Hallo Vega,
ich kann André nur beipflichten, erarbeite Dir die Grundlagen, suche Kontakte. Nur durch Praxis wirst Du wirklich lernen und wissen, worauf es ankommt.
Ich gehe mal davon aus, daß Deine innere Motivation zur Freizeitastronomie irgendwo zwischen großem Interesse und Begeisterung liegt. Das ist ja wunderbar und hilfreich und eine prima Grundlage, sich da in die Materie reinzudenken. Aber eine solche Grundstimmung kann auch schnell überzogene Erwartungen hervorbringen, die dann bei Ausbleiben zur Enttäuschung führen können. Und um sowas zu vermeiden, will ich mal kurz ein paar "vorsichtige Dämpfer" auffahren, zunächst anhand eines nicht-astronomischen Beispiels. Zweck der Übung ist nicht, irgendwas an der Amateur-Astronomie mieszureden, sondern auch mal Lebenspraktisches aufzuzeigen.
Das (bewußt überzeichnete) Beispiel: jemand, der ins Autofahren einsteigen will und bisher nur Radfahrer war. Die vom Fahren begeisterte Person träumt von vielen Zylindern und reichlich PS, von freien Straßen im Sommer, vom praktischen Schlafen im Wagen nach der Grillparty, vom Überallhinkommen und Nie-mehr-Busfahren, Nie-mehr-Reindrängeln, Nie-mehr-Kleingeld-Dabeihabenmüssen etc.. Den Führerschein wird man schon schaffen und dann ist die große Freiheit da.
Nun die Dämpfung des ganzen: Stellungnahme zum Autofahren von jemand, der viel unterwegs ist, weil Arbeit und Wohnung nicht so nah beieinanderliegen, wie es klasse wäre, jemand, der Termine bei Kunden wahrnehmen muß, dessen alternde Verwandte Hilfe und Besuche brauchen, dessen Kinder zur Schule gebracht werden wollen, usw. Der wird sagen, ja mein Autofahrträumer, ist sicher nachvollziehen, aber in der Realität siehts oft genug eher so aus: Mit viel PS schluckt das Teil gut Sprit, welcher ordentlich besteuert ist, im Stau stehend auch noch, im Winter wirds kalt im Stau bei stehendem Motor, Überallhin ja, aber nicht ohne Preis. Und die Wartung, Öl, Werkstatt, dann doch wieder Bus, normalerweise kein Kleingeld, dafür Scheine an der Tanke nicht zu knapp, nach der Grillparty mit Schiefhals in praller Sonne halb vertrocknet aufzuwachen, wo die Radfahrkollegen im Zelt geschlafen haben, und Fahren zum Spaß, wenn man schon so viel zwangsläufig unterwegs sein muß...
Ich glaube, Du verstehst, daß es mir ein bisschen um Desillusionierung geht, und reifes, differenziertes Einschätzen der Situation. Erhalte Dir ruhig Deine Begeisterung, aber schau Dir auch unliebsame Gesichtspunkte an. Alles hat auch eine Kehrseite.
Nun zur Astronomie: hochqualitative Geräte haben ihren Preis, da kommst Du nicht dran vorbei, Ebay ist eine Schlangengrube. Die andere Möglichkeit wären nicht so hochqualitative Geräte, die niederpreisiger sind.
Alle Amateure im visuellen Spektralbereich sind auf das Wetter angewiesen, was schon mal hier die erste Geduldsprobe darstellt. Das ist Dir natürlich klar, aber ich will mal versuchen, systematisch zu sammeln.
Planetenbeobachter sind i. d. R. mit ihren hochqualitativen Geräten in den Planetensaisons (-->Recherchevorschlag 1= RV 1) unter dem Himmel. Ständig "beschweren" sie sich über das Seeing (RV2), die Horizontnähe (RV3) und die atmosphärische Refraktion (RV4). Viele Male bauen sie ihr Equipment auf und haben nur magere bis durchschnittliche Abbildungen. Stundenlanges konzentriertes Beobachten wabernder Scheiben. Oft genug ziehen Wolken auf. Nebel alternativ. Tau und Eis sind auch nicht Unbekannte, allerdings immerhin in den Griff zu bekommen. In nur ganz wenigen von den eh schon wenigen klaren Nächten ist es dann besser. Dann gibt es die Momente bis Minuten, die all die "Strapazen", wie es durchaus für Außenstehende wirken kann, mehr als aufwiegen. Über das Verhältnis: x-mal bewölkt, y-mal "umsonst" aufbauen, z-mal nichts schönes sehen und dann einmal im Jahr, wenns ganz dicke kommt, DAS Erlebnis, muß man sich im klaren sein, oder man verleugnet die Realität. Natürlich gibt es auch zahlreiche "Verbesserungsmöglichkeiten": mit der Webcam arbeiten (erfordert allerdings Cam, Laptop, Stromversorgung), auf hohe Berge fahren, in südliche Gefilde reisen, wo das Durchschnittswetter schon klarer ist. Aber alles auch wieder Folgekosten und Aufwand, nur so zum im-Kopf-behalten mal gesagt. Zu den optischen Anforderungen: m. E: machen Planeten nur im relativen Hochvergrößerungsbereich Spaß (ab 150-180x). (Eine 90fache Venussichel und derartiges jetzt mal ausgenommen.) Um das mit AP-Reserve (RV5: AP) zu machen gehts eigentlich kaum unter 4-5 Zoll Öffnung. Lange, feine, echte Fraunhofer-Refraktoren sind geeignet, aber heute auf dem Neu-Markt eher selten, brauchen eine große kostspielige Montierung und eher sind eher hochpreisig. Alternative wäre ein leider min. ebenso hochpreisiger APO. Oder - wenn wir Spezialdesigns wie Schief/Mak etc. mal ausklammern - eben ein vergleichsweise preisgünstiger Newton als f/6(+). Den muß man allerdings beherrschen, was gegenüber einem Refraktor eine ganz ganz andere Angelegenheit ist. Ein heute erworbener sehr günstiger (Fernost)-Newton gehört getuned (Innenschwärzung mit Klebe-Velours, Lüfter) justiert und bringt gute Leistung, wenn er ausgekühlt ist. Ein Kollege hats mal schön auf den Punkt gebracht: "Irgendwas ist immer". Wir sind schon ein komisches Völkchen...
Nun zum Deep-Sky. Das Wetter-Thema ist dasselbe wie bei den Planetenleuten, bloß der Ärger über Lichtverschmutzung (einschl. Mondsichel) und stärker noch Dunst, Hochnebel, Zirren (RV6) kommt hinzu. Auf dem Feld wird im Dunkeln aufgebaut, hoffentlich fährt kein Auto mit Fernlicht vorbei, bzw. schnell Augen zu. Skybeamer stören mehr die Fotographen, sind aber auch bei visuellen DSlern eher verhaßt. Dann die Wahrnehmung. Oft genug an der Grenze. Technik des indirekten Sehens (RV7). Der Erfahrene zum Neuling: "knallhell in der Mitte eingestellt" - der Neuling: "ok, ich geh nächste Woche zum Augenarzt"... Flächenhelligkeit und Punktquellen ist auch ein sehr schönes Einführungsthema. Auch hier natürlich der Hinweis: wieder die Möglichkeiten zur Verbesserung wie Gebirge etc, auch hier wieder die subjektive Einschätzung des Lohns in Relation zum Aufwand.
Ich weiß nicht, ob Du das in diesem Thread oder in einem anderen hier im Forum geschrieben hast, aber Du konntest die Andromeda-Galaxie vor kurzem mit Deinem 60/700-FH nicht entdecken. Eine vorherige "Recherche" (Buch, Zeitschrift, Internet, Foren, Google...) hätte ergeben, daß sie derzeit schlecht steht. Ferner ist sie visuell nicht besonders aufregend. Wenn Du das Thema Flächenhelligkeit schon verstehen würdest, wäre das Dir nichts neues. Als nächstes ist gerade die Andromeda-Galaxie visuell unter unseren deutschen Himmeln auch nichts mehr als ein nebliges Fleckchen (Kern) mit beträchtlicher Größe in den Außenpartien (RV8). Zur "Beobachtung" zur zenitnahen Zeit im Jahr empfiehlt sich Nutzung maximaler AP.
Kannst Du Sternbilder anhand von Karten aufsuchen und beherrscht Du das Starhopping schon? Sowohl die Karten als auch Anleitungen zum Starhopping sind alle im Netz und teilweise sogar über die a.de-Startseite abrufbar. All das kannst Du mit Feldstecher und Deinem Gerät üben. Dein Gerät ist auch sehr schön am Mond und MIT GEEIGNETEM ÖFFNUNGSFILTER für die Sonne geeignet. Nutze dies, mache Erfahrungen. Lerne Peilen und Finden.
Warum Scheinern scheinern heisst, verrät Dir google in Sekunden, aber auch die Suchfunktion für die Foren hilft sofort.
Jetzt zu dem, was Du zu André schreibst, der sich doch prima um Dich bemüht hat. Du stehst ohne jeden Anflug von Zweifel definitiv sehr am Anfang. Ein bisschen Ahnung hast Du schon, aber es ist nur ein kleines bisschen. Das wird nicht so bleiben und das ist auch klasse und wird Dir auch Freude bereiten. Du schreibst, du kennest Dich am Himmel aus - der "Andromeda-Fall" läßt mich da noch etwas zweifeln. Weiter schreibst Du, das Du Dir mal ein bisschen Luft gemacht hast.
Geduld und Hartnäckigkeit sind schon wesentliche Tugenden oder Charakterzüge, die man m. E. in Grundzügen schon in die Hobby-Astronomie mitbringen sollte, da hat man reichlich Gelegenheit, dies noch zu vertiefen. Es ist heute gegenüber früher anders in die Astronomie einzusteigen. Alles ist etwas anders. Der Himmel (Lichtverschmutzung), der Markt (Fernost), die Vorbildung (Pisa) und mediale Prägung (bunte Bilder aus Langzeitbelichtungen und von Weltraumteleskopen) können zu falschen Erwartungen führen. Allein die Vokabeln "Geduld und Hartnäckigkeit" kommen in der heutigen Zeit etwas verstaubt rüber, die Marktmacht wirbt - gezwungenermaßen und am Puls der Zeit - eher mit vielen tollen Superlativen und "Erfolg und Genuß". Das schreibe ich , damit Du darüber vielleicht etwas ins Nachdenken kommst. Wenn Du Dir schon nach einem leicht kritischen Posting "Luft machen mußt", wie fühlst Du Dich dann nach dem dritten mal umsonst aufbauen, nach dem dauernden Nichtfinden von schwachen Objekten, nach dem durchs Anstoßen ans Stativbein rausgeflogenen Objekt, nach dem Versagen der Stromversorgung, dem ersten Zueisen des Objektivs... Fasst Du sowas eher als Grund für Frust oder als Hinweis zur Verbesserung auf?
Zu Vereinen in Deiner Nähe: auf der astronomie.de-Startseite (nicht die Foren-Startseite, sondern die Portal-Startseite) ist oben links ein Link zum GAD, wo alle (?) Vereine im Lande geordnet und gut auffindbar verzeichnet sind. Ferner besteht noch die Möglichkeit zur Mailfreundschaft und nutze das Treffpunktforum, um Kontakte zu knüpfen. Bei mir hats prima geklappt.
Deinen Einblick wirst Du noch weit weit vertiefen, geh mit Sternfreunden beobachten, suche das Gespräch und probiere Geräte aus. Solltest Du irgendwann dann (!) wissen, was Du Dir gern anschaffen möchtest (ich prophezeie aber, daß Du wohl erstmal noch viel besser mit Deinem jetzigen Gerät "arbeiten" kannst), nenn so grob den Preisrahmen. Das ist schon ein wesentlicher Grenzwert.
Ich hoffe, ich habe Dich weder vollgetextet, kürzer konnt ich nicht, ich hoffe, ich habe Dich nicht verschreckt, ich wollte eher aufzeigen, wo Du konkret anstetzen kannst, und was Praxis oft genug auch bedeutet.
Ich wünsche Dir von Herzen verständliche Suchergebnisse, einen prima weiteren Einstieg und natürlich
klare Himmel mit Top-Bedingungen,
Matthias.