Asi662mc weniger empfindlich ? Defekt ?

komposer

Aktives Mitglied
Hallo,

ich habe mir die Asi662mc zugelegt und habe mich gestern über die hohe Belichtungszeit beim ISS Überflug gewundert.

Eben habe ich dann an der Venus die Kamera mit der Asi120mc und der As462mm verglichen.

Equipment:
12" F5 Dobson und Baader Q-Turret Barlow.

1. Asi662mc mit Optolong Sperrfilter
2. Asi120mc (hat den Sperrfilter verbaut)
3. Asi462mm mit Astronomik Sperrfilter

Es ging mir nur um die Empfindlichkeit des Sensors.
Den Gainwert habe ich auf 0 gesetzt.

Hier der Liveanblick animiert, ziel war es die Belichtungszeit so anzupassen, dass die Venus ungefähr gleich hell ist.

1. Belichtungszeit 3,6ms
Test_140725_080225_RGB_Exposure=3.6ms_Gain=0.gif

2. Belichtungszeit 1,5ms
Test_140725_080047_RGB_Exposure=1.5ms_Gain=0.gif

3. Belichtungszeit 0,6ms
Test_140725_080734_RGB_Exposure=.6ms_Gain=0.gif


Die Asi662mc müsste doch empfindlicher sein als die alte Asi120mc !!!
Wieso muss ich die Belichtungszeit mehr als doppelt so hoch einstellen um die Venus ähnlich hell zu sehen ?
Wieso ist bei der Asi662mc der dunkle Hintergrund viel heller als bei den anderen Kameras obwohl die Venus selbst nicht heller ist ?

Die Spanne für den Gainwert ist sehr unterschiedlich.
Asi120mc: 0-100
Asi462mm: 0-ca.330 erste Bereich bei Firecapture, danach kann man noch höher gehen wird aber als anderer Balken angezeigt.
Asi662mc: 0-ca. 430, darüber wäre wieder der grüne Balken

Ich habe dann noch mit den Gainwert experimentiert.
Asi662mc bei 252 ist die Belichtungszeit ähnlich der Asi120mc bei Gain 60 wobei auch hier wieder auffällt: Hintergrund heller, Venus dunkler.
Aber seht selbst:
Asi662mc
Test_140725_080329_RGB_Exposure=.1ms_Gain=252.gif

Asi120mc
Test_140725_080522_RGB_Exposure=.2ms_Gain=60.gif

Ich habe auch mal die Summenbilder gegenübergestellt:
summenbildernr.jpg

Asi662mc bläulicherer hellerer Hintergrund, ich habe da erst einmal die default Werte verwendet. Blau: 90 Rot 50
Bei der Asi120mc habe ich da Blau 90 Rot 56

Unterschied zwischen Asi120mc und Asi662mc ist natürlich vor allem auch die Pixelgröße 3,75 zu 2,9 aber kann sich das so stark auf die Empfindlichkeit auswirken ?
Außerdem ist die Pixelgröße der Asi462mm ja gleich und da ist der Unterschied noch viel extremer. Klar fehlende Bayer Matrix aber 6fache Belichtungszeit nur deswegen ?

Aber was haltet ihr von den Ergebnissen, sollte ich mir da sorgen machen und ZWO anschreiben ?
Oder ist das normal und ich muss da einfach den Gainwert hochregeln.
Der HCG Modus, für weniger Readout noise, ist hier ja ab gain 252 aktiv. Viel höher als bei der Asi462mm, dort ist es gain 80 !

Die Asi662mc zeigt kaum Hotpixel und ein sehr rauscharmes Livebild. Selbst wenn ich mehrere Sekunden belichte und den Gainwert hochsetze.
Kein Vergleich zur Asi120mc, die zeigt da viele Hotpixel.

Gruß,
Holger
 
Zuletzt bearbeitet:
Nachtrag:
Hier zum Vergleich einzelne Darkframes.

Asi662mc gain 430 (ende des dunklen Balkens)
5sek
Test_140725_095412_RGB_Exposure=5000.0ms_Gain=430_f2.jpg

10sek
Test_140725_095546_RGB_Exposure=10000.0ms_Gain=430_f1.jpg


Asi120mc gain 95
5sek
Test_140725_095857_RGB_Exposure=5000.0ms_Gain=95_f1.jpg

Wahrscheinlich sind auch die Offset Werte unterschiedlich, der Hintergrund ist bei der Asi662mc ja viel heller als bei der Asi120mc

Gruß,
Holger
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Holger,
da kommen gleich mehrere Sachen zusammen.
Die Schwierigkeit ist aber zu verstehen, dass es nicht um Helligkeit geht, sondern um das Verhältnis von Signal zum Rauschen. Hier spielt der Photonenstrom eine Rolle, also wie viele Photonen wirklich in einen SensorPixel fallen. Das ist eigentlich ein Thema aus der Deep-Sky-Fotografie, da wundert sich einer, obwohl er "schnelle" f/2,8 hat, nicht bessere Bilder macht als einer mit f/5, der eine andere Kamera hat.
Der Gainwert ist eine Verstärkung, nichts weiter, also eine Streckung, und die fällt je nach Kamera völlig anders aus. Es gibt in FC oder SharpCap auch noch einen Offset-Regler, der verändert die Hintergrundhelligkeit. Hier kann man keine vergleiche ziehen. (es sei denn du ermittelst den SNR Wert.)
So und nun tragen wir mal zusammen: Eine Farbkamera bekommt nur etwa 50% der Photonen auf den Chip, im Vergleich zu Mono, denn jeder Filter absorbiert etwa 50 % (eigentlich sogar 2/3, weil wir 3 Farben haben) aller Photonen. Dann sind die Pixel in der Fläche etwa doppelt so groß, heißt, nochmal doppelt so viele Photonen. Mit der Monokamera hast du also 4-mal so viele Photonen um ein Bild zu machen, das passt schon.
Ob der HCG Modus wichtig bei Planeten ist, kann ich nicht sagen. Bei DS definitiv. Bei Gain "0" wäre ich auch vorsichtig, würde etwas drüber bleiben oder im 16Bit-SER aufnehmen. Danach Gain einfach vergessen und schauen, dass man keine Belichtungszeit verschwendet, also nicht 2 ms bei 100fps, das macht eben nur real 1/5 der Photonen, im Vergleich zu z.B. 10 ms bei 100fps. Und wenn du 20 ms und 100 fps schaffst, dann sag Bescheid, dann bist du genial ;-)
VG ralf
 
Ergänzend zu dem was Ralf geschrieben hat, kannst du das auch leicht ausrechnen.

Die 120 hat 3,75my Pixel und etwa 75% QE Peak, die 662 2,9my Pixel und 90% QE Peak. D.h. grob überschlagen sammelt die 120 40% mehr Photonen pro Zeit als die 662. Aber die 120 rauscht dafür 5x so stark wie die 662 und hat wesentlich geringeres Fullwell.

Wenn du sowas wie Mond oder Planeten aufnimmst, wo das Kamerarauschen keine so große Rolle spielt, dann wir sich die 120 kaum schlechter schlagen als die 662. Der Hauptvorteil der 662 ist das feinere Sampling.

Wenn du aber sowas wie Deepsky Bilder aufnimmst, dann bist du mit der 662 nach einigen Sekunden hintergrundlimitiert, während bei der 120 hier immer noch das Kamerasignal dominiert. Besonders bei niedrigen Belichtungszeiten wird die 662 die 120 um Welten hinter sich lassen. Ob die ein paar mehr Photonen sammelt oder nicht spielt da keine Rolle mehr. Um mit der 120 auf dasselbe SNR zu kommen wie mit der 662 musst du um ein Vielfaches länger belichten.

Grüße
Joachim
 
Danke für eure Antworten.

Vielleicht mache ich mir da auch zu viele Gedanken.
Bei den Planeten ist mir bisher eine hohe fps wichtig gewesen. Da möchte ich in kurzer Zeit ein paar Tausend Frames im Avi haben.
Da bin ich da schon mit dem Gain wert hochgegangen. Das merkt man bei der Asi120mc dann schon im Livebild.
Mal sehen wie sich die Asi662mc da dann beim Jupiter und Saturn schlägt. Aber beim Beispiel oben machte selbst Gain 430 kaum was aus.

Mit der Monokamera hast du also 4-mal so viele Photonen um ein Bild zu machen, das passt schon.
Die Mono Kamera mit RGB Filtern wird da wohl meine primäre Kamera bleiben. Da wird bei der Asi662mc bei meinen teils recht kurzen Deepsky Belichtungen bestimmt nicht so viel ankommen.

Zeigt mir aber nochmal wie gut die Entscheidung zur Asi462mm war. Bin damit sehr zufrieden und der kleine Sensor passt gut zu meinen günstigen M42 Objektiven.
Die Optolong RGB Filter konnte ich günstig ergattern und trotz der Schrauberei kommen die schon gut zum Einsatz.

Mal sehen wie das bei der Planetensaison aussieht. Bei Jupiter Mondereignissen muss es eventuell mal schnell und unkompliziert sein. Da hoffe ich auf die neue Asi662mc. Da werde ich bestimmt auch einige Vergleiche machen.
Z.B. ob sich einzelne RGB Filteraufnahmen mit Mono Kamera deutlich lohnen. Oder doch wie bisher eine kurze Aufnahme mit der MC und dann mehrfach die Luminanz mit der Asi462mm. Ich wollte mir alle Optionen offen halten, daher habe ich zu den RGB Filtern noch die Asi662mc angeschafft.

Gruß,
Holger
 
Danach Gain einfach vergessen und schauen, dass man keine Belichtungszeit verschwendet, also nicht 2 ms bei 100fps, das macht eben nur real 1/5 der Photonen, im Vergleich zu z.B. 10 ms bei 100fps.
Danke nochmal für den Hinweis. Meist versuche ich die ROI so schmal wie möglich zu ziehen um die maximale Framerate zu erhalten.
Da begrenzt bei mir häufig schon die Belichtunsgzeit die Framerate.

Aber dennoch werde ich das im Auge behalten, es macht ja keinen Sinn den Gainwert so hoch zu setzen um die Belichtungszeit z.B. auf 1ms zu drücken aber die theoretisch möglichen 1000fps gar nicht übertragen werden können.

Und wenn du 20 ms und 100 fps schaffst, dann sag Bescheid, dann bist du genial ;-)
:D

Gruß,
Holger
 
Ja, ich hatte auch schon festgestellt, dass eine schmale waagerechte Roi, z.B. 600 x 200 schneller ist als senkrecht 200 x 600

Gruß,
Holger
 
der hellere Hintergrund kann auch seine Ursache in der deutlich höheren FWC, bzw Eingangsdynamik der 662 haben. Die ASI120 steilt, ob ihrer gerade mal 13ke, die Kontraste deutlich auf. Ist wie früher bei der analogen Fotografie - ein Dokumentenfilm mit extrem niedrigem Kontrastumfang steilte extrem auf und lieferte fast nur schwarz und weiss .
 
Danke für den Hinweis.

Lag aber auch teilweise am Offset. Aber auch da sind die Bereiche von Kamera zu Kamera unterschiedlich.
Bei der Asi120mc nur sehr niedrige Werte, da hatte ich 5 gewählt.
Asi662mc: Da hatte ich 50 eingestellt und das sorgte für den helleren Hintergrund, habe den jetzt auf 15 runtergesetzt.
Bei der Asi462mm hatte sich 50 weniger ausgewirkt, weiß es jetzt aber nicht mehr genau.

Für eine Überraschung sorgte die Asi662mc gegenüber der Asi462mm ...
Sie ist bei voller Sensorfläche im Highspeed Modus etwas schneller.
Asi462mm ca. 78 fps und Asi662mc knapp über 100fps.

Gruß,
Holger
 
Hallo,

bei meinen Planetenaufnahmen ist mir besonders bei Saturn und Jupiter die starke Dominanz von Grün aufgefallen.
Ich habe unter Firecapture Wred bei ca. 50-55 und Wblue zwischen 90-99 eingestellt.

Gegenüber meiner alten Asi120mc überwiegt grün deutlich.
Wenn ich mir dann die Kurven der beiden Kameras ansehe, ist das wohl auch nicht verwunderlich.
Grün ist bei der Asi662mc besonders gegenüber blau doch sehr breit und hoch.

Ist das dann schon allein der Grund für die Dominanz unter firecapture ?
Sind hier weitere Asi662mc Besitzer im Forum und habt ihr das auch festgestellt ?

Jetzt kann man unter firecapture 2.7 ja Wgreen Offset aktivieren und den Wert dort dann von 0 ausgehend auch ins Negative verschieben. Also z.B. -10 einstellen.
Macht das jemand von euch, ist das sinnvoll oder reicht es aus das später in der Nachbearbeitung anzupassen ?

Bisher habe ich den Regler noch nicht angetastet und den Weißabgleich mit einem Klick unter fitswork erledigt.

Hier z.B. ein Summenbild vom Jupiter 15.12.25 bei schlechten Bedingungen:
WRed 55 / WBlue 98
Jupiter_151225_011808_RGB_Gain=384_Exposure=5.4ms_lapl5_ap194.jpg

Findet ihr den Grünstich zu viel oder geht das noch in Ordnung ?

Fitswork Rechtsklick auf weiße Zone und Umgebung als Weißwert:
Jupiter_151225_011808_RGB_Gain=384_Exposure=5.4ms_lapl5_ap194_2.jpg


Gruß,
Holger
 
Hallo,

gestern Nacht habe ich das nochmal getestet.
Wblue: 99 Wred: 56 Wgreen: -4
Jupiter_211225_231554_RGB_Gain=384_Exposure=5.4ms_lapl5_ap194.jpg

Wblue: 99 Wred: 56 und Wgreen offset deaktiviert
Jupiter_211225_232126_RGB_Gain=384_Exposure=5.4ms_lapl5_ap194.jpg

Grün ist dadurch minimal zu viel, Blau generell bei beiden noch etwas zu wenig.
Aber mit dem Weißabgleich bei fitswork kommt nachher eh fast das gleiche Ergebnis dabei raus:
Jupiter_211225_231554_RGB_weissabgleich.jpg

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger,

ich würde mir da keinen Kopf machen. Dass am Ende grüne Bilder rauskommen ist nicht dramatisch. Man macht doch eh einen Weißabgleich und neutralisiert den Hintergrund. Und dann ist da weg. Falls da echt noch ein Rest ist, korrigiert man den über das Kurventool.

Negative Offsets würde ich nicht verwenden. Mag bei Planetenbildern nicht den riesigen Impakt haben, aber grad bei deiner Methode mit extrem hohen Gains schneidest du definitiv was ab.

Du kannst auch mal in ASICap versuchen, den automatischen Weißabgleich zu verwenden und dann zu schauen wo Rot und Blau liegen. Grün kann man da allerdings nicht einstellen. Ich denke, der skaliert Rot und Blau einfach hoch. Das wäre zumindest als Softwareentwickler meine Methode wie ich das angehen würde. Hochskalieren ist in der Astrofotografie meiner Meinung immer besser als runter.

Grüße,
Joachim
 
Hallo Joachim,

danke für deine Einschätzung.
Ich werde das wohl auch bei dem minimalen Grünstich belassen und da keine negativen Werte einstellen.
Wblue setze ich jetzt auf jeden Fall auf 99.

Wgeen Offset bleibt deaktiviert, das gab es früher glaube gar nicht in firecapture.
Die gewünschte Farbgebung erledige ich ja eh später z.B. mit dem Histogrammfenster in fitswork, dort lassen sich die einzelnen Kanäle sehr gut anpassen.

Gruß,
Holger
 
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