Bau der Gartensternwarte | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Bau der Gartensternwarte

Camissa

Mitglied
Hallo,

ich wollte nicht mehr jeden Abend alles neu auf- und abbauen. So entstand der Wunsch nach einer kleinen Sternwarte. Nachdem ich entschieden hatte, dass es eine kleine Hütte im Garten mit Rolldach werden müsste, konnte ich mit der Planung beginnen. Die folgenden Probleme galt es zu lösen.

1) Die Ehefrau hat für mein Hobby viel Verständnis, das sich aber bei der Vorstellung weiterer Gebäude im Garten erstaunlicherweise zu verflüchtigen scheint.
2) Mein Nachbar hat 2 riesige Bäume genau an der Grundstücksgrenze. Das Observatorium stünde im Schatten dieser Bäume und die Sicht nach Norden wäre versperrt.
3) Die Behörden scheinen durch Corona in ein Feld mit verlangsamtem Zeitablauf geraten zu sein. Alles was früher lange dauerte, dauert jetzt ewig.

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Nachbars Bäume (dunkelgrün im Hintergrund), im Vordergrund die abgedeckte Montierung auf einem Stativ.

Aus diesem Grunde musste ich strategisch vorgehen. Als erstes wurde die Ehefrau in den Auf- und Abbau des Teleskops eingebunden. Dazu musste sichergestellt werden, dass sie wider wach wird, wenn ich nach Abbau ins Bett komme. Man kann dazu unter den Stickworten "Türen energisch schliessen", "wie ein Sack ins Bett plumpsen", "aus Versehen das Licht anmachen" und "irrtümliche Fehlbedienung des Weckers" Hinweise im Internet finden. So blieb sie dann lieber gleich wach und drängelte jeden Abend, dass ich doch endlich Schluss mache und alles einpacke. Das geht natürlich zu zweit schneller ("Hilfst Du mir eben mal bitte?") und baut langsam aber zuverlässig Wiederstände gegen zusätzliche Gebäude im Garten ab!

Mit dem Nachbar habe ich bei Gesprächen über den Zaun regelmässig bedauert, dass die grossen Bäume die Sonne verdecken, mein Rasen verkümmert und sein Garten entstellt ist. Es dauerte nicht lange und auch ihm war klar, sein Garten wäre ohne die blöden Bäume viel schöner.

So kam es dann, dass die Ehefrau ein permanentes Teleskopegebäude für ihren Nachtschlaf forderte und der Nachbarn mich fragte, ob ich einen zuverlässigen Baumfäller kenne.

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Der Bauplatz. Im Hintergrund sieht man die Reste der Bäume.

Lieber Bezirksbürgermeister, um die Corona-bedingt schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln, möchte ich gerne lokalen Firmen Aufträge für Baumassnahmen geben. Da ich aber keine Baugenehmigung habe, muss die Wirtschaft weiter leiden.

Nachdem ich schriftlich zugesichert hatte, dass keine Bäume wegen des zu errichtenden Gebäudes gefällt werden müssen, bekam ich doch nach erstaunlich kurzer Wartezeit meine Baugenehmigung. Und nun kenne ich auch den Bezirksbürgermeister!


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Herzliche Grüsse,
Ecki
 

Camissa

Mitglied
Und weiter gehts ....

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Damit war die Rohkonstruktion fertig und alle verabschiedeten sich in die Weihnachtsferien. Mittlerweile war mein neuer Refraktor nach Corona-bedingter Lieferverzögerung eingetroffen und ich konnte schon mal probehalber aufbauen.

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Wir haben jetzt auch das Dach, ein Fenster und eine Tür. Weitere Bilder kommen je nach Baufortschritt.

Herzliche Grüße und clear skies,
Ecki
 

frasax

Mitglied
Also das fügt sich doch wunderbar in den Garten ein, sogar mit Fenster. Da kann weder der Nachbar noch die holde Gattin meckern.
Die Säulenfundamente sind sehr tief, oder der Arbeiter sehr klein. Frostsicher sind sie in jedem Fall.

CS und LG
Frank
 

Knapp_Manfred

Mitglied
Hallo

Bei dem Refraktor liegen die Sterne schon vor den Füssen. Sterne..
Sieht aus wie ein Jäger Refraktor...

Sehr gut gelungen.

Manfred
 

Astromike7

Mitglied
Hallo Ecki, schönes Bauprojekt hast Du da :y:
Mich würde interessieren ob das Säulenfundament von der oberen Betonplatte akkustisch getrennt ist?
Auf den unterem Bild mit dem Stativ und dem TEC sieht es so aus, als ob die Betonplatte mit den herausschauenden Eisen verbunden ist, vielleicht ist es aber auch nur nicht richtig ersichtlich aufgrund des Fotos?
Viel Spaß mit der Sternwarte!

Grüße Michael
 

Camissa

Mitglied
Hallo,

danke für die Kommentare und Likes. Durch unseren Garten fliesst ein kleines Flüsschen. Der Grundwasserspiegel in der Ecke des Observatoriums ist etwa 80 cm unter der Oberfläche. Wir haben deswegen die 6 Ecken des Betonfundamentes tief ausgegraben, bis wir auf die unten liegende Granitschicht gestossen sind (ca. 2 Meter). Das wurde mit einer Mischung aus Beton und grobem Splitt ausgegossen. Auf diesen stabilen 6 "Stelzen" sind die Stahlträger für die Wände und das Dach befestigt.

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Dasselbe haben wir mit den Fundamenten für die Montierungen gemacht.

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Die Betonsäule mit den Stahlstangen sitzt auf dem Betonblock der auf dem Granit sitzt. Schwarz eingezeichnet ist die Fussbodenplatte.

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Die Verbindung vom Säulenfundament zur Fussbodenplatte war nur temporär. Das ist jetzt offen, so dass der Fussboden vom Säulenfundament entkoppelt ist. Auf den Beton kommt ein Holzboden, so dass die grosse Fuge verschwindet. Sie wird auch noch mit Bauschaum gefüllt.

Ich hoffe, dass wir in der nächsten Woche die Wände und das Dach fertigstellen können. Das Ziel ist es, Ende der ersten Februarwoche mit den Teleskopen einzuziehen.

Herzliche Grüße,
Ecki
 

Camissa

Mitglied
Hallo,

leider dauert hier alles etwas länger - aber so langsam nähert sich das Observatorium der Fertigstellung. Das grösste Problem ist, dass viele Arbeiten mehrfach gemacht werden müssen. Ein Beispiel: ver Vorplatz, über den sich das Dach schiebt, sollte mit Fliesen belegt werden. Damit sich Regenwasser nicht irgendwo sammelt, haben wir das Betonfundament mit einer kleinen Steigung versehen. Der Fliesenleger hat diese Information in seinem Auftrag erhalten. Als er fertig war, erzählt er uns ganz stolz, dass das Fundament fehlerhaft war. Er hätte das aber beseitigt und die Fliessen liegen jetzt perfekt plan. Den Hinweis im Auftrag und die Vorbesprechung hatte er vergessen. Also Fliesen wieder runter, neue Fliesen kaufen (2 Wochen Lieferzeit) und auf ein Neues ... Nun gut, dies ist Afrika und man darf sich darüber nicht aufregen (und muss die neuen Fliesen selbst bezahlen).



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Von innen sind die Wände mit Styropor-Trockenbauelementen verkleidet.

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Test der Säule und des Bewegungsraums des Teleskops. Die Säule ist 1 mm hoch, 23 cm Durchmesser, 8mm Wandstärke und wiegt 35 kg.

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Der Fussboden ist fertig. Nächste Woche kommt die Verkabelung und die letzten Trockenbau Massnahmen dran.

Das Observatorium wird zentral mit Batterie-gepufferter 220V (Solaranlage mit Batterie) versorgt. Der untere der 3 Schränke enthält den zentralen Gleichstromtransformator und eine grosse Batterie. Daran hängen alle Verbraucher (Intel NUC, Montierung, Motor für das Dach, etc.) für den Observatoriumsbetrieb. Der rechte obere Schrank enthält die Sicherungen (220V und 12V). Der linke Schrank ist für NUCs, Ethernet Switch etc. vorgesehen.

Nächstes Wochenende ziehen die Teleskope und Montierungen ein.

Herzliche Grüße,
Ecki
 

axelm

Mitglied
Hallo Ecki,

ich kann mich dem Lob nur anschließen: Sieht wirklich klasse aus! :y:

Das einzige, was mir aufgefallen ist: Im vorletzten Bild schauen die Gewindestangen zur Montage der Säule direkt aus dem Holzboden heraus. Das würde dann aber doch bedeuten, dass die Säule später direkt mit dem Holzboden verbunden ist? Das ist keine gute Lösung, da so Schwingungen, wie sie z.B. beim Umherlaufen entstehen, auf die Säule übertragen werden. Hast Du da noch Möglichkeiten was zu ändern? Bekommt der Boden um die Säule herum vielleicht noch einen entsprechenden Ausschnitt? Schließlich hast Du die Säule schon vom restlichen Gebäude entkoppelt und holst Dir dann doch auf diese Weise nachher wieder die Vibrationen rein...

Wo im Raum Kapstadt entsteht Deine Sternwarte eigentlich? Wenn wir im Urlaub in der Region bisher Station gemacht haben, waren wir entweder in Constantia oder in Hout Bay. Dort war der Himmel trotz stadtnähe zwar etwas dunkler als hier bei mir zu Hause im Ruhrgebiet, aber immer noch ganz schön hell! ...o.k. einmal hatten wir auch ein Haus in De Waterkant für ein paar Tage gemietet, aber dessen Lage lassen wir, vom astronomischen Standort gesehen, mal ganz außen vor.

Ein Freund von mir hat seine Sternwarte in Bredasdorp ... und obwohl man die Milchstraße bisher bei jedem unserer Besuche dort problemlos mit freiem Auge sehen konnte (auch ohne große Dunkeladaption), beschwert er sich jedes mal, wie hell es bei ihm doch sei... :whistle:

Viele Grüße,
Axel
 

Camissa

Mitglied
Hallo Alex,

wir wohnen in Claremont, etwa 800m Luftlinie von Herschels altem Haus. Kirstenbosch ist etwa 5 Minuten entfernt und Constantia Village 10 Minuten. Hier ist es natürlich auch nicht richtig dunkel, aber man kann nicht alles haben.

Der Holzboden hat Löcher für die Gewindestangen. Die Gewindestangen haben jeweils zwei Muttern, zwischen denen die Bodenplatte der Säule fixiert ist. Die Säule schwebt quasi über dem Fussboden.

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Ich hoffe, dass ist stabil genug!

Alex, wenn Du mal wieder in der Gegend bist schaust Du es Dir an!

Herzliche Grüße,
Ecki
 

axelm

Mitglied
Hallo Ecki,

Der Holzboden hat Löcher für die Gewindestangen. Die Gewindestangen haben jeweils zwei Muttern, zwischen denen die Bodenplatte der Säule fixiert ist. Die Säule schwebt quasi über dem Fussboden.

...o.k., dass mit den Löchern sah man auf dem Übersichtsbild nicht. Solange sicher gestellt ist, dass die Bodendielen auf Dauer nicht so stark arbeiten, dass sie an die Gewindestangen kommen, sollte das gehen.

Wie dick sind die Gewindestangen und wie lang ragen sie aus dem Fundament raus? Nicht dass Du Dir da trotzdem Schwingungen rein holst - z.B. wenn Du was am Gerät verstellst oder (worst case) wenn evtl. die Drehgeschwindigkeit des Antriebsmotors (Schrittmotor?) zufälligerweise eine Anregungsfrequenz ist. Wie ist die Säule von innen aufgebaut? Ist sie hohl oder hast Du sie mit irgendwas gefüllt? Feiner trockener Sand ist da ganz gut, der dämpft entstehende Schwingungen deutlich! Kann man meist auch prima noch im Nachhinein machen. Falls der Montierungsadapter nicht mehr abnehmbar sein sollte, einfach möglichst weit oben ein seitliches Loch bohren und mittels Schlauch und Trichter den Sand einfüllen und das Loch anschließend wieder mit Silikon versiegeln.

wir wohnen in Claremont, etwa 800m Luftlinie von Herschels altem Haus. Kirstenbosch ist etwa 5 Minuten entfernt und Constantia Village 10 Minuten.

Claremont kenne ich zwar nur von den Schildern an der Autobahnausfahrt, aber wir hatten man eine Ferienwohnung direkt auf der anderen Seite der Autobahn etwa 500m von Constantia Village entfernt gemietet. Wenn man sich da an einen dunklen Platz im Garten gestellt hat, war die Milchstraße auf jeden Fall deutlicher zu sehen als bei mir zu Hause ... und das, obwohl die Mall mit ihrem beleuchteten Parkplatz gefühlt ja fast direkt nebenan lag.

Hier ist es natürlich auch nicht richtig dunkel, aber man kann nicht alles haben.

Ja, dass kenne ich leider auch, aber aus eigener Erfahrrung weiß ich, dass man die Sternwarte im eigenen (lichtverschmutzten) Garten auf Dauer häufiger nutzt, als die beste dunkle Location, die man erst nach stundenlanger Autofahrt erreicht. Da ist es am Ende ganz egal, ob Du in Kapstadt oder im Ruhrgebiet wohnst...

Alex, wenn Du mal wieder in der Gegend bist schaust Du es Dir an!

Schaun' wir mal... ;) Bei Emirates liegen noch zwei Tickets von letztem Oktober auf Abruf bereit: Hinfug nach CPT, zurück von JNB. Fragt sich nur, wann man wieder (sinnvoll) fliegen kann? So ohne Quarantäne im Urlaubs- und/oder Heimatland...

Viele Grüße,
Axel
 

Camissa

Mitglied
Hallo Axel,

die Muttern für die Gewindestangen brauchen einen 24ziger Schlüssel und sind etwa 80 cm lang. Davon sind 70 cm Beton, das Bild der Spinne mit den Stangen ist in meinem ersten Beitrag dabei.

Ich kann problemlos die Säulen dichtmachen, mit einem Innenrohr für die Kabeldurchführung. Dann könnten die Säulen gefüllt werden. Aber ich hoffe, dass wird nicht nötig sein. Ich hoffe dass da keine Schwingungen auftreten. Der Montierungsadapter ist mit 3 Schrauben auf der Säule befestigt.

die Sternwarte im eigenen (lichtverschmutzten) Garten auf Dauer häufiger nutzt, als die beste dunkle Location, die man erst nach stundenlanger Autofahrt erreicht. Da ist es am Ende ganz egal, ob Du in Kapstadt oder im Ruhrgebiet wohnst...

Genau - die Zeiten, in denen ich einen 8" SCT mit Montierung und Panzerbatterie durch die Gegend schleppe, sind zum Glück vorbei.

Wir sind aus Sicht von Deutschland Hochrisikogebiet - aber hier sind wir bei 145 neuen Fällen für die Western Cape Provinz angekommen. Wollen wir mal hoffen, dass uns eine dritte Welle erspart bleibt.

Herzliche Grüße,
Ecki
 

axelm

Mitglied
Hallo Ecki,

24er Schlüsselweite sollte M16 sein. Davon 8 Stück, die nur ca. 10cm aus dem Beton heraus ragen. Das sollte eigentlich ausreichend stabil und auch schwingungsarm genug sein. Aber die Praxis wird es zeigen. Im worst-case musst Du den Boden um die Säule rund ausschneiden und die Säule dann direkt auf das Fundament schrauben...

Ich kann problemlos die Säulen dichtmachen, mit einem Innenrohr für die Kabeldurchführung. Dann könnten die Säulen gefüllt werden. Aber ich hoffe, dass wird nicht nötig sein. Ich hoffe dass da keine Schwingungen auftreten. Der Montierungsadapter ist mit 3 Schrauben auf der Säule befestigt.

Auch das wird sich im Betrieb zeigen. Bin auf Deine Erfahrungen gespannt. Aber wie Du schon selbst schreibst: Es kann alles noch im Nachhinein verändert werden...

Meine Säule(n) habe ich anders konstruiert: Sie sind direkt aus dem Fundament kommend aus Beton hochgegossen. Im oberen Teil sind Gewindestangen eingegossen, die dann eine Platte halten, auf der die Montierung verschraubt ist. Bei der kleineren Sternwarte (stand von 1996 bis 2018) waren es 3 x M16-Stangen auf die dann mit ca. 3cm Abstand zur Säule eine 15mm starke Alu-Platte kam, auf der am Ende eine Fornax 51 + 12"-Newton saß (alles zusammen knapp 75kg). Bei meiner aktuellen Sternwarte (steht seit 2003) sind es 3 x M20-Stangen, auf denen mit ca. 4cm Abstand zur Säule eine 20mm starke Alu-Platte sitzt, (die 10 Micron GM 2000 Montierung und der 14"-Newton bringen hier aktuell knapp 120kg auf die Waage). Bei beiden Konstruktionen wackelt oder schwingt bei "normaler" Benutzung nichts! Das einzige, was ich bei ganz hohen Vergrößerungen (> 400x) wahrnehmen kann ist, wenn in 100m Entfernung die Straßenbahn auf der Hauptstraße vorbei fährt. Bei der von mir betriebenen Fotografie mit f=1200mm merkt man davon aber nichts...

Viele Grüße,
Axel
 
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