Celestron AstroMaster 70 AZ (70/900) - Kurzbericht

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R_Andreas

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Hallo zusammen,

kurz vor Weihnachten kamen Freunde auf mich zu, weil Sie Ihrem Sohn (10) ein Teleskop schenken möchten. Er hatte entsprechende Wünsche geäußert, ich habe das nicht groß hinterfragt. Ausgesucht hatten sie ein Teleskop von Jackoo (hier der Link ). Das Budget war also 100 Euro, das ausgesuchte Teleskop Mist und ich habe einen Gegenvorschlag gemacht, und zwar das Astromaster AZ von Celestron, hier der Link zum Teleskop Express. Auf dem Papier ist an dem Gerät alles besser, Öffnung, Montierung, Zubehör.

Heute war ich eingeladen, um das Gerät zusammen zu bauen. Bzw., es war schon zusammengebaut, man wusste mit Okularen und einer beigefügten Batterie nichts anzufangen. Gut, das war alles schnell erklärt, die Batterie war für den Leuchtpunktsucher.

Es war/ist bewölkt, ich habe also nur grundsätzliches erklärt und gezeigt, das ist mir aufgefallen:

1. Der Leuchtpunktsucher ist absolut unbrauchbar. Es gibt keine richtige Visiereinrichtung, der Punkt wandert je nach Einblickpostion etliche Grad hin und her, und ist darüber hinaus unscharf. Die durchaus vorhandenen schwarzen, unbeleuchteten Zielkreise sind natürlich unsichtbar. Eine Justage erfolgt mit zwei Rändelschrauben wie bei einem optischen Sucher, sehr schwierig. Ich bitte um eine zweite Meinung, wer kennt diesen Sucher und kann etwas dazu sagen?

2. Die recht massive azimutale Montierung in Verbindung mit dem Stahlrohrstativ ist gut bis sehr gut, ruhig und nicht wackelig. Man muss das Rohr allerdings austarieren, da die Druckpunkte ziemlich schmal sind. Am Rohr ist eine klassische Prismenschiene, an der Montierung eine moderne Schnellaufnahme verbaut. Fand ich bemerkenswert in dem Preissegment.

3. Okulare sind dabei, und zwar 10 und 20 mm, die bekannten und guten Einsteigerokulare, beide brillenträgertauglich. An denen gibt es nichts auszusetzen.

4. Amici-Prisma - leider ist nur ein solches dabei, kein Z-Spiegel. Das Prisma hat eine sehr schlechte Qualität, was man sofort beim ersten Blick aufs benachbarte Haus erkennen konnte. Es ist etwas unscharf und lässt nicht viel Licht aus dem System heraus. Es bietet nicht den vollen 1 1/4" Durchlass, die Lichtöffnung schätze ich auf max. 1". Die 1 1/4" Okularaufnahme ist zu eng, die Okulare müssen hinein gepresst werden, man verstellt daher das Teleskop beim Okularwechsel sehr leicht unbeabsichtigt.

5. Bedienungsanleitungen sind vorhanden, ein ausführliche in Englisch, eine weniger ausführliche in Deutsch, aber ok.

6. Software ist dabei, das Manual und eine Planetariumssoftware. Angeschaut habe ich mir letztere: Angekündigt war Redshift, dabei war eine von Software Bisque, Namen habe ich vergessen, ich denke aber es war eine abgespeckte Version von TheSky X. Diese hat mir sehr gut gefallen und wird den Freunden helfen, sich am Himmel zurecht zu finden. Installation und Standorteingabe waren schnell und problemlos möglich, alle wichtigen Funktionen sind vorhanden, außer einer Rotlichtversion, zumindest habe ich keine gefunden.

7. Preis wie gesagt 100 Euro; es ist schon Wahnsinn, was man heute dafür geboten bekommt, wenn ich an meinen ersten Kosmos Refraktor 60 für 300 DM zurückdenke, mit Wackelmontierung und Wellensittichaugen-Okularen. Schade, dass Celestron so ein schlechtes Amici dazu legt und den Sucher verhunzt hat. (Falls es nicht doch an dem Typen davor gelegen hat...)

Bei Gelegenheit werde ich mir die Optik auch einmal richtig anschauen, hier erwarte ich aber keine spektakulär neuen Erkenntnisse, es sollte heute kein Problem sein, einen guten Zweilinser 70/900 zu produzieren. Das ist auch sekundär für den Anfänger.

Gelernt habe ich, dass man wirklich jede Equipmentkombination vorher sehen sollte, bevor man sie empfiehlt, gerade auf einen guten Sucher hatte ich Wert legen wollen.

Viele Grüße
Andreas
 
Hallo Andreas,

informativer Bericht, danke schön. Den Sucher habe ich schonmal auf einer Ausstellung gesehen, aber nicht benutzt. Bzw.: Ist es der, bei dem die Kreise nicht wirklich schwarz sondern mehr eingeprägt sind? Oder beides?

Clear Skies
Sven
 
Hallo Andreas,

dann bin ich mir unsicher. Aber am Himmel hatte ich den von mir probierten auch nicht. Ich hatte das Gefühl der Hersteller hätte das gar nicht kapiert und einfach eine ebene Plastikplatte genommen, daher die Abweichung je nach Einblick.

Die Justage mit zwei Schrauben rauf/runter und rechts/links kenne ich von vielen dieser Dinger, klappte immer ganz leidlich, war nur immer mal auch schwergängig. Eine zu helle Diode kleistert man am besten vorsichtig mit Edding zu.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Andreas,

guter Bericht und eigentlich sollte der Hersteller.....aber das wird nichts und kommt im konkreten Fall ohnehin zu spät.

Bleibt die Selbsthilfe, denn das eigentlich brauchbare Teleskop wird für einen Einsteiger allein durch den unbrauchbaren Sucher, eher zum Aus- als zum Einsteigergerät.
Ich denke, Du wirst das hinkriegen. Man steht ja durch eine Empfehlung oder allein durch die Liebe zu Hobby irgendwie in der Pflicht, zu retten was zu retten ist.

Wenn sich eine akzeptable Einstellung des Leuchtpunktes erreichen lässt und das Teleskop pfleglich behandelt wird, sollte sich diese Einstellung langfristig erhalten lassen.
Die Abbildung des Suchers zeigt die Möglichkeit auf, eine längere Pappröhre ein- oder aufzustecken, die zu einer einigermaßen reproduzierbaren Einblickposition zwingt. So sollten sich, in Verbindung mit einem langbrennweitigen Übersichtsokular bei größtmöglichem Feld viele Standardobekte auffinden lassen. Clever gemacht ist das auch gleich noch eine Taukappe.
Ich habe einem LPS mit viel zu hellem Rotpunkt eine winzige Scherbe von einer grünen Plastischeibe vor die Diode gesetzt. Das ergab einen etwas aufgeweichten, orangerötlichen Punkt der dann auch passend gedimmt werden kann. Die Größe des Punktes ist nicht so störend wie eine zu große Helligkeit, der Peiler ist nun sehr gut brauchbar.

Wenn mit dem Sucher gar nichts geht, bleibt die früher mit den 6x25 Plastiksuchern praktizierte Variante, dass man das Innenleben aus Plastikkram einfach entfernt und durch die leere Röhre peilt. Für die grobe Ausrichtung reicht das allemal, wenn ein Sternchen in der Nähe ist.

Mach aus dem Sucher einen Finder, dann hat der Junge Freude an seinem Geschenk.

Gruß
*entfernt*
 
Hallo Günther,

danke für die Tipps, da werde natürlich ich am Ball bleiben. In meinem Fundus befindet sich noch ein alter Meade Z-Spiegel, der bring optisch sicher auch schon mehr als das Amici.

Grüße
Andreas
 
Moin zusammen!

Zu diesem Teleskop-Paket gibt es noch einen Thread von Anfang 2009, der seinerzeit für ziemliche Aufregung gesorgt hatte. Bei einer "gesteuerten" Celestron-Aktion wurde dieses Gerümpel als ideales Starterpaket gepriesen. Ich hatte mir damals ebenfalls einen solchen Astromaster 70/900 geschossen. Ende vom Lied: Die Alt-Az-Montierung war nach 10 Minuten Schrott, das Teil ging sofort zurück zum Händler. BTW: Der nicht abnehmbare LP-Peiler ist eigentlich nur zur Zierde, denn funktionieren tut er nicht.
 
Hallo Andreas,

Ich der Paketbeschreibung von TS steht etwas von einem 1,25" Zenitspiegel, nichts von einem Amiciprisma.
Vielleicht kann man ja den Händler kontaktieren und dieses unbrauchbare Stück Glas gegen etwas brauchbareres umtauschen?

Marcus
 
Mein AstroMaster 70 wurde damals auch mit Amici-Prisma geliefert. Der ZS scheint eine Fehlinformation zu sein.
Das Prisma zeigte übrigens sehr starke Reflexe.
 
Winnie, wo lag denn das Problem bei Deiner Montierung? Bei uns hat sie schon mal eine Stunde durchgehalten. Ich finde sie recht massiv und praktikabel.

Die 9 Seiten Thread lese ich mir nicht durch...

Grüße
Andreas
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Nur kurz (ich hatte mich damals spät in den Thread eingeklinkt): Das Problem war die feinfühlige Einstellung des Widerstand beim Auf- und Abbewegen des Teleskops. Halb geklemmt hat das gegossene Weich-Alu nicht lang durchgehalten. Ein Bolzen ist hier abgeschert und im Innern des Lagers fanden sich Alu-Späne. Dieser ganze Mechanismus war jedenfalls nach sehr kurzer Zeit nur noch Schrott, so daß die Klemmung gar nicht mehr funktionierte.

Hier nochmal mein Bericht (von Seite 6 des damailgen Threads):

---schnippi---

...falls Du das Teleskop meinst: Das ist kein Gerät zum Anfangen. Ich hab's gestern geliefert bekommen und wollte eigentlich einen Erfahrungsbericht dazu schreiben, aber die Lust ist mir gründlich vergangen.
Bin gerade dabei, das Gerät wieder versandfertig zu machen - es geht zurück zum Händler.

Nur ein paar kurze Details in Stichworten, ich hab' echt keine Lust mehr auf diesen Schrott. Nur das Wichtigste:

- Die Alt-az-Schwenkvorrichtung war nach 10 Minuten Gebrauch defekt, nein, zerstört... (Höhenachse hatte gefressene Schrauben und abgescherten Alu-Bolzen, dadurch exakte Klemmung nicht mehr möglich.)
- Der LP-Peiler ist im Dunkeln unbrauchbar, da u.a. viel zu hell. (Sowas unsinniges habe ich noch nicht gesehen. Bild davon unten!)
- Alu-Späne innen auf dem Objektiv.
- Schraubenspitzen der Objektivhalterung im Strahlengang.
- OAZ nicht zentriert (wurde mit Laser überprüft), etwa 2 cm aus der Achse.
- Plastikabdeckungen der Prismenschienen-Halteschrauben bei der ersten Klemmung zerquetscht ("Weich-PVC"!)
- Freier Durchmesser der Objektiv-Öffnung nachgemessene 68 mm (!).

In Ordung waren:

- Das Amici-Prisma ist bei Tagesbeobachtungen mit dem RK-20 mm Oku brauchbar, allerdings muß man mit dem Auge auf der Achse bleiben, sonst "kidney-beaning"... - Test am Mond zeigt in dieser Konfiguration starke Reflexe (mit meinem Zenitprisma und demselben Oku waren sie weg).
- Kein Blausaum am Mondrand feststellbar, sehr ordentliches Bild. (Mehr als der Mond war letzte Nacht leider nicht drin.) Die Okulare (RK-20 und RK-10 mm) sind zwar einfach, aber völlig ausreichend.
- Der OAZ läuft leicht und ohne Spiel (das war wirklich das erfreulichste).

---schnappi---

Ich häng' nochmal zwei Bilder von damals dran.
 

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Hallo Leute,
ich habe den "Sucher" auch vor einigen Jahren am Astromaster 130 gehabt und ihn sofort gegen einen billigen Sucher von Skywatcher nebst Sucherschuh ausgetauscht. Die Optik des Scopes war m.E. übrigens in Ordnung, jedoch die ganze Mechanik drumherum etwas billig...
Liebe Grüße
Frank
 
Hallo zusammen,

zunächst ein frohes und erfolgreiches (Astro-)Jahr.

In diesem Paket sehe ich die Typische Low-Cost-Symptomatik (zumindest bei Michas Exemplar anhand der Bilder): Eine gute bis sehr gute Optik wird durch minderwertige Mechanik und Verarbeitung in ihrer Brauchbarkeit extrem herabgestuft. Ich habe selbst eine Optik 70/900 von Sky Watcher (vermutlich genau das gleiche Objektiv, nur anderer Tubus und OAZ), und kann die Bildqualität (natürlich im Rahmen dessen, was 70mm Öffnung physikalisch leisten können) eigentlich nur loben.

Ein Verbesserungstipp für den Sucher von mir, auch wenn ich selbst noch nicht in die Verlegenheit kam, ihn anwenden zu müssen: An das vordere Ende über Kreuz zwei helle Zwirnfäden legen und sie mit stabilem Klebeband oder ähnlichem am Außenrand des Suchers stabil verkleben, so dass sie sich straff über das vordere Ende des Leuchtpunktsuchers ziehen. Ggf. muss man am vorderen Sucherende vier winzige Einkerbungen im 90°-Winkel feilen.

Dieses Fadenkreuz im direkten Wortsinn müsste am Nachthimmel erkennbar sein, wenn man durch den Sucher blickt.

CS und VG Christian
 
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