Hallo zusammen,
ich möchte auf keinen Fall den thread von Stefan mit der folgenden Story hier "kapern", aber ich glaube zu wissen woher dies Istar Optiken kommen
Die Linsenfassung in dem Bild hier und im Bericht von Wolfgang Rohr mit dem im Umfang geschlitzten, federnden Zwischenring zwischen dem Gewindering und der ersten Linse sieht wirklich haargenau so aus wie die meines 200mm F 15 FH Objektivs welches mir vor 3 Jahren als ich beruflich in China war zugelaufen ist.
Es handelt sich hier wohl um Optiken der Firma DKD Optics in Nanjing. Vor einiger Zeit hat Wolfgang Rohr bereits zwei 150mm Linsen von DKD geprüft, die Berichte sind ebenfalls noch auf seiner Seite zu finden.
Mein Objektiv wurde beim chinesischen Onlinehandel "Taobao" gekauft und in einen Schaer Refraktor verbaut und wird nur visuell eingesetzt. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten bin ich damit recht zufrieden, aber zunächst dachte ich ich hätte zweite Wahl gekauft. (Vieleicht ist das ja auch so.)
Jedenfalls war der Sterntest zunächst erschütternd. Extrafokal ein schön begrenztes Scheibchen mit einem Hang zum "Dreieck", intrafokal total ausgefranzt. Trotzdem war die Abbildung bis ca. 200fach noch ganz ok, danach wurde es schwierig den Schärfepunkt zu finden.
Hab mir dann ein Ronchi Okular besorgt von Neumann. Hier zeigten sich dann extrafokal schwer eingeschnürte Linien, intrafokal schön bauchig. Das hieß dann für mich überkorrigiert und aufgrund der "Dreiecksabbildung" irgendwie verspannt.
In einem recht guten Buch von Norman Remer mit dem Titel How to make a Refractor Telescope, hatte ich gelesen dass Überkorrektur bei einem Dublett bedingt verbessert werden kann, wenn man den Abstand der Linsen zueinander vergrößert.Also hab ich das Teil mal demontiert, auf dem Esstisch im Wohnzimmer, was im nachhinein gar nicht so schwer war. Zunächst ging der Gewindering, der unter dem Gravierten sitzt, schon mal unheimlich schwer auf, der war total angeknallt und hatte den federnden Ring der ja nur mit 3 Stellen auf der Linse sitzt fast komplett zusammengedrückt. Daher das "Dreieckig" erscheinende Bild, was seitdem weg ist.
Mit dem Objektiv kam ein Datenblatt welches 0,2mm Linsenabstand angab. Die beiden Linsen selbst waren mit einem breiten Streifen Tesafilm umwickelt, mit einem Pfeil zueinander markiert und sassen eigentlich recht schön "saugend" in der Fassung. Nachdem das Tesa abgzogen worden und die vorder Linse abgehoben worden war zeigte sich dass die 3 Abstandsblättchen aus irgendeiner Folie waren und zwischen 0,58 und 0,60 mm stark.
Aha dachte ich, da haben die Brüder wohl schon gemerkt dass sie mit 0,2mm nicht hinkommen. Aus 1mm starkem Kupferblech hab ich dann 3 Blättchen angefertigt und eingebaut. Und siehe da, die Streifen vom Ronchi waren schon wesentlich besser, das intrafokale Beugungsbild nicht mehr so ausgefranst und die dreieckige Erscheinung wie gesagt weg. Das Objektiv wurde dann ein weiters mal zerlegt und statt der Kupferblättchen ein mit viel Mühe gedrehter (innen ausgedreht und dann abgestochen) Ring aus Alu mit einer Stärke von 1,35mm eingebaut. Der Ring wurde vorher mit einem Edding geschwärzt.
Die Ronchilinien sind nun intra und extrafokal über 75-80% vom Feld gerade, erst nach ganz außen hin biegen sie sich wieder, etwa so wie wenn ein Parabolspiegel eine abgesunkene Kante hat. Irgend eine Zone muß das Teil demnach haben, zumindest eine der Linsen.
Das intrafokale Beugungsbild ist immer noch nicht so wie extrafokal aber die wilden ausfranzungen sind weg. Sehr schön ist auch zu sehen dass es zur einen Seite hin ins bläuliche geht, zur anderen Seite in grünliche. Der optimale Schärfepunkt ist einfach zu finden, natürlich gibt es dann das typische blau- violette Halo. Ich kann nun bis etwa 400fach vergrößern, 360fach ist zb. an Jupiter oder Saturn wirklich Klasse. Oft beobachte ich mit dem Maxbright Bino, vor allem Mond und Planeten und bin eigentlich zufrieden, vor allem weil ich weiß dass ich selbst sowieso nicht mehr machen kann.
Ich denke mal dass alle Optiken die von diesem Hersteller kommen, jedenfalls in dieser Preislage, irgend etwas haben. Wenn meine Annahme richtig ist und Istar die Teile bei DKD fertigen lässt wird man da wohl nicht glücklich werden. Dafür sprechen ja auch Stefans Erfahrungen mit seinen vorherigen Objektiven. Außer man kann sich vieleicht helfen oder will das Teleskop nur zu einem besonderen Zweck einsetzen ist es wohl besser man läßt da die Finger weg.
Ich wünsche Stefan jedenfalls viel Erfolg beim Fotografieren.
Grüße
Hans