Borg 125/800 ED Doppelrefraktor mit Matsumoto EMS

#1
Vorgeschichte:
Ich besitze seit vielen Jahren ein Canon 15x50 IS, das mir sehr viel Freude bereitet.
Das führte dazu, dass ich noch mehr sehen wollte, binokulares Aperturfieber sozusagen.

Nacheinander kaufte ich das chinesische 100mm border patrol Grossfernglas mit Okularrevolver (von mir umgebaut auf 1,25“ Wechselokulare) und ein gutes deutsches 80mm Leitz beh Flak-Glas.
Leider erfüllten beide Gläser meine Erwartungen gar nicht, ich sah damit kaum mehr als mit dem Canon, also wurden die schweren, unhandlichen Dinger wieder verkauft.

Ich wollte aber einfach nicht einsehen, dass sich eine Verdopplung der Öffnung nicht auch sichtbar auswirken sollte und kaufte mir wieder nacheinander ein Tordalk 15x80 und ein 100mm APM Semi Apo - mit genau dem selben ernüchternden Ergebnis wie zuvor.

Einerseits waren 4 Fehlversuche Grund genug anzunehmen, dass ein Glas mit 100mm oder auch etwas mehr Öffnung einfach nicht so viel mehr zeigt, andererseits las man auch immer wieder begeisterte Berichte von Besitzern entsprechender Doppelteleskope und konnte mir meine Erfahrungen bestenfalls noch mit der mangelnden optischen Qualität der Gläser erklären.

Ich spielte so ziemlich alle noch möglichen Varianten durch, 100mm APM APO, Docter Aspectem, Kowa Highlander, Binoptik und und und.
All diese Optionen waren deutlich teurer als meiner Erstversuche, eine Erfolgsgarantie gab es aber dennoch nicht.

Zwischenzeitlich hatte ich die Gelegenheit von einem sehr netten Forenmitglied ein Fujinon 16x70 und einen 100mm Borg ED APO auszuleihen.
Beim Blick durch das Fujinon hat es dann „Klick“ gemacht, zum ersten mal zeigte mir ein Fernglas deutlich mehr als mein 50er Canon - und das mit nur 20mm mehr.
Auch der Blick durch den 100er Borg war im wahrsten Sinne sehr erhellend.

Der Weg war nun vorgegeben, ein Doppelteleskop musste her, auf jeden Fall mit seitenrichtigem und aufrechtem Bild, also mit den Matsumoto EMS, und mit der Möglichkeit 2" Okulare zu verwenden.
Aber welche Refraktoren sollte ich als Basis nehmen?

150/750 oder 120/600 Farbwerfer erfüllten meinen Anspruch nach viel Öffnung, wenig Brennweite (=weites Feld) und geringen Kosten, aber ich haderte mit dem Kontrastverlust der Fraunhofers.
Die grossen, dreilinsigen APOs waren mir zu teuer, wenn auch der LZOS 130/780 von Öffnung und Brennweite her ziemlich perfekt ist.

Ich spielte alle möglichen ED und APO Varianten durch, 120/900 war mir zu lang, 90/600 hatte mir zu wenig Öffnung, lange liebäugelte ich mit dem 107/700 oder einem Megrez 110/655, wobei letzterer sehr schwer zu finden ist, und ich brauchte ja gleich 2 davon...

Am Ende landete ich beim ausgeliehenen Borg 100/640, auf den ich eine Kaufoption hatte, und machte mich auf die Suche nach einem Zweiten.
Nach ein paar Tagen erweiterte meine Suche auch noch auf das nächst grössere Modell, den Borg ED 125/800, der aber so selten ist, dass ich mir diesbezüglich nur sehr wenig Hoffnung machte.

Aber dann ging alles ganz schnell. Nur wenige Minuten nach meinem Suchposting bekam ich von einem netten Forenmitglied einen 125er Borg angeboten, und das praktisch vor meiner Haustür.
Wir wurden uns schnell handelseinig und das gute Stück wurde abgeholt.

Mir war klar, dass ich in Deutschland und wahrscheinlich auch in Europa keinen zweiten 125er Borg werde finden können, also schaltete ich eine Suchanzeige auf Astromart.
Meine vorherige Recherche zeigte, dass dort im Jahr etwa 4 solcher Teleskope angeboten werden, die Verkäufer sind aber nur selten bereit das teleskop auch ins Ausland zu verschicken, weshalb ich mich auf eine lange Wartezeit einrichtete.
Doch dann geschah das unglaubliche, am Abend der Abholung meines ersten Borg wurde mir ein zweiter aus Amerika angeboten, den ich sofort gekauft habe.
Man kann also sagen dass ich 2 Borg 125 ED an einem Tag gekauft habe :)

Hier mal ein Bild des ersten Borg, zerlegt in seine Komponenten:



Das tolle an diesen Refraktoren ist ihr modularer, geschraubter Aufbau und ihr extrem geringes Gewicht.
Die Teile auf dem Bild, also das komplette Teleskop ohne Okularauszug wiegt genau 2 Kilo
Zusammen mit den pro Seite 800 Gramm schweren EMS (ich habe mich für die grosse 3" Version entscheiden) und etwas Mechanik um beide Tuben zu verbinden, werde ich also deutlich unter 10 Kilo bleiben.

Bei der Montierung habe ich mich gegen eine Gabel und gegen eine Plattform mit Linearlagern entschieden, einerseits aus Gewichtsgründen, andererseits will ich eine möglichst einfache und leichte Lösung, welche die Teleskope genau in ihrem Schwerpunkt hält, ganz ähnlich wie das die ICS Montierungen für die Miyauchi Gläser getan haben.

Die ersten Teile für diese Montierung sind schon da und in den nächsten Tagen werde ich über den Bau berichten, während ich auf die Ankunft des zweiten Borg warte.

Grüsse Jochen
 
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#2
Hallo Jochen...
Sehr interessant, falls Du Ideen, Infos oder gar Teile zu Deinem Vorhaben brauchst, schaue mal bei AOKswiss rein. Beat Kohler hat genau so eine Bino-Kombi im Angebot.

Ich persönlich hatte leider noch nie die Gelegenheit, durch so ein Bino zu schauen! Denke aber es könnte mich auch begeistern...

Viel Spass und gutes Gelingen!!

Cs
Marco
 
#3
So, heute gehts also mit der Montierung weiter.
Ausgangspunkt sind eine Stange Bronze und eine Stange Rotguss, von denen ich mir jeweils eine Scheibe absteche:



Nach kurzer Zeit habe ich einen Ring aus Messing, einen exakt in diesen Ring passenden Zylinder aus Rotguss und jede Menge Späne:



Nun fixiere ich die Berlebach-Klemme mit der Zentralen Schraube auf dem Zylinder, und setze alle Befestigungsbohrungen mit der Klemme als Schablone.
Natürlich bohre ich komplett durch, denn auf die andere Seite kommt ja eine identische Klemme und beide sollten zueinander parallel sein :)



Voilá



Bronze und Rotguss haben zwar hervorragende Gleit- und Schmiereigenschaften, sind aber leider auch sehr schwer.
Deshalb habe ich das innere des Lagers zu den Weightwatchern geschickt:



Und so sieht das Ganze schon ganz passabel aus, leider warte ich noch auf die Zollschrauben, um das Lager fertig zu montieren.



Morgen kümmere ich mich um das Azimutlager, denn irgend wie muss der Ring ja auch noch am Stativ befestigt werden.

@ Marco: Danke für den Tip, aber AOK Swiss arbeitet ausschliesslich mit Gleitlager Plattformen, was ich ja vermeiden wollte um Gewicht zu sparen und weil ich das Doppelteleskop unbedingt in seinem Schwerpunkt lagern will.
Aber natürlich habe ich mir im Vorfeld die Borg Doppelteleskope von AOK und auch Astromeccanica genau angesehen, mich dann aber doch für einen eigenen Weg entschieden.

Grüsse Jochen

 
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#4
Ich hatte doch noch etwas Lust auf Werkstatt und habe das Verbindunsgstück zwischen Alt- und Azimutlager angefertigt.

Hierzu musste ich den Radius des Ringes in ein Stück Flachaluminium fräsen, üblicherweise nimmt man für so etwas heute eine CNC Maschine, in Ermangelung einer solchen führte ich die Arbeit ganz oldschool mit einem Rundtisch aus.
Das dauert viel länger und ist eine wilde Kurbelei, führt aber auch zum Ziel :)



Hier sieht man schon, es passt ;-)



Danach habe ich das Verbindungsstück noch aussen auf Mass gefräst, hier sieht man es zusammen mit dem Lager:



Und mit aufgesetzter Klemme, so langsam kann man sich vorstellen wie es funktioniert...



Leider habe ich gerade festgestellt, dass ich nicht mehr genügend Rundmaterial für das Azimutlager habe, ich muss erst neues bestellen und deshalb gibt es hier erst mal eine Verzögerung.

Grüsse Jochen
 
#5
Hallo,
Interessantes Projekt ! Unbedingt weiter berichten !
Wie wird man bei deinem Doppelrefraktor denn den Augenabstand einstellen können ?
Oder geht das auch mit den EMS ?
Grüße Alex
 
#6
Hallo Alex,

ja, der Augenabstand wird mit den EMS eingestellt, hierzu befindet sich zwischen den beiden EMS Elementen Helicoid Fokussierer, wie man auf diesem Bild gut sehen kann.



Ich habe mich aus mehreren Gründen für die grossen EMS entschieden:
- Sie haben teleskopseitig einen 3" Anschluss, was perfekt zu den Borg Tuben passt.
- Der Helicoid Fokussiere zum Einstellen des Augenabstandes ist bei der grossen Version stabiler und robuster.
- Durch die grösseren Spiegel bekomme ich eine bessere Feldausleuchtung

Grüsse Jochen
 
#7
Hallo,
Das ist ja dann super einfach, tolle Sache !
Hast du die Teile selbst importiert ? ( Preis?)
Oder aus der Schweiz ?
Ich seh da die Japanische Zeitung als Untergrund ;-)
Grüße Alex
 
#8
Hallo Alex,

das Bild der EMS ist vom Hersteller.
Ich werde sie direkt aus Japan importieren, muss aber erst die Löcher in meiner Kriegskasse wieder schliessen, welche die beiden Borgs gerissen haben :)

Ein Import aus der Schweiz macht leider wenig Sinn, es fallen ja zuerst Zoll und Steuern beim Import von Japan in die Schweiz an, dann noch einmal vom Import aus der Schweiz nach Deutschland.
Dazu der aktuelle Franken-Kurs :-(

Ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt die EMS selbst herzustellen, mechanisch ist das gar nicht so schwierig, wie man hier sehen kann:



Das Problem sind die runden hochreflektierenden und mit Silber beschichteten Spiegel, da habe ich einfach keinen Anbieter gefunden und mit den Spiegeln steht und fällt die Qualität des gesamten Systems.

Deshalb greife ich hier lieber auf die jahrzehntelange Erfahrung von Matsumoto zurück.

Grüsse Jochen
 
#9
Hallo Jochen,

endlich mal was Vernünftiges von Dir hier bei A.de :applaus: Mit 5" binokular in Borg-Qualität lässt sich schon eine ganze Menge anfangen.
Das sieht sehr interessant aus und ich werde Deine Fortschritte gern weiter beobachten. Hoffentlich bleibst Du mit Deinen Einkaufspreisen und dem monetären Äquivalenztwert an eingesetzten Freizeitschweiß unter den Binoptic-Preisniveau :biggrin:

Ich hätte noch einen Tipp für später, falls Du 2"-Aufnahmen/OAZ verwendest. Das habe ich nirgendwo herauslesen können oder vielleicht überlesen. Es gibt diese tollen 2"-1,25"-Reduzierungen von Baader, die bis auf 1mm im OAZ verschwinden und mit Innenschrauben am Okular geklemmt werden können. Mit denen kann man zumindest die 1,25"-Okulare ganz gut durch unterschiedliche Fixierung an den jeweiligen Okularen auf "parfokal" trimmen. Es sei denn, Du legst Dir von vornherein eine parfokale Serie zu. Naja, wenn ich es recht bedenke, dann kommen da bei Okularpaaren eine ganze Menge Reduzierungen zusammen. Ich als Einäugiger habe ja schon 4 davon. Das gute ist aber, man braucht sich nie wieder Gedanken während des Beonbachtens zu machen, ob mit oder ohne Reduzierung beobachtet werden muss und bei den Filtern reichen dann auch die 2"-Exemplare.

Viel Erfolg und viele Grüße

Rene

PS: Hättest Du "Monsterbino" in die Überschrift genommen, wäre ich wohl eher darauf gestoßen :biggrin: :cool:
 
#10
Hallo Jochen,

mir gefallen immer noch diese Auszüge am besten :)
Müsste man natürlich erst einmal in Erfahrung bringen was diese wiegen. Die unteren sehen sehr leicht aus.




oder



Gruß Marvin
 
#11
Hallo Rene,

"Monsterbino" ist hier ja schon hinreichend negativ besetzt, ausserdem fehlen meinem Bino die hierfür obligatorsichen Sperrholzplatten :)

Aber ich muss gestehen, dass ich über den Threadtitel "Binoptic-Killer" nachgedacht habe :)

Leider werde ich das Niveau von Binoptic aber nicht erreichen, preislich komme ich höchstens auf 1/3 und auch beim Gewicht kann ich bei Weitem nicht mithalten, da schaffe ich maximal die Hälfte.
Auch bezüglich der 3 Spiegel im Strahlengang muss ich leider passen, ich kann mir nur 2 leisten ;-)

Ich habe heute Abend noch etwas weitergewerkelt aber für gescheite Bilder ist es schon zu dunkel.

Morgen gibt es mehr, dann werde ich auch zur von Marvin angesprochenen Fokussiererproblematik Stellung nehmen.

Grüsse Jochen
 
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#12
Moin,
Zu dem oberen Bild : es würde die fokussierung doch enorm erleichtern, wenn
man den Refraktoren ihre Okularauszüge lässt ( vorrausgesetzt es sind ordentliche 3"Teile) und diese an der Triebwelle verbindet, dann könnte man mit nur einem Knopf beide Seiten gleichzeitig scharfstellen.
Ans Ende dann noch einen flachen Helical als Dioptrieausgleich .
Habe ich so noch nirgens gesehen , müsste aber funktionieren.
CS Alex
 
#13
Hallo Alex,

die Idee mit den gekoppelten Fokusierern ist spannend, für mich aber nicht relevant, da ich gar keine Crayford Fokussierer einsetzen werde :)

Meine Okulare habe ich alle mit Kunststoffringen parfokal gemacht.
Die 1,25" Okulare fokussieren zwar 1mm weiter aussen als die 2" Okulare, aber diesen Millimeter gleiche ich genau mit meinem 2" - 1,25" Adapter aus.
Dadurch benötige ich insgesamt allerhöchstens 1mm Fokussierweg, eher weniger.

Deshalb habe ich mich für die 2" Helical Fokussierer von TS entschieden.
Diese haben zwar einen Aussendurchmesser von 64mm, aber ich konnte sie auf 61mm abdrehen, was dann auch der minimal mögliche Augenabstand bei meinem Doppelteleskop sein wird.



So ein Teil wiegt gerade mal 120 Gramm.
Da die Helicals die beiden originalen Okularhalter an den EMS ersetzen werden, sind sie sogar komplett gewichtsneutral.
Selbst in der Lightweight Version bringt ein Feather Touch immer noch fast 500 Gramm auf die Waage, ich spare also ein weiteres Kilo Gewicht ein.

Gestern kamen auch die Zollschrauben an und ich konnte das Alt-Lager nun endlich zusammenbauen.
Das Aussenlager ist nun geschlitzt und mit einer Bohrung und einem Gewinde für die Klemmung versehen - der zugehörige Klemmhebel ist noch unterwegs.





Wie man sieht muss ich auch noch die beiden Kunststoffknöpfe durch kleinere ersetzen, sonst werden sie beim Schwenken mit dem Klemmhebel kollidieren.

Der zweite Borg liegt inzwischen auf dem Zollamt und ich werde ihn wohl spätestens am Dienstag haben.

Was jetzt noch fehlt ist das Alt-Lager, hier warte ich auf neues Material.

Die beiden Teleskoptuben sind unterschiedlich lang, ein Teleskop hat den Tubus zur Beobachtung mit einem Zenitspiegel und Einzelokularen, das andere den verkürzten Tubus für den Einsatz eines Binoviewers oder zum Bau eines Doppelteleskops.
Das bedeutet, ich muss den einen Tubus noch auf das Mass des Anderen kürzen.

Danach werden dann noch die Prismenschienen an die Tuben geschraubt und fertig ist das Bino.

Dann heisst es nur noch warten auf die EMS, die einfach in die vorhandenen 3" Klemmung der Borgs eingesteckt werden.

Grüsse Jochen
 
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#14
Hallo Jochen,

das ist ein echt cooles Projekt! Ich lese sehr interessiert mit, und habe daher auch gleich ein paar Fragen:

Wie löst du denn die Feinjustage der Teleskope zueinander? Sonst siehst du nachher Doppelbilder... oder wird das über die EMS-Ansätze justiert? Das würde dann aber bedeuten, dass du bei mindestens einem der Teleskope außeraxial beobachtest, oder?

Weiterhin hätte ich Bedenken bezüglich einer ausreichenden Steifheit und damit der Justagestabilität der Teleskopklemmen. Da wäre meines Erachtens eine direkte Montage der Tuben über einen passgenauen Adapter (Formschluss) besser geeignet.

Ich bin aber auf jeden Fall gespannt, was dabei herauskommt. Darf ich dich fragen, was diese EMS-Ansätze kosten? Ich habe nirgends einen Preis gefunden...

Viele Grüße und Bauerfolg,
Markus
 
#15
Hallo Markus,

das Innenlager ist ja planparallel, also sind es die daran festgeschraubten Prismenklemmen - und Schienen automatisch auch.
Da die Prismenklemmen NC gefertigt sind und genau spiegelverkehrt aneinander geschraubt werden sollte auch die Höhenflucht automatisch stimmen.

Ganz am Ende werde ich die Flucht in beiden Achsen noch mit der Messuhr auf der Fräsmaschine überprüfen und gegebenenfalls durch Unterlegen von speziellen und sehr dünnen Folien aus Edelstahl (ähnlich wie Alufolie, nur stabiler und in verschiedenen Stärken erhältlich) ausgleichen.

Die endgültige Feinjustage am Stern wird dann aber tatsächlich mit den beiden Justageschrauben am rechten EMS Modul gemacht.
Aber je weniger man hier noch ausgleichen muss, desto besser ist es, sonst kann es zu einer Drehung des Bildfeldes kommen.
Deshalb macht es grossen Sinn die mechanische Ausrichtung der Teleskope so genau wie möglich zu machen.

Ich denke schon, dass die Montage der Prismenschienen direkt auf dem Tubus stabil genug ist, das wird so ja auch bei deutlich grösseren und schwereren Einzelteleskopen häufig angewendet.

Aussen wird der Tubus durch die Prismen der Schienen sicher und genau geführt.
Innen im Tubus werde ich extra angefertigte "Unterlagscheiben" mit dem exakten Tubusradius verwenden, um einen maximalen Formschluss zu erreichen.
Ich werde auch nicht an Befestigungsschrauben sparen, dadurch verteilt sich die Kraftübertragung auf mehr Punkte.

Man darf auch nicht vergessen, dass ein Tubus mit EMS maximal 3 Kilo wiegt, selbst mit einem Ethos 17 bestückt sind es nur 3,8 Kilo.
Ausserdem befinden sich die Klemmen genau im Schwerpunkt der Tuben, dadurch sind die Belastungskräfte minimal.
Die Prismenklemmen und Schienen sind ja generell für deutlich höhere Gewichte und Lasten ausgelegt.

Die grossen EMS Ansätze kosten beim aktuellen Wechselkurs 1750.- Euro
Darauf kommen dann noch 19% Steuer und eventuell auch noch ein paar Prozent Zoll.

Grüsse Jochen
 
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#16
Auch wenn ich kein passendes Rundaluminium mehr habe kann ich doch mit dem Alt-Lager anfangen.
Dazu benutze ich eine Rotguss Lagerbuchse aus meinem Materialfundus und wieder ein Stück von der Rotguss Stange vom Anfang.
Daraus habe ich das eigentliche Lager gedreht:



Der Lagerdurchmesser beträgt 40mm und unten habe ich ein 3/8" Fotogewinde geschnitten.
Den oberen Teil der Achse habe ich natürlich aus Gewichtsgründen hohl ausgedreht.
So passt es dann auch schon auf's Stativ :)



Sobald ich neues Material habe wird um die Lagerbuchse noch ein Ring aus Aluminium aufgeschrumpft, damit ich genügend Fleisch habe um oben einen Deckel zu verschrauben.
Auf diesen Deckel wiederum wird dann der Ausleger des Azimutlagers geschraubt.

Grüsse Jochen
 
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#17
Ich warte immer noch auf Material, deshalb heute nur etwas Finetuning.

Das axiale Spiel des Azimutlagers habe ich auf 5/100mm eingestellt und das Lager selbst genau planparallel geschliffen, damit die beiden Teleskope später auch in die gleiche Richtung schauen.
Hier prüfe ich das Lagerspiel und die Parallelität:



Hier kann man auch schön sehen, wo später der Klemmhebel zur Einstellung der Lagerreibung sitzt.

Morgen dann mit frischem Material hoffentlich mehr.

Grüsse Jochen
 
#18
Junge, Junge Jochen,

wenn das Material da gewesen wäre, kämest du dann auch noch zum Schlafen?

Irres Tempo -Respekt!!
 
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#20
Hi Jochen,
offenbar weißt Du, was Du tust.
Sehr fein, wenn man einen solchen Maschinenpark zur Verfügung hat und auch damit umgehen kann.

Ich schaue gespannt zu und beneide Dich ein ganz klein wenig - ein Bino aus zwei bezahlbaren lichtstarken 120-130 ED's oder APO's wäre auch mein Traum.
 
#21
Vielen Dank für euer Feedback, es freut mich sehr, dass euch meine wilde Bastelei gefällt!

Nach einem Tag im Büro ist das Werkeln an der Drehbank und Fräsmaschine für mich kontemplative Entspannung.
Zu sehen, wie man von Hand aus einem rohen Metallklumpen etwas sinnvolles formen kann ist extrem befriedigend.

Heute hat mir die Post wieder Nachschub an Rundaluminium und Edelstahlschrauben gebracht, ich denke, dass dich die Montierung heute fertig stellen werde.

Und dann war da noch ein Brief vom Zollamt, ich solle doch bitte ein Paket abholen....



Wie man sieht ist der eine Tubus länger als der Andere, es sind genau 20mm, denen ich morgen zu Leibe rücken werde.

Und hier die beiden front ends:




Wenn man genau hinschaut sieht man auch, dass die Farbe der beiden Tuben nicht ganz gleich ist, der eine ist reinweiss, der andere mehr Richtung Eierschale, die Objektive aber sind beide gleich.
Nun, bei der Benutzung wird es eh dunkel sein, also nur ein kleiner Schönheitsfehler und nicht weiter tragisch.

Grüsse Jochen
 
#22
Hallo Werner,

nein, das ist nicht nötig.
Die schwarzen Teile am Ende der Tuben mit 3" Durchmesser sind ja variabel auszieh - und klemmbar, darüber kann man eventuelle Unterschiede ausgleichen.

Grüsse Jochen
 
#23
Hallo Jochen,

ist doch gar nicht so falsch der leichte Farbunterschied. So kannste beiden einen Namen geben, bspw. Egg-Bert und Edel-Weiss.
Jetzt mal ehrlich, Du legst hier ein Tempo vor, ich glaube nicht, dass du noch Zeit im Büro verbringst.
Aber auf jeden Fall ist Dein Thread hier sehr sehr interessant.

Kunststoffringe sind in der Tat einfacher und sinnvoller, als mein Vorschlag. Die Helikalauszüge machen das ganze dann noch leichter.
Den 1 mm Fokussierunterschied zwischen 2" und 1,25" kriegst Du nicht noch weg?

Viele Grüße

Rene

PS: Ich weiß nicht mehr genau, ob es ein 5" oder 6" Bino-Apo war, durch das ich bei einem Teleskoptreffen schauen konnte. Aber so ungefähr weiß ich, was Dich erwartet, wenn alles klappt und funktioniert. Es lohnt sich ... ;-)
 
#24
Hallo Rene,

ich hatte mich oben vertippt, konnte den Beitrag aber leider nicht mehr ändern.
Es ist nicht 1mm sondern 10mm Unterschied zwischen 2" und 1,25"
Diese 10mm gleicht genau der Baader Clicklock Adapter aus, und so sieht es dann aus:



Inzwischen weiss ich auch woher der Farbunterschied kommt.
Das ist kein originaler kurzer Tubus, den es ja von Borg gab, sondern auch ein nachträglich gekürzter.
Beim Kürzen gab es wohl Macken am Tubus und man hat ihn dann neu lackiert, das sieht man an Farbresten im Innern des Tubus.

Ich bin jetzt auch ganz heiss auf das Gerät, daher auch mein Arbeitstempo ;-)
Ich setze gerade alle Hebel in Bewegung, dass ich die EMS noch diesen Monat bestellen kann.
Der monokulare Blick durch einen Borg war schon sehr vielversprechend deshalb denke auch auch, dass ich vom Ergebnis nicht enttäuscht sein werde.

Da das Bino am Ende immer noch recht leicht und handlich ist und schneller auskühlt als meine Spiegel wird es mit Sicherheit auch mein universelles Schnellspechtelgerät werden.
Ich bin sogar mal gespannt, ob mein 12,5 Zöller nicht an Anziehungskraft verlieren wird...

Grüsse Jochen
 
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#25
Hi,
Schaut schon gut aus ! Das wird ! ;-)
Was mich noch interessieren würde wäre ob die beiden von der Brennweite genau gleich sind oder ob da Fertigungsbedingt kleine Unterschiede sind?
Man sagt max 5/1000 dürfen beide Seiten auseinanderliegen darüber droht Kopfweh...
Grüße Alex
 
#26
Hallo Jochen,

ein sehr schönes Projekt mit viel Potenzial. Pass nur auf, dass Du in der Euphorie nicht zu schnell wirst und Fehler machst!

(ichaltereselweißwovonichredegrummelgrummel) :totlach2:

Im Übrigen wird der vermutlich 12,5er an Anziehungskraft verlieren, ich habe auch mal ein ganzes Beobachtungsjahr so gut wie ausschließlich mit der Beobachtung bei niedrigen Vergrößerungen und mit Filtern zugebracht.
Irgendwann ist man aber auch wieder so weit gesättigt, dass am die Anziehungskraft anderer Möglichkeiten wieder bemerkt. :cool:

Viel Erfolg und Spass!
Gruß
Günther
 
#27
Hi Alex,

ich habe leider keine Möglichkeit die genaue Brennweite zu bestimmen.

Wenn ich mechanisch beide Seiten genau gleich baue müsste man es am Ende daran erkennen können, wie weit die beiden Helicals herausgedreht werden müssen.

Bei meinem alten 100mm APM Semi Apo gab es hier einen Unterschied von etwa einem Millimeter.
negative Auswirkungen hatte das keine und Kopfschmerzen bekam ich auch nicht.

Ich habe sogar mal gelesen, dass manche Leute unterschiedliche Okularbrennweiten links und rechts verwenden, weil das so einen tollen 3D Effekt ergibt :)

Grüsse Jochen
 
#28
Hallo Günther,

Deine Warnung ist durchaus berechtigt, heute Mittag war es dann fast so weit, ich wollte Schraubenköpfe versenken, obwohl das an der Stelle falsch ist.
Aber zum Glück konnte ich das Werkstück noch retten, in dem ich es 2mm abgedreht habe und die angefangene Senkung war wieder verschwunden :)

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Gerät erst mal absolute Priorität beim Beobachten haben wird.
Aber den Portaball gebe ich ganz sicher nie ab, dazu ist er zu sehr ein Unikat und fast schon Sammlerstück.

Etwas anders sieht es bei meinem 6" f/4,8 Maknewton Kugeldobson aus, der ist dann eigentlich fast redundant, wenn auch von der Nutzungsart völlig anders.
Na mal abwarten, vielleicht steht der aber wirklich demnächst zur Disposition.

Grüsse Jochen
 
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#29
Hallo Jochen,

super Projekt!
Werde das mit großem Interesse weiterverfolgen :smiley61:

Wegen der Brennweiten brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen, das wird überbewertet.
Wenn das so extrem kritisch wäre, müsste man auch die Okulare selektieren.

Die Brennweite der beiden Borgs kann man bequem im Zimmer bestimmen. Eine definierte Lichtquelle kommt dazu ca. 1,60m vor die Linse - etwa 1,60m hinter der Linse ensteht das Bild.
Mit den genauen Abständen kann man dann die Brennweite berechnen.

Viele Grüße
Kai
 

Neustes Astronomie Foto

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