Hi,
was den Titel des Threads angeht: natürlich muss und kann die Beobachtung am Fernrohr trainiert werden. Fast jeder, der schon länger beobachtet, wird sich an seine anfängliche Enttäuschung über diesen winzigen Mars etc. erinnern.
Allgemein Gültiges kann man wegen der in Grenzfällen immer stärker ins Gewicht fallenden individuellen Gegebenheiten, Unterschiede, Absichten und Fähigkeiten kaum aussagen. Die lichtempfindlichkeitssteigernde Wirkung von Blaubeeren oder Karotten sind ein alter Hut und haben natürlich nichts mit der Sehschärfe zu tun.
Die Sehschärfe kann, OHNE durch Fehlsichtigkeiten bedingt zu sein ohne weiteres zwischen o,8 und 2,0 (sehr selten) liegen. Das heißt, die Auflösung ist bei manchen Menschen mit 2.0 etwa 2.5 mal so hoch wie bei anderen, die nur bei 0.8 liegen.
Die groß geöffnete Pupille erzeugt i.d.R. deswegen keine wie oben genannte sphärische Aberration, eine kürzere Schnittweite der Randstrahlen, weil sie nicht sphärisch ist. Vielmehr ist sie annähernd hyperbolisch, mit zum Rande hin größer werdendem Krümmungsradius. Dies entspräche theoretisch der optimalen Form. Aber wegen der großen individuellen Streuung eben nur theoretisch. Der Unterschied von 1dpt ist beachtlich, bei den meisten Dunkelmessungen auf der Suche nach den Ursachen der "Nachtblindheit" habe ich allenfalls 1/4dpt-Werte gefunden.
Bei der Brillenglasbestimmung ist die gewählte Entfernung der Sehproben zweitrangig, weil und natürlich nur wenn(!) sie bei der Verordnung des Brillenglases herausgerechnet wird. Bei 4m Testentfernung entspricht dies einer Stärke von -0.25 dpt, um das Auge auf unendlich zu korrigieren. Bei den genannten 7m entspräche dies -0.14dpt, etwas schwierig, weil die kleinste Stärkenabstufung bei 0,25dpt liegt. Ferner zeigt sich, dass praktisch niemand von den Prüflingen einen Unterschied erkennt zwischen z.B.-4.0 oder -4.12 in der Ferne. Schließlich muss man bedenken, dass die Brillengläser auch nur in einer exakt eingehaltenen Distanz zum Auge 100% richtig sein können. Das erfordert auch beim Benutzer eine erheblich größere Sorgfalt in der Behandlung der Brille, als sie in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle aufgewendet wird.
Es gibt darüberhinaus besonders unter der Extrembedingung "gestirnter Himmel" durch den i.d.R. unregelmäßig verteilten Tränenfilm auf der Hornhaut Einflüsse, die die Sehschärfe unvorhersehbar beeinflussen. Auch temporäre EInflüsse beim Schließen eines Auges (Liddruck) können (z.B. bei mir) die Sehschärfe des geschlossenen Auges nach dem Öffnen für 10Minuten und länger extrem vermindern...
Zwischen Theorie und Praxis gibt es eben die landläufig bekannten, erheblichen Unterschiede; eine der Hauptursachen für suboptimale Lösungen ist und bleibt der Mensch selbst. Was nicht bedeutet, dass man in Einzelfällen nicht auch zu optimalen Lösungen gelangen kann.
Beste Grüße, Herbert