habe unter einem solchen Stromerzeuger Jupiter bis 200x mit gutem Seeing beobachtet und würde sagen bei den von dir mit 120mm Öffnung erreichbaren Vergrößerungen hast du da keine relevante Beeinträchtigung. Vielleicht nicht direkt in die Lichter schauen. Ich würde eher gucken dass ich eine Anhöhe anfahre statt ein flaches Feld mit Bodendunst, das wäre für Deep Sky wichtiger.

Ansonsten schaue ich vor allem auf die Strukturiertheit der Milchstraße und dieser Tage auf M31 um zu wissen was ich erwarten kann. Eine Wissenschaft für sich würde ich daraus aber nicht machen wollen.

VG Klaus
 
ich habe auch so ein Okular, das zeigt die Randaufhellung immer, unabhängig von Lufttransparenz

Eventuell hast du bei deinem Okularen mit internen Reflexen zu kämpfen, entweder durch mangelnd geschwärzte Linsenkanten oder reflektierenden Gehäusen.

Die Amis aus Cloudy Nights nennen das "Edge of Field Brightening". Kommt wohl häufiger vor, ohne dass Gründe dafür bekannt seien. Es gibt wohl ein Leica-Zoom-Okular, das das auch hat und wo es sich anscheinend feuchtigkeitsabhängig verschlimmert! Ebenso wurde es bei bestimmten TeleVue-Okularen beobachtet.

Ich hatte es leider auch bei meinen neuen Docter-12,5-mm-Okularen (!!!), die ich deswegen eingeschickt habe. Die werden im Moment bei Noblex auf Herz und Nieren geprüft. Ich kann das bei Okularen dieser Preis- und Güteklasse nicht akzeptieren. Hoffentlich lag es an den Beobachtungsbedingungen, denn es war an dem Abend extrem feucht und hell. Ich meine, dass ich es am Abend zuvor eben nicht hatte, weshalb es an den Bedingungen liegen KÖNNTE.

Ich möchte am Bino das Gefühl haben, im Weltraum zu schweben, das wird durch einen solchen aufgehellten Rand leider zerstört :(
 
Servus Nico,

Eventuell, und das ist nur eine nicht sehr durchdachte Theorie von mir, kommt der aufgehellte Bildfeldrand von anderen Komponenten am Teleskop.
Ich habe bei meinem Newton alle freiliegenden Flächen geschwärzt oder mit Velours ausgekleidet:
  • Die Innenseite vom Rohr vom Okularauszug die nicht von der Steckhülse des Okulars belegt wird, habe ich mit Velours ausgekleidet.
  • Bei sämtlichen Verlängerungshülsen habe ich das gleiche gemacht.
  • Die Kante vom Fangspiegel habe ich geschwärzt, sie ist eine große Streulichtquelle.
Vielleicht wird in das Okular oder am Rand vom Okular Streulicht "eingespiegelt", das zum aufgehellten Rand führen könnte, gerade bei aufgehellten Himmel, und Bedingungen die durch hohe Luftfeuchtigkeit Streulicht begünstigen.
Anders kann ich es mir im Moment nicht erklären. An meinem Okularen habe ich noch keinen aufgehellten Rand feststellen können.

Viele Grüße
*entfernt*
 
Hi Leute,

das Phänomen mit der Randaufhellung hatte ich mit dem 12er Nagler T4. Hier hatte ich die blanken Chromstellen in Verdacht, die um die 1 1/4"- Linse herum zu finden sind. Hab es aber nicht näher getestet, etwa durch schwarze Pappscheibe o.ä..

Irgendwann hat das - potentielle Problem - Televue wohl erkannt und die Hybrid-Okulare (2" Steckdurchmesser und 1 1/4" Steckdurchmesser) im ringförmigen Bereich um die Linse herum geschwärzt.

Ich weiss aber nicht, ob es daran lag. Hat das Docter im Zwischenraum von 2" auf 1 1/4" auch eine blanke Fläche?

Grüße
Norman
 
Hallo Nico ,

Einen guten Platz finden durchs Internet ist schon okay. Mache ich auch in Goole Earth . So sieht man sehr gut wie man dort hin kommt , was eventuel stören könnte, wie weit sind die nächsten Städte , Dörfer weg usw.
Wenn du dann vor Ort bist mußt du eben noch schauen ob dich die nächsten Nächte auch die Störenfriede wie , Förster, Jäger , Angler usw . , nicht stören . Ist mir alles schon passiert . Und meist sehr unfreundlich in der Wortwahl . Denken die Welt gehört ihnen .

Der SQM-L Wert von 21,65 mag auf dem Papier stehen . Hast du aber in der Regel ganz selten . Es beeinträchtigt schon alleine Luftfeuchtigkeit , Mondalter , Sommer /Winterzeit , Zirusbewölkung die du nachts kaum war nimmst .....
Ich habe auch Werte jenseits der 21,5 , aber die habe ich dieses Jahr fast nie erreicht . Ich bin da selber etwas sprchlos .

Den schwarzen Peter schiebe ich aber ganz klar auf die LED- Revolution in den Städten und kleinen Orten . Es ist ganz klar zu sehen das viele Lichtkegel nicht mehr warm gelblich sind , sondern ins weiße gehen und noch etwas höher liegen als letztes Jahr . Das wird für uns die nächsten Jahre nicht gut werden . In den nächsten 10 Jahren soll die Lichtverschmutzung um 6% zu nehmen , und das glaube ich auch .

Wenn du M 31 und M 33 vor allem 33 mit blosen Auge sehen kannst dann ist der himmel sehr gut . Das selbe mit der Milchstrasse . Ist sie klar und deutlich zu sehen und abgegrenzt im Nordamerika nebel , wie sichtbarkeit der Sagittarius-Wolke , im Stier die großen Sternhaufen , dann ist es dort sehr gut . Wassergräben würde ich meiden , wie See und Feuchtgebiete .
 
Hallo André,

Wenn du M 31 und M 33 vor allem 33 mit blosen Auge sehen kannst dann ist der himmel sehr gut

Uiuiui ... ;) Streichen wir mal M 31. Den sehe ich mitten aus München mit bloßem Auge...

Nico: Das beste Mittel zum Erkennen eines richtig guten Himmels ist, dass man mal einen genialen Himmel erlebt hat. Das brennt sich ein und dient einem ein Leben lang als Referenz.
Einzelobjekte und Grenzgrößen mit bloßem Auge sind schön und gut, aber da sind die individuellen Unterschiede beim Menschen zu groß.
Fakt ist, Feuchte killt die Transparenz und Himmelsgüte.

Sowie du kaum noch Lichtglocken erkennst ringsum, hast Du einen Top-Platz, der je nach Witterung mal besser mal schlechter ist.

CS
Norman
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Norman,

ich weiß nicht ob du eine Vorstellung hast wie schlecht die Bedingungen in dicht besiedelten (Ruhrpott) und dunstgeplagten (Flachland gen Norden) Gegenden sein können. In der rheinischen Tiefebene hat man sogar manchmal noch the schlechtst of both worlds. Hier aus Hürth erahne ich ganz manchmal die hellen Teile der Milchstraße im Schwan, wenn der ganz oben steht. Mehr ist nicht.

Dass man aus der bloßen Sichtbarkeit von M31 sehr gute Bedingungen ableiten kann würde ich natürlich auch nicht sagen. Aber für geschätzte drei Viertel der NRW Bevölkerung ist das schon ein Riesenschritt nach vorne. Traurig aber wahr.

VG
Klaus
 
Zuletzt bearbeitet:
Grüß Dich Klaus,

Deinen Einwand verstehe ich nicht ganz. Ich schrieb ja - "wenn kaum noch Lichtglocken sichtbar" und zusätzlich von "Witterung". Wo ich jetzt im Vergleich zu Deinen Ausführungen was gegensätzliches geschrieben haben sollte, kann ich nicht erkennen.

Ich habe jahrelang am Rand von Berlin beobachtet und diverse Plätze Deutschlands kennengelernt, inkl. Niederungen und Ostsee. Auch wenn ich vorwiegend aus der Alpengegend berichte, heißt dies noch lange nicht, dass ich den Rest von D nicht kenne nech ;)

NRW ist ein Extrembeispiel. Die Frage war, woran erkenne ich einen guten Himmel/ Platz. Da den Ruhrpottgammel argumentativ ins Feld zu führen, da sehe ich gerade den Sinn nicht ganz?

Ergänzung: der Nico schrieb ja davon, dass er Plätze gefunden hat, wo SQM 21,xx möglich ist - insofern glaube ich nicht, dass hier direkte Großstadtnähe Thema ist.

Beste Grüße
Norman
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Norman,

ich bin davon ausgegangen mit blosem Auge gesichtet .


Er macht es sich dann ja schwerer als es wirklich ist . Ich hätte auch schreiben können : suche und lade dir die Lichtverschmutzungskarte Deutschlands runter . Zoome stark rein und schaue dir deine Gegend an , deine ausgesuchten Orte an . Was dunkelblau /grau erscheint ist bestens dafür geeignet .

Was dann noch käme : und siehe zu , dass du richten SsO bis SsW keine Lichtglocken am Horizont hast .

Das würde schon reichen. ;)
 
Hallo Norman,

Im Extrembeispiel NRW leben 18 Millionen Menschen. Die Bevölkerungsdichte ist fast dreimal so hoch wie in Bayern. Und für viele NRWler ist mit der eindeutigen Sichtbarkeit von M31 und strukturierter Milchstraße schon ein guter Platz gefunden. M33 wird hier kaum einem freiäugig gelingen. Schon gar keinem Einsteiger, außer wir haben vielleicht mal Blackout und Flugverbot gleichzeitig.

Ich habe auch schon auf norddeutschen Feldern und Wiesen gestanden, da sieht man oft wenig vor Dunst.

Daher wollte ich die Erwartungshaltung an einen guten Himmel nicht so hochgeschraubt sehen. Sonst zieht mancher Einsteiger noch von einer Enttäuschung zur nächsten und vergisst darüber das Beobachten. Das zu vermeiden war die Intention meines Postings.

VG
Klaus
 
Ich habe bei meinem Newton alle freiliegenden Flächen geschwärzt oder mit Velours ausgekleidet

Hi Gerd,
Ich habe zwar auch ein Newton, aber das benutze ich nicht, da mir das monokulare Beobachten nicht zusagt. Ist das bei einem Refraktor/Großfernglas ähnlich? Meine beiden Tuben sind geschwärzt, wenn ich da von vorne reinschaue.

Hat das Docter im Zwischenraum von 2" auf 1 1/4" auch eine blanke Fläche?

Hallo Norman,
das kann ich nicht sagen, ich werde es untersuchen, sobald ich das Okular zurückhabe. Noblex wird es auch an einem Teleskop testen, sagten sie mir!

Dass man aus der bloßen Sichtbarkeit von M31 sehr gute Bedingungen ableiten kann würde ich natürlich auch nicht sagen.

Uiuiui ... ;) Streichen wir mal M 31. Den sehe ich mitten aus München mit bloßem Auge...

Es ist interessant, denn M31 habe ich bisher nicht so oft mit bloßem Auge erkennen können, echt krass, dass es ab München in guten Nächten geht!

Nico: Das beste Mittel zum Erkennen eines richtig guten Himmels ist, dass man mal einen genialen Himmel erlebt hat. Das brennt sich ein und dient einem ein Leben lang als Referenz.

Norman,
ich fuhr neulich über die A 28 (Oldenburg --> Leer) und sah schon während des Fahrens trotz der Scheinwerfer meines und anderer Autos, dass der Himmel sehr gut war. Also fuhr ich kurz vor Uplengen von der Autobahn runter auf einen Parkplatz, der komplett dunkel war, ohne Leuchten. Selbst ohne Dunkeladaption hat mich der Himmel total umgehauen! Ich hatte echt Mühe, vor lauter nun sichtbaren Sternen die Sternbilder zu erkennen! Laut "lightpollutionmap" hat der Ort wohl ein SQM von ca. 21,6, die Transparenz war wohl sehr gut. Das hat sich tatsächlich in mein Hirn eingebrannt! Ich freue mich darauf, so einen Himmel nochmal zu sehen, sei es an meinem waldnahen Ort, sei es bei einem Astro-Urlaub in den Alpen oder (mein Traum) mal mit Südhimmel in Namibia!

Ich habe auch schon auf norddeutschen Feldern und Wiesen gestanden, da sieht man oft wenig vor Dunst.

Hallo Klaus,
das ist richtig. Die Feuchtigkeit ist hier in den Randjahreszeiten echt enorm! Aber im Spätsommer/Früh-Herbst kann es in dieser Hinsicht auch sehr gut sein. Meine Gegend hier (Emsland) ist Gott sei Dank nicht dicht besiedelt und man kommt schnell in Gegenden mit weniger Lichtverschmutzung. Wie lange musst Du im Pott fahren, um einen akzeptablen Himmel zu erreichen?
Ich würde mir hier tatsächlich einige Hügel wünschen, um dem Dunst zu entgehen, aber ich glaube, das sieht nicht gut aus :D

Erstmal vielen Dank an alle Schreiber, der Thread ist für mich sehr produktiv. M31 relativiert, Technik relativiert, "fst"-Methode kennengelernt und Hypothesen zur Bildfeldrandaufhellung von Okularen bekommen.

Um neue Impulse zu geben:

Wer von euch kennt Gegenden in Deutschland, die oft sehr guten Himmel haben (z.B. Bortle 2 - 3)? Die Karte zeigt mir Nordhessen, den Harz, die Alpen und große Gebiete in Meck.-Pomm. und Brandenburg. Hat jemand schonmal dort beobachtet und/oder kennt andere Gegenden?

Viele Grüße
Nico
 
Hallo Klaus,

ich hätte "Ruhrpott" als Extrembeispiel schreiben sollen, damit wir nicht aneinander vorbeireden aber gut :-)
Die Bevölkerungsdichte ist fast dreimal so hoch wie in Bayern.

Dann vergleiche doch mal die Bevölkerungsdichte von München mit Sichtung von M 31 und Randlagen in NRW - bin ich besser dran? ;)

Lass uns mal nicht an der Fragestellung des TO vorbeibattlen mit Extrema.

Vielleicht würde es zudem helfen, wenn wir den genauen Standort von Nico kennen würden.

Nehmen wir mal die Fragen genauer her, zurück zu den konkreten Fragen:

zu 1.) Es hat zunächst ein wenig mit Erfahrung zu tun. Deine Beschreibungen heißen nicht zwingend, dass der HImmel nicht gut genug war, es wird noch an Erfahrung gefehlt haben um die "Helligkeit" des Gesehenen zu würdigen. M 51 ist für seine Objektklasse nicht schwach, soviel schonmal vorweg ;-)

Grundsätzlich ist jeder wolkenfreie Himmel geeignet, der in ca. 20 km Entfernung von jeder größeren Stadt liegt. Wenn man dem Hobby fröhnen will, muss man für sich das Optimum herausfinden zwischen Anfahrt und Himmelsgüte. Wenn kein richtig guter Himmel errreichbar ist, muss man eben nehmen, was gemessen am noch erträglichen Aufwand geht. Und da heißt es einfach beobachten und fertig. Da hilft es nicht, nach anderer Leute Anforderungen zu fragen - denn Du musst mit Deinem erreichbaren Himmel leben.
Du siehst an der bisherigen Diskussion Nico, es ist schwer zu sagen, wann ein Himmel gut genug ist für etwas - denn das ist höchst individuell.
Ich beschreibe bewusst nicht, wann für mich der HImmel gut genug ist für Galaxien, denn sonst steht morgen Klaus bei mir vor der Tür und haut mich ;-)

Nochmal - Du musst das beste für Dich herausholen in der Mischung aus Anfahrt und Ergebnis des Gesehenen.

zu 2.) Deine Herangehensweise ist perfekt. Genauso läufts am besten. Ansonsten gab es schon viele gute Tipps von den Kollegen. Leider ist es auch hier sehr individuell, was jemand unter strukturierter Milchstraße versteht. Aber es gibt die sogenannte Bortle-Skala, vielleicht hilft Dir die weiter. Recherchiere mal.
Windräder - da kommt es auf die Anzahl an und die Luftfeuchte. Ich stand mal vor einem der größten Windparks in Brandenburg und fand den Himmel trotzdem schön und brauchbar. Das Rot blendet nicht. Man sollte sich die Windräderfront aber nicht genau in den Süden plazieren, sollte klar sein ;-)

zu 3.)
Seeing: Vergiss das Messen. Das machen nur wenige, mehr aus Spielerei oder weil das richtige Experten sind. Das Flackern der Sterne wird gerne hergenommen als Bewertungsmaßstab - aber ich hatte schon tolle Luftruhe im Okular, obwohl die Sterne flackerten. Das ist zu vielschichtig und unnötig, da was bewerten zu wollen als Einsteiger. Du musst lediglich vermeiden, in ungünstigen Luftschneisen zu stehen, wo es Turbulenzen geben kann. Möchlichst auf irgendein Hügelchen stellen (die gibts auch im Norden), da ist das Seeing immer tendentiell besser als die Umgebung.
Das Wichtigste ist die Transparenz. Hier wurde schon gesagt - möglichst weg von Gewässern und Gräben auf Feldern. Und wenn, dann dort auch wieder einen Hügel (und wenns nur ein Deich ist) suchen, dass Du nicht beim ersten Anflug von Nebel gleich in den tiefsten Schichten stehst. Es helfen oftmals kleine topografische, landschaftliche Sonderstandorte. Die muss man selber herausfinden. So stand ich mal mit nem Kumpel von dichtestem Nebel umringt - aber wir selbst standen nicht im Nebel. Nur 50 m ringsum entfernt gabs die Schwaden, wir standen aber hinter einem erhöhten Gehölz und der Nebel ist links und rechts an uns vorbeigeflossen.

Also Feuchte vermeiden. Hohe Luftfeuchte heißt aber nicht zwangsläufig schlechte Transparenz. Wenn du eine gute Rückseitenwetterlage erwischst nach einem Regenguss, ists vielleicht feucht - aber mitunter ungewöhnlich superklar. Als Fausregel gilt Deine Gleichung aber. Ansonsten gute Seiten im Netz beobachten, welche Zirren vorhersagen - hat nichts mit Standort zu tun, aber damit, ob ein Rausfahren eher keinen Sinn macht.

Abwesenheit von Fremdlicht so gut es geht hinbekommen ist Anforderung Nummer 1, klar.

So weit mal meine, ggf. etwas ungeordneten, Gedanken dazu. Fazit ist einfach: den in Deinem Umkreis besten Standort finden und nutzen, egal wo andere Ihre Latte ansetzen, wann ein HImmel gut sei.

Beste Grüße und CS!
Norman
 
Hallo Nico nochmal,
wir hatten uns in den letzten Anworten überschnitten... hab Deine Antwort nicht gelesen vorm Abschicken.

Also die Erfahrungen die Du bisher gemacht hast mit, sind absolut nachvollziehbar und kann ich unterstreichen. Vorsicht ist ein bissel geboten bei den Eindrücken die man gewinnt, so frisch geblendet und dann in den Himmel gucken. Geht mir auch öfter so, ist zuweilen ein komischer Effekt und nicht zwingend real guten Himmel bedeutend, kann also trügen. Immer erst die Augen etwas anpassen lassen an die Dunkelheit - erst dann kann man wirklich eine Aussage treffen.

Aber es macht Spaß Deine Begeisterung zu lesen - und Du gehst das soweit alles richtig an - klasse :-)

Dunkle Plätze.... da müsstest Du konkreter werden, was Du wissen willst. Viele von uns inkl. mir waren an diversen Plätzen quer durch Deutschland, gerade bei Teleskoptreffen in den dunklen Gebieten. Eins kann ich vorwegnehmen: unterm Strich nehmen sich die Plätze in den dunklen Ecken alle nichts.

Beste Grüße
Norman, der hier gerade auf die Wolkenlücke für den Kometen wartet
 
So weit mal meine, ggf. etwas ungeordneten, Gedanken dazu. Fazit ist einfach: den in Deinem Umkreis besten Standort finden und nutzen, egal wo andere Ihre Latte ansetzen, wann ein HImmel gut sei.

Vielen Dank Norman für Deinen ausführlichen (!) Beitrag. Ich wohne übrigens in Papenburg (nördliches Emsland). In Papenburg selbst wird der Himmel durch diverse Gewächshäuser mehr oder weniger zerstört ("Papenburger Kräuter", Gurken etc.), zudem gibt es hier jede Menge Kanäle (= Feuchtigkeit). Also nicht optimal, ABER auch keine Ruhrpottgroßstadt :) Dennoch ist der Himmel in meinem Garten bisweilen ganz brauchbar. Wenn ich nach Galaxien/Planetarischen Nebeln (aus Anfängersicht) gehe: M81/M82 schon gesehen (ist wohl aber eher ein leichtes Ziel), den Eulennebel aber nicht, diesen aber sehr wohl an einem besseren Standort gesehen, wenn auch schwach. Ähnlich lief es mit der Surfboard-Galaxie. Schwächere Kugelsternhaufen (anders als der Herkuleshaufen) blieben bisher diffus und kaum aufgelöst.

Dunkle Plätze.... da müsstest Du konkreter werden, was Du wissen willst. Viele von uns inkl. mir waren an diversen Plätzen quer durch Deutschland, gerade bei Teleskoptreffen in den dunklen Gebieten. Eins kann ich vorwegnehmen: unterm Strich nehmen sich die Plätze in den dunklen Ecken alle nichts.

Das steht bei mir eben noch aus. Würde gerne mal an solchen Teleskoptreffen teilnehmen, wo finde ich dazu Übersichten? Hier im Forum? Eine Vernetzung mit anderen Sternfreunden ist noch nicht gegeben, allerdings von mir sehr erwünscht. Die örtliche Volkssternwarte hab ich auch schon besucht, allerdings hatte mir das nicht so zugesagt. Ich meine mit dunklen Plätzen generell die "blauen Regionen" auf der Bortle-Karte.

Freue mich schon darauf, die von mir jetzt ausgemachten Plätze näher zu untersuchen, aber das Wetter lässt uns hier im Moment stark im Stich :cry: Ich denke, vor allem der zweite Beobachtungsplatz (etwas südlich von Gehlenberg direkt am Eleonorenwald) hat Potenzial, denn das ist außerhalb der Ortschaft an einem Feld, ich glaube auch ohne Gräben/Kanäle, keine Windräder, keine Laternen, laut Internet gutes SQM (> 21,6), auch wenn dieses abhängig von der Tranparenz ist. Leider keine Erhöhung in der Nähe, um dem Bodennebel zu entfliehen.

Viele Grüße
Nico
 
Hi Nico,

sehr gern!

Treffen: Schau mal hier:

Astrotreff - Astronomie Treffpunkt - Termine Teleskoptreffen 2018

Die Liste ist an gleicher Stelle kommendes Jahr wieder zu finden.
Ich hoffe, jetzt nicht gegen die Etikette zu verstoßen, mir ist aber gerade eine ähnliche Zusammenstellung in a.de nicht im Kopf.

Freut mich tatsächlich enorm, wie Du Dich mit den Plätzen so auseinandersetzt. Ein viel zu selten betontes Thema und ich erlebe selten jemand, der soviel Freude an der Platzsuche hat. Denn dies ging mir immer genauso - bin mit dem Rad in die vorrecherchierten Ecken gegondelt und hab gekundschaftet - nachts wie tags :) Gehört für mich mit zum Hobby.

Schöne Grüße
Norman
 
Hallo,

Ist das bei einem Refraktor/Großfernglas ähnlich? Meine beiden Tuben sind geschwärzt, wenn ich da von vorne reinschaue.

Bei einem Fernglas weis ich das nicht, denn ich habe keines.
Beim Refraktor sollten die Blenden sämtliches Streulicht abfangen.

ich würde den Tubus vom Refraktor ohne Okular ins Licht, aber nicht in die Sonne, halten um zu sehen, ob irgendwelche blanken Teile oder Reflexe von blanken Schrauben zu sehen sind.
Das gleiche Vorgehen auch mit dem vollständig für die Beobachtung aufgebauten Teleskop, an den sämtliche Teile wie Zenitspiegel oder Reduzierhülsen angebaut sind.
Eventuell gibt es hier noch Quellen für Streulicht, das den Rand vom Okular aufhellt.

Viele Grüße
*entfernt*
 
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Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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