Wo liegt hier mein Denkfehler?
Hallo Nico,
es stimmt schon, die LOV teilt den Erdradius in zwei fast gleich große Teile (Distance = 0.53 rEarth). Dein Denkfehler scheint zu sein, dass Du annimmst, der Asteroid würde entlag der LOV fliegen. Das tut er aber nicht.
Ich hab' auch eine Grafik gemalt. (Im Vergleich zu Deiner sehr primitiv, aber für die Erklärunh hoffentlich ausreichend...)
Link zur Grafik:
http://web.utanet.at/raab/Impact.png
Also, der Bildschirm ist jetzt die "Target Plane" - quasi die Wand, an der die Zielscheibe aufgehängt ist. Der Asteroid bewegt sich jetzt senkrecht dazu auf den Bildschirm zu - also wie ein Dartpfeil, den Du als Betrachter auf den Bildschirm abschiesst. Nominell (also auf der derzeit errechneten Bahn) bewegt sich der Asteroid nun am schwarzen Punkt an der Erde vorbei - er könnte aber auch ein bisschen weiter links oder rechts daherkommen. Dieser Bereich ist die LOV. Die "uncertainty region" ist praktisch identisch mit der LOV - die "width" ist fast vernachlässigbar, weil die Bahnebene eines Asteroiden gegenüber Störungen nicht so anfällig ist wie z.B. die Halbachse. Ob der Asteroid etwas weiter vorne oder hinten daherkommt ist unerheblich - das macht nur einen Unterschied, ob er ein paar Minuten früher oder später vorbeifliegt (oder einschlägt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/confused.gif" alt="" />).
Die Wahrscheinlichkeit, mit der sich der Atsteroid irgendwo entlang der LOV aufhält, habe ich durch die grüne Glockenkurve angedeuted. Ich habe dort auch die 1-Sigma-Halbwertsbreite der Glockenkurve eingezeichnet. Mit 68% Wahrscheinlichkeit hält sich der Asteroid irgendwo im Bereich +/-1 Sigma um den nominellen Ort auf, mit 95% im Bereich +/-2 Sigma, und mit mit 99% im Bereich +/- 3 Sigma. (OK, das habe ich in meiner primitiven Zeichnung vielleicht nicht ganz getroffen, also nicht nachmessen... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> ) Wie breit dieses Sigma ist, gibt "Stretch LOV": Im konkreten Fall also 2090 Erdradien. (Die Erde ist in meiner Grafik also viel zu groß eingezeichnet - eigentlich dürfte sie nicht einmal ein Pixel groß sein...) Um die Erde zu treffen, müsste der Asteroid gerade eben 1,176 Sigma zu weit "links" daherkommen ("Sigma LOV"). Mit 1,175 oder 1,177 verfehlt er die Erde bereits, weil 0,001 Sigma schon 2 Erdradien sind. Daher ergibt sich am Ende die (glücklicherweise doch recht kleine) Impaktwahrscheinlichkeit von 1:6000.
Die LOV wird bei der Begegnung des Asteroiden mit der Erde 2029 sehr weit aufgefächert. Nach dieser Begegnung wird man sehen, wie sich die Störungen auf den Asteroiden tatsächlich ausgewirkt haben, und dann lassen sich die Bedinungen für die nächsten Annäherungen sicher wesentlich besser abschätzen. Man darf davon ausgehen, dass sie Restwahrscheinlichkeiten für einen Impakt dann verschwinden.
Jetzt alles (un-)klar....? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/gutefrage.gif" alt="" />
Schöne Grüße, Herbert