Hallo Harald,
wie gesagt kann ich aus eigener Anschauung nicht ausschließen dass eine volle Verblendung doch was bringt.
Zu den von Dir genannten Punkten fällt mir spontan ein:
1.) Das o.a. Streulicht landet zwar nicht direkt innerhalb der Feldblendenöffnung, es wird jedoch teilweise z.b. im OAZ-Rohr unter flachem Winkel wieder gespiegelt - und zwar in die Feldblendenöffnung und macht sich damit im Bild als Streulicht bemerkbar.
Hier empfiehlt Suiter ja eben die 1-2 Blenden im OAZ-Rohr.
2.) Es gibt okularseitiges Zubehör (wie den neuen 2" Baader Glaswegkorrektor), welches eine 2"-Linse sehr nah am FS hat. Von der Position dieser Linse aus gesehen dürfte man mit Sicherheit die Tubuswand sehen - wie beim Refraktor. Streulicht kann von dieser Wand also bis zu dieser Linse gelangen und sich wiederum im Bild bemerkbar machen.
Richtig, diese Linse sieht die Tubuswand. Aber sie leitet das Gesehene nicht in die Bildebene weiter, da der Einfallswinkel auf die Linse viel zu groß ist. Das Licht trifft also irgendwo innen an die OAZ-Wand.
Ein Newton Spiegel ist immer mit Staub bedeckt. Schon nach der ersten Beobachtungsnacht ist dieser mit einem Taschenlampentest nachweisbar. Somit ist jede Streulichtquelle (wie ein glänzende Tubusinnenwand) zu vermeiden.
Der Staub auf dem Spiegel führt aber nicht dazu dass sich ein wesentlicher Teil des hier gestreuten Lichtes in der Bildebene wiederfindet. Der allergrößte Teil geht in andere Richtungen weg.
Man kann hier als Extremfälle betrachten:
- Spiegel ist perfekt sauber und optisch völlig glatt: dann wird das von der Tubuswand kommende Streulicht irgendwo auf die gegenüberliegende Tubuswand weggespiegelt
- Der Spiegel ist völlig matt, und physikalisch betrachtet ein Lambert-Strahler. Dann verteilt sich alles auftreffende Licht in den Halbraum oberhalb des Spiegels. Der tatsächlich auf dem Fangspiegel bzw. der Bildebene landende Bruchteil des Streulichts dürfte irgendwo unter 1/1000 liegen.
- Der reale Fall liegt irgendwo dazwischen, abhängig von der "Diffusität" der Spiegelfläche. Das auftreffende Streulicht wird auf die gegenüberliegende Seite weggespiegelt, aber nicht wie im Idealfall nur im exakt gleichen Winkel (Einfalls- gleich Ausfallswinkel), sondern diffus gestreut rund um diesen Winkel. Der größte Anteil des Streulichts landet also immer noch an der gegenüberliegenden Tubuswand, und nicht in der Bildebene.
Offenbar ist es ja so, dass die praktischen Erfahrungen vieler Sternfreunde, welche den gesamten Tubus mit Velours ausgekleidet haben oder den gesamten Tubus mit Blenden versehen haben, den theoretischen Überlegungen Suiters widersprechen. Suiter muss also irgendwas übersehen haben.
Würde mich interessieren bei wievielen dieser Fälle allein die Verblendung des Bereichs hinter dem FS zum gleichen Ergebnis geführt hätte. Müsste man wirklich mal systematisch untersuchen.
Wie gesagt, das hier sind nur meine Gedanken zum Thema, ohne selbst tiefergehend geforscht zu haben.
Vor einigen Jahren hatte ich übrigens mal einen Händler darauf angesprochen, warum die Intes Mikro-Maks Tubusblenden haben, die Intes-Maks aber nicht. Seine Anwort war: weil die Kunden darauf Wert legen. Einen Unterschied im Bild mache es nicht.
Viele Grüße
Martin