Hi!
Auf 2" haben wir den schon länger aufgerüstet, wobei das weniger Bildfeld liefert als das alte System 64 von Lichtenknecker – aber für einen Lichtenknecker-Okularrevolver gibt es zu wenig Backfokus. So haben wir eine Clicklock in der Adapterplatte versenken müssen, aber jetzt ist ein angenehmerer Einblick möglich. Früher ging nur geradsichtig, also parallel zur Erdachse nach oben (hier mit dem 70mm Lichtenknecker):
Das schwarze U-Boot-Rad am Übergang zum hellen Teleskoptubus ist die Scharfstellung. Im letzten Post von mir sieht man die alternative 2"-Ansatzplatte - mit 2"-Zenitspiegel sind wir fast am inneren Anschlag.
Mit modernen 2"-Okularen ist halt bei gut einem Grad Bildfeld Schluss, da sind wir mit 36mm Hyperion (2,4mm AP, 1,15°), 42 mm TSWA (2,8 mm AP) und 50mm TSWA (4,5mm AP, ebenfalls 1,15° am Himmel) unterwegs. Da passt der Mond schön rein, mit etwas Luft rundrum. Für höhere Vergrößerungen gibt's ein paar Morpheus-Okulare, macht schon Spaß. (Wobei ich noch einen Lichtenknecker Schiefspiegler 125/3500 habe – da liefern die langbrennweitigen Lichtenknecker-Orthos auch ein wirklich schönes Bild, und bei den Brennweiten passt auch der Augenabstand.)
Telrad bringt wenig... ich hatte vor einigen Jahren zwei Alu-Schienen als Peilrohr angeklebt (rechts und links am oberen Gelenk/Umlenkspiegel), um besser am oberen Tubus entlangpeilen zu können, um Mond, Venus und Jupiter auch so zu finden.
Das Problem ist, dass das ein Coudé-Refraktor ist – die Feineinstellungen sind fix unten am Okular (also immer im Süden), und um am oberen, beweglichen Tubus entlangzupeilen, muss man aufs Teleskop klettern, um überhaupt den Teil zu sehen, der aus der Kuppel rausschaut - man muss also selbst auf gut 2m Höhe kommen. Wenn man sich dann an der Nordseite der Säule festhält, kann man die beiden oberen Tubussegmente schwenken, wenn die Klemmungen gelöst sind. Wenn man z.B. nach Süden schaut (wir nutzen das Teleskop meist für das Planetensystem plus etwas Deep-Sky, vor allem Doppelsterne – nebenan steht ein C14 für Deep-Sky), ist man von den Feintrieben halt maximal entfernt, weil die auch im Süden stehen. Man muss also den Tubus anpacken, genauer gesagt das obere Tubusdrittel - und das klappt meist nicht, solange man auf dem Fußboden steht. Der große Vorteil vom Telrad – dass er auch aus der Entfernung funktioniert – bringt dann nicht mehr viel. Schon, weil dann rasch die Kuppelwand kommt
So sieht das beim Blick nach oben aus, Blick flach nach Süden habe ich gerade kein Foto parat:
Zum Größenvergleich: Die Türe hat fast normale Türhöhe, ich muss mich kaum bücken, wenn ich in die Kuppel gehe. Die Stange links ist der R.A.-Feintrieb, die Querstange rechts ist der Deklinations-Grob- und Feintrieb, der sich mit dem Teleskop mitdreht.
Der Kuppelspalt wirkt auf den Weitwinkelaufnahmen auch größer – vor dem Krieg stand ein ca. 11cm-Refraktor in der Kuppel, dafür war sie ausgelegt. Mit dem 15cm-Teleskop ist der Spalt schon maximal ausgereizt.
Und Zeiss hat für den gerade mal 6" großen Refraktor massiv gebaut – mit Säule wiegt der eine Dreivierteltonne. Deutsche Wertarbeit, komplett overengineered – auf Cloudynights gibt's einen Thread von einem, der so ein Gerät neu restauriert hat:
Page 1 of 19 - Zeiss Coudé telescope rebfurbish - posted in Classic Telescopes: Last spring I acquired, via Cloudy Nights classified, a classic Zeiss Coudé telescope with a 150mm f/15 objective for a princely sum. The telescope is interesting in that the converging beam is folded with two flats...
www.cloudynights.com
Aber der Coudé hat jetzt 40 Jahre Schulbetrieb überlebt, kürzlich einen neuen Motor erhalten und läuft einwandfrei, auch wenn die Vergütung teilweise hinüber ist.
Und es wirkt einfach professioneller, wenn dir beim Einstellen Sternzeit, Rektaszension und Deklination diktiert werden, als wenn du am Teleskop rumturnst, um was einzustellen

(Wobei es auch sehr gut kommt, wenn wir draußen auf der Plattform einen normalen Refraktor aufbauen, und man Jupiter einfach so mit langpeilen am Tubus einstellt. Da hat mich schon manch Führungsgast gefragt, wie ich den eingestellt habe – und war verwundert, als ich gesagt hatte, das ist der helle Stern da oben, einfach anpeilen).
Für die Planeten hat ein Vereinskollege ein ähnliches Display gebaut wie für die Sternzeit, das die Planetenkoordinaten anzeigt. Das ganze in der alten, engen Kuppel macht schon Spaß. Mit der Astro Informations App von oben wären dann beide Sachen (Sternzeit und Planetenephemeriden) vereint (ohne dass ich was neu erfinden muss

). Mal schauen, vielleicht wandert irgendwann ein altes Smartphone an die Wand.
Beste Grüße,
Alex