Hallo Adson,
schön, daß sich mal wieder jemand um Objektivität bemüht und die Stellung der wirklich nicht schlechten Nikon/Minolta/Olympus 70-200€ Porros gegenüber den "Billigstgläsern" objektiv und statistisch "geraderückt".
Diese Gläser wrden hier im Forum immer etwas unterbewertet, da das Argument "lieber etwas länger sparen und was rechtes kaufen" natürlich gerade bei diesen Gläsern seine Berechtigung hat (und außerdem gibt es gebrauchte Zeiss Jena Deltrintems und Dekarems auch schon in dieser Preisgruppe). Auch ich finde, daß diese Gläser gegenüber dem Lidl/Bresser 10x50 (das ist bisher das einzige "Billigstglas" bis 50€, das ich akzeptabel finde und ich habe sicher schon durch 20 oder 30 geguckt) eine deutliche Verbesserung bedeuten. Außerdem kann man diese durchweg leichten Gläser (600-800g für 7x35 bis 10x50) noch recht gut immer dabei haben (vor allem 7x35 und 8x40), was für die schweren Klötze von Fujinon und Konsorten z.B. ein Problem darstellt. Außerdem bieten die Fujinon-Gläser nur Einzelokularfokussierung und sind damit kaum für allgemeine Naturbeobachtung geeignet.
Weshalb ich immer noch hier ab und zu über Billigstgläser mitschreibe, hat vor allem den Grund, daß z.B. Schüler und andere weniger gut betuchte Bevölkerungsgruppen als Einstiegsinstrument ein Bresser für 20€ sicher eher erwägen als ein Glas für 100-200€. Und während der Schulzeit hat man doch viel eher Zeit, damit den Sternenhimmel mal kennenzulernen als später - dauert nach meiner Erfahrung so 2-3 Jahre, bis man sich am Nordhimmel wirklich auskennt - und bis dahin ist eigentlich nur ein Fernglas, eine drehbare Sternkarte und ein gutes Buch erforderlich. Statt Teleskop kann man das Internet nutzen, z.B.
http://www.ne.jp/asahi/stellar/scenes/english/index.htm
bringt mehr als das beste Teleskop unter Stadthimmel.
Wie schon erwähnt, wird sicher kaum mehr als 50% es bei diesem einen Fernglas belassen und die meisten werden wohl als nächstes auf was deutlich besseres umsteigen. Deshalb kann man trotzdem nicht sagen, daß dieses Geld hinausgeworfen war - dem ersten Astrobuch werden ja hoffentlich viele weitere folgen und die drehbare Sternkarte braucht man nach 2-3 Jahren auch nicht mehr.
Falls jedoch jemand statt des Bresser 10x50 z.B. das Lidl-Zoomglas oder irgendein anderes Billigstglas gekauft hat, wird er es sicher bereits nach kurzer Zeit entweder gar nicht mehr benutzen (das Risiko gilt allerdings grundsätzlich für jedes Fernglas..)oder feststellen, daß es tatsächlich rausgeworfenes Geld war und braucht dann wirklich sofort was besseres. Und da er mit billig schlechte Erfahrung hat, neigt er dann eben zum entgegengesetzten Fehler und kauft was ganz teures - was evtl. aber auch wieder seine Anwendungsbereiche nicht voll abdecken kann. Ich zum Beispiel habe so etwa 4 Gläser z.Zt. ständig in Gebrauch: Pentax Papilio 8,5x21 (Tag); Canon 10x30IS (vorwiegend tags, aber auch ganz gut am Sternhimmel); Danubia 11x80 (für Ultrasupernächte) und Tento 20x60 (für normale Nächte, zum Suchen von Objekten usw. freihändig, für Mond und Nebel auf Stativ).
Gruß