Hallo zusammen,
ich hatte mir dazu vor einiger Zeit schon zwei Videos angeschaut und anschließend auch etwas näher mit dem System beschäftigt:
https://www.youtube.com/watch?v=zBw5oxIcRgs
https://www.youtube.com/watch?v=-12UC6pZbPY
Das integrierte Guiding über den Hauptsensor finde ich durchaus interessant. Vielleicht wäre das eine Methode, welche man zukünftig auch ausserhalb dieses Systems einbringen kann. Insgesamt spricht mich das Konzept aber nur bedingt an, insbesondere wegen der fehlenden nativen Unterstützung für meine Canon-RF-Objektive... es wäre natürlich reizvoller, wenn ich meinen vorhandenen Objektivpark hierfür einsetzen könnte.
Bei der mobilen Nutzung sollte man auch berücksichtigen, dass der integrierte Akku bei maximaler Kühlleistung laut Hersteller nur rund zwei Stunden durchhält. Für längere Aufnahmesessions benötigt man also weiterhin eine externe Stromversorgung oder zusätzliche Akkus.
Etwas skeptisch bin ich auch bei den beworbenen 29 Blendenstufen Dynamikumfang. Diese werden schließlich erst durch eine kamerainterne HDR-Kombination mehrerer Belichtungen erreicht. Der native Dynamikumfang des Sensors liegt laut Hersteller bei 14 Blendenstufen. Wie gut diese HDR-Verarbeitung in der Praxis funktioniert und welche Vorteile sie gegenüber einer herkömmlichen Bearbeitung bietet, würde mich durchaus interessieren. Nebenbei wurde die HDR-Technologie wohl auch schon bei der SoFi in Spanien eingesetzt, was ich auch interessant finde, besonders in Bezug auf die SoFi im kommneden Jahr.
Hinzu kommt, dass offenbar noch einiges in der Entwicklung steckt. Auch der verwendete Sony IMX410 ist kein besonders neuer Sensor. Mit seinen 24 Megapixeln und 5,94 µm großen Pixeln bietet er zwar gewisse Vorteile (Ich nutze ihn gerne bei meinen langen Brennweiten), bei den eher kurzen Brennweiten von Fotoobjektiven sehe ich in der gröberen Bildabtastung allerdings keinen wirklichen Gewinn. Da würde ich persönlich eine höhere Auflösung bevorzugen.
Auch den praktischen Mehrwert des integrierten Rotators muss ich hier für mich hinterfragen. Gerade bei den eher kurzen Brennweiten, für die das System hauptsächlich interessant sein dürfte, frage ich mich, wie häufig man eine automatische Bildfeldausrichtung tatsächlich benötigt. Für Mosaike mag das durchaus sinnvoll sein, ansonsten lässt sich der Bildausschnitt meist auch problemlos manuell ausrichten. Die angekündigte aktive Bildfeldrotationskorrektur wäre technisch sicherlich interessanter, befindet sich aber offenbar ebenfalls noch in Entwicklung... Ob der zusätzliche mechanische und finanzielle Aufwand dafür gerechtfertigt ist, - na ich weiss nicht so recht.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist für mich das noch junge Unternehmen dahinter. Wie sieht es langfristig mit Softwareupdates, Support, Reparaturen und Ersatzteilen aus? Zwar werden mehrere Jahre Softwareunterstützung angekündigt, aber ob das auf Dauer auch so funktioniert, muss sich erst zeigen.
Das sollte man vielleicht auch noch abwägen: Für den aufgerufenen Preis kann man sich auch eine ziemlich leistungsfähige klassische Astrofotografie-Ausrüstung zusammenstellen. Die kompakte Bauweise und die vielen integrierten Funktionen haben sicherlich ihren Reiz, aber ob sie den Preis tatsächlich rechtfertigen... da bin ich mir nicht so sicher.
Insgesamt finde ich das Konzept durchaus spannend und werde die weitere Entwicklung auch verfolgen. Besonders die neuen Ansätze beim Guiding und bei der aktiven Bildfeldrotationskorrektur würde ich gerne einmal unter realen Praxisbedingungen im Einsatz sehen. Momentan bleiben für mich allerdings noch zu viele Fragen offen. Deshalb bin ich gespannt, wie sich das System in der Praxis bewährt und ob es die angekündigten Möglichkeiten tatsächlich ausschöpfen kann.