Hallöchen Heinz,
Ich habe mal alles aufgenaut bei mir im Keller und ein bissche herum probiert.
Nur bin ich leider jetzt ziemlich ernüchtert. Denn so wie ich dass sehe, werde ich wohl arge Probleme bekommen, wenn ich die Montierung einnorden will.
no koi Panik, des wird scho no. :Trost:
Du machst jetzt erst mal alles soweit fertig, daß Du theoretisch mit dem Polsucher arbeiten könntest. Auch wenn Du den Polarstern von der Terasse nicht sehen kannst und noch kein Fernrohr hast...
Der erste Schritt ist das Einstellen der korrekten Polhöhe an der Montierung.
Je nachdem, wo in Deutschland Du wohnst, ist das irgend ein Wert zwischen 47 und 54 Grad. Zoom in Google Earth auf Deinen Wohnort und lese unten in der Leiste den Breitengrad ab.
Beispiel:
Wenn Du in der Stadtmitte von München wohnen tätst, dann wäre die korrekte Polhöhe 48 Grad, 8 Minuten.
Schau Dir die Skala für die Polhöhe an der Montierung an. Bei meiner sind pro Breitengrad feine Striche, die Minuten mußt halt abschätzen. 6 Minuten wäre 1/10 von einem Grad. 8 Minuten dann noch ein Tick weiter in Richtung 49 Grad.
Bitte lese in der Bedienungsanleitung nach, ob Du irgendwelche Imbusschrauben lösen mußt, ehe Du die Polhöhe fein einstellen kannst. Das ist bei den einzelnen Montierungen unterschiedlich. Bei meiner löse ich den Klemmhebel und kann in ca. 15 Grad fein verstellen, dann hab ich nen Anschlag. Löse ich die Imbusschraube, kann ich weiter verstellen...
Wenn die Polhöhe richtig eingestellt ist, mußt Du das Stativ sehr sorgfältig mit den Stativfüßen "ins Wasser" stellen. Es ist sehr wichtig, daß die Staivgrundplatte genau wagrecht steht. Ob Deine Montierung Libellen hat, weiß ich net. Mit einer Doppel-Libelle aus dem Baumarkt auf der Ablageplatte für die Okulare kannst man wunderbar kontrollieren, ob das Stativ wagrecht steht. Eben solange die Füße rein- und rausfahren, bis es paßt.
Als nächstes mußt die Nordrichtung feststellen.
Ein Stadtplan oder Google Earth hilft auch da weiter.
Schau nach, wie die Kanten von Deinem Haus zu den Himmelsrichtungen orientiert sind. Eventuell hast ja Glück und der Grundriss stimmt mit den Himmelsrichtungen überein?
Ich kann auch net nach Norden gucken, da ist die Hauswand. Aber die Plättle von meinem Balkon verlaufen genau Nord-Süd. Ich muß also blos die Füße in die Fugen stellen, schon ist grob eingenordet
Wenn Du auf der Terasse stehst, in welche Himmelsrichtung(en) kannst denn sehen?
Dazu kommt noch, dass ich ja noch keine Optik habe, da ich ja erst mal nur mkit meiner Kamera spechteln wollte. Auch die oben angesprochene Methode per Webcam mit Software setzt, soweit ich das verstehe, eine Optik voraus.
na, Du hast doch Deine Fotoobjektive. Das sind auch "Optiken". Halt welche mit kurzen Brennweiten.
Pack Deine Kamera samt langbrennweitigstem Teleobjektiv (das kann ruhig das Tele mit 300 mm Brennweite sein) auf eine Prismenschine und klemm sie fest. Falls Du einen Konverter hast, schnall den ruhig dazwischen, um die Brennweite zu verdoppeln... Die Abbildungsqualität und Lichtstärke ist dabei nicht besonders wichtig. Kamera mit dem Laptop verkabeln, damit Du die Bilder am Laptopbildschirm begutachten kannst.
Wenn blos die Kamera mit einem Teleobjektiv draufsitzt, brauchst vermutlich kein Gegengewicht. Fahre mal die Gegengewichtsstange ganz rein und öffne die Klemmen der RA Achse. Wenn sich die Achse bewegt und samt Kamera Richtung Boden will, ziehe die Gegengewichtsstange ein Stück raus. Wie weit, mußt ausprobieren. Bleibt alles ruhig, Klemme wieder anziehen. Jetzt wird noch die DE Achse ausprobiert. Eventuell mußt die Prismenschine samt Kamera in der Klemmung ein bissy verschieben, damit auch die austariert ist...
Ist das Gewicht austariert, die Klemme wieder anziehen. Dann die Montierung einschalten, Foto als "Teleskop" auf den Himmel richten und vom Computer aus 30 Sekunden belichten. Das Bild zeigt Sterne, die lange oder kurze Striche sind.
Jetzt kommt die Fleisarbeit. Die Montierung hat seitlich 2 Schrauben, mit denen Du sie auf der Grundplatte vom Stativ nach "links" und "rechts" bewegen kannst. Zu Beginn sollte der Zapfen schön mittig sitzen, damit Du maximalen Bewegungsspielraum in beide Richtungen hast.
Löse die gegenüberliegende Schraube um 3 Umdrehungen. Dann drehe die Schraube vor Dir um 3 Umdrehungen rein. Mach wieder ein Foto mit 30 Sekunden. Sind die Striche jetzt länger? Dann wars die falsche Richtung.
Sind sie kürzer, ist es die richtige Richtung. So lange schrauben und Fotos machen, bis aus den Sternstrichen Punkte geworden sind.
Das dauert. Kann ne Stunde oder auch deutlich mehr sein, bis es paßt. Jetzt noch die Punkte auf dem Fußboden markieren, wo die Stativfüße stehen. Edding, Filzstift. Fertig...
Anschließend die Kamera vom Teleskop nehmen, Dein lichtstarkes Normalobjektiv dranmachen und wieder festklemmen. Nun sorgfältig scharf stellen und dann 60 Sekunden belichten... Mach mindestens 12 Bilder pro Motiv, 20 oder 30 wären noch besser... Wenn die Bilder belichtet sind, Deckel aufs Objektiv und Darks machen. Auch so viele wie Lights.
Dann kannst im warmen Wohnzimmer Bildbearbeitung üben, wenn der Himmel wieder dicht ist.
Solange Du die Montierung nicht vom Stativ trennst, bleibt die Orientierung zwischen Stativ und Montierung erhalten. Dank den Markierungen auf dem Boden kannst dann die Füße beim nächsten Aufbau gleich richtig hinstellen
Ich bin ein fauler Mensch - ich trage Stativ, Montierung und auch noch das Teleskop da drauf auf einen Satz vom Balkon rein ins Wohnzimmer. Das dürften so rund 25 kg sein. Lange Strecken macht mein Rücken nicht mit, aber die paar Schritte gehen gerade mal so...
Im Wohnzimmer steht es dann komplett aufgebaut, bis ich es wieder nach draußen trag. So erspare ich mir das zeitaufwendige "ins Wasser stellen", Polhöhe und Nordrichtung einstellen.
Viel Erfolg bei den Schritten :super:
Grüße
Fee