Celestron Hummingbird als Fernglasersatz in der Astronomie?

Guten Morgen,
aufgrund einer Sehstörung kann ich nicht (mehr) zweiäugig beobachten. Nun überlege ich als Fernglasersatz die Anschaffung eines Celestron Hummingbird. Was haltet Ihr davon?
Mein Teleskopfuhrpark reicht von einem Apo 72/432 bis zum SC 9.25.
Ich suche also bewusst die Ergänzung um etwas Kleines mit geringer Vergrößerung.
Recht ein Einbein-Stativ?

Vielen Dank für Meinungen dazu und CS

Stefan
 
Hi Stefan
ein Hummingbird kann man durchaus für Astro verwenden.
Vorteil ist, dass man hier auch 1,25" Okulare, wie z.B: die LVW u.a. nutzen kann.
Das Gesichtsfeld ist nicht sehr groß und ohne Stativ sind die Vergrößerungen nur bedingt nutzbar.
Ein Stativ wie z.B. das Rollei c5i mit Kugelkopf paßt prima dazu.

ABER:
Da Du einen so kleinen Apo hast, frage ich mich ob es den Hummingbird braucht.
Mit einem 2" ZS, den Du vermutlich auch hast, hättest Du mit einem guten Okular von 35-42mm vermutlich mehr wahres Gesichtsfeld, mehr Details an Objekten, mehr Vergrößerungsmöglichkeiten und den Mehrfachnutzen, da ein solches Okular auch am SC gebraucht wird.
Ein Pentax XL40 oder ein Panoptik 35 oder 41 wiegen den Preis des Kolibris und Stativs locker auf und wären meine Wahl,
so die Maße nicht das Hauptargument sind.
CS
 
Hi!

Ich habe vor einiger Zeit bewusst das kleinere 7-21x50 genommen, das es vor einiger Zeit noch gab. Ich hatte ein Spektiv zum Papageitaucher-Schauen in Schottland gesucht, das ich freihändig verwenden kann, das mit dem im Gepäck eh vorhandenen Fotostativ auch für mehr Vergrößerung taugt und für Flugreisen weniger wiegt als das 8x42-Fernglas, das ich normalerweise im Auto habe.

Den Anspruch hat es auch voll und ganz erfüllt; das mitgelieferte Zoom-Okular hat kein riesiges Bildfeld, funktioniert aber gut. Mit dem 4,5mm Morpheus kommt es auch in den Fokus, wobei ich mir den Okularwechsel meist spare. Zuhause habe ich für mehr Vergrößerung andere Geräte, die mehr Sinn machen, wenn Transportabilität nicht im Vordergrund steht.

Der 45°-Einblick macht das Aufsuchen natürlich etwas unintuitiver, dafür spart man Höhe beim Stativ. Freihändig ist es kniffliger, weil man es nicht so leicht an den Objektiven fassen und unter den Augen aufliegen lassen kann, um mehr Stabilität zu haben. Das Teil ist schon klein; da würde ich für Astro oder höhere Vergrößerung ein Stativ bevorzugen – deshalb habe ich auch die 7x Vergrößerung genommen. Ob ein Einbein-Stativ praktikabel ist, habe ich nie ausprobiert, und für Astro nutze ich es auch nicht, vom gelegentlichen Blick auf den Mond mal abgesehen. Meine meisten Urlaubsziele haben entweder eher eine geschlossene Wolkendecke oder Polarlicht, und für Astrourlaube kommt mehr Gerätschaft mit. Zuhause ist mein aktuelles Mini-Spielzeug gerade der 60mm Baader VarioFinder, an dem kann ich auch leichter höher vergrößern (in Spektiven sitzen die Okulare satter als in den Okularklemmen von Teleskopen, wegen der Gummiabdichtung gegen Feuchtigkeit, und er hat etwas mehr Brennweite) – dafür wiegt er einiges mehr als das Hummingbird. Wobei ich auch da gerne einen Leuchtpunktsucher nutze... Hier mal der Größenvergleich, am Variofinder ist noch ein Klappspiegel plus Planetenkamera für EAA montiert, wodurch er natürlich noch mächtiger wirkt:
IMG_7048.JPG

Das Hummingbird ist echt winzig.

Von daher würde ich sagen: Terrestrisch ist es als Fernglas-Ersatz kein Problem, und man kann auch mal kurz höhere Vergrößerungen nutzen, ohne gleich zum Stativ greifen zu müssen. Als leichtes Reisestativ habe ich ein leichtes Cullmann Mundo 522CT, wobei das für Astro im Stehen etwas niedrig ist – sieht sehr nach deinem Rollei aus.

Für Astro würde ich es nur mit Stativ nutzen wollen, wobei da schon ein leichtes langt, und bevorzugt mit Leuchtpunktsucher – ich nutze den Baader SkySurfer III, da liegt auch ein Adapter bei, um den mit Spektiven nutzen zu können. Ohne sucht man halt ggf. länger – die Kombination Kugelkopf (der auch zur Seite kippen kann) und Schrägeinblick mag ich nicht; mit "Pistolengriff" komme ich da besser zurecht (da nutze ich für die Kamera zwei von Manfrotto, damit kann ich sie leicht im Gleichgewicht und horizontal halten). Ein weitwinkligeres Übersichtsokular könnte reizvoll sein, wobei ich da nichts in dem Brennweitenbereich in 1,25" habe. Keine Ahnung, wie viel das Prisma ausleuchtet. Ich habe spaßeshalber gerade mal ein altes 25mm Eudiaskopisches Okular (45°) reingesteckt und freihand Richtung unbeleuchtete Dorfkirche geschaut – das Bildfeld kommt mir größer und das Bild heller und kontrastreicher vor als im wohl 8-24mm Zoomokular. Dürfte sich also lohnen, deine vorhandenen Okulare am Nachthimmel auszuprobieren.

Beste Grüße,
Alex
 
Das Hummingbird mit 56mm habe ich seit letztem Jahr und habe es ein paar Mal ausprobiert. Zuerst einmal, für den (Angebots)Preis lässt sich absolut nicht meckern. Für terrestrisch ist das auch für meine Zwecke ausreichend. Bei 9x Vergrößerung kann das auch freihändig funktionieren. Hochvergrößerung ist meiner Meinung nach nichts. Ab 20x wird das Bild flau. Jupiter wird bei der Vergrößerung komplett verzogen, tut mir richtig weh den anzuschauen. Das Baader Zoom passt mit dem Spektiv Adapter ins Hummingbird, eine großartige Verbesserung des Bildes habe ich bei mir aber nicht feststellen können. Die Okulare lassen sich tauschen, geht mir aber zu schwer. Speziell bei Hochvergrößerung muss man reißen und drücken bis das endlich drin ist, da ist natürlich das Objekt völlig verstellt. Ich lasse das mitgelieferte Zoom Okular drin, so schlecht ist das gar nicht.

Einbein Stative habe ich ebenfalls ausprobiert. Naja, zur Not, aber eigentlich nicht praktisch. Wackelt immer noch, für Astro nicht zu gebrauchen. Zum Tiere beobachten in der Waagrechten ist das wieder etwas anderes. Als Stativ habe ich jetzt ein K&F F263A4 zusammen mit dem leichtesten SmallRig Videoneiger. Damit bin ich zufrieden. Das Gesamtgewicht ist dann damit bei 1,9kg.

20250106_081847.jpg
 
Guten Morgen
@Alex
@Astromax

herzlichen Dank für Eure Einschätzungen. (Allein schon...) aufgrund Fliegengewicht und Mobilität werde ich einen Versuch starten. Die beste Optik ist immer noch die, die man oft benutzt (vielleicht auch, weil man sie immer dabei haben kann).
Mein 72/432 ist zusammen mit einem PST auf einem Berlebach-Stativ montiert; für mich ist das noch grab and go - aber nur auf dem Grundstück.
VG & CS

Stefan
 
Moin,

hatte bis letztes Jahr das Hummingbird ED 56mm und habe es mit XCel-Okularen verwendet. Ich hatte es mir als kleines Reiseteleskop auserkoren. Die Bildqualität mit diesen Okularen war top. Warum habe ich es dennoch nicht behalten?

1. Bei der Himmelsbeobachtung hat es einfach nicht mit meinem 10x50 Fernglas mithalten können. Binokulares Sehen liefert dem Hirn eben doch viel mehr Bildinformation.
2. Die Sucheradaption über einen Sucheradapter von Baader funktionierte nicht, weil der Fuß des Spektivs nur an einer Schraube festgeklemmt wird. Bei mir lockerte sich diese immer wieder und so verdrehte sich das Spektiv ggü. dem sucher ständig.
3. Starke Pincussion-Distortion am Zoom-Okular, weshalb ich die XCels genutzt habe. Da funktionierten aber logischerweise auch nur die Brennweiten gut, für die das Spektiv ausgelegt war. Den Okularwechsel fand ich etwas mühsam.

Alles in allem blieb der Spaß bei der Beobachtung so leider aus. Für die reine Naturbeobachtung am Tag würde ich es aber uneingeschränkt empfehlen. Welchen Weg bin ich nun mit Astro-Schwerpunkt gegangen?

Nun, ich habe mir einen Mini-Apo, den 60mm f/6 Dublet von TS mit FPL53-Glas gekauft und was soll ich sagen,ich bin sehr glücklich. Helles, sehr gutes Bild, vernünftiger Sucherschuh, adaptierbare Befestiguhgsschiene (2. Schraube und längere Prismenschiene bei TS nachgekauft und jetzt ist Ruhe auf dem Stativ) und mit nem gescheiten Zenitspiegel steht einem die gesamte Okularpalette zur Verfügung.

CS
Marc
 
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