R_Andreas
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
kurz vor Weihnachten kamen Freunde auf mich zu, weil Sie Ihrem Sohn (10) ein Teleskop schenken möchten. Er hatte entsprechende Wünsche geäußert, ich habe das nicht groß hinterfragt. Ausgesucht hatten sie ein Teleskop von Jackoo (hier der Link ). Das Budget war also 100 Euro, das ausgesuchte Teleskop Mist und ich habe einen Gegenvorschlag gemacht, und zwar das Astromaster AZ von Celestron, hier der Link zum Teleskop Express. Auf dem Papier ist an dem Gerät alles besser, Öffnung, Montierung, Zubehör.
Heute war ich eingeladen, um das Gerät zusammen zu bauen. Bzw., es war schon zusammengebaut, man wusste mit Okularen und einer beigefügten Batterie nichts anzufangen. Gut, das war alles schnell erklärt, die Batterie war für den Leuchtpunktsucher.
Es war/ist bewölkt, ich habe also nur grundsätzliches erklärt und gezeigt, das ist mir aufgefallen:
1. Der Leuchtpunktsucher ist absolut unbrauchbar. Es gibt keine richtige Visiereinrichtung, der Punkt wandert je nach Einblickpostion etliche Grad hin und her, und ist darüber hinaus unscharf. Die durchaus vorhandenen schwarzen, unbeleuchteten Zielkreise sind natürlich unsichtbar. Eine Justage erfolgt mit zwei Rändelschrauben wie bei einem optischen Sucher, sehr schwierig. Ich bitte um eine zweite Meinung, wer kennt diesen Sucher und kann etwas dazu sagen?
2. Die recht massive azimutale Montierung in Verbindung mit dem Stahlrohrstativ ist gut bis sehr gut, ruhig und nicht wackelig. Man muss das Rohr allerdings austarieren, da die Druckpunkte ziemlich schmal sind. Am Rohr ist eine klassische Prismenschiene, an der Montierung eine moderne Schnellaufnahme verbaut. Fand ich bemerkenswert in dem Preissegment.
3. Okulare sind dabei, und zwar 10 und 20 mm, die bekannten und guten Einsteigerokulare, beide brillenträgertauglich. An denen gibt es nichts auszusetzen.
4. Amici-Prisma - leider ist nur ein solches dabei, kein Z-Spiegel. Das Prisma hat eine sehr schlechte Qualität, was man sofort beim ersten Blick aufs benachbarte Haus erkennen konnte. Es ist etwas unscharf und lässt nicht viel Licht aus dem System heraus. Es bietet nicht den vollen 1 1/4" Durchlass, die Lichtöffnung schätze ich auf max. 1". Die 1 1/4" Okularaufnahme ist zu eng, die Okulare müssen hinein gepresst werden, man verstellt daher das Teleskop beim Okularwechsel sehr leicht unbeabsichtigt.
5. Bedienungsanleitungen sind vorhanden, ein ausführliche in Englisch, eine weniger ausführliche in Deutsch, aber ok.
6. Software ist dabei, das Manual und eine Planetariumssoftware. Angeschaut habe ich mir letztere: Angekündigt war Redshift, dabei war eine von Software Bisque, Namen habe ich vergessen, ich denke aber es war eine abgespeckte Version von TheSky X. Diese hat mir sehr gut gefallen und wird den Freunden helfen, sich am Himmel zurecht zu finden. Installation und Standorteingabe waren schnell und problemlos möglich, alle wichtigen Funktionen sind vorhanden, außer einer Rotlichtversion, zumindest habe ich keine gefunden.
7. Preis wie gesagt 100 Euro; es ist schon Wahnsinn, was man heute dafür geboten bekommt, wenn ich an meinen ersten Kosmos Refraktor 60 für 300 DM zurückdenke, mit Wackelmontierung und Wellensittichaugen-Okularen. Schade, dass Celestron so ein schlechtes Amici dazu legt und den Sucher verhunzt hat. (Falls es nicht doch an dem Typen davor gelegen hat...)
Bei Gelegenheit werde ich mir die Optik auch einmal richtig anschauen, hier erwarte ich aber keine spektakulär neuen Erkenntnisse, es sollte heute kein Problem sein, einen guten Zweilinser 70/900 zu produzieren. Das ist auch sekundär für den Anfänger.
Gelernt habe ich, dass man wirklich jede Equipmentkombination vorher sehen sollte, bevor man sie empfiehlt, gerade auf einen guten Sucher hatte ich Wert legen wollen.
Viele Grüße
Andreas
kurz vor Weihnachten kamen Freunde auf mich zu, weil Sie Ihrem Sohn (10) ein Teleskop schenken möchten. Er hatte entsprechende Wünsche geäußert, ich habe das nicht groß hinterfragt. Ausgesucht hatten sie ein Teleskop von Jackoo (hier der Link ). Das Budget war also 100 Euro, das ausgesuchte Teleskop Mist und ich habe einen Gegenvorschlag gemacht, und zwar das Astromaster AZ von Celestron, hier der Link zum Teleskop Express. Auf dem Papier ist an dem Gerät alles besser, Öffnung, Montierung, Zubehör.
Heute war ich eingeladen, um das Gerät zusammen zu bauen. Bzw., es war schon zusammengebaut, man wusste mit Okularen und einer beigefügten Batterie nichts anzufangen. Gut, das war alles schnell erklärt, die Batterie war für den Leuchtpunktsucher.
Es war/ist bewölkt, ich habe also nur grundsätzliches erklärt und gezeigt, das ist mir aufgefallen:
1. Der Leuchtpunktsucher ist absolut unbrauchbar. Es gibt keine richtige Visiereinrichtung, der Punkt wandert je nach Einblickpostion etliche Grad hin und her, und ist darüber hinaus unscharf. Die durchaus vorhandenen schwarzen, unbeleuchteten Zielkreise sind natürlich unsichtbar. Eine Justage erfolgt mit zwei Rändelschrauben wie bei einem optischen Sucher, sehr schwierig. Ich bitte um eine zweite Meinung, wer kennt diesen Sucher und kann etwas dazu sagen?
2. Die recht massive azimutale Montierung in Verbindung mit dem Stahlrohrstativ ist gut bis sehr gut, ruhig und nicht wackelig. Man muss das Rohr allerdings austarieren, da die Druckpunkte ziemlich schmal sind. Am Rohr ist eine klassische Prismenschiene, an der Montierung eine moderne Schnellaufnahme verbaut. Fand ich bemerkenswert in dem Preissegment.
3. Okulare sind dabei, und zwar 10 und 20 mm, die bekannten und guten Einsteigerokulare, beide brillenträgertauglich. An denen gibt es nichts auszusetzen.
4. Amici-Prisma - leider ist nur ein solches dabei, kein Z-Spiegel. Das Prisma hat eine sehr schlechte Qualität, was man sofort beim ersten Blick aufs benachbarte Haus erkennen konnte. Es ist etwas unscharf und lässt nicht viel Licht aus dem System heraus. Es bietet nicht den vollen 1 1/4" Durchlass, die Lichtöffnung schätze ich auf max. 1". Die 1 1/4" Okularaufnahme ist zu eng, die Okulare müssen hinein gepresst werden, man verstellt daher das Teleskop beim Okularwechsel sehr leicht unbeabsichtigt.
5. Bedienungsanleitungen sind vorhanden, ein ausführliche in Englisch, eine weniger ausführliche in Deutsch, aber ok.
6. Software ist dabei, das Manual und eine Planetariumssoftware. Angeschaut habe ich mir letztere: Angekündigt war Redshift, dabei war eine von Software Bisque, Namen habe ich vergessen, ich denke aber es war eine abgespeckte Version von TheSky X. Diese hat mir sehr gut gefallen und wird den Freunden helfen, sich am Himmel zurecht zu finden. Installation und Standorteingabe waren schnell und problemlos möglich, alle wichtigen Funktionen sind vorhanden, außer einer Rotlichtversion, zumindest habe ich keine gefunden.
7. Preis wie gesagt 100 Euro; es ist schon Wahnsinn, was man heute dafür geboten bekommt, wenn ich an meinen ersten Kosmos Refraktor 60 für 300 DM zurückdenke, mit Wackelmontierung und Wellensittichaugen-Okularen. Schade, dass Celestron so ein schlechtes Amici dazu legt und den Sucher verhunzt hat. (Falls es nicht doch an dem Typen davor gelegen hat...)
Bei Gelegenheit werde ich mir die Optik auch einmal richtig anschauen, hier erwarte ich aber keine spektakulär neuen Erkenntnisse, es sollte heute kein Problem sein, einen guten Zweilinser 70/900 zu produzieren. Das ist auch sekundär für den Anfänger.
Gelernt habe ich, dass man wirklich jede Equipmentkombination vorher sehen sollte, bevor man sie empfiehlt, gerade auf einen guten Sucher hatte ich Wert legen wollen.
Viele Grüße
Andreas