Austarieren eines Dob-Tubus

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Stefan1960

Aktives Mitglied
Guten Morgen Gemeinde,

an anderer Stelle hatte ich schon geschrieben, dass wir seit Anfang des Jahres Zuwachs in Form eines 10"-f4,8-Skywatcher-Dobsons bekommen haben.

In kleinen Häppchen, Stück für Stück, wächst das Ding nun aus dem Original-Zustand zu einer praxistauglichen Maschine.

Die Original-Rockerbox befindet sich gerade in einem Evolutionsprozess nach dem Vorbild von Günter *entfernt*, dem an dieser Stelle noch einmal Respekt für seine findigen Lösungen samt nachvollziehbarer Veröffentlichungen gezollt werden soll.

Sorgen bereitet mir aber die Höhenachse: Mit montiertem Telrad und einem mittelschweren Okular habe ich den Schwerpunkt des Tubus ermittelt und dahin die Aufnahmen für die Höhenachse verlegt. Bei flachen Beobachtungswinkeln liegt der Tubus damit nahezu im Gleichgewicht, und man kommt mit einem Minimum an Bremskraft aus.

Die Dinge verändern sich aber bei steilen Beobachtungswinkeln, also nahe am Zenit: OAZ + Telrad sind mehr oder weniger auf der Oberseite des Tubus angeordnet. Bei steiler Tubusausrichtung bekommt die ganze Anordnung dadurch sozusagen Übergewicht nach hinten; bei den von mir bevorzugten kleinen Bremskräften macht sich der Tubus selbstständig und wandert in die Vertikale.

In der Praxis sieht das dann so aus, dass ich nahe dem Zenit die Bremse stärker anziehen und nahe dem Horizont wieder etwas lösen muss.

Das ist mir zu umständlich.

Im Falle der *entfernt*'schen Anordnung mit Huckepack-Refraktor dürfte der oben beschriebene Effekt noch stärker ausgeprägt sein, aber scheinbar gibts dazu auch eine Lösung.

Hat jemand von Euch einen Vorschlag?
 
Hallo Stefan,

danke für die Blumen. :knuddel:
Du kommst in dem Fall um eine Vergrößerung des Durchmessers der Höhenachse, wie bei Armin auf der Seite beschrieben, nicht herum.
http://www.deepsky-brothers.de/Skywatcher-Guenther.htm
Dennoch brauchst Du viel Anperssdruck, musst also die "Friktion" sehr fest einstellen.
Meine Easy-Glider sind sehr glatt und arbeiten auf Resopal, also ein nicht so raues Material wie z.B. Ebonny Star.
Damit musst Du bei extremen Teleskopanstellwinklen ordentlich Druck aufbauen den Du bei "normalen" Positionen wieder abschwächen musst. Irgendwann automatisiert sich das, Du machst es unbewusst. Es ist aber nicht so, dass die Leichtigkeit der nachführung durch die Andruckerhöhung leidet, denn das "Last-/Kraftverhältnis bleibt bei richtiger Dosierung gleich oder besser gesagt im Gleichgewicht und es ändert sich nichts am Handling.

Mit dem 3 kg Richy oben/vorne drauf kommt aber auch diese Sache an ihre Grenze. Derzeit bremse ich zusätzlich über Gepäckbänder. Ein Kumpel hat mich nun auf die Idee gebracht, den grundsätzlichen Reibwiderstand zu erhöhen. Das geht z.B. mit zusätzlichen Filzgleitern. Ich werde mal in Kürze testen, wie sich das mit einer zusätzlichen Filzscheibe direkt um den Drehpunkt herum anlässt. Die Größe dieser Scheibe wird das entscheidende Kriterium sein.
Im Idealfall kann ich auf die Bänder verzichten und erreiche, dass ich die "Friktion" auch in ungünstigen Tubusstellungen nicht so extren anziehen muss.
Ich werde über Erfolg oder Misserfolg berichten.

Unabhängig davon dürftest Du mit entsprechenden eigenen Versuchen zu den Dimensionen und Materialien an der vergrößerten(!) Höhenlagerung die Dir angenehme Lösung finden. Das Grundsystem der SW-Box hat gutes Potenzial, ist aber (wie fast immer bei Teleskopen in dieser Preis-/Leistungsklasse) nicht optimal umgesetzt.

Gruß und CS
*entfernt*
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Günther, danke ersteinaml für Deine umgehende Antwort.

Zitat von *entfernt*GMS:
... Unabhängig davon dürftest Du mit entsprechenden eigenen Versuchen zu den Dimensionen und Materialien an der vergrößerten(!) Höhenlagerung die Dir angenehme Lösung finden. Das Grundsystem der SW-Box hat gutes Potenzial, ist aber (wie fast immer bei Teleskopen in dieser Preis-/Leistungsklasse) nicht optimal umgesetzt.
Ja, Deine bisherigen Umbauaktionen zeigen glaubwürdig, dass man aus der vorhandenen Rockerbox was brauchbares herausholen kann. Ich bin da zuversichtlich. Die vergrößerte Höhenlagerung steht als nächstes auf dem Programm.

Zitat von *entfernt*GMS:
... Es ist aber nicht so, dass die Leichtigkeit der nachführung durch die Andruckerhöhung leidet, denn das "Last-/Kraftverhältnis bleibt bei richtiger Dosierung gleich oder besser gesagt im Gleichgewicht und es ändert sich nichts am Handling. ...
Mit dieser Überlegung bin ich nicht einverstanden. Wenn die Anordnung nahe dem Zenith die Tendenz zur Rückenlage hat, kann man dies zwar durch Bremskraft ausgleichen. Das führt aber im Ergebnis zu unterschiedlichen Handkräften für "hoch" und "runter". Die Verstellung nach oben geht sehr leicht, da die Bremskraft anteilig durch das aufrichtende Gewichtskraftmoment überwunden wird. In Gegenrichtung, also nach unten muss man manuell Bremskraft plus Gewichtskraftmoment überwinden. Diese Vorstellung liegt mir nicht. Im Idealfall hätte ich gerne eine bestimmte, nicht zu hohe Handkraft, mit der ich in jeder Richtung nachführen kann.

Zitat von *entfernt*GMS:
... Ein Kumpel hat mich nun auf die Idee gebracht, den grundsätzlichen Reibwiderstand zu erhöhen. Das geht z.B. mit zusätzlichen Filzgleitern. ... Im Idealfall kann ich auf die Bänder verzichten und erreiche, dass ich die "Friktion" auch in ungünstigen Tubusstellungen nicht so extren anziehen muss.
Auch dieser Ansatz kann systembedingt nicht an obigem Problem vorbeiführen. Mag sein, dass Filzplättchen aufgrund ihrer Reibeigenschaften zu einer besseren Dosierbarkeit führen. Das wäre ja schon mal ein Fortschritt. Aber es bleibt bei dem Grundsatzproblem, dass "hoch" und "runter" unterschiedliche Handkräfte erfordern werden.

Zitat von *entfernt*GMS:
... Ich werde über Erfolg oder Misserfolg berichten. ...
Ja bitte, mach das.

Ein noch unausgegorener Gedankenansatz meinerseits ist die Verwendung eines Gegengewichtes auf der Tubusunterseite. Wenn es gelingt, den Tubus sowohl in Horizontal-, als auch in Vertikallage auszutarieren, dürften all die beschriebenen Probleme nicht auftreten. Derzeit habe ich einen überzähligen, einigermaßen schweren Sucher rumliegen. Er ist deshalb überzählig, weil ich mitlerweile gar nichts anderes mehr als den Telrad verwende, und andere Mittel nicht vermisse. Vielleicht schraube ich den Sucher auf die Tubus-Unterseite. Dort ist er zwar nicht benutzbar (was wegen Telrad nichts ausmacht), dürfte aber zu einer Austarierung in Vertikallage beitragen. Mal sehen, muß ich noch ein wenig drüber brüten.

Weitere Frage, die nur indirekt mit dem Thema zu tun hat: Die Teflonpads für die Vertikalachse sind rein gefühlsmäßig sehr klein. Macht es Sinn, diese zu vergrößern? Gibt es dazu Erfahrungen?

Gruß, Stefan.

 
Hallo Stefan,

eine Tubusbeschwerung zum annähernden Ausgleich des Ungleichgewichts bringt man am sinnvollsten auf der Diagonalen durch die Höhenachse unten an. Also hintern unten am Tubus. Da habe ich auch eine Platte Dachdeckerblei mit Spanngurt befestigt. Mit dem Skywatcher Richfielder 2 kg ging es noch ohne diese Platte, das Mehrgewicht des BW-Richfielders (3 kg) musste ich ein wenig ausgleichen, ich nutze ja auch noch schwere Okulare, wi z.B. das 28er Uwan (~1kg).

Das Dachdeckerblei ist schön weich, gut an die Tubusrundung anzupassen und ich habe es noch in Folie eingeschweißt, man kann das gut händeln.

Ohne diesen Ausgleich hast Du natürlich in so fern recht, als dass man das Ungleichgewicht oben natürlich trotz Klemmung und je nach Tubusstellung als Zug oder Druck spürt, in sofern keinen exakt gleichartigen Nachführwiderstand für Druck nach oben und Zug nach unten erreichen kann.
Das hat man aber immer, wenn man Ungleichgewicht akzeptiert und kompensiert.

Problematischer als im Zenith ist bei mir das Handling am Horizont, also bei Extremhebellast auf die RB.
Dort kann ich allerdings auf Extremklemmung verzichten, denn meine Box ist durch das vergrößerte Höhenlager und die großen Drehteller so stabil und zitterfrei, dass eine Hand immer am Führknopf bleibt und ich notfalls unterstützen kann. Nur auf der EQ-Plattform geht das in Höchstvergrößerung nicht, sie neigt zum dann zum sichtbaren Übertragen des Handzitterns. Da sind halt nur winzige Auflagepunkte, gerade hinten an den Rollen.

Gruß und CS
*entfernt*

 
Zuletzt bearbeitet:
Zitat von *entfernt*GMS:
...Da habe ich auch eine Platte Dachdeckerblei mit Spanngurt befestigt. ... Das Dachdeckerblei ist schön weich, gut an die Tubusrundung anzupassen und ich habe es noch in Folie eingeschweißt, man kann das gut händeln.
Günther, das hört sich nach einer guten Lösung an. Ich glaube, das werde ich genauso mal ausprobieren.

Oben hatte ich noch eine Frage eingestreut, die möglicherweise in ihrer Beiläufigkeit untergegangen ist. also zur Sicherheit noch einmal: Die Teflonpads für die Vertikalachse sind rein gefühlsmäßig sehr klein. Macht es Sinn, diese zu vergrößern? Gibt es dazu Erfahrungen?
 
Hallo Stefan,

da sind die "Geschmäcker" verschieden. :D
Mittelwert ist 1500 Gramm auf einen Quadratzentimeter Teflonpad bei Verwendung von gutem Teflon + Ebonny.
Dazu kommt noch, dass man die Gängigkeit durch Verlagerung der Pads erheblich beeinflussen kann. Pads nach innen > leichterer Gang. Pads nach außen > schwererer Gang.
Das hat nichts mit dem "Anklebenen" und entsprechenden Losbrechmoment zu klein dimensionierter Pads zu tun, nur mit dem gewünschten Widerstand der Nachführung, der in etwa dem Widerstand in der Höhe entsprechen sollte.

Gruß und CS
*entfernt*

PS: Ich meine, dass Du dei "Lastunterschiede" in der Höhe etwas überbewertest. Bei Ausgleich von 1000 Gramm Ungleichgewicht ausschließlich durch "Friktion" ist das kaum merklich. Tu Dir also den Gefallen und mach die Bleiplatten nicht zu schwer. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Guten Abend

Bin zwar sehr neu in der gesamten Materie(Teleskopieren usw), jedoch habe ich vielleicht eine Lösung(zumindest für mich, da ich auch damit kämpfe, meinen Dob ins Gleichgewicht zu bringen).

Meine Überlegung/Vorhaben:

Am unteren Rand(da wo die Naht ist) möchte ich ein dünnes langes Stück dickes Blech befestigen. Ca. 2,5cm breit, 50cm lang und mit einer Dicke von min 0,1cm. Diese "Latte" natürlich längst zum Mittelpunkt des Dobs.

Das ganze um grosse Magneten(Lautsprechermagneten mit Stoff umwickelt) je nach Bedarf daran befestigen zu können und ggf. zu verschieben um das Gleichgewicht herzustellen. Je nach Okular, bzw vorhandenem "Vorbau" kann man so, durch einfaches Verschieben des Magneten, das Gleichgewicht richtig einstellen.

Ist bestimmt keine neue Idee, aber so in etwa habe ich das bei mir vorgestellt.

Aber vielleicht verstehe ich auch das Problem falsch und meine Idee ist hier nicht brauchbar. In dem Fall bitte ich um Entschuldigung.


MfG CS HF

Mara
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Zitat von *entfernt*GMS:
...Pads nach innen > leichterer Gang. Pads nach außen > schwererer Gang.
Das hat nichts mit dem "Anklebenen" und entsprechenden Losbrechmoment zu klein dimensionierter Pads zu tun, nur mit dem gewünschten Widerstand der Nachführung, der in etwa dem Widerstand in der Höhe entsprechen sollte. ...
Günther, das sind zwei verschiedene Informationen innerhalb einer Aussage:
1. Pads weiter innen/außen => kleineres/größeres Moment. Soweit klar. Da gibt es noch Potential zum spielen.
2. Ankleben/Losbrechmoment: Das trifft den Kern meiner Anfrage. Jetzt im Sommer bei hohen Temperaturen läuft die Azimut-Achse sauber. Aber im Frühjahr bei tieferen Temperaturen hatte ich doch deutliche Slip-Stick-Effekte, die sehr störend waren. Deine Aussage kann man so verstehen, dass größere Pads ein "Ankleben" vermeiden. Das wäre dann die Lösung meines Problems.

Zitat von *entfernt*GMS:
... Ich meine, dass Du dei "Lastunterschiede" in der Höhe etwas überbewertest. Bei Ausgleich von 1000 Gramm Ungleichgewicht ausschließlich durch "Friktion" ist das kaum merklich. Tu Dir also den Gefallen und mach die Bleiplatten nicht zu schwer. ;)
;) Günther, da hast Du einen unvermuteten Treffer gelandet. Gestern Nacht hatte ich nämlich ein "Aha"-Erlebnis. ;) Hier unten im Südwesten gabs gestern eine Ausnahme-Nacht mit sehr sehr klarem Himmel. Angesichts des heutigen Arbeitstages wollte ich nicht großartig nach draußen in die Wälder fahren. Aber einen Gang in den Garten konnte ich mir dann doch nicht versagen. Man glaubt ja gar nicht, was bei gutem Himmel selbst im Garten innerhalb einer Ortschaft alles so geht. Cirrus Ost und West, Nordamerikanebel, mit OIII-Filter am 35mm-Okular alles kein Problem. Zwischendurch schöne Ausflüge zum Herkuleshaufen, Ring- und Hantelnebel. Und natürlich auch h und chi Persei, Jupiter. Hab gar nicht genug bekommen können. Hat ein bißchen was von Suchtfaktor gehabt, und es wurde dann doch halb zwei, bis ich im Bett war. In dieser Sitzung habe ich auch ein wenig an der Technik rumgespielt, rumgegrübelt und den Gedanken freien Lauf gelassen, wobei mir dann ein Licht aufging. Der gestrigen Sitzung ging eine längere Pause voraus, und ich neige offenbar zur Vergesslichkeit: Die seinerzeit im Frühjahr vorgenommene Austarierung hatte ich entgegen meiner Erinnerung mit und nicht ohne Sucher vorgenommen. :erschreck: Der Sucher war zwischenzeitlich abmontiert, weshalb die ganze Sache per se hecklastig wurde. Dazu addiert sich dann noch das Aufrichtmoment in der Vertikalen. Und die Summe aus beidem ist halt zuviel. Mit montiertem Sucher ist es tatsächlich so, dass die Ungleichgewichtsschwankungen nicht mehr allzusehr ausgeprägt sind. Du hast mich also kalt erwischt. Ja, es ist alles halb so schlimm. Trotzdem werde ich ein wenig mit Gegengewichten auf der Tubusunterseite rumspielen. Außerdem steht für das Wochenende eine Überarbeitung der Höhenachse nach Deinem Vorbild auf dem Programm. Wenn's so weit ist, werde ich berichten.

Danke für Deine Hilfestellung.

Zitat von maraciek:
Das ganze um grosse Magneten(Lautsprechermagneten mit Stoff umwickelt) je nach Bedarf daran befestigen zu können und ggf. zu verschieben um das Gleichgewicht herzustellen. ... und meine Idee ist hier nicht brauchbar. In dem Fall bitte ich um Entschuldigung.
Hallo Mara. Vorab: Jede ernstgemeinte Idee ist willkommen. Da gibts nichts zu entschuldigen. Und Dein Vorschlag mit den Lautsprechermagneten hat schon was. Hab davon tatsächlich noch ein paar alte Exemplare im Keller liegen. Egal, ob Dein Vorschlag neu ist oder nicht, er gefällt mir. Am Wochenende werde ich basteln und dabei Deine Version berücksichtigen.

Gruß und Dank,
Stefan.
 
Hallo Leute,

da gibt es nichts und niemanden zu "erwischen"!
Wer oft draußen ist und ein wenig Experimentierfreude entwickelt wird aus so einer grundsätzlichen Idee mit der simplen Vergrößerung der Höhenlagerung seine ganz persönliche Anpassung machen können.
Das "Losbrechmoment" bekommt man tatsächlich über gute und ausreichend dimensionierte Teflonpads weg. Manche Leute ziehen auch die mittlere Lagerschraube zu fest an. Dort reicht i.d.R. der Auflagedruck durch das Teleskopgewicht aus.
Die Idee von Mara mit den verschiebbaren Magneten passt da auch sehr gut rein. Wenn so ein Magnet mit Veloursfolie auf der Schiebefläche noch gut haftet und im Zenit nicht innen an der RB (denn unten innen gehört er hin) stört, ist das eine feine Sache.
Bei meinem Isotubus funktioniert das leider nicht, die Magnete sind zu schwach und rutschen immer nach unten, Klettband ist dann schon wieder lästig in der Handhabung also habe ich die Dachdeckerbleiplatte da wo sie im Mittel was bringt fest installiert und den Rest macht die einstellbare Friktion.
Gestern habe ich noch schnell eine Filzscheibe genau um den Drehpunkt herum angebracht. Sie wirkt innerhalb des Kreises wo auf den Bildern im Link der rote Pappring zu sehen ist.
Ich komme nun auch mit dem schweren 4" F/6 Richfielder tatsächlich ohne diese lästigen Zugbänder aus und muss nicht mehr so stark klemmen. Die Nachführung ist nun in den vorher kritikwürdigen Extremstellungen des Tubus wesentlich angenehmer. Ich muss aber noch Mal eine richtige Beobachtungssession machen, denn nur Dauertests sind wirklich aussagekräftig.

Gruß und CS
*entfernt*
 
Hallo Zusammen, nach dem avisierten Bastelwochenende ist der Stand der Dinge nun wie folgt:

1. Die Höhenlager habe ich nach dem *entfernt*'schen Vorbild vergrößert, wobei drei Teflonpads auf 19mm beschichteter Spanplatte laufen. Deutliche Verbesserung gegenüber der Originalhöhenlagerung. Man kann jetzt verhältnismäßig präzise die Handkraft für die Vertikalbewegung einstellen. Ich kann auch eine Einstellung finden und sauber reproduzieren, bei der das oben beschriebene Übergewicht nach hinten auskompensiert ist.

Zufrieden bin ich aber immer noch nicht so ganz. Das mag vielleicht daran liegen, dass ich als Gast mal durch einen Profi-18"er schauen durfte. Das Ding war in allen Achsen so perfekt gelagert und austariert, dass die Nachführung mit einem Fingerstups ging. Solche Erlebnisse verderben die Maßstäbe. Ich weiß, Günther, ich soll Deiner Meinung nach die ganze Sache nicht überbewerten. Aber irgendwie sitzt ein kleiner Dämon in meinem Nacken, der mir ständig zuflüstert: "Dort (Nachführqualität des 18"ers) will ich auch hin" :-).

Meine Restekiste hat ca. 500g Blei zutage befördert. Diese auf der Tubusunterseite angebracht reichen nicht aus. Ein Austarieren mit alten Lautsprechermagneten scheiterte im Erstversuch an der zu geringen Haftkraft am Dünnblech-Tubus. Die Magnete brauchen wohl mehr Eisenmasse, um ordentlich haften zu können. Für die von Mara vorgeschlagene Stahlschiene als Haftgrundlage hatte ich kein Material vorrätig. Jetzt muss ich ersteinmal nachdenken, was es noch für eine einfache, aber praktikable Lösung geben könnte. Vorschläge sind weiterhin willkommen. Das Ziel ist eine Austarierung in jeder Höhenlage, die irgendwo zwischen meinem leichtesten und meinem schwersten Okular liegt. Davon ausgehend sind dann die Schwankungen am geringsten, die ausgebremst werden müssten.

2. Die Azimut-Lagerung hatte ich zuvor schon auf die Gleitpaarung Küchenplattenbeschichtung/Teflon umgestellt. Lief ganz gut, aber im Vergleich zur neuen Höhenlagerung zu schwergängig. Ich wollte dann ganz schlau sein und habe mit Silikonspray nachgeholfen. Die Lagerung geht jetzt zwar leichtgängiger, aber mit deutlichem, bei höheren Vergrößerungen unbeherrschbaren Slip-Stick-Effekt. Diese Aktion war also eine echte Verschlimmbesserung und rate allen Leidensgenossen von der Verwendung von Silikonspray ab. Jedenfalls kann die Sache nicht so bleiben wie sie ist. Da muß ich noch mal ran. Nach einigem hin und her habe ich vorhin eine Platte Ebony Star geordert, und werde diese in Verbindung mit weiter innen angeordneten, aber vergrößerten Teflonpads einsetzen. Sobald ich soweit bin, werde ich berichten.

Gruß,
Stefan.
 
Hallo,

ich habe einen kleinen 4" Dobson, hatte aber die gleichen Probleme mit dem Gegengewicht. Einige Stahlgewichte konnte ich unterbringen aber das reicht nicht ganz wenn das größte Okular und der Sucher dran ist.

Ich habe mir dadurch geholfen, dass ich eine gefedert Schraube mit Gummikopf als Bremse einsetze. Sie ist in der Rockerbox eingebaut und drückt auf die Spiegelzelle.

Mit einem Schnellspannhebel von einem Fahrrad kann ich die Bremse ganz schnell deaktivieren und frei positionieren.

Gruß,
Tobias
 
Hallo Stefan,

ich denke, dass die Lösung mit Ebonny + Teflon und dann die richtige Positionierung der Pads gut funktioniert. Man kann auch noch eine Mittellagerung, z.B. eine Plastikscheibe/Teflonscheibe die unwesentlich dünner ist als die Pads versuchen (wenn sie zu dick ist, neigt die Sache zum kippeln). Damit verhinderst Du, dass sich die Teller bei Andruck durch die Schraube "spannen".
Das Silikonspray muss auf jeden Fall runter.

In der Höhe ist ein Laufgewicht eine feine Sache, wenn man gewillit ist, es immer wieder in die richtige Position zu bringen. Ansonsten könnte man das Blei ganz unten am Tubusring anbringen, z.B. um einen Spanngrut, der dort angebracht wird, wickeln.
Was viel mehr (und ganz bestimmt zusätzlich) hilft, ist eine leichte Verlagerung des Tubus nach unten, sowei das die RB zulässt. Wenn Du dafür 3-5 cm Luft hast, lohnt sich das Versetzen der Höhenlager.
Ich habe durch eine Tubusverlängerung um 5 cm (aus anderen Gründen) eine merkliche Schwerpunktverlagerung nach unten erreicht. Es könnte also sein, dass sich dann die Lage deutlich entschärft und weniger Gewicht und/oder Andruck erforderlich ist und Dir das Handling passt.

Gruß und CS
*entfernt*
 
Hallo Tobias,

das ist eine schöne Lösung, die Du da produziert hast. Gefällt mir. Und ist auch anhand Deines Fotos und der Skizze gut zu verstehen.

Vielen Dank,
Stefan.
 
Soooo, es ist vollbracht :-). Und es funktioniert :-)! (zumindest bei Tageslicht im Garten) :-)

Zitat von *entfernt*GMS:
...ich denke, dass die Lösung mit Ebonny + Teflon und dann die richtige Positionierung der Pads gut funktioniert. Man kann auch noch eine Mittellagerung, z.B. eine Plastikscheibe/Teflonscheibe die unwesentlich dünner ist als die Pads versuchen...
Ebony ist sehr hart und schlecht zu schneiden. Ich habe mir das Leben dadurch einfacher gemacht, dass ich eine vollständie Kreisscheibe, also nicht einen Kreisring, ausgeschnitten habe. Auf diese Weise laufen sowohl die drei äußeren Teflon-Pads als auch die mittlere Teflonscheibe auf Ebony. Die äußeren Teflon-Pads habe ich durch größere (5x5cm) ersetzt und um 7cm weiter radial nach innen positioniert. Damit lässt sich die ganze Sache ruckelfrei um die Azimut-Achse drehen.


Zitat von *entfernt*GMS:
...Was viel mehr (und ganz bestimmt zusätzlich) hilft, ist eine leichte Verlagerung des Tubus nach unten, sowei das die RB zulässt. Wenn Du dafür 3-5 cm Luft hast, lohnt sich das Versetzen der Höhenlager...
Beim axialen Versetzen der Lagerung zwecks Schwerpunktanpassung ist mir quasi ein Höhenfehler in die richtige Richtung unterlaufen. Die Höhenachse verläuft bereits ein wenig quer oberhalb der Tubuslängsachse. Dies reicht zur Kompensation das Nach-hinten-Kippens nicht aus. Weiter möchte ich die Höhenlager aber nicht nach oben versetzten, da dann die seitlichen Lagerflächen zu sehr aus der angestrebten Planparalleliät herauslaufen.


Zitat von *entfernt*GMS:
...Ansonsten könnte man das Blei ganz unten am Tubusring anbringen, z.B. um einen Spanngrut, der dort angebracht wird, wickeln...
Testhalber habe ich mir mit einem mobilen 1,4kg-Türstopper beholfen, den ich mit Klettband und Spanngurt am Tubus befestigt habe. Sofern ich meine leichteren Planetarys einsetze, stimmt Jetzt die Tarierung in allen Winkellagen so gut, dass ich die Bremse an der Höhenachse eigentlich nur noch für den Okularwechsel brauche. Bei meinen längerbrennweitigen, aber auch schwereren Okularen darf die Bremse ruhig ein wenig strammer angezogen werden, denn hier kommt aus auf das letzte Bißchen Feinfühligkeit der Nachführung nicht an.

Heute Nachmittag habe ich ein wenig mit meinem kurzbrennweitigsten Okular (3.2mm Planetary, 375fach an 1200mm) experimentiert. Die Nachführung ist tatsächlich in beiden Achsen hinreichend ruckfrei, um auch bei Maximalvergrößerung sauber nachführen zu können. Ganz ohne Slip-Stick. So gut hab ich es bislang noch nie hinbekommen :-).

Etwas perfektionistischen Verbesserungspotential besteht noch darin, dass bei einer angenehm leichtgängigen Höhenverstellung im Vergleich dazu die Azimutverstellung trotz Innenverlegung der Teflonpads schwergängiger ist. Idealerweise hat man in beiden Richtungen die gleiche Handkraft. Vielleicht experimentiere ich mit noch weiter nach innen verlegten Azimut-Pads...

Aber ersteinmal will ich die ganze Sache am Himmel ausprobieren. Heute abend hat es hier im Südwesten aufgeklart. Beim jetzigen Vollmond dürfte kaum mehr als dieser und der Jupiter gehen. Aber zum Ausprobieren reicht das wohl.


Zitat von *entfernt*GMS:
...In der Höhe ist ein Laufgewicht eine feine Sache, wenn man gewillit ist, es immer wieder in die richtige Position zu bringen...
Wenn sich die Sache mit dem Türstopper als improvisiertes Gegengewicht bewährt, erwäge tatsächlich die Installation einer Prismenschiene mit Laufgewicht. Aber das ist jetzt nicht mehr eilig. Bekanntermaßen ist nichts so haltbar wie ein Provisorium :-).


Eine wahrscheinlich dumme off-topic-Frage noch zum Seeing. Seeing war bislang nie so richtig ein Thema für mich, da ich wegen eines andauernden Kampfes gegen wackelnde und ruckende Technik nie wirklich in Versuchung kam, höhere Vergrößerungen einzusetzen. Bitte seht mir deshalb nach, wenn ich so eine Frage stellen muss:

Einige zaghafte Versuche waren nicht befriedigend (unscharfes Bild), was ich mangels näherer Beschäftigung damit als Ergebnis entweder der Wackelei oder ungenügender Qualität des Okulars spekulativ abgetan habe.

Bei meinem heutigen Tages-Versuch (s.o.) mit dem 3,2mm Planetary am nächstgelegenen Strommast wurde alles viel übersichtlicher, da Einstellung und Wackelei verbessert sind. Dabei ist mir aufgefallen, dass die bislang vermisste Bildschärfe kurzzeitig aber doch vorhanden ist. Das Bild wird zyklisch scharf/unscharf. Kann es sein, dass das Seeing, was ich bislang nur als Schlieren bei geringeren Vergrößerungen wahrgenommen habe, sich bei hohen Vergrößerungen (hier 375x) nicht mehr als Schlieren sondern als die oben beschriebene Schärfeverstellung bemerkbar macht?

Gruß,
Stefan.


 
Hallo Stefan,

eventuell haben wir in einem Punkt fruchtbar (nicht furchtbar) aneinander vorbei geredet:

Ich meinte, dass Du die Höhenachse vom hinteren Tubusende aus gesehen nach oben, in Richtung Tubusöffnung versetzten könntest um den hinteren Hebel zu verlängern.
Da bringen wenige Zentimeter mehr Schwerpunktverlagerung als erhebliche Zusatzgewichte.
Du hast, wenn ich das richtlig lese, die Höhenlager in Relation zum Tubusdurchmesser "oberhalb der Mitte (optische Achse) gesetzt.
Das ist auch ein genialer Gedanke.

Eine Kombination beider Maßnahmen müsste sich sehr günstig auswirken und kann Zusatzgewichte eventuell ganz entbehrlich machen.

Na teste erst Mal was Du geschafft hast. Wenn die Drehteller nur geringfügig schwerer laufen als die Höhe könntest Du doch durch geringfügig höheren Druck auf die Höhenlagerung exakt Gleichstand erreichen, ohne Komfort einzubüßen.
Aber die Idee mit der außermittigen Höhenlagerung hat Potenzial. :cool:

Gruß und CS
*entfernt*
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Günther.
Zitat von *entfernt*GMS:
... Ich meinte, dass Du die Höhenachse vom hinteren Tubusende aus gesehen nach oben, in Richtung Tubusöffnung versetzten könntest um den hinteren Hebel zu verlängern.
Da bringen wenige Zentimeter mehr Schwerpunktverlagerung als erhebliche Zusatzgewichte. ...
Diese Maßnahme hatte ich bereits schon vor Monaten durchgeführt.

Zitat von *entfernt*GMS:
... Du hast, wenn ich das richtlig lese, die Höhenlager in Relation zum Tubusdurchmesser "oberhalb der Mitte (optische Achse) gesetzt.
Das ist auch ein genialer Gedanke.
...
Eine Kombination beider Maßnahmen müsste sich sehr günstig auswirken und kann Zusatzgewichte eventuell ganz entbehrlich machen. ... Aber die Idee mit der außermittigen Höhenlagerung hat Potenzial. :cool: ...
Ja Günther, Du hast richtig gelesen. Im Grunde sollte das Ziel sein, dass die Höhenachse bezogen auf das Tubus-Koordinatensystem sowohl in X-, als auch in Z-Richtung durch den Schwerpunkt des Tubus verläuft. Dann erst spielt der Höhenwinkel bei der Balancierung keine Rolle mehr.

Wie bereits oben angedeutet kann die Höhenachse aber nicht weit genug in Z-Richtung, also senkrecht zur Tubus-Längsachse nach oben versetzt werden, da dann sie seitlichen Reibflächen der Höhenräder nicht mehr hinreichend genau parallel zueinander liegen. Der Ansatz hat zwar Potential, lässt sich aber wohl nur duch einen kompletten Umbau der Höhenlagerung umsetzen. Man könnte den Tubus in selbstgefrästen MPX-Schellen einspannen. Diese Schellen könnten dann seitliche, parallele Befestigungsflächen haben, an denen neu anzufertigende Höhenräder mit mittiger Gewindeaufnahme für die Achsbolzen angeschraubt werden. Dadurch ließe sich die Position der Höhenräder in allen in Frage kommenden Richtungen verschieben.

Aber dieser Ansatz ist mir fürs erste zu viel Aufwand. Naja, man muss ja auch noch Projekte in der Zukunft haben... :-). Bis auf Weiteres läuft's wohl auf ein Laufgewicht hinaus. Mal sehen, hab mich noch nicht entschieden.

Zitat von *entfernt*GMS:
... Na teste erst Mal was Du geschafft hast. Wenn die Drehteller nur geringfügig schwerer laufen als die Höhe könntest Du doch durch geringfügig höheren Druck auf die Höhenlagerung exakt Gleichstand erreichen, ohne Komfort einzubüßen. ...
Die gestrige Testsitzung am Mond und Jupiter war übrigens noch nicht so ganz zufriedenstellend. Die Azimutlagerung war doch noch zu ruckelig für eine wirklich feinfühlige Nachführung. Ich habe darauf hin heute mittag die Teflon-Pads noch weiter nach innen versetzt. Sie haben jetzt nur noch einen mittleren Radius zur Azimutachse von 140mm. Ich bilde mir ein, dass das Ziel nun erreicht ist. Als Testperson habe ich meine Frau herbeigerufen und sie gebeten, das Testobjekt in Form eines Strommastes bei Maximalvergrößerung abzufahren. Sie meint, das wäre absolut beherrschbar. Wenn sie als ungeübte Person das so beurteilt, wird es wohl so sein... :-).

Was jetzt noch an Perfektion fehlt, geht wohl eher auf das Konto elastischer Nachgiebigkeit der Rockerbox. Aber dem kann man wohl nur mit einer Neukonstruktion begegnen. Zukunftsmusik, siehe oben.

Gruß,
Stefan.

P.S.: Ach übrigens, falls es jemanden interessiert: Eine Weile war ich am Grübeln, womit man am besten das Ebony Star verklebt. Leim wollte nicht so richtig plausibel sein, weil auf beiden Seiten der Verklebung mehr oder weniger gasundurchlässige Beschichtung vorhanden ist. Da hatte ich Sorge, ob die ganze Sache innerhalb einer vernünftigen Zeit überhaupt trocknet. Epoxidharz war nicht zur Hand.

Ich hab mir daraufhin mit selbstgemachtem Heißleim beholfen: Beide Klebeflächen vollflächig mit Weißleim einstreiche. Mit dem Fön ablüften, bis das Zeug nicht mehr am Finger klebt. Fertig. Das so präparierte Ebony Star kann man dann ganz normal wie Baumarktumleimer für Spanplatten mittels Bügeleisen aufbügeln. Hält bombenfest.
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben