BRESSER SIRIUS 70/900 was denkt sich...

#1
Liebe Forengemeinde,

an anderer Stelle wurde das BRESSER SIRIUS 70/900 erwähnt. Weil meine Frage dort nicht passt möchte ich sie hier stellen:

Was zu Teufel denkt sich ein Hersteller, wenn er zu einem Teleskop mit 70 mm Öffnung und 900 mm Brennweite folgendes Zubehör liefert:

- Okular 4 mm ( und 20 mm)
- 3fach Barlowlinse

Ich bin Anfänger, habe aber gelernt, dass die 'förderliche' (immer anwendbare) Vergrößerung bei etwa dem Betrag der Öffnung entspricht und die technisch max sinnvole Vergrößerung etwa 2 x dem Betrag der Öffnung sei. Hier also 70fach bzw 140fach. Man muss kein MatheGenie sein, um sofort zu sehen, dass diese Werte mit dem Zubehör weit überschritten werden.

Macht also keinen Sinn, oder doch? Hab ich was übersehen?

VisuSCor
 
#2
Hallo korrigierter Visus,

Du hast völlig Recht, das beigelegte 4mm macht optisch keinen Sinn. Aus Marketingsicht aber schon. Denn die Erfahrung zeigt leider, dass Kunden ohne Ahnung von Astronomie eher zum Teleskop greifen, bei dem eine höhere Vergrößerung auf der Schachtel angegeben ist.
Sprich: wenn Du ein Bresser 70/900 mit maximal 135-fach bewirbst (20mm + Barlow) und ein baugleiches SuperAstroSpecial 70/900 mit maximal 675-fach (4mm + Barlow) zum gleichen Preis daneben legst, kaufen die meisten Kunden das SuperAstroSpecial. Denn das ist ja offensich besser weil es höher vergrößern kann.

Leider eine alte Wahrheit: am Markt setzt sich nicht das bessere Produkt durch, sondern dasjenige welches am meisten verkauft wird. Und Händler bieten den Kunden die gewünschten Artikel oder sie verschwinden vom Markt.

Traurig, aber wahr.
Marcus
 
#3
Hallo VisuSCor,

da hast Du schon recht...

Bei 900mm Brennweite ergeben
4mm = 225-fach
20mm = 45-fach

und mit 3x Barlow
4mm = 675-fach
20mm = 135-fach

wie Marcus schon sagt: ein 4mm ist Unsinn.

lg
Niki
 
#5
Nun, in der Preisklasse um 150 Euro für
- Teleskop
- Montierung
- Zenitspiegel
- 2 Okulare
- 1 Barlow
- Smartphone-Adapter

erwirbt man ja kein "Equipment"... das ist ein relativ unnötiges lowest-cost Produkt-Package, ich meine, sogar für Kinder... :oops:
lg
Niki
 
#7
Stimmt. Aber dennoch verkaufen sich von diesem Teleskop vermutlich 50x so viele wie von einem 70/900 mit stabiler azimutaler Montierung und hochwertigen sinnvollen Okularen für 400,-€. Unterm Strich macht der Händler damit also mehr Umsatz. Und wenn Bresser die Dinger nicht zu dem Preis verkauft, macht es Omegon. Oder TS. Oder jemand anderes.
Die Leute kaufen es, weil es so aussieht wie sie sich ein Teleskop vorstellen (in Gegensatz zu einem Dobson), weil da eine GIGANTISCHE Vergrößerung angegeben ist und weil es billig ist. Vor allem letzteres.

Das Leben ist hart und grausam.
Marcus
 
#8
Wird so sein, Marcus.

Ich denke, man braucht solche billigen "Probier-Einsteiger-Angebote" irgendwie, wenn man zB. einem Kind etwas schenken will, und wenig Ahnung von der Materie hat, da kann es schon sein, dass ein Kind einen "Wooow"-Effekt am Mond hat, auch wenn alles zittert und wackelt auf der AZ-1. Und so gewinnt man eventuell Kunden für später... und die 140,- Euro riskiert man.

Genauso gut kann es sein, dass das Ding nach 3 x gucken am Dachboden landet oder bei ebay. Oft ist es nur kurz interessant, das gilt ja für viele Hobbys. Ich bin mir nicht sicher, was besser wäre: nur 600,- Euro Sets zu haben, die aber dann eine gute Idee vom Sternegucken geben, oder etwas für 150,- Euro, dass eventuell bald den Wunsch nach etwas "Ordentlichem" nach sich zieht...

Keine Ahnung, auch wenn ich solche Lowest-Cost Sets nicht ausstehen kann. Sie tun mir fast körperlich weh, wenn ich sie ansehe. :sick:

lg
Niki
 
#9
Ich denke schon auch, dass man mit lowcost Sets Leute locken kann. Aber ich denke das Zeugs sollte halbwegs zusammen passen. Und gerade Bresser sollte da Vorbild sein. Aber ich bin kein Marketing-Stratege...
 
#11
Hallo VisuSCor,

ich hatte bei Bekannten auch mal einen Billig-Refraktor testen können. Da lag auch ein 4mm Okular bei. Echt eine absolute Katastrophe. Ich habe den Kindern dann mal den Mond mit dem 20mm Okular gezeigt und die waren richtig überrascht. Sie hatten es wohl bisher nur mit dem 4mm versucht und kein vernünftig scharfes Bild erhalten. So landete das Teleskop schnell in einer Ecke.
Es ist aber wirklich unverständlich warum da nicht statt einem 4mm z.B. ein 10mm Okular beigelegt wird. Wäre ja gar nicht teurer nur sinnvoller. Das könnte man dann wenigstens noch vernünftig nutzen. So wird mit viel Vergrößerung geworben und die unerfahrenen Kinder gleich vergrault.

Gruß,
Holger
 
#12
Sagen wir so: ich hatte als Einsteiger ein ganz gutes Bild von Bresser und bin mit dem Mak auch zufrieden. Ich hatte allerdings auch nie auf die Billigteile geschielt, war mir nichtmal bewusst, dass die sowas anbieten. In sofern bin ich schon etwas entsetzt.

Andererseits backe ich einfach auch kleinere Brötchen was die Ausrüstung angeht
 
#13
Vergraultwerden ist doch der Effekt, nicht?
Vl geht die Hersteller-Logik so:
Leute, die echt Interesse haben, machen sich vorher ein bisschen schlau-er und kaufen sowas eh nicht. Die werden also auch nicht vergrault.
Leute, die sich nicht vorher schlau machen, gehören vom Typ her eh nicht zu den zukünftigen Kunden. Ihr Interesse flackerte nur so aus Jux und Dollerei auf und wurde gleich durch den Vergraul-Kauf gestillt.

Bloss bei Kids, bei denen ist es echt schade. Okay, die vergessen schnell, lernen so vieles andere kennen, und vll gehen sie 20 Jahre später selber noch mal in einen Laden - dann aber richtig. Bloss sind dann schon 20 Jahre vergangen, in denen eben keine nächste Samantha Cristoforetti heranwuchs, sondern bloss eine... eine Steffi Graf oder so :D .
 
#14
Ich habe mit solch einem Teleskop vor wenigen Jahren angefangen und muß sagen: Viel mehr habe ich nicht erwartet, war im Grunde sogar von der optischen Qualität überrascht nur die Wackelmontierung war echt mies und ein 4mm Okular völlig unbrauchbar.
Aufgrund der optischen Leistung: Sah die Jupiterwolkenbänder und -monde, Saturn mit Ringen und auch den Ringnebel, war ich trotzdem angefixt und habe letztendlich 70€ Lehrgeld bezahlt.
Ein teures Teleskop das mich gelangweilt hätte wäre deutlich teurer, siehe z.B. Ebay Kleinanzeigen.

Das da ein Haken sein muß habe ich mir schon gedacht; fand ich doch Okulare die schon ein vielfaches kosten. Man sollte also für 140€ kein Hubbleteleskop erwarten....

Gruß Horst
 
#16
Diese Ex-Kids kaufen dann kein Teleskop sondern per minus Nullkommadreiprozent-Kredit den neuen Buserratti und fahren dann auf der Autobahn, während du mit deiner 70 PS-Nuckelpinne gerade einen LKW überholen willst, auf 4 Meter an dich heran, machen jede Menge Lärm mit Hupe und Lichthupe - während sie den Abstandspiloten einschalten.

Du bekommst es mit der Angst zu tun und bremst panisch. Sodaß du einen Abflug durch die Frontscheibe absolvierst. Bzw. nur dein Kopf, der Rest bleibt im Gurt hängen.

Der Abstandspilot hat dem ehemals frustrierten Astrokid die Karre erhalten und es kann sich über die dritte Spur aus dem Staube machen...

Frohes neues!

Dietrich
 
Zuletzt bearbeitet:
#17
Hallo,

eins finde ich aber noch sehr ärgerlich. Manche wollen oder können am Anfang vielleicht nicht so viel Geld ausgeben. Sie möchten günstig reinschnuppern oder suchen ein Geschenk für Ihre Kids, bei denen durchaus ein gewisses Interesse vorhanden ist. Da liegt das Limit z.B. nicht über 100 Euro. Viel kann man natürlich nicht erwarten aber dann wird es auch noch mit total unnötigem Zubehör verschwendet.
Die Kinder von meinem Bekannten waren von dem Anblick durch das 20mm Okular durchaus beeindruckt. Jetzt anstatt dem 4mm ein 10mm Okular und es wäre noch mehr möglich gewesen, zum gleichen Preis.

Gruß,
Holger
 
#18
Die Sachen werden gebaut, um verkauft zu werden, und sie werden verkauft. Die mehrheitliche Käufergruppe bestimmt, was sie kauft und definiert damit das Angebot.

Kleiner Refraktor für Einsteiger: Die Mehrheit will viel Zubehör, hohe Vergrößerung, nicht so teuer. Das kriegt sie.

Eine Nummer größer liegt das beliebte 114/900 Spiegelteleskop: Etwas weniger Murks an Zubehör, etwas bessere Montierung. Die Käufergruppe weiß schon etwas mehr und wird entsprechend etwas anders bedient.

Bei beiden Teleskopen ist es möglich, mit etwas Bastelarbeit erheblich mehr Leistung zu bekommen. Die Mehrheit macht das nicht, sondern lässt die Sachen irgendwann auf dem Speicher verschwinden. Das liegt nicht an den Teleskopen, sondern an der Sache an sich: Astronomie braucht Geduld und ist durchaus kompliziert. Beides steht beim Zeitgeist nicht hoch im Kurs.

Ich bin nicht böse um den massenweisen Verkauf: Mein neuer 70/300 Sucher kostete bei Amazon 37 Euro und wurde als Kinderteleskop verkauft. Das ganze billige Zubehör im 0,96" Format flog nach einmal Durchschauen (gar nicht so übel wie gedacht) in den Müll. Solche Preise gehen nur in großen Stückzahlen. Der Zenitspiegel von TS kostete fast nochmal so viel und wird gewiss erheblich seltener verkauft. Habe ich echt einen schönen Richfielder für unter 100 Euro als Sucher? Klar, darum hatte ich seitdem auch erst einmal klaren Himmel. :)

Michael
 
#19
Hallo erstmal,
als Einsteiger schaut man wohl zunächst nach den günstigsten Teleskopen. Das ging mir auch so. Zum Glück gibt es ja heutzutage die Möglichkeit der Recherche.
Schön wäre es, wenn Händler bei Einsteigerkombis die Vor- und Nachteile des jeweiligen Angebots erwähnen und auch Alternativen ansprechen würden.
Somit hätte der Kunde zumindest auf der Seite des Händlers schon die Möglichkeit eines Vergleichs.
Wählt er trotzdem das billigere Teil und ärgert sich hinterher, ist er selbst schuld.
Andererseits: Was hindert einen Einsteiger daran, sich vor einem Kauf zunächst einmal zu informieren? Bevor ich mir einen Monitor oder Fernseher kaufe, recherchiere ich doch auch vorher und vergleiche.
Gruß
Ronald
 
#20
Hallo zusammen,

Ich habe mit einem (geschenkten) 76mm Newton angefangen. Beim Aussuchen wurde schon etwas mehr Geld ausgegeben, aber viel besser gemacht hat es die Kombo nicht.

Trotzdem habe ich damit den Einstieg in unser schönes Hobby gefunden, aber erst nachdem ich ein Buch für Einsteiger gekauft hatte.

Meiner Meinung nach werden mehr Leute vergrault weil sie schlicht den Umgang nicht hinkriegen, oder völlig falsche Erwartungen haben. Egal was die Optik kann. Bei mir war es jedenfalls so.

Guten Rutsch

Peter
 
#21
Meine Erkenntnis daraus: Eine (preiswert kopierbare) verständliche Einführung in die Astronomie und den Umgang mit dem Teleskop würde zu Wow und Aha Erlebnissen führen. Und damit zu potentiellen Kunden, die später ein Vielfaches des Preises fürs erste Teleskop für ein einzelnes Okular ausgeben, und sind glücklich damit.

VG

Peter
 
#22
Hallo,

das erinnert mich an meine Jugend...mit 12 odetr 13 Jahren wünschte ich mir ein Teleskop auf Weihnachten.Ein 114/900 von Vixen stand auf meinem Wunschzettel.Bekommen habe ich das natürlich nicht, weil viel zu teuer...dafür gab es ein einfaches Zoomspektiv mit 45mm Öffnung auf wackeligem Tischstativ.
Ich war Bogenschütze und konnte/sollte das Spektiv nutzen um mein Schußbild zu kontrollieren.Das ging auch gut - aber ich hatte das Teil auch für Himmelsbeobachtungen "mißbraucht" :)
Mond war eindrucksvoll, Jupiter bei max 45x oder 60x (?) natürlich dunkel und nicht wirklich scharf.Die Herausforderung des Einstellens war glaube ich der größte Spass - eben weil es nahezu unmöglich war.
Als Kind lernt man schnell mit den gegebenen Möglichkeiten zu leben und damit umzugehen...
Irgendwann hatte sich mein Interessenschwerpunkt verlagert... :rolleyes:
Aber viele Jahre später hatte sich der Astrovirus wieder durchgesetzt.

Damit will ich diese Billigangebote nicht gutreden, aber gerade für Kinder kann das schon ein Einstieg sein. Wobei heute ein vernünftiger Anfang günstig zu haben ist.Allerdings müsste man sich da schon informieren...

Grüße Rainer
 
#23
Hallo zusammen,

Was zu Teufel denkt sich ein Hersteller?

Macht also keinen Sinn
na, er denkt, Hauptsache der Kunde hat was zum Ausprobieren.
Was man heutzutage zum Benutzen eines Artikels zwingend benötigt, wird nicht mitgeliefert. Eine SD-Karte für Kameras kostet 20 -300 € aber selbst ein 5000€ Gehäuse wird ohne Speicherkarte geliefert.

Gruß Uwe
 
#24
Hallo Zusammen.

Ich denke auch, das das Problem eher an dem nicht schlau machen liegt.
Selbst aus dem gelieferten das zu machen was möglich ist.

Hatte so eine Sittuation bei der MoFi im letzten Jahr.
Mitten in dem Pulk (war ja ein Jahrhundertereignis xD), stand plötzlich die Mutter eines Mädels vor mir und fragte
ob ich mal kurz an deren Teleskop nachschauen könnte, sie würden es nicht hinbekommen.

Hintergrund: Die Tochter hatte sich von ihrem Ersparten ein günstiges Tele über E-bay gekauft.
Auch ein Newton auf ner Wackelmontierung. War noch eines mit Gewindestange zur Nachführung.
Weis nicht genau welches.
Dort hatte sich aber auch KEINER über den Gebrauch gedanken gemacht.
Die kleine war schon todtraurig.

Am Tele angekommen war schon zu sehen wo es hapert.
1. Es war ALLES montiert was mitgeliefert wurde. Selbst die Barlow und die 1,5 fach umkehrlinse und das 4mm Oku.
Der Okularturm war schon halb so lang wie das ganze Tele.
2. Der Staubschutzdeckel des Newton war zweiteilig. Entfernt wurde nur der kleine Mitteldeckel (Blende).
Also die Öffnung dadurch schon halbiert.

Staubschutzkappe entfernt, geraffel abgemacht, 20mm Oku rein. Ausgerichtet und scharfgestellt.
Die kleine war Megahappy .... "Boar Mama guck mal .....
Ich kann sogar die Krater (glaube sie hat Löcher geagt, weis es nicht mehr genau) sehen"
Selbst die Mutter war überrascht und angetan.
Der Vater war sichtlich beschämt wegen seines fatalen Aufbaus.
Noch ein paar nützlich Tips gegeben und wieder zu meinem Tele gegangen.

Ganze 5min. hat es gedauert alles zu beheben.

Nach deren Session kamen Sie noch mal rüber und bedankten sich.


Gruß
Markus
 
#25
Hallo,

gefühlt bin ich auch noch nicht so richtig aus dem Einsteigerstatium heraus und finde mich teilweise in den Beiträgen wieder. Ich hatte mir für meinen Sohn als Geschenk ein Bresser Pluto/s mit sphärischem Spiegel, ungeeigneten Okularen und einem "Smartphonehalter" (der mir ein Handy ruiniert hat) gekauft, weil es wie ein richtiges Teleskop aussah. Ahnung hatte ich da auch keine. Und keiner würde das wahrscheinlich hier empfehlen. Meinen Sohn hat es nicht dauerhaft interessiert, aber ich bin irgendwie daran hängengeblieben und habe an dem Ding bis hin zur Astrofotografie mit DSLR herumgebastelt und rumprobiert, so fasziniert hat mich das. Und jetzt habe ich mittlerweile jede Menge Ausrüstung dazugekauft.
Was ich damit sagen will: Wenn der Keim des Interesses da ist, dann wird er wachsen, egal mit was man anfängt. Wenn das nicht da ist, hilft dauerhaft auch die beste Qualität bei einem Teleskop nichts. Und das spiegelt der Markt wieder. Potentielle zukünftige Kunden kann man auch mit wenig ködern, beim Rest ist eh Hopfen und Malz verloren, auch wenn wir es uns anders wünschen. Der eine sieht in seinem ersten wackeligen verwaschenen Spielzeugteleskop, daß sich die Tür in ein faszinierendes Unviersum einen Spalt weit geöffnet hat und er will jetzt mehr davon sehen. Für den anderen ist auch eine teure Qualitätsoptik nur ein langweiliges Fernrohr.
Deshalb kann es eigentlich keine passende Einsteigerberatung hier geben. Mein Tip an Visus wäre, mache Deinen SIRIUS stabiler, pimpe es etwas, besorge Dir bessere Okulare. Wenn es damit nicht kribbelt, wird es höchstwahrscheinlich mit was besserem auch nicht kribbeln.

Gruß

Heiko
 
#27
Hallo Oli (schön, daß du einen Namen hast),

und ich hatte Dir geantwortet:
Potentielle zukünftige Kunden kann man auch mit wenig ködern, beim Rest ist eh Hopfen und Malz verloren, auch wenn wir es uns anders wünschen...
Die Hersteller bieten so einen Blödsinn an, um mit möglichst viel Zubehör (im Sinne von Qualität aber wenig) zu ködern, auch wenn es nicht viel Sinn macht, wie beim Sirius. Vielleicht habe ich mißverstanden, ob Du selber das Ding hast oder nicht und warum Du danach in einem anderen Thread gefragt hast. Der Rest gilt aber trotzdem. Was hast Du denn und "kribbelt "das bei Dir?

Gruß

Heiko
 
#28
Hallo,

das Schlimme ist aber schon, dass eigentlich zu viel unnützes Zubehör mitgeliefert wird.
Die Barlow und das 4mm Okular zum Beispiel. Klar sollte man sich eigentlich vorher informieren aber das passiert nun mal nicht immer. Mein Bekannter war sogar vorher bei mir und ich hatte Ihn meine Teleskope gezeigt und ihn vor so einem Kaufhaus-Teleskop gewarnt. Dennoch hat er seinem Sohn dann einen günstigen Wackel-Refraktor geschenkt, ich glaube 70/700mm Marke weiß ich nicht mehr. Als ich später mal zu Besuch war, kam das Teil nach langer Zeit mal wieder zum Einsatz. Es fristete sein Dasein im Abstellraum. Die wussten gar nichts mit dem vielen Zubehör anzufangen. Noch schlimmer, was da ist muss ja wohl sinnvoll sein und sollte verwendet werden. Also hatten sie alles in den OAZ gesteckt, ich glaube Barlow, Umkehrlinse und 4mm Okular. So konnte das natürlich kein scharfes Bild geben und das Teleskop landete in der Ecke.
Naja, an dem Abend meines Besuchs stand bei wolkenlosem Himmel der Mond so prächtig am Himmel, da wurde das Teleskop extra herausgekramt. Ich konnte kaum fassen wie dünn und wackelig das Stativ aussah aber damit kann man leben. Also erst einmal NUR das 20mm Okular eingesetzt und mit etwas Mühe den Mond eingestellt. Jetzt ging das Scharfstellen ohne Probleme und die Begeisterung von Vater und Sohn war riesig. Man sieht ja richtig die Krater, das Teil geht ja usw.
Mit dem 4mm Okular war die Herrlichkeit eigentlich schon wieder vorbei. Von der Barlow mal ganz abgesehen.
Klar die hatten keine Ahnung, aber wäre da nur ein 20mm & 10mm Okular im Set gewesen, wäre auch Ihnen ein ordentlicher Start ermöglicht worden.

Jetzt soll aber mit der enormen Vergrößerung geworben werden und schon kommen Teile ins Set, die einfach keinen Sinn machen. Dann lieber das unnötige Zubehör weglassen und etwas mehr nützliche Hinweise oder Anleitungen dazupacken.

Gruß,
Holger
 
#29
Hi Zusammen,

die Verkaufsargumente sind letzten Endes nur vorgeschoben. Am Ende wird der Kunde über's Ohr gehauen. Ganz gleich, ob das seinen Ursprung in China hat oder bei den Importeuren:

1. "Wir brauchen wegen der Konkurrenz die hohen Vergrößerungen auf der Packung"
Lüge. Kommt eh alles vom selben Band und wird umgelabelt. Gibt es wirklich Auswahl? Wenn bei dem einen das 4mm "Super Ramschden" beiliegt, dann bei dem anderen auch!

2. Die Okularauswahl ist mit Absicht "Banane". Lustiges Beispiel hatte ich im letzten Winter daheim: a) Bresser Pollux 150/1400, beiliegend: 20mm, 4mm, 3x Barlow. b) Bresser Messier Dobson N 130/650, beiliegend: 24mm, 9mm - nix Barlow.
Jetzt könnte man beim f/5 Newton mit einem 4mm ja was anfangen, und deshalb liegt es dem auch nicht bei. Aha! Und am f/9,3 wäre ja ein 24mm interessanter als ein 20mm ausgesucht. Zumal das 24mm am f/5 sicher eher die Randabbildung vergeigt, als ein 20mm.
Das ist Absicht.

3. Wenn sie dem Kunden einen Hauch Spaß gönnen würden, würden sie eine 10x Barlow beilegen. Die könnte der Kunde genauso gut in den Müll werfen, aber es können dann trotz Phantasie-Vergrößerungen brauchbare Okulare beigelegt werden.

4. "Wir brauchen solche Angebote, damit die Kunden per Google zu uns finden."
Ja, das glaube ich sogar dahingehend, dass alle Preisklassen bedient werden müssen. Aber die Notwendigkeit, den Leuten Mist zu erzählen, sehe ich nicht.

5. Hinzu kommen so kleine, versehentlich eingebaute Fehler, wie die Blende am objektivseitigen Ende des OAZ beim Lidl-Scope, durch die man nicht die volle Öffnung nutzen konnte, der zu kleine Fangspiegel bei diversen Pluto/s, der zu enge OAZ beim o.g. Messier Dobson.

6. Weil diese Kritik von erfahrenen Sternfreunden immer wieder geäußert wird und auch an diese Käuferschicht weitergegeben wird - nach Kräften, versucht man sich rauszureden. Bresser darf hier nicht alles abbekommen, denn da sind sie alle gleich! Schaut mal durch die Produktbeschreibungen, wer überall noch so kleine Formulierungen eingeflochten hat, dass die mögliche Maximalvergrößerung so gar nicht empfohlen wird. Bresser schreibt jedenfalls zum Sirius 70/900 verschämt hinzu:
Vergrößerung mit enthaltenem Zubehör: 45x, 135x, 225x, 675x (max. empfohlen: 140x)
Steht aber nur im Kleingedruckten des Fließtextes.

Das einzig interessante an der Sache ist noch, wie lange das schon so funktioniert.

Clear Skies
Sven
 
#30
Ja, es kommt alles vom gleichen Hersteller, aber wenn ein Teleskop mit weniger Vergrößerung als ein Anderes beworben würde, dann kann ich mir schon denken, welches mehr verkauft wird. Das ist wie die Megapixelanzahl bei Kameras, gerne auch nur interpoliert.

Ich habe beim noname 70/300 auch die Blende entfernt, weil nur 50 mm des Objektivs genutzt wurden. Danach war der Bild sehr flau, denn die Schwärzung im Tubus war einfach zu schlecht. Im Travelscope (70/400) ist die Blende woanders und die Schwärzung besser, aber es kostet auch das Doppelte. Veloursfolie hat das Problem beseitigt.

Regelmässig zu lange OAZ Rohre in Newtons kommen vermutlich daher, dass im Refraktor das gleiche Teil verbaut wird und für lange Brennweiten passt es dort. Hier wieder der Vergleich noname 70/300 gegen Travelscope: OAZ auch aus Plastik, aber mit kürzerem Rohr.

In verschiedenen Angeboten des gleichen Teleskops ist das Zubehör durchaus verschieden, insbesondere die Okularauswahl. Ich gehe davon aus, dass hier einfach beigefügt wird, was gerade billig als Posten zu haben ist. Also verbaut man einen 1,25" OAZ (vorhandenes Rohr), aber reduziert die Klemmung auf 0,96" (nur ein einfacher Ring als Spritzteil), um ein Set billigstes 0,96" Zubehör mit zu verkaufen.

Die meisten Dinge kann man mit Einsparungen erklären. In China sitzt keiner, der den ganzen Tag drüber nachdenkt, wie man Einsteiger in die Amateurastronomie ärgern kann. Die Produktion in China arbeitet sehr rational und kostenoptimiert und wenn der Preis dominiert, kann man Dir dort Vorschläge zur Kostenreduktion machen, die Du nicht fassen kannst, und was Du am Ende bekommst, ist nochmal billiger.

Es geht für mehr Geld natürlich auch anders, aber das ist dann nicht mehr der Einsteigerbereich.

Die Mehrheit kauft es, hat keine Lust sich damit wirklich zu befassen, und legt es bald weg. Sie könnte im Web etwas darüber lesen, "will aber keine Doktorarbeit draus machen", also lässt sie es. Und für das Publikum wird bis auf den letzten Cent kostenoptimiert, denn es macht keinen Unterschied, ob eine gute oder schlechte Okularauswahl verstaubt, aber der Preis macht einen Unterschied.

Michael
 

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