Hi Oliver,
OK, schreibe ich doch was zur Verwendung von Barlows an Geräten mit mehr als f/10. (Jo, Ekkehard, has' ja Recht, is ja gut...)
Ich finde, daß es für eine Barlow an einem f/10-Gerät schon wenig Grund gibt. Warum? Na, weil ein f/10 Gerät mit einem 7mm Okular normalerweise ausgereizt ist. Und ein 7mm Planetenoku, das kann man als Nicht-Brillenträger noch ohne zu große Probleme benutzen. Natürlich ist es schon deutlich unbequemer als ein 12mm. Bei einem f/13,5 kommt man schon mit einem 10mm Okular in dieselbe Gegend, da wird eine Barlow noch unnötiger, außer man muß sich als Brillenträger eben den großen Augenabstand verschaffen, den ein 20mm Plösslorthowisstschon hat.
Bleibt die Barlow optisch nur noch für Spezialanwendungen wie Sterntest oder Doppelsterntrennung (also "Gewaltvergrößerung") und natürlich für diejenigen, die auf etwas Leistung verzichten und mit weniger Okularen auskommen wollen. Normalerweise hat das eher finanzielle Gründe.
Denn eines ist mal ganz klar: Jede Linse im Strahlengang bringt auch ihre Fehler mit ein und der Anwendungsbereich, in dem eine Barlow wirklich das Bild verbessern kann ist eng begrenzt, eben auf schnelle Optiken. Damit bleibt als Sekundärwirkung nur die Verlagerung der Austrittspupille, also die Vergrößerung des Augenabstandes. Diese Anwendung mag interessant sein, wird aber mit zunehmend langsameren Öffnungsverhältnissen unnötig.
Jetzt noch was zum Thema APO-Chromatisch. Also wer bei einer Barlow nach "APO-Chromatisch" fragt, der ist meiner Meinung nach schon einem Marketing-Gag aufgesessen, den m.W. Synta mit seiner "APO-Series" von Plössls und einer Barlow eingeführt hat. Seitdem müssen Barlows "APO" sein.
Eine normale achromatische Barlow reicht völlig aus, wenn sie korrekt auf den Okularabstand abgestimmt ist (durch die Länge ihrer Hülse). Diese "APO-Series" teile sind auch ganz normale Achromaten (meines Wissens). Das "Spezialteil", der FFC von Baader, nutzt Fluorit, um die Farbkorrektur für einen riesigen Bereich an Brennweitenverlängerung, nämlich locker 1,5x bis 8x zu realisieren, was mit einer normalen Barlow eben nicht geht. Barlow-artige Designs auf der Basis von 3 Linsen dürften mehr Wert auf bessere Feldkorrektur und weniger Veränderung der AP usw. legen. Die Powermate, als 4-linsige Design, darf man schon nicht mehr Barlow nennen, sie ist ein telezentrisches System, bei dem eben großer Wert auf Feldkorrektur, Feldebnung und beibehaltung von Austrittspupille und Augenabstand, usw gelegt wurde.
Die TMB-Barlow nutzt ED Glas, die alte Zeiss Barlow soll das auch tun. Ich nehme an, daß dieses ED Glas einfach den Zweck hat, die Barlow auch an schnellen Optiken besser zu korrigieren. Bei der TMB war man ja stolz darauf, daß sie noch bis f/6 herunter Beugungsbegrenzt ist. Womöglich würden solche Sondergläser auch besonders kurzbauende Barlows möglich machen oder verbessern.
Es gab damals zwar mal einen aufsehenerregenden "Test" in dem einer Powermate bei 725x Farbe nachgewiesen wurde, während die APO-Series Billigbarlow farbrein blieb, aber eigentlich blieben bei diesem "Spaßtest" die Details schleierhaft, denn es ist unwesentlich, ob ich eine Barlow bei 70x oder 700x verwende, weil die Sichtbarkeit des Farbfehlers relativ zur Nachvergrößerung durch das Okular dahinter ist. Wenn also die Testaussage gewesen wäre, daß selbst mit einem 2,5mm Okular kein Farbfehler auftritt...
Fazit: Lasst Euch durch das Marketing-Gequatsche nicht verleiten und veralbern. Schaut Euch Beobachtungsberichte an, ich finde den Barlow-Test von mir und KaStern (meine Homepage) ziemlich aufschlußreich in vielen Fragen, und sammelt dann vor allem eigene Erfahrungen mit eigenen Augen.
Clear Skies
Sven