Auf dem richtigen Wege...
Hallo Vega,
das klingt ja schon viel besser; wenn Deine Neigung zur Ungeduld so schnell abkühlt, ist es ja alles halb so schlimm und Du wirst noch viele weitere schöne Stunden am Teleskop erleben.
Und zu meiner "ernüchternden Schilderung": die war schon bewußt überzeichnet, um die Sachverhalte klar herauszustellen. Wenn Du mal ins Beobachtungsforum schaust, wirst Du viele Berichte lesen können, in denen auch schiere Freude und Genuß unterm Sternenhimmel beschrieben werden, aus erster Hand. Wenn ich da allein an meinen ersten Anblick vom Saturn im Fernrohr denke, krieg ich noch heute Gänsehaut...
Du hast also doch schon einiges mit Deinem Rohr gesehen. Da hab ich wohl etwas zu schnell überflogen Deinen Text, sorry. Mit Kometen, das ist oft schwierig mit einem 60/700 und den üblichen Okularen. Der punktquellenartige Kern ist häufig helligkeitsmäßig schlichtweg zu schwach für eine 60er Öffnung. Bei stärkeren Kometen wirkt der Kern am ehesten sternartig, also auch nicht gerade besonders eindrucksvoll. Für die Koma oder den Schweif als flächige Lichtquelle zählt die Größe der Austrittspupille (AP= Okularbrennweite dividiert durch Öffnungszahl). Wenn Deine Augen richtig gut an die Dunkelheit angepaßt sind, ist deren Öffnung so zwischen 6 und 7 mm. Das Lichtbündel allerdings, welches durch sagen wir ein 32er Okular käme, hätte aber nur 32:10,7=ca. 3 mm. Da ist schlichtweg nicht besonders viel Licht drin (weniger als ein Viertel des maximal möglichen). Der Beobachtungseindruck wäre genauso, als wenn Deine Augen erst gerade mit der Dunkel-Adaption begonnen hätten. So ist der Schweif dann deswegen nicht sichtbar. Da kann man lange vergebens suchen. "Kometensucher" sind daher typischerweise Linsenteleskope (ohne Mittenabschattung wie beim Newton) mit großem Blickfeld, eher geringerer Vergrößerung aber maximaler AP. Aber an richtigen "Brummern" (Hale-Bopp, Hyakutake z. B., im Moment leider keiner) kommt auch mit Deinem Gerät schnell Freude auf. Ganz wichtig ist auch ein dunstloser, klarer sehr dunkler Himmel ohne Mond. Auf die Andromeda-Galaxie ist das alles gut übertragbar.
Bleib am Starhopping dran, das ist die wichtigste Grundübung. Ob M 57 (Ringnebel Leier) mit dem 60/700 gut geht, muß ich mal gegenchecken. Recht hast Du natürlich, daß jetzt ohne astronomische Dämmerung und wo es erst sehr spät dunkel wird, keine Freude an schwachen Objekten aufkommt. Bald aber kommen die erfahrungsgemäß ergiebigen Nächte des ausgehenden Sommers und beginnenden Herbstes, dann lohnt sich die Hartnäckigkeit, denn die Erfolge belohnen ja sofort am Okular. Deine Begeisterung ist mit Sicherheit sehr hilfreich, dabei zu bleiben.
Wenn Du etwas bastlerisch machen willst, kannst Du Dein Gerät vielleicht "tunen". Such mal unter "Aldi-Tuning" hier im Forum - gib dabei aber als Zeitraum unbedingt "alle Postings" an. Die einfachste und besonders am Mond augenscheinliche Tuningmaßnahme ist das Einlegen eines Schwarzveloursstreifens (zur Rolle gerollt) ins Okular-Auszugs-Rohr. Das ist vorher nämlich meist glänzend von innen und erzeugt viel Streulicht, was ein milchiges Bild ergibt. Ich selbst habs genau auf Maß geschnitten und nur eingelegt, es hält von selbst und ist auch je nach eingesteckter Okularhülsenlänge verschieblich. Auch kann es entfernt werden und das Gerät bleibt somit "unverändert verkäuflich". Auch taucht so das Klebe und -Knick-problem gar nicht erst auf.(Tagbeobachtung z. B. am Mond wird ebenfalls ungeheuerlich verbessert, es ist, als hätte man ein anderes Instrument!) Eine zweite, schon invasivere Maßnahme betrifft die Blende im Tubus. Da mußt Du aber erstmal recherchieren und bei Dir nachmessen. Es kommt vor, daß diese entfernt werden kann und erst dann die volle Öffnung genutzt wird. Hierzu sind häufig die Schrauben des OAZs zu lösen, danach empfiehlt sich auch hier das Einbringen von Schwarzvelours (praktischerweise mit gerollter Pappe als Innen-hilfs-rohr). Mit besseren Okularen (Reflexe, Einblick) oder einem besseren Zenitspiegel ist natürlich auch die Leistung besser, aber da sind wir schon wieder bei Ausgaben. In der Grabbelkiste auf der Astromesse sind die Zenitspiegel aber m. E. immer noch besser als so mancher beigelegte, allein wenn man sich das genutzte Feld ansieht (ist die volle 31-mm-Öffnung frei oder ist da eine Plastikblende? Aufbohren? Vorsichtig! Auch wenns unbequem ist, an schwachen Sternen mal mit und ohne Zenitspiegel vergleichen).
Nun noch zum vereisten Objektiv. Ist mir schon zweimal passiert. Einmal weit draußen im Münsterland, wo ich dann auf den Dobson umgestiegen bin (der hat sozusagen ne 1-Meter-Taukappe von Haus aus) und einmal letzten Dezember hier im Hof bei ca. -10° C, als ich mit der Webcam am 90/1000 Saturn nachgestellt habe. Der "Fokus" war einfach nicht mehr zu kriegen, Wolken waren da keine, ich lief wegen der Kälte etwas umher, trank noch einen Tee und da sah ich mehr zufällig den Rauhreif auf der Objektivlinse. Das war schon blöd. Habe dann Verlängerung gelegt und den Föhn geholt. Nicht die feine Art, aber man weiß sich ja zu helfen. Selten genug Spechtelwetter. Zur nächsten Kaltsaison gibts nen Heizschlauch im Selbstbau (Plastikschlauch mit berechnetem Widerstandsdraht und Vogelsand). Ist auch am Okuar praktisch und angenehm fürs Auge/Gesicht. Tau und bei Minusgraden Eis gibt es, weil das himmelwärts gerichtete Objektiv in den "Weltraum" Wärme verliert und somit kälter wird, als der Taupunkt in der Luft. Die Taukappe verstellt reichlich Blickwinkel von der Objektivlinse aus zum kalten "Weltraum" gesehen, deswegen tauts/eists hier zuerst. Aus Moosgummi kann man sich sogar für den Sucher oder das Fernglas Taukappen bauen. Apropos Fernglas: eine prima Zwischenstufe zwischen Auge und Teleskop für Dich, gerade zum Üben vom Starhopping.
So, nun hab ich Dich doch wieder zugetextet, aber ich hoffe, es waren ein paar Tips dabei, alles Beste weiterhin,
klare Himmel und Top-Bedingungen wünscht
Matthias.