Hi,
am besten, Du gehst mal auf ein Teleskoptreffen und schaust Dir die dortigen Teleskope mal live an und durch sie durch. Oder Du gehst zu einem Astronomie-Stammtisch in Deiner Nähe und lädst Dich bei den Leuten mal für einen Beobachtungsabend in ihr Zuhause ein.
Mal ein bißchen was zu Teleskopen, ihren Eigenschaften und Seiteneffekten:
Ein Teleskop, bei dem man hinten und nicht vorne seitlich reinschaut, ist ein Refraktor oder ein Cassegrain.
Refraktoren werden mit zunehmender Öffnung schnell sehr teuer, lang und schwer.
Cassegrains dagegen bleiben kurz, der Preis bleibt moderat, aber ihre Brennweite ist sehr viel höher als bei Newtons (seitlicher Einblick vorne) und Refraktoren. Wegen der hohen Brennweite ist ihr Einsatzgebiet etwas beschränkt.
Die Vergrößerung eines Teleskops berechnet sich ja aus Teleksop-Brennweite dividiert durch die Okularbrennweite.
Für jedes Teleskop gibt es eine Minimalvergrößerung und eine Maximalvergrößerung.
Die Maximalvergrößerung ergibt sich rechnerisch aus grob 2x dem Öffnungsdurchmesser in Millimeter (bei einer guten Optik). Bei 200mm Öffnung wäre das also 400x. In Mitteleuropa ist eine solche Vergrößerung aber nur rel. selten nutzbar, weil die Luftunruhe (das Seeing) zu stark ist und das Bild deshalb nicht mehr scharfzustellen ist. Mehr als 200x geht nur manchmal.
Die Minimalvergrößerung ergibt sich aus der größtmöglich nutzbaren Austrittspupille (Durchmesser des Lichtkegels, der aus dem Okular austritt, je größer, desto heller das Bild). 7-8mm sind hier die Grenze. Ist die Austrittspupille größer, geht Licht verloren, weil die Pupille des eigenen Auges bei optimaler Anpassung an die Dunkelheit nicht größer wird.
Die Austrittspupille errechnet sich aus Okularbrennweite dividiert durch das Öffnungsverhältnis des Teleskops (Brennweite dividiert durch Öffnung in Millimeter).
Bei manchen Teleskopen begrenzt nicht die Austrittspupille die Minimalvergrößerung sondern der verwendbare Okulardurchmesser. Bei dem Bresser 90/900 Refraktor z.B. können keine Okulare mit 2" (2 Zoll) Durchmesser verwendet werden. Die größte Austrittspupille von gerade mal 4mm bei einer Vergrößerung von 22,5x erreicht man dort mit einem 1,25" 40mm Plössl (40mm/(900mm/90mm)=40mm/10=4mm). Okulare in 1,25" mit einer längeren Brennweite als 40mm sind kaum aufzutreiben.
Ein Newton mit 200mm Öffnung, 1200mm Brennweite und einer 2" Okularaufnahme (Okularauszug, OAZ) z.B. erreicht mühelos die maximale Austrittspupille von 7-8mm. Das Öffnungsverhältnis bei diesem Teleskop liegt bei 6 (auch f/6 geschrieben). Mit einem 2" 42mm Okular erreicht man eine Austrittspupille von 7mm bei 28,5x, mit einem 2" 48mm Okular Austrittspupille von 8mm bei 25x.
7-8mm Austrittspupille ist in unsrere Region nur in extrem dunklen Gebieten nutzbar, z.B. in einigen Region der damaligen Ostzone (DDR), weil ansonsten der Himmel wegen der Lichtverschmutzung zu hell ist und die Objekte in der Lichtverschmutzung verschwinden (absaufen). Oder man nutzt Nebelfilter wie einen OIII-Filter, dann ist eine so große Austrittspupille auch nutzbar, z.T. sogar aus der Großstadt heraus (sofern man dort seine Augen ausreichend dunkeladaptiert bekommt).
5-6mm Austrittspupille sollten aber bei guten Landhimmel gut nutzbar sein. Eine große Austrittspupille braucht man für lichtschwache flächige Objekte wie die Andromedagalaxie und Emissionsnebel wie den Orionnebel oder den Nordamerikanebel. Bei zu kleiner Austrittspupille werden sie zu dunkel.
Ein Cassegrain z.B. mit 200mm Öffnung und 2000mm Brennweite und 2" Okularaufnahme schafft auch nur maximal eine 400x Vergrößerung, wie ein 200/1200er Newton, braucht dazu aber keine so kurzbrennweitigen Okulare wie der Newton selber Öffnung. Beim Cassegrain reicht ein 5mm Okular, beim Newton müßte es ein 3mm Okular sein. Je kürzer die Okularbrennweite, desto anstrengender der Einblick im unteren bis mittleren Preissegment.
Ein solches Cassegrain besitzt eine maximale Austrittspupille von 5,5mm an einem 55mm Plössl, und das bei 36x Vergrößerung (inwieweit ein 55mm Plössl an einem solchen Teleskop Sinn macht, kann ich aber nicht sagen).
Die Austrittspupille entscheidet, wie hell das Bild ist. Die Vergrößerung entscheidet, wie groß ein Objekt im Okular erscheint. Je höher man an einem Teleskop vergrößert, desto kleiner wird die Austrittspupille, desto dunkler wird das Bild. Reine Physik.
Bei derselben Vergrößerung zeigt das Teleskop mit der größeren Öffnung das hellere Bild. Doppelter Durchmesser = vierfache Helligkeit (für die Helligkeit ist ja die Fläche entscheidend, A=r²*pi).
Man entscheidet am jeweiligen Objekt, wie hoch man vergrößert, um es im Auge auflösen zu können. Ist das Bild aufgrund einer zu kleinen Öffnung zu dunkel, sieht man es trotz der Vergrößerung dennoch nicht.
Zurück zur Teleskopauswahl und vor allem den Kosten:
Für's Geld bekommst Du mit einem Dobson die größte Optik, also das hellste Bild. Allerdings mußt Du den Dobson mit der Hand führen (dem Objekt Stück für Stück hinterherschubsen). Bis 200x ist das eigendlich auch für Grobmotoriker zu machen. Darüber braucht man etwas mehr Feingefühl, ist aber auch zu machen. Ich habe auch schon 800x nachgeschubst und bin eher Grobmotoriker.
Liegt Dir das Nachschubsen nicht (erst mal ausprobieren, es braucht etwas Übung dazu, nicht gleich aufgeben), dann kommst Du um eine motorisierte Nachführung nicht herum. Dann wird's bei ausreichender Öffnung (für mein Dafürhalten nicht unter 200mm für Deep Sky) aber teurer als €375,-. Du hast dann die Wahl zwischen einem
- Newton auf motorisierter Dobson-Montierung
- Newton auf motorisierter parallaktischer Montierung
- Schmidt-Cassegrain auf motorisierter parallaktischer Montierung
- Schmidt-Cassegrain auf motorisierter azimutaler Montierung
- Maksutov-Cassegrain auf motorisierter parallaktischer Montierung
- und noch ein paar Exoten wie Maksutov-Newton, Ritchey-Chrétien, Dall Kirkham auf motorisierter parallaktischer Montierung.
Welches Du nimmst, mußt Du wissen. Die eierlegende Wollmichsau, gibt's aber nicht.
Ich würde für den Anfang einen 8" f/6 Dobson mit 2" Auszug und Mikrofokussierer nehmen. Ich kenne die Marken GSO, Orion, Orion UK, Skywatcher etc. nicht bzgl. Dobson. Ich nehm' auch nicht alles immer von der Stange. Aber man kann schon sagen, je teurer, desto höher die Qualität (mechanisch und vor allem optisch). Ob man die optische Qualität dann auch nutzen kann, ist eine Frage des Beobachtungsstandorts, des eigenen Könnens (Justage und Beobachten will gelernt sein) und der Größe des Portemonnaies, was die Okularausstattung angeht (bei der Teleskopanschaffung allein wird es nicht bleiben).
Gruß
Markus