Hallo,
ich versuche mal die Diskussion noch etwas zu erweitern, indem ich noch drei weitere Bauarten erwähne: 114/900mm Newton, 130/900mm Newton und vor allem Kurzbaurefraktor 102/500mm. Neben einem 8" f/6 besitze ich außer dem 130/900mm Gerät solche Teleskope selbst.
Warum kommen nun noch mehr Vorschläge? Es wurde die nicht vorhandene Motorisierung angesprochen. Dies betrifft mich selbst auch. Nun kommt es darauf an wie weit der Beobachtungsplatz weg ist. Einen 8" Newton auch als Standard-Dobson kann man auf den Balkon, die Terasse oder in den eigenen Garten schleppen. Viel weiter geht nicht. Ein weiterer Transport mit dem Fahrrad oder zu Fuß ist aufgrund des Volumens (weniger des Gewichts) kaum möglich. Man darf nicht vergessen, dass man das Rohr inklusive Rockerbox/Montierung + Stativ und Zubehör im meist ganzen schleppen muss, da ein Herumstehenlassen einzelner Teile auf der Straße Diebstahl oder Vandalismus provoziert. Auch die kleineren genannten Newtons sind kaum handlicher wenn auch etwas leichter und eine größere Konzession an die Fotographie. Fahrradtauglich sind sie aber auch eher nicht, da sie zu sperrig sind und insbesondere der 6" f/5 Newton zu justieranfällig (hier ein Plus bei kleineren längerbrennweitigen Newtons und ein deutliches vielleicht entscheidendes Plus beim robusten, kurzen und schmalen Refraktor). Zum Visuellen: Klar mit mehr Öffnung sieht man mehr. Der 8"-Dobson zeigt unter guten Bedingungen Strukturen in Galaxien und PNs, die ein kleineres Gerät nicht schafft. Auch gelingt schon eine gute Auflösung von Kugelsternhaufen, die einem schon eine leise Ahnung vom Anblick im 12" oder gar 20" Gerät geben. Da können kleinere Geräte nicht mithalten. Schließlich sind hochvergrößerte Planetenbeobachtungen möglich: Encketeilung am Saturn, und ein recht deutlicher GRF auf Jupiter in guter Schärfe sind möglich. Hier hat der Refraktor massive Schwächen: GRF eher erahnbar als deutlich, deutlicher kontrastmindernder Farbsaum, schwammige Jupitermondschatten und Sonnenflecken, Reflexe bei der Mondbeobachtung Vergrößerung bei 150x schon zu Ende - entspricht von der Schärfe 350x im guten 8" Gerät, wobei der störende Farbsaum noch dazukommt. Aber das Gerät hat auch Stärken: Relativ wenig Gewicht und kleines Volumen (ich habe den Refraktor schon mehrmals in den letzten 7 Jahren zu unserer ca. 3km entfernten und 70m höher gelegenen Außensternwarte im Luftreifen-Fahrradhänger transportiert, wobei das Rohr in einer langen Werkzeugkiste mit eingeklebten Haltegurten gelagert wurde und (Lidl)-Montierung, Okulare und ein Pullover (dient gleich zur Polsterung) in einer Alukiste lagen. Wegzehrung, Lampe und Literatur wurden im Rucksack transportiert. Das ist auch nicht leicht aber gut machbar. Ich bin kein guter Sportler. Beim Dobsontragen tut mir schon an der Haustüre das Kreuz weh und man läuft dauernd Gefahr irgendwo anzuecken. Das Gerät wird notfalls von einer EQ1 getragen und ist mit der Lidlmontierung visuell schon ganz passabel. Für erste fotographische Versuche ist es auch nicht schlecht, da lichtstark und wenig anspruchsvoll was die Montierung angeht. Auch der eingebaute T2 Adapter ist praktisch. Mit der Lidlmontierung konnte ich ganz nette Schnappschüsse vom Mond (besonders Mondfinsternisse) machen. Selbst ein Spektrum von Beteigeuze konnte ich mit Blazegitter und hochempfindlichen Diafilm gut ablichten. Mit einer etwas besseren Montierung und Motor sollte zumindest einfache Huckepack-Fotographie gut möglich sein. Das ist sicher nicht vergleichbar mit den vielen tollen teilweise semiprofessionellen Aufnahmen die auch hier gezeigt werden aber für erste Erfahrungen immerhin tauglich.
Visuell hat das Gerät auch einige Stärken: Mit preiswerten Plösslokularen sind schon große wahre Gesichtsfelder möglich. In Zusammenhang mit Nebelfiltern sind so hervorragende Beobachtungen von Zirrus-, Nordamerika-, Pelikan-, Rosetten- und Caliofornianebel möglich. Auch Kometen und helle offene Sternhaufen sowie das Gewimmel im Virgohaufen sind die wahre Freude.
Freilich bringt die mangelnde Öffnung und Kontrastschwäche auch Limitationen, besonders bei der Detailbeobachtung (s.o.). Aber immerhin sollten die Messierobjekte bei guten Bedingungen alle sichtbar sein. Auch unbekanntere Objekte wie NGC1514 sind machbar, so dass man hunderte von Objekten praktisch jeder Art (mit Außnahme vielleicht von Quasaren) beobachten kann. Mein Topfavorit bei handlichen Reise- und fahrradtauglichen Teleskopen wäre wohl ein Kompaktdobson ähnlich dem Gerät aus Hofheim. Da es aber preisgünstiger, kein Dobson und bedingt fototauglich sein soll, wäre ein solcher Kurzrefraktor vielleicht eine Überlegung wert.
Sehr Ausbaubar ist das Gerät freilich nicht. Die Öffnung läßt sich nicht vergrößern und der Farbfehler nicht beseitigen. Aber ein gutes und handliches Weitfeldgerät nimmt auch der erfahrenere Hobbyastronom noch gerne in die Hand und immerhin hat man auch einen 2"-Auszug. Freilich muss man sich im klaren sein, dass sich diese Geräte im "Billigbereich" befinden. Qualitätsstreuung und Chinafett sowie keine perfekte Verarbeitung (ruckelnder Okularauszug) sind inbegriffen. Damit kann ich aber leben und diese Probleme treffen besonders auf die kurzbrennweitigen Newtons auch zu. Die 114/900mm Spiegel sind dagegen leichter in Form zu bringen, weshalb das Risiko einer schlechten Optik dort geringer sein dürfte. Die TAL-Geräte sind von der Verarbeitung her sicher einen Quantensprung besser aber auch richtige Schwergewichte. Übrigens: Ich habe seit ca. 7 Jahren sowohl 8" Dobson (Balkongerät) als auch 114mm Spiegel als auch Kurzrefraktor und nutze alle drei Geräte noch immer gerne und regelmäßig. Soweit meine Erfahrungen dazu in der Hoffnung die Entscheidung erschwert zu haben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />