BAK 4 versus BK 7

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Harald_M

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Hallo!

Was ist der Unterschied solcher Prismen? Handelt es sich dabei um die Glassorte? Welche ist besser?
 
Hallo Harald,

ja, es handelt sich um die Glassorte. Ferngläser haben in der Regel Objektive mit relativ kurzer Brennweite im Vergleich zur Öffnung (meist f/5 ... f/6). Daher spielt die Glaswahl für die Prismen beim Porro-System eine große Rolle. Die Randstrahlen von lichtstarken Objektiven werden bei BK-7 Glas im Prisma z.T. nicht mehr total-reflektiert (Stichwort Grenzwinkel der Totalreflexion). Sie verlassen das Prisma an der Glas-Luft Fläche und führen zu Streulicht und Kontrastverlust im System. Wie das in der Austrittspupille aussieht, siehst Du hier:

BaK-4 oder BK-7

Diesem Effekt kann man auf zwei Wegen begegnen. Entweder man verwendet langbrennweitige Objektive (was das Fernglas schnell unhandlich macht) oder man nimmt Glas mit höherem Brechungsindex für die Prismen (BaK-4). Allgemein gesprochen sollten hochwertige Porrogläser auch BaK-4 Prismen enthalten. Aber erst die Summe aller Eigenschaften trennt ein gutes Fernglas von einem weniger guten. Neben der Glassorte bei den Prismen gehören die Vergütung der optischen Flächen und die Unterdrückung von Streulicht (Blenden) dazu. Schaut man noch auf die Qualität der Verarbeitung und eine robuste Mechanik, dann kommt man schnell in die gehobene Preisregion.

Es gibt auch andere Meinungen zu dem Thema. Manch einer hält den Unterschied zwischen den Glassorten für unwichtig. Andere Leute sehen zwischen Gläsern mit BaK-4 und BK-7 Prismen keine Unterschiede (wobei ein direkter Vergleich eher schwierig sein dürfte). Wenn man keine Unterschiede sieht, muß man auch kein Fernglas mit BaK-4 Prismen kaufen ...

Frank.
 
Hallo Frank,

danke für die Infos.

In dem anderen Thread habe ich mich nach den TS Astro Gläsern erkundigt. Das 10x60 fällt dann schon mal raus, das hat BK7 drin.
Das 10x50 hat aber BAK-4 drin. Wenn dann noch die Vergütung stimmt, dann wäre das evtl doch durchaus brauchbar.

Es ist mir natürlich klar, daß ein 80.--Fernglas nicht mit Zeiss-Geräten konkurrieren kann.
Aber nachdem ich mal ein neues 350.- Euro Glas mit meinem alten Revue 8x40 (ca 20 Jahre alt, war damals schon ein Billig-Glas) verglichen hatte und das Revue eindeutig das BESSERE war, bin ich den "billigen" Gläsern gegenüber nicht mehr voreingenommen!

Wenn keine negativen Erfahrungen mit dem TS 10x50 vermeldet werden, dann werde ich mir das mal zur Ansicht kommen lassen. Mal sehn, vielleicht ist es ein Schnäppchen? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />
 
> Das 10x60 fällt dann schon mal raus, das hat BK7 drin.

Hallo Harald,

deswegen muß es ja kein schlechtes Fernglas sein. Das ganze ist immer eine Frage des Preis-/Leistungsverhältnisses. Wenn die Schärfe einigermaßen ok ist, warum nicht? Nicht jeder ist bereit, hunderte Euros in ein Fernglas zu investieren. Man kann bestimmt auch mit einem 10x60 für 99 Euro Spaß unterm Sternhimmel haben (wenn's auch nicht gerade mein Fall ist).

> Das 10x50 hat aber BAK-4 drin. Wenn dann noch die Vergütung stimmt, dann wäre das evtl doch durchaus brauchbar.

Wie gesagt, die Summe der optischen Eigenschaften macht's. Was immer auch "vollvergütet" bedeuten mag, an irgendeiner Stelle wird der Hersteller gespart haben. Aber auch hier gilt das oben gesagte, entscheidend ist der Spaß an der Freude. Und wenn Herr Ransburg sagt, daß es ein "herrliches Universalglas mit angenehmen Einblickverhalten" ist, dann wird da wohl auch irgendwas dran sein <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Wenn Du das Glas hast, dann ist ein Bericht an dieser Stelle bestimmt sehr erwünscht!

Frank.
 
Eins meiner älteren Gläser hat diesen Effekt der abgeschatteten Austrittspupillen. (Damals, als "kleiner Junge", wußte ich noch nicht, dass es sowas überhaupt gibt, so dass ich beim Kauf überhaupt nicht drauf geachtet hatte.) Ich habe da also offenbar ein BK7-Glas!

Jedenfalls bin ich mit dem Glas immer noch zufrieden und ich kann dir versichern, beim Durchblick sieht man diese Abschattung auch nicht direkt. Dazu müste man sicher einen direkten Vergleichstest machen mit einem "Bak-4-Glas", um dann evtl. einen Unterschied in der Bildhelligkeit festzustellen.

Mit anderen Worten: ich würde den Punkt Prismenglassort und Abschattung der AP nicht überbewerten.

Es gib sogar hochpreisige "Hochleistungsferngläser" renomierter Hersteller, die ebenfalls BK7-Prismen verwenden.

siehe auch (da mal ganz unten auf der Seite auf die Daten, insbesondere in der Spalte "Prismen", des 20x125 achten und staunen):

http://www.vehrenberg.de/html/fernglaeser/grossfernglas.html

(Das Glas kostet ein paar tausend Eumels, und ist sicher nicht von schlechten Eltern. Also kann die Glassorte wirklich nicht die alles entscheidende Bedingung sein! Hey, hat das Teil jemand?)
 
Hallo Ber,

meine Aussagen beziehen sich auf normale Porrogläser. Es gibt Prismenumkehrsysteme, wo die Problematik der eingeschränkten Totalreflexion keine Rolle spielt. Das ist immer eine Frage des Designs (Prismensystem und Öffnungsverhältnis der Optik). Es gibt beispielsweise sehr gute Dachkantgläser mit BK-7 als Prismenglas. Abbe-König Prismen haben das Problem meines Wissens nach nicht, bei Schmidt- oder Uppendahl-Prismen muß man dieselben teilverspiegeln, um die maximale Transmission herauszukitzeln. Welches Prismensystem Vixen bei seinem 20x120 nutzt, weiß ich nicht. Bei sehr guten Porrogläsern spielt es schon eine Rolle, ob BK-7 oder BaK-4 verwendet wird. Wenn man das letzte aus einem Fernglasdesign herausholen will, dann wird man sich auch um die Prismen kümmern.

Frank.
 
Noch 'ne Anmerkung

Jedenfalls bin ich mit dem Glas immer noch zufrieden und ich kann dir versichern, beim Durchblick sieht man diese Abschattung auch nicht direkt. Dazu müste man sicher einen direkten Vergleichstest machen mit einem "Bak-4-Glas", um dann evtl. einen Unterschied in der Bildhelligkeit festzustellen.
Hallo Ber,

daß Dir die "Abschattung" nicht auffällt, ist verständlich. Wie auch? Was den feinen Unterschied BaK-4 vs. BK-7 betrifft, so geht es nicht allein um einen Unterschied in der Bildhelligkeit. Wenn ein Teil des Lichts, welches eigentlich im Okular landen sollte, als Streulicht durch's Fernglas geistert, dann verringert das Transmission und Kontrast und gibt in der Summe ein weniger brillantes Bild. Wenn dann noch an der Vergütung gespart wird, geht der Kontrast weiter in den Keller. Die Frage ist nun, wie wichtig dem Nutzer ein brillantes Bild ist. Ein begeisterter Ornithologe, der in allen möglichen Situationen ein gestochen scharfes und hochauflösendes Bild von seinem Piepmatz wünscht, wird nach Möglichkeit zu einem sehr hochwertigen Fernglas greifen. In kritischen Situationen (wie Gegenlicht oder Dunst) zeigt sich nämlich sehr schnell, wie brillant ein Fernglas wirklich ist. Und in solchen Situationen sieht man schon, ob am Prismensystem (oder der Vergütung) gespart wurde oder nicht. Wenn der Beobachter dann noch eine sehr feine Zeichnung im Gefieder eines Vogels erkennen will, wird er mit einem preiswerten Fernglas nicht unbedingt die rechte Freude haben. Sinngemäß gilt das auch für Jäger oder eben für Sterngucker. Will man den Nordamerika- oder Cirrusnebel möglichst kontrastreich sehen, dann ist ein gutes Fernglas (wo Transmission und Kontrast stimmen) ebenfalls hilfreich. Für Leute die ein Fernglas eher selten am Sternhimmel nutzen, lohnt sich ein Zeiss oder Leitz Fernglas vielleicht gar nicht. Das ist allein eine Frage der persönlichen Präferenzen (und natürlich der Finanzen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/crazy.gif" alt="" />). Für das Geld von einem Leica Trinovid bekommt man ja schon einen Edeldobson. Und mit einem (BK-7) Fernglas zu 99 Euro kann man genauso viel Spaß haben wie mit einem Leica zu 1200 Euro. Why not?

Frank.
 
Re: Auch die Dispersion spielt eine Rolle

Hallo Frank,

ich kann alles unterschreiben, was Du zu BaK4 und BK7 geschrieben hast, aber möchte noch einen Aspekt ergänzen. Ich bestätige also, daß es letztlich auf die optimale Gesamtabstimmung ankommt. Wenn aufgrund des Öffnungsverhältnisses und der Prismenart der Grenzwinkel der Totalreflexion auch beim BK7 mit dem etwas niedrigeren Brechungsindex (1,51872 gegenüber 1,57125 bei BK4) nicht unterschritten wird, bringt BK4 keinen Vorteil, sondern sogar einen Nachteil: BK4 hat nämlich eine kleinere Abbesche Zahl (55,85 gegenüber 63,96 bei BaK7), also die größere Dispersion. Dispersion aber bedeutet Farbaufspaltung, aus der sichtbare Farbsäume resultieren können.

Sowohl BaK4 als auch BK7 sind Qualitätsgläser, die sich von namenlosen Gläsern schon mal positiv abheben. Ob BaK4 oder BK7 besser ist, kann man also nicht pauschal ohne Kenntnis aller Konstruktionsdetails sagen. Abgesehen davon sind die Güte der Grenzflächen (der durchlassenden und reflektierenden Flächen), bei bestimmten Prismenformen auch die Winkelgenauigkeit und nicht zuletzt die Güte der Objektiv- und Okularkonstruktion sowie die Qualität der tatsächlichen Ausführung (die bei vielen Billiggläsern weit hinter dem theoretisch erzielbaren Optimum des jeweiligen Designs weit zurückbleiben kann) inklusive der Justage wichtig. Die Entscheidung für oder gegen ein Fernglas allein oder auch nur weitgehend vom Prismenglas abhängig zu machen, wäre sicher falsch!

MfG Walter E. Schön
 
die Frage ist nur - welche ?

Hallo Walter,

> Die Entscheidung für oder gegen ein Fernglas allein oder auch nur weitgehend vom Prismenglas abhängig zu machen, wäre sicher falsch!

da hast Du natürlich recht. BaK-4 allein hilft nicht, wenn die Prismen unsauber geschliffen sind, die Optik in ihrer Gesamtheit weit hinter den Möglichkeiten zurückbleibt oder beim Prismensystem BaK-4 als Glassorte gar nicht nötig ist. Das Problem ist nur, die Fertigungsgenauigkeit oder den Grad der Korrektur der Optik kann ich einem Datenblatt (in der Regel) nicht entnehmen. Genausowenig weiß ich als Kunde, ob BaK-4 bei einem bestimmten Fernglas (-design) eine gute Idee wäre oder nicht. Wenn ich bei Leica oder Zeiss kaufe, dann kann ich mit gutem Gewissen annehmen, daß die Präzision in der Ferigung sehr hoch und das Design auf maximale Transmission und bestmöglichen Kontrast ausgelegt ist. Das ist aber nicht bei allen Herstellern der Fall. Wenn ich mir ein preiswertes (gängiges) Porroglas suche, dann ist die Entscheidung für BaK-4 Prismen schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Ob das Fernglas dann wirklich was taugt, zeigt erst ein Test in der Praxis.

Das Argument mit der höheren Dispersion ist interessant. Die Frage ist nur, spielt es bei normalen Porrogläsern mit Vergrößerungen bis ca. 15x oder 18x eine Rolle? Soweit ich weiß, nutzen sowohl Zeiss als auch Nikon bei ihren höhervergrößernden Porromodellen BaK-4 für die Prismen. Ich zitiere mal die Firma Zeiss aus ihrer Fernglasbroschüre:
"Kontrastverluste im Fernglas treten auch dann auf, wenn die verwendeten Prismen aus einem Glasmaterial mit zu geringer Brechzahl sind.
Tipp: Überprüfen lässt sich dieses, indem man das Fernglas in 30 bis 40 cm Abstand vor das Auge hält, am besten gegen einen hellen Hintergrund. Die Austrittspupille ist dann als heller Fleck sichtbar. Wenn sie nicht gleichmäßig rund und hell erscheint, sondern viereckig mit am Rand abgedunkelten Feldern, hat der Hersteller an der Glasqualität gespart."
Ob's wirklich BaK-4 ist, weiß ich nicht mit Sicherheit. Ich würde aber vermuten, daß Zeiss an dieser Stelle nicht gespart hat. Und am Ende würde ich mich auf der Suche nach einem guten Porroglas eben doch für BaK-4 entscheiden - in meinem Alter ändert man seine Gewohnheiten nicht mehr ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Frank.
 
Re: Objektivität

Hallo Frank,
ich finde es wirklich Spitze, wie objektiv Du in diesem Beitrag alles dargestellt hast - obwohl Du doch eigentlich ein
"high - ender" bist. Großes Kompliment!!!
 
Re: die Frage ist nur - welche ?

Wenn sie nicht gleichmäßig rund und hell erscheint, sondern viereckig mit am Rand abgedunkelten Feldern, hat der Hersteller an der Glasqualität gespart
Hi Frank,

einfach gestrickt wie ich bin hätte ich aus einer nicht runden AP auf unterdimensionierte Prismen geschlossen, die den Strahlengang beschneiden. Welche Qual-ität müsste das Glas selbst denn haben, um einen solchen Effekt hervorzurufen?

Unterbelichteten Gruß
 
Re: die Frage ist nur - welche ?

Hallo Mainzelmann,

mitunter kommen beide Effekte vor. Wenn die AP "viereckig mit am Rand abgedunkelten Feldern" erscheint und die abgedunkelten Bereiche eher diffus und in einem hellen Grauton in die runde AP übergehen, dann ist's in der Regel BK-7. Wenn die Prismen zu knapp dimensioniert sind, sieht man eher scharf begrenzte und sehr dunkle Zonen in der ansonsten runden AP. Bei preiswerten Gläsern kann u.U. billigeres Glas für zu knapp dimensionierte Prismen eingesetzt worden sein und dann hat man die "abgedunkelten Felder" mit einer anderweitig "verunstalteten" AP. Aber auch relativ teure Gläser können mitunter recht knapp dimensionierte Prismen haben. Auf Anhieb und ohne Vergleichsmöglichkeit ist man meist auch sehr zufrieden mit seinem Glas. Irgendwann sieht man, daß es auch besser geht, stellt dabei aber fest, daß das seinen Preis hat. Dann wirft man sein Aldi Glas entweder in die Tonne und geht zum nächsten Leica Händler oder pfeift drauf und beobachtet die nächsten 10 Jahre weiterhin mit viel Freude den nächtlichen Sternhimmel ... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Frank.
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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