Astrolehrbücher auf Scribd.com

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Hallo,

Vielen Dank. Ist ja wirklich Klasse!!
 
Hallo,

das sieht sehr ansprechend aus. Bist du der Autor?

CS und VG Christian
 
hallo katerhumpel,

falls Du der Author der Bücher bist, hätte ich folgende Fragen:

- kann man diese auch als pdf downloaden (ist mir noch nicht gelungen) - anscheinend gesperrt.

Da ich die Zeit am Computerbildschirm ja reduzieren will, habe ich es halt lieber, wenn ich alles in der U-Bahn lesen kann.

- wenn du mit den guten Büchern kein Geld verdienen willst, könntest du sie unter den Wikibooks veröffentlichen. Die Astronomie ist dort ja sowieso sehr dünn.

Also - danke für die Mühe und Gruß aus Wien

Peter
 
Also ich lese gerne meine Astro-Zeitschriften und Bücher in der U-Bahn, nur kommt es mir dabei immer vor als wäre ich dann schneller am Ziel als normal... ?)

@katerhumpel: Den Fragen von Peter möchte ich mich anschliessen...

Grüße aus Wien,
Ekkehard
 
Hallo Mathias,

Dein Posting habe ich sehr interessiert gelesen, ebenso wie Deine Webseite, Deinen Blog und Deine Selbstbeschreibung. Da hast Du ja sehr viel Zeit und Mühe investiert!
Wenn ich das richtig verstehe, ist das ein "Projekt in Entstehung", zu dem Du jetzt Rückkopplung haben möchtest und das Du dann später als mehrbändiges Lehrbuch kommerziell anbieten möchtest? (anscheinend verhandelst Du ja schon mit einem hier im Forum gesperrten Kleinverleger?)

Interessehalber habe ich mal einen Blick in den Band 13 zur Sonne geworfen, und bin dort gleich am Anfang auf Folgendes zur Sonnenflecken-Entdeckung gestoßen:

Zitat von Thomas Scholz:
Der große Galilei ... datierte einfach seine Erstbeobachtung um ein Jahr zurück und postulierte sich selbst als Entdecker um seine Eitelkeit zu pflegen. Nun ja, es gibt halt Dinge, die sind zeitlos und denen auch große Männer erlegen sind.
Das ist aber eine recht eigene und einseitige Sicht der Historie, zudem in einem nicht sehr "lehrbuchmäßigen" Stil dargeboten, nicht? ?)
Selbst die deutsche Wikipedia führt im dortigen Artikel zu Scheiner z.B. einen Vermittlungsversuch von Pierre Gassendi, einem Freund Scheiners, in einem Brief an einen Freund Galileis an:

Zitat von Pierre Gassendi:
Wie gut wäre es, wenn Du Deine Menschenkenntnis und Deine Behutsamkeit darauf richten würdest, den Streit zwischen den beiden Männern beizulegen! Beide sind gut, streben nach Wahrheit, sind gleich ehrlich und rechtschaffen. Beide haben sich gegenseitig beleidigt. Ich kann das Schicksal von Gelehrten nur beklagen, wenn ich sehe, wie große Männer in derartige Streitereien geraten. Denn kleine Geister, die Ruhm anstreben, der an einem seidenen Faden hängt, die mögen streiten. Aber dass sich so hervorragende Männer, die die Liebe zur Wahrheit bewegt, so von der Leidenschaft hinreißen lassen, ist höchst sonderbar.
Über den weltanschaulichen Streit sowie die Rolle von Scheiners Orden beim Inquisitionsprozeß gegen Galilei hinaus gibt z.B. Dava Sobel's interessantes Buch "Galileos Tochter" schöne Einblicke in diese Jahre - ich bin kein Historiker, aber soooo einfach, wie Du es beschreibst, war das ganz offensichtlich nicht.


Viel Erfolg bei Deinem Projekt wünsche ich Dir dennoch!

Gruß+cs,
Dietmar
 
Hallo Dietmar,
ich kenne die Zusammenhänge in Bezug auf die Entdeckung der Sonnenflecke mittlerweile recht gut - sie sind z.B. sehr ausführlich in dem Buch "Flucht, Aufstieg und die Galilei-Affäre: drei Jahre im Leben des Athanasius Kircher: Eine Mikrostoria(1631-1633)" von Harald Siebert, sehr gut beschrieben. Damals kannte ich die Zusammenhänge noch nicht so im Detail. Deshalb steht es im uralten Manuskript auch so drin, wie du es zitiert hast. Um den Gesamtzusammenhang zwischen Galiliei, Gassendi und Scheiner zu würdigen, reicht Dein Zitat aber auch nicht aus. Die Streitereien etc. unter den Kontrahenten waren viel komplexer, als man in heutigen Zusammenfassungen lesen kann, und das G. etwas eitel war, steht völlig außer Frage. Nun gut. Das ist aber nicht wesentlich. Im neuen Manuskript habe ich die Story eh überarbeitet und vielleicht etwas besser formuliert. Wie, verrate ich aber noch nicht ...

Das ich mit einem "Kleinverleger" verhandele, stimmt nicht. Ich habe ihn mal ein eBook als pdf zum Lesen zur Verfügung gestellt und seitdem nie wieder etwas von ihm gehört (ich habe mich aber auch nicht mehr darum gekümmert).

Vielleicht werde ich in meinem Blog demnächst mal ein Sonnenkapitel reinstellen. Mal schaun.

Gruß Kater Humpel (ich heiße nicht Thomas)


 

Also ich lese gerne meine Astro-Zeitschriften und Bücher in der U-Bahn, nur kommt es mir dabei immer vor als wäre ich dann schneller am Ziel als normal...

@katerhumpel: Den Fragen von Peter möchte ich mich anschliessen...


Download - einfach mal auf meinem Blog nachfragen und Mailadresse hinterlassen ...

Kater Humpel
 
Hallo Mathias,

danke für die Erklärung. Zwar bin ich sicher nicht der Einzige, der in dem von Dir herangezogenen Kircher-Buch Sieberts das dortige ...

Zitat von Siebert:
"... das zu jener Zeit weit verbreitete Bild einer, wie wir heute annehmen dürfen, falschen Vorstellung von Scheiner und den Jesuiten als treibende Kräfte in der Galilei-Affäre."
... über die Rolle des damaligen Jesuitenordens beim "Mundtotmachen" des kircheninternen und tiefgläubigen Aufklärers Galilei etwas sehr verharmlosend findet, aber das können wir in diesem Thread sicher dahingestellt lassen. ;) (übrigens gibt es den seit der Veröffentlichung auf der Vatikanseite nicht mehr verfügbaren pdf-Download des "I documenti del processo di Galileo Galilei" noch dort (10,8MB!), wenn Du Originaltexte lesen willst :) )

Zitat von katerhumpel:
Vielleicht werde ich in meinem Blog demnächst mal ein Sonnenkapitel reinstellen. Mal schaun.
Au ja, mach mal! :super:

Gruß+cs,
Dietmar
 
Wem es interessiert,

habe auf meinem Blog ein paar Kapitel der neuen Fassung des Astrolehrbuchs als pdf zum Download hinterlegt (Venus, Himmelsmechanik, Instrumente).

Kater Humpel
 
Hallo Kater Humpel,

ich habe einige Leseproben aus deinen Lehrbüchern gemacht. Eine interessante und in vieler Hinsicht empfehlenswerte Reihe! Tatsächlich liefert die beobachtende Wissenschaft auch ständig im Detail beeindruckende Resultate. In Prozenten ausgedrückt ist dies zum überwiegenden Teil, jedenfalls über 80% der Fall. Wenn man weiss, wie zersplittert die Resultate der Forschung präsentiert werden, dann kann man dein Vorhaben nur begrüssen.

Anders sieht es aus, wenn man von der Entstehung und Entwicklung unserer Körper (Erde, Planeten, Kleinkörper des Sonnensystems, Sterne, Galaxien usw.) in ihrer Gesamtheit spricht. Darüber wurde in diesem Forum des öfteren gesprochen.

Ich fasse es mal kurz zusammen. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wie unsere Erde, die Planeten, die Sterne entstanden sind.
Einmal könnten diese Körper aus diffuser Materie (Gas, Staub) durch Verdichtung auf kalte Art entstanden sein. Das ist die Mehrheitsmeinung der Astronomen.
Andrerseits könnten diese Körper aus zuvor dichter und überdichter Materie entstanden sein. Diese Entstehung würde sich dann logischerweise ständig vor unseren Augen vollziehen. Diese Meinung wird pointiert von Alfred Rittmann (Vulkanologe, Erdwissenschaftler) und bei den Fachastronomen von V.Ambartsumian und der Bjurakaner Schule seit Jahrzehnten vertreten.

Ich möchte mich nur zum ausgewählten Beispiel der Erde und der Planeten äussern.

Die Differenzierung in Erdkruste (ca. 3-mal so schwer wie Wasser) und in Erdinneres (5 bis 6-mal so schwer wie Wasser) muss natürlich erklärt werden. Bei kaltem Ursprung der Erde gibt es unüberwindliche Schwierigkeiten. Selbst wenn man annimmt, es hätte eine Einschmelzung stattgefunden. Wie können Eisentröpfchen bei moderaten Temperaturen absinken? Der Druck ist im Erdinneren hoch, dann hat man hohe Viskosität ("Zähigkeit"), ein Absinken der Eisentröpfchen ist in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht möglich. Nimmt man hohe Temperaturen an, dann stimmt die Viskosität, aber die Stoffe sind in einem superkritischen Gaszustand. Dann ist eine Differenzierung wieder nicht möglich. Ein Dilemma!

Anders sieht es aus, wenn man von einem urspünglich heissen Zustand einer Solar-Materie ausgeht, wie wir sie in der Photosphäre der Sonne beobachten. Leichte Elemente (H, He) verflüchtigen sich eher. Der Mond hat weniger Masse, er kann das leichte Element Na nicht so halten, wie die Erde. Die Mondgesteine sind Na-ärmer. Die Erdkruste mit der bekannten Zusammensetzung bildet sich im Laufe der Abkühlung der Erde heraus. Logischerweise besteht dann die Erde im Inneren im wesentlichen aus entarteter Solarmaterie (unter hohem Druck!), auch heute noch.

Jupiter zeigt uns heute, wie wir früher ausgesehen haben. Aufgrund seiner hohen Masse hält Jupiter heute noch mehr leichte Elemente an der Oberfläche. Der Saturn-Ring ist wohl nur ein paar hundert-tausend Jahre alt. Alles deutet darauf hin, dass wir heute nur eine ausgedehnte Atmosphäre beobachten, daher die geringe mittlere Dichte des Saturn. Vor ein paar hunderttausend Jahren muss eine gewaltige Explosion stattgefunden haben. Überhaupt hat man es beim Planeteninneren mit Problemen der Gasdynamik (gelöste Gase in Magmaschmelze) zu tun. Dabei werden offensichtlich von Zeit zu Zeit grosse Kräfte freigesetzt.

Lange Rede, kurzer Sinn. Gerade das Buch von Rittman (Vulkane und ihre Tätigkeit 3.Aufl.) ist für dich, Kater, eine Pflichtlektüre. Erst danach kann man entscheiden, ob deine Methoden die Methoden eines "gestandenen Physikers" sind.

Deine Lehrbuchreihe ist "trendy". Angesichts des Dilemmas der gegenwärtigen Astronomie allzu trendy. Irgendwie hoffe ich, dass du dich nicht als Tendenzschriftsteller betätigen willst, sondern dich um unparteiische Berichterstattung bemühen wirst.

In diesem Sinn, mit Gruss,
Joachim




 
Hallo Joachim,

schönen Dank, daß Dir meine kleine Reihe gefällt. Trotzdem weiß ich nicht so recht, wie ich Deinen Diskussionsbeitrag einordnen soll und was Du mir damit sagen willst. Ich vermute, Du beziehst Dich auf den Teil "Kosmogonie des Sonnensystems". Erst einmal zu Deiner grundsätzlichen Meinung, daß es zwei Möglichkeiten gibt, wie unsere Erde und die Planeten entstanden sind, a) durch Akkretion und b) durch Zerfall überdichter Materie. Hier muß ich Dir leider sagen, daß die These b) aus vielerlei physikalischen Gründen völlig ausscheidet. Auch wenn diese exotische Hypothese vor über 40 Jahren von Ambartsumian und seiner Bjurakaner Schule zur Erklärung der Entstehung von Sternhaufen und der von ihm entdeckten Sternassoziationen entwickelt wurde (ich besitze sein Buch "Probleme der modernen Kosmogonie"), so hat sie heute nur noch eine ideengeschichtliche Bedeutung. Und selbst in Bjurakan werden Sie keinen Astronomen mehr antreffen, der sie vertritt. Dagegen ist die Theorie (nicht Hypothese) der Entstehung von Planeten in protoplanetaren Scheiben so detailliert ausgearbeitet, daß man die Entstehung von Planeten bereits in Computersimulationen sehr gut nachvollziehen kann. Aus diesem Grund macht es in einem Lehrbuch (welches ja die aktuelle und überwiegend vertretene Lehrmeinung widerspiegeln soll) auch wenig Sinn, außer vielleicht in einem historischen Rückblick, auf Hypothesen einzugehen, die längs obsolet sind.
Auch was Du über die Differenzierung der Erde in verschiedene "Schalen" schreibst, ist so nicht richtig. Die stoffliche Ausdifferenzierung von Gesteinsplaneten ist sowohl von der Physik her als auch von der Zeitskala her sehr wohl verstanden (vielleicht nur ein Stichwort "Eisenkatastrophe"). Und das Problem der Häufigkeit inkompstibler Elemente in der Anorthosit-Kruste des Mondes erklärt sich ganz natürlich aus dessen Entstehung durch den "Mondimpakt" und der Ausbildung eines Magmaozeans in seiner Frühgschichte.
Ach so. Natürlich ist mir der Vulkanologe Alfred Rittmann ein Begriff, auch wenn man seine 1940 entwickelten Ideen über den Ausdifferentationsprozeß einer "Kugel" aus einer homogenen Schmelze heute so nicht mehr vertreten kann. Die Wissenschaft ist diesbezüglich 70 Jahre weiter und ich behaupte, daß die dabei wirkenden grundlegenden Prozesse durchaus in den Grundzügen verstanden sind (siehe Z.B. Andersen "Theory of the Earth").
Nun zur Quintessenz. Es gibt kein Dilemma der gegenwärtigen Astronomie. Es gibt noch genügend Fragestellungen, die zu bearbeiten sind und wir werden auch noch viele neue Entdeckungen und dabei auch noch manche Überraschung erleben.

Deine Lehrbuchreihe ist "trendy". Angesichts des Dilemmas der gegenwärtigen Astronomie allzu trendy. Irgendwie hoffe ich, dass du dich nicht als Tendenzschriftsteller betätigen willst, sondern dich um unparteiische Berichterstattung bemühen wirst.

In der wissenschaftlichen Literatur geht es nicht um unparteiische Berichterstattung, (versteht Du etwa darunter, daß jemand, der eine Monographie über Astrobiologie verfaßt, auch unparteisch" die verqueren Ideen eines J.v.B. oder eines E.v.D. oder die der intelligenten Designer vertreten muß?) sondern um die möglichst exakte Wiedergabe und Interpretation von Beobchtungsergebnissen oder um die Entwicklung von Hypothesen und Theorien (im Sinne Poppers). Und daran muß ich mich auch als Lehrbuchautor halten. Übrigens es ist niemals falsch, Lehrbuchmeinungen zu hinterfragen. Das kann durchaus zu einer Quelle neuer Erkenntnisse werden. Sie müssen nur weiterhin den Kriterien einer wissenschaftlichen Erkenntnis genügen.

Trotzdem weiterhin viel Spaß und Erkenntnisgewinn beim Lesen. Auf meinem Blog habe ich weiterhin ein paar Kapitel aus der neuen Fassung als pdf zum Download hinterlegt.


Gruß euer Kater Humpel






 
Hallo Kater Humpel,

eine Response war gefragt am Anfang des Threads und eine Response wollte ich geben.

Es geht also um eine Lehrbuchreihe. Ich bleibe bei meinen Anmerkungen, wenn es erlaubt ist, überwiegend im deutschsprachigen Raum. Es ist klar, dass das Lehrbuch von Unsöld und das Kompendium von Voigt nicht mehr genügt. Trotzdem vermisse ich die würdigen Nachfolger und kommentiere halt, was sich bei den aktuellen Lehrbüchern zum Guten, und was zum Schlechten verändert hat. Darin besteht mein "Response".

Vor ca.500 Jahren war Michael Mästlin ein offizieller Lehrer der Astronomie. Sein berühmter Schüler war Kepler. Mästlin hat beide Weltmodelle (geozentrisch, kopernikanisch) als denkmöglich dargestellt. So einen Mann nenne ich einen unparteiischen Lehrer. Das hatte ich gemeint.

Du sprichst mich in einigen Punkten direkt an.

Zur Entstehung der Sterne aus dichten Körpern. Du sagst:

>>Hier muß ich Dir leider sagen, daß die These aus vielerlei physikalischen Gründen völlig ausscheidet.

Diesen Ton kenne ich, wenn der erfahrene Meister seinen unerfahrenen Lehrbub in seine Grenzen weist. Auch der Professor, der zu seinem Schüler spricht, der aus seinen fragmentarischen Schüler-Kenntnissen voreilige Schlüsse zieht, spricht so wie du.
Indessen weiss niemand, ich nicht und du auch nicht, was am Rand der schwarzen Löcher geschieht. Wenn die Feldstärke steigt, dann steigt auch die Fluchtgeschwindigkeit, die man braucht, um aus dem Gravitationsfeld eines Körpers zu entwischen. Wird dabei wirklich die Lichtgeschwindigkeit annähernd erreicht? Oder ist die Gravitationskonstante nicht doch unter diesen extremen Bedingungen variabel? Eine Belehrung von der Kanzel herab ("scheidet aus physikalischen Gründen völlig aus") hilft hier nicht weiter.

Du sagst weiter:

>> in Bjurakan werden Sie keinen Astronomen mehr antreffen, der die Theorie vertritt...

Wir bleiben doch beim "du"?
Hier im Forum gibt es ein breites Publikum veschiedenster Personen und Hintergründe, nicht nur angehende Fach-Astronomen. Hierarchien, in dem Sinn, dass wir uns mit "Sie" anreden, gibt es nicht. Aber das kriegen wir schon hin.

Ach ja, Bjurakan. Bjurakan im kleinen Armenien kann nicht alle heissen Kastanien aus dem Feuer holen. Da muss das reiche Deutschland mit seinen zum Teil gewaltigen theoretischen Resourcen schon Hilfestellung leisten. Und nicht vom hohen Ross her Ideen abwürgen, die sich aus ihrer Keimform erst noch entwickeln müssen. Ich spreche hier nicht von dir, Kater, sondern eher von einem erfolgreichen und einflussreichen Herrn Kippenhahn. Aber das nur nebenbei.

Was mich betrifft, so wurde mir von Seiten der Fachphysiker noch nichts vorgeworfen. Grundausbildung, Grundkenntnisse und -fähigkeiten, sind die gleichen wie die eines jeden soliden Physikers.
Aber die Statistiken der Fachastronomen ... Das war damals vor 4 Jahrzehnten ein Problem und ist es heute noch. Ich gebe ein Beispiel.

Wir beobachten viele rotierende Neutronensterne. Eine Statistik ist schwierig. Aber es gibt plausible Hochrechnungen. Vielleicht gibt es eine Million in der Milchstrasse. Ausserdem (wegen der Verlangsamumg der Rotation) auf jeden aktiven und nachweisbaren Neutronenstern noch die zu langsam rotierenden. Also gibt es sehr viele. Die sollen alle aus Supernovae entstanden sein? Wie viele Supernovae gibt es bei uns? Alle 500 Jahre? Wo bleibt die Supernova der Andromeda-Galaxie? Hätten wir nicht eine in den letzten hundert Jahren beobachten sollen? Irgendetwas stimmt hier nicht.

Der erwähnte Kompendienschreiber Voigt reagiert darauf so: Er merkt ausdrücklich an, dass hier ein grundsätzliches Problem vorliegt. Das tut er öfter in seinem Kompendium. Wenn man will, befolgt er eine skeptische Methode. Ich empfinde das eher als angenehm. Wenn ich mir deine Antwort auf mein Posting anschaue, dann gehst du einen anderen Weg.

Jetzt noch zu Alfred Rittmann und ein Abschlusskommentar.

Zu Alfred Rittmann.
Ich hatte an einem Beispiel (Fe-Ni-Kern oder hochkomprimierter H-He-Kern der Erde) illustriert, was ich meine.
Aber nein, Rittmanns Beitrag vor 70 Jahren ist nicht mein einziger Stützpunkt, noch nicht einmal der wichtigste. Rittmann war noch Jahrzehnte aktiv und er bezeichnet sein Buch von 1980 ausdrücklich als sein Vermächtnis. Es geht überwiegend um die Erdkruste und den Mantel bis in eine Tiefe von ca. 700km.
Es geht dann um eine ganze Reihe von gegensätzlichen Theorien:
**Plattentektonik(starre Platten) oder viskose Natur der Erdkruste?
**fester oder flüssiger Erdmantel?
usw.
Jedenfalls geht es dann um die Besonderheiten des Reliefs unserer Erde mit den typischen Küstenformen der Pazifik-Küste Amerikas, den Tiefseegräben, der mittelatlantischen Schwelle (Zerrung oder Kompression?), dem Auseinander-Driften der Kontinente, dem Einfluss der Gezeitenwirkung des Mondes usw.

Diese Besonderheiten sind ja schon einzigartig in unserem Planetensystem und man kann ihnen mit allgemeinen Computersimulationen von Planetenkörpern nicht beikommen. Die Schlussfolgerungen Rittmanns führen allerdings zum hochkomprimierten H-He-Kern der Erde. Da hast du recht, es hat sich seit 70 Jahren nichts geändert. Aber wir zwei reden beim Thema Rittmann völlig aneinander vorbei. Ich muss nach wie vor den Interessenten empfehlen, sich bei Rittmann aus erster Hand, und nicht aus zweiter oder dritter Hand, also auch nicht aus Astronomie-Lehrbüchern zu informieren. Astronomie handelt halt nicht nur von Dingen, die weit draussen im Raum sind, sondern auch von dem, was unter unseren Füssen ist, und wie das alles zusammenhängt. So ist es nun einmal.

Ich komme mir bei deinem Posting fast so vor, als sollte ich unter eine Dampfwalze geraten. Ich halte an ein paar alten exotischen Ideen fest, während die grosse Dampfwalze "Fortschritt" alles plattmacht? Immer auf dem Teppich bleiben! Meine Überzeugungen habe ich mir nicht in 2 Wochen aus den Fingern gesogen.

Abschlusskommentar.
Du wendest dich, glaube ich, an ein weit gefächertes Publikum. Ich muss mehr von dir lesen. Wenn mir noch etwas auffällt, sage ich es.
Man muss halt wissen, was man will. Die nochfolgende Generation zum beobachten und kritischen Denken erziehen, das willst du sicherlich. Das Popularisieren und das Interesse von Laien erst wecken ist aber auch ein Punkt. Hier im Forum findest du alle Bedürfnisse. Aber findest nicht nur naive Laien.

Mit Gruss,
Joachim



 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Joachim,

ich werde mich bemühen, ab jetzt das gefälligere "Du" zu verwenden. Daß ich "Sie" geschrieben habe, war keine Absicht, sondern liegt mir quasi im Blut, da ich dienstlich andauernd Mails beantworten muß. Ich nehme auch Deine Ausführungen durchaus ernst, sonst würde ich mich auf solch eine Diskussion gar nicht einlassen. Machen wir doch einfach mal die Sache an einem konkreten Beispiel fest. Du schreibst aus der Leber weg:

"Wir beobachten viele rotierende Neutronensterne. Eine Statistik ist schwierig. Aber es gibt plausible Hochrechnungen. Vielleicht gibt es eine Million in der Milchstrasse. Ausserdem (wegen der Verlangsamumg der Rotation) auf jeden aktiven und nachweisbaren Neutronenstern noch die zu langsam rotierenden. Also gibt es sehr viele. Die sollen alle aus Supernovae entstanden sein? Wie viele Supernovae gibt es bei uns? Alle 500 Jahre? Wo bleibt die Supernova der Andromeda-Galaxie? Hätten wir nicht eine in den letzten hundert Jahren beobachten sollen? Irgendetwas stimmt hier nicht."

Zusammenfassend würde ich Deine Worte in folgende Punkte aufteilen:

1. Wir beobachten viele Neutronensterne (es dürften gegenwärtig ca. 2000 sein, also Radiopulsare (ungefähr 1700) sowie eine ganze Anzahl von Röntgenpulsaren)

2. Eine Statistik ist schwierig (das ist durchaus möglich, aber 2000 Objekte sind doch immerhin bei dieser Art von Objekten eine ganz gute Stichprobe. Unsere "Wahlforscher" geben sich mit einer noch kleineren Stichprobe zufrieden und
liegen meist auch nicht allzu falsch)

3. Eine Hochrechnung der Statistik zeigt (in ihr gehen u.a. Entdeckungswahrscheinlichkeiten, Lebensdauer von Sternen, deren Kernmasse am Ende ihres Lebens die Chandrasekhar-Grenze übersteigt und die Oppenheimer-Volkoff-Grenze unterschreitet sowie Informationen über Sternentstehungsraten in den verschiedenen Gebieten unserer Milchstraße ein), daß es sehr viele davon geben muß. Ich sage Dir hier mal eine realistische Zahl, die sich aus den oben genannten Statistiken ergibt: ca. einige 100 Millionen, jeder schwerer als 1.5 Sonnenmassen und leichter als 3.2 Sonnenmassen.

4. Die sollen alle aus Supernovae entstanden sein? - Selbstverständlich ja, denn es gibt keinen anderen Mechanismus. Ausnahme ist nur die kontinuierliche Massenakkretion eines Weißen Zwerges in einem Doppelsternsystem die solange gut geht, bis er die Chandrasekhar-Grenzmasse überschreitet und zu einem Neutronensten kollabiert (SN Typ Ia). Aber auch dann tritt ein Kernkollaps wie bei jeder anderen SN auf.

5. "Wie viele Supernovae gibt es bei uns? Alle 500 Jahre? Wo bleibt die Supernova der Andromeda-Galaxie?" Ja, es ist sogar so, daß in unserer Milchstraße ca. alle 50 Jahre eine Supernova ausbricht. Der jüngste Supernovarest, der erst vor kurzem entdeckt wurde, ist gerade einmal 150 Jahre alt (sein Name ist G1.9+0.3). Das wir von der Erde aus nicht alle Supernovae sehen können, liegt an dem vielen Staub in der galaktischen Scheibe und der Position der Sonne darin.

6. "Hätten wir nicht eine in den letzten hundert Jahren beobachten sollen? Irgendetwas stimmt hier nicht." Also machen wir einmal eine Enrico Fermi-Abschätzung. Ich habe vorhin behauptet, daß es einige 100 Millionen Neutronensterne in unserer Milchstraße geben muß, also rund 10^8. Unsere Milchstraße ist vor ungefähr 13.6 Milliarden Jahre entstanden (http://www.eso.org/outreach/press-rel/pr-2004/pr-20-04.html), also ganz grob 10^10 Jahre. Das bedeutet, daß im Schnitt nur alle 100 Jahre eine Supernova ausbrechen muß, damit die abgeschätzte gegenwärtige Neutronensternpopulation erreicht wird (im kosmischen Maßstab existieren Neutronensterne "ewig"). Und damit erscheint die Konklusion "Irgendetwas stimmt hier nicht" vielleicht doch etwas überzogen. (Wie gesagt, wir können gerade einmal ~ 1/4 davon beobachten)

Vielleicht kannst Du mich mit einer ähnlichen Argumentationskette überzeugen, daß der innere feste Erdkern nicht aus einer Fe-Ni-Legierung, sondern aus komprimierten Wasserstoff-Helium-Gas besteht. Wir können dann gerne das Für und Wider diskutieren. Und genau so funktioniert Wissenschaft.



Mit freundlichen Grüßen

Dein Kater Humpel





 
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