Stadt- vs Land-Himmel
Hallo Rolf,hallo Sven,
Vor einigen Monaten konnte ich durch ein 16" Sternwartengerät schauen. Der Himmel über der Stadt war durch die Lichter und den hellen Mond wirklich sehr hell. Am Beispiel 57 (Ringnebel in der Leier): Die kann ich jetzt mit meinem 8Zöller unter dunklem Himmel so gut sehen wie unter diesem hellen Stadthimmel mit einem 16Zöller.
ich finde,diese wichtige Aussage sollte man unterstreichen!
Der dunkle Himmel bringt unwarscheinlich viel,
wer noch nie draußen in der Pampa war sollte das
wirklich einmal ausprobieren.Die Überraschung darüber,
was unter günstigen Bedingungen alles sichtbar werden kann
wird sicherlich groß sein.
Aus der Stadt heraus leiden Objekte mit geringer Flächenhelligkeit besonders.
Weil der Himmel über der Stadt deutlich heller erscheint
als zum Beispiel auf dem Lande.Dann kommt irgendwann der Punkt,
an dem die Himmelshelligkeit die Objekthelligkeit erreicht oder gar übertrifft,
das Objekt ersäuft im Lichtsumpf.
Warum aber ist der Himmel über der Stadt so hell?
In der Stadt befinden sich sehr viele Lichtquellen.
Das abgestrahlte Licht trifft entweder direkt auf das Teleskop,
was aber kein Problem ist,da es sich durch Verblendung des Teleskopes
kaum bemerkbar machen kann.Der Beobachter muß natürlich seine Augen
gegen dieses Licht schützen,um die Dunkeladaptation zu erreichen,
was für das erkennen schwacher Objekte unumgänglich ist.
Der gröte Anteil des von städtischen Lichtquellen abgestrahlten Lichtes
erreicht den Beobachter aber fatalerweise aus der Richtung des Himmels.
Und zwar,weil das Licht an vorhandenen Staubpartikeln und stärker noch
an Wassertröprchen in der Atmosphäre reflektiert wird.
Und damit können wir eine Situation konstruieren,
bei der der Himmel auch aus der Stadt annehmbar sein kann:
Falls kaum Staub vorhanden ist weil Wind diesem forttransportiert
und vor allem die Luft extrem trocken ist,wie bei winterlichen Kontinentalwetterlagen,
wenn sehr trockene kalte Luft aus dem Osten kommt,
dann erreicht man auch aus einer Stadt gute durchsicht und Grenzgröße,geht Deep Sky.
Ich kann mich an einen solchen Abend im letzeten Winter erinnern.
Schon Nachmittags fiel die extrem klare Luft beim joggen auf.
Autos in 1Km Entfernung hatten satte klare Farben,
bei entfernten Häusern konnte man die Fenster zählen,
oder die Ästchen an Bäumen in großer Entfernung.
Natürlich habe ich das Teleskop Zuhause gleich zum auskühlen rausgestellt.
Nach Einbruch der Dunkelheit konnte ich mit einem schwarzen Tuch
über dem Kopf (Streulichtschutz) sehr schöne Beobachtungen machen,
die deutlich besser waren als an schlechteren Nächten auf dem Land.
Aus unserer 50.000 Einwohner-Stadt heraus konnte ich mit 8"f/6
die Reflexionsnebel der Plejaden sehen,etliche Sterne in NGC 7789
bei nur 30x im 40mm XL auflösen,dei M31 große Teile der Scheibe
sowie die beiden großen Staubbänder sehen und der Orionnebel
präsentierte sich mit den Schwingen und einem ausgedehnten Wasserstoffbereich
und dem Trapez bei nur 30x im XL,was einer Austrittspupille von 6,66mm entspricht(!)
Der Himmel wirkte trotzdem nicht schmutziggrau sondern recht dunkel.
Bei 160x zeigte das Trapez dann 6 Sterne.
Leider habe ich nur eine knappe Stunde bei mittlerweile -8 Grad
und kräftigem Ost-Wind ausgehalten,plus später nochmal 1/2 Stunde.
Falls sich solche Bedingungen einstellen sollten empfehle ich
allen in der Stadt beobachtenden Sternfreunden
sich die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen!
CS <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> ,
Karsten