Das Innenleben bildstabilisierender Ferngläser

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Eisenmeteorit

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Hallo,
ich möchte diesen Beitragsfaden gerne wieder aufleben lassen.
Einmal, weil einige meiner damaligen Fotos durch den Bilderhoster gelöscht wurden und, ... weil ich mich nun dem Zeiss 20x60 S widmen konnte.
Viele Grüße
Frank

Hier noch einmal der Text mit nun eingebundenen Fotos des Peleng 1240-GS:

Ansicht mit
1 - Ein / Aus Schalter
2 - Batteriefachentriegelung
3 - Stabilisatortaste
4 - Betriebsleuchte
5 - Hebel für die Einstellung des Augenabstandes
6 - Batteriefach

IMG_0008.jpg


Um die Funktionsweise des oben abgebildeten kreiselstabilisierten Gerätes zu verstehen, hatte ich das Innenleben meines Peleng 1240-GS im Zuge einer Reparatur fotografiert und möchte die drei Bereiche Optik, Mechanik und Elektrik einmal vorstellen.

Die Positionen der Optik:

1 - Objektiv (mit Resten der grauen Masse für die Abdichtung zum Gehäuse)
2 - Prismen im kardanisch befestigten inneren Rahmen
3 - Prismen vor den Okularen (an der hinteren Gehäuseplatte befestigt)

O1.JPG

O2.JPG



Die Mechanik:

1 - äußerer Rahmen / Er ist über die Objektivfassungen und der hinteren Platte mit dem Kunstoffgehäuse verbunden.
2+3 - oberer und unterer Kompensator/Dämpfer
Diese "Dosen" stellen die erste gelagerte Verbindung zu dem mittleren Rahmen (6) her. Hier vermute ich, dass die Dosen eine Temperatur-/Druckkompensation oder eine vertikale Schwingungsdämpfung darstellen. Die Dosen sind wohl, ähnlich den barometrischen Vidie-Dosen, entweder befüllt oder evakuiert und mit versiegelten Schrauben (4) verschlossen.
5 - Lagerachsen
Befinden sich ober- und unterhalb einer jeden Dose. Zum äußeren Rahmen bilden sie eine feste Verbindung, zum mittleren Rahmen erlauben sie eine horizontale Drehbewegung.
6 - Mittlerer Rahmen
Dieser ist horizontal gelagert und ermöglicht dem inneren Rahmen (8) über die Lagerstellen (7) eine Neigebewegung.
7 - Lagerachsen für den inneren Rahmen
8 - Innerer Rahmen
Beinhaltet die Prismenfassungen mit den Prismen, den Motor mit Welle, Schwungmasse (11) und Endanschlag/Begrenzungs-Trommel (12).
Der Motor liegt links neben der Schwungmasse und ist auf dem Foto nicht zu sehen. Er beschleunigt die Schwungmasse und die Trommel (12) auf über 10000 U/min.

Wird nun die Stabilisatortaste auf der Rückseite betätigt, öffnet sich eine kräftige, Irisblenden ähnliche Klemmvorrichtung im Punkt (10) und gibt einen Metallzapfen, der mit dem inneren Rahmen verbunden ist, frei. Die Stabilisierung ist nun aktiv.

Wenn die Gehäusebewegung zu heftig ausfällt passiert folgendes:
Am Ende der Schraube (9) befindet sich eine Kugel die in die Trommel (12) ragt (die Kugel habe ich einmal in blau nachgezeichnet). Diese Kugel berührt bei zu starker Bewegung die konisch zulaufende Innenwand der Trommel und begrenzt deren Ausschlagswinkel. Durch die geringe Berührungsfläche zwischen Kugel und Trommel sowie den kurzen Kontaktzeiten, wird die Drehzahl des Motors nur geringfügig reduziert.

M1.JPG

M2.JPG


Die Elektrik:

Hier ist der Verdrahtungsverlauf von 1 bis 12 dargestellt.
Die Orte der Übergabe an den nächsten Rahmen sind jeweils die Lagerstellen. Position 6 zeigt die Stelle, unter der sich der Motor befindet. Das positive Potenzial verläuft von 1 nach 6, das negative von 6 nach 12.
Das Peleng kann wahlweise über 6 Mignonzellen (9V) oder über einen Adapter (12-24VDC) betrieben werden.

E1.JPG

E2.JPG

E3.JPG
 
Zeiss 20x60 S

Hier der Versuch einer kurzen, hoffentlich verständlichen Beschreibung zur Funktionsweise der Stabilisierungseinheit.
Die Zeichnung, die ich nach dem Zeiss-Patent, neueren Informationen aus Dirk Dobermanns Buch, sowie eigenen Fotos erstellt habe, ist zum besseren Verständnis farblich unterteilt.

Gelb - der Grundrahmen (mit dem Fernglasgehäuse verschraubt)
Blau - der bewegliche Doppelhalter
Rot - Verriegelungsbolzen mit Schraubenfeder, die Grundrahmen und Doppelhalter miteinander verriegeln

Im Text entsprechen:
vorne = Objektivseite / hinten = Prismenseite
Bolzen = Verriegelungsbolzen

Funktion:

Schritt 1 - Betätigung:
Mit der Betätigung der Stabitaste wird ein Kegel nach unten gedrückt (Foto 1), der über ein Gestänge den Bolzen nach vorne zieht.
Wird die Stabitaste losgelassen, bringt die gespannte Schraubenfeder den Bolzen wieder in die ursprüngliche Position zurück. Eine kupferfarbene Blattfeder (Foto 1) drückt dann ihrerseits den Kegel und den Stabiknopf wieder nach oben.

Schritt 2 - Verriegelung/Entriegelung:
Wird die Stabitaste betätigt, schiebt sich der Bolzen nach vorne und löst an zwei Stellen die sichere Verbindung zum Doppelhalter:
1. Vorne: Der Kopf des Bolzens verlässt den Kontakt zum Doppelhalter und die dahinter liegende Einschnürung des Bolzens nimmt die Position des Kopfes ein. Dadurch ist eine Bewegung zum Grundrahmen möglich.
2. Hinten: Der Kopf des Bolzens verlässt den Kontakt zum Doppelhalter. Dadurch ist eine Bewegung zum Grundrahmen möglich.
(In der Seitenansicht wird die Lage des Bolzens in der verriegelten Stellung gezeigt, in der Draufsicht ist nur der vordere Kopf des Bolzens in der entriegelten Stellung dargestellt.)

Schritt 3 - Federgelenk:
Das in der Patentschrift ausführlich beschriebene monolithische Kreuzfedergelenk ist im entriegelten Zustand die einzige Verbindung zwischen Grundrahmen und Doppelhalter. Es befindet sich genau in der Drehachse des Doppelhalters. Das Federgelenk ist an einem Ende mit dem Grundrahmen, an seinem anderen Ende mit dem Doppelhalter verschraubt.
Das Federgelenk ist in mehrere Bereiche unterteilt, die ihrerseits mittels schmalen Federn und kleinen Freiräumen dem Federgelenk konstante Dämfungseigenschaften verleihen, um dadurch die Bewegung des Fernglaskörpers gedämpft auf den Doppelhalter zu übertragen.

Schritt 4 - Wirbelstrombremse:
Während der Beobachtung und der damit verbundenen unterschiedlichen Beschleunigungsraten, wäre die Bewegung des Doppelhalters, nur allein über das Federgelenk kompensiert, nicht ordentlich zu stabilisieren.
Eine, auf unterschiedliche Beschleunigungswerte reagierende Wirbelstrombremse, dämpft zusätzlich den Bewegungsverlauf des Doppelhalters und macht das 20x60S erst nutzbar.
Zwei rechtwinklig zueinander platzierte Spulenpaare, in der Patentschrift "Wirbelstromplatte" genannt, sind am vorderen Ende des Grundrahmens angebracht.
Zusammen mit den am beweglichen Doppelhalter befestigten Magneten, bildet diese Einheit zusammen eine Wirbelstrombremse.
(Durch die verschiedensten Tremor-Geschwindigkeiten und Richtungen - und damit analog den Bewegungen der Permanentmagnete zur Wirbelstromplatte -, werden in den Spulen entsprechend starke Wirbelströme erzeugt. Das daraus resultierende eigene Magnetfeld wirkt dem äußeren Magnetfeld der Permanentmagnete entgegen und wirkt bremsend.)

Schritt 5 - Stoßsicherung:
Das Federgelenk ist nicht nur im entriegelten Zustand stoßempfindlich. Axiale Erschütterungen, wie etwa ein Fall/Sturz auf die Objektive, können vom Bolzen auch im verriegelten Zustand nicht abgefangen werden. Dies übernehmen jeweils vor und hinter dem Federgelenk angebrachte Endanschläge (Schrauben). Diese begrenzen die axiale Bewegung des Doppelhalters gegen den inneren Teil des Grundrahmens (im Patent als Anschlagkörper benannt). Auch im entriegelten Zustand schützt diese Sicherung vor Beschädigung der feinen Federn im Federgelenk.
Radiale Stöße dagegen werden durch eine kugelförmige Verdickung des Anschlagkörpers mit geringem Abstand zum Doppelhalter abgefangen. Kugelförmig, damit der Schutz während sämtlicher Winkelpositionen aktiv ist.

Schritt 6 - Bewegungsbegrenzung im entriegelten Zustand:
Für die horizontale Begrenzung dienen zwei Schlitzschrauben, die neben dem Doppelhalter im Grundrahmen verschraubt sind (siehe auch Foto 2).
Die vertikale Begrenzung übernehmen zwei Stiftschrauben. Sie befinden sich, mit geringem Abstand zum Doppelhalter, im Grundrahmen.

Eine entsprechend dimensionierte Tariermasse, angebracht am vorderen Teil des Doppelhalters, bringt Prismen und die Einheit Magnethalter/Magnete in Waage. Ich vermute, dass diese Tariergewichte von außen zugänglich ist.

Foto 3 zeigt einen kleinen Teil des Kreuzfedergelenks und Foto 4 einen Teil des Fokussiertriebes.
Die Aufnahmen habe ich durch das Fernglasobjektiv gemacht. Deshalb sind sie teilweise verzerrt.
Jochen wollte mir sein Glas leider nicht für die Demontage und den anschließenden "Explosions-Aufnahmen" ausleihen. :cry:
;)

Herzliche Grüße
Frank

Stabieinheit Zeiss 20x60S.1.jpg


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Sehr interessant. Vielen Dank ! MfG Kampy
 
Danke für Deine Arbeit, die Zeit und den Aufwand. Ich denke viele schätzen solche Mitglieder sehr, die hier Ihre Erfahrungen teilen. ??
 
Wow, danke für den Link!

Unglaublich wie fragil die Dinger aufgebaut sind, ich hätte da einen viel massiveren Rahmen erwartet.
Aber man hat wohl alles dafür getan um das Gewicht erträglich zu halten.

Ich werde meine IS zukünftig aber etwas weniger rauh behandeln :)

Grüße Jochen
 
Herrlich, mit welcher Gelassenheit er das vollbringt .... und mit welchem Werkzeug. _affeaugen: Danke für die Verlinkung.
Nur mit Wasser und Handseife die Glasflächen reinigen hat was, ich hatte da auf den Vergütungsschichten immer Schlieren und Opt.Wonder und Xylol waren Pflicht.

Viele Grüße
Frank
 
Wow, der weiß wohl was er tut. Entspanntes Video.

Bin froh, daß ich mein 12x36 bislang immer wie ein rohes Ei behandelt habe. Das sieht innen ja noch fragiler aus, als ich dachte :eek:

Grüßl
Johannes
 
Ja, das war auch mein Gedanke als ich den dünnen Blechrahmen sah.
Ich habe mein Glas nie geschont, es flog immer einfach so in Taschen und Rucksäcken rum und ist doch seit 25 Jahren ohne Probleme.
Die wussten bei der Konstruktion wohl, was sie taten :)

Interessant ist das Video auch für die Leute mit Auflösungserscheinungen der Gummierung.
Die Kunststoffschalen lassen sich ja recht unkompliziert entfernen und können dann leichter mit Lösungsmittel von der klebrigen Gummierung befreit werden.

Grüße Jochen
 
Wie schon öftrers erwähnt, wird mein 10x42 seit 2009 nicht geschont - harter Ornialltag eben. Ab und an mal der Fußraumfall ist schon der Testalltag - bislang zum Glück wenn, dann mit ausgeschaltetem Stabi. Das ist nicht selbstverständlich, denn beim horizontalen Ablegen bleibt der Stabi ja eingeschaltet, im Gegensatz zum vertikalen Betrieb nach unten, da schaltet sich der ja automatisch ab.

Seit einigen Jahren bemerke ich einen höheren Batterieverbrauch, auch die 1,5V-Akkus ändern da nicht so viel dran. Darauf hab ich mich eingestellt, dachte aber immer mal wieder an einen Servicetermin, die beweglichen Teile könnten ja mittlerweile etwas weniger Schmierung haben. Aber wenn ich das Innenleben des Zwölfers sehe (und die Schnittzeichnung des 10er von der Canon-Seite) wird diese Leistung vmtl. halb soviel wie ein neues 10x42 kosten. Da ja ein Nachfolger nicht mal bei rumours.com Level 1 gehandelt wird, muss das Glas eben halten. Optisch ist es immer noch erste Sahne, nur die Stabileistung ist eben auch nen Tacken schlechter geworden (oder ich tattriger). Den Stabi aus den 32ern, zweistufig, den hätt' ich gern mit der 10er-Optik kombiniert. Canon - macht mal hinne, bevor einer der Platzhirsche so'n Glas anbietet (das aber vmtl. dann mit höheren V, das brauch' ich auch nicht).

csm
 
Ich hatte sofort an das Innenleben digitaler Kompaktkameras gedacht.
Und dann, .... wie oft mir solche Kameras heruntergefallen sind und, bis auf einen Fall, nicht mehr als ein angeknackstes Gehäuse zurückblieb.

Es ist aber auch so, dass das Gehäuse zumindest des 12x36 IS III dünner ist als das der älteren Geräte mit 42 und 50mm Objektivdurchmesser.
Und ganz ehrlich: Schaue ich mir das Peleng 12x40 an, halte ich auch nicht wirklich ein Glas voll (Sturz)Sicherheit in den Händen.

So einen "fast Totalschaden" hätte ich auch gern mal auf dem Tisch. Denn dann geht man mit einer gewissen Gelassenheit an die Sache heran. "Viel schlimmer kann es ja nicht werden". ....

Jetzt etwas off-topic:

.....Wenn aber nur ein kleiner Fehler in einem sonst funktionsfähigen, und dann vielleicht noch historischen Gerät behoben werden soll, beginnt die Demontage bereits bei der Wahl der exakt passenden Schraubendreher. Denn bei >50 Jahre alten, schwarz lackierten Instrumenten können die Schlitzschrauben dermaßen fest sitzen, dass eine "lockere" Herangehensweise sofort mit einem Kratzer im Gehäuse oder mit einem gratigen Schraubenschlitz belohnt wird. Das war z.B. bei diesem, doch recht seltenen, Steindorff Mikrobenjäger (das kleine Schwarze in der Mitte) oder diesem älteren Meopta-Polmikroskop der Fall. Der Lackschaden war zwar gering und konnte ausgebessert werden, das miese Gefühl da etwas verbockt zu haben blieb.
P1000917.jpgIMG_6569.JPG

Die Reinigung der Optik, hier im Video nur unter dem Wasserstrahl gezeigt, ist bei wenigen Glas-/Luftflächen ja noch erträglich. Sind aber viele Gruppen im Strahlengang, addiert sich die unsaubere Reinigung und das Ergebnis ist entsprechend.
Bei sehr anfälligen Elementen, wie z.B. diesem Mikroskopobjektiv (Foto), wäre es eine mittlere Katastrophe, wenn sich auch nur eine winzige Staubfluse auf eine der Linsen legen würde. In Ermangelung eines entsprechenden Arbeitsplatzes, habe ich Tür und Fenster eine halbe Stunde vor dem Zusammenbau geschlossen und die Staubbelastung über dem Arbeitsplatz mit einem fest positionierten Laserstrahl überprüft. Erst wenn die Staubkonzentration so weit gesunken war, dass in der Zeit für den geschätzten Zusammenbau kein "Spielverderber" - und so gehässig können solche Flusen sein - seine Bahnen kreist, habe ich mit der Arbeit begonnen.
Mon04.JPG
Ich habe gestern noch ein Baader Scopos Okular 35mm/70° komplett zerlegt und die doch recht schlecht durchgeführte Schwärzung der Linsenkanten verbessert. Auch hier war der staubarme Zusammenbau recht schwierig, weil sehr große Linsenflächen (bis zu 72mm Durchmesser) beteiligt waren und die Wahrscheinlichkeit eines Staubeinschlusses doch sehr hoch war.
off-topic im off-topic: Das Scopos hat bei einem Gesamtgewicht von 1073 Gramm ein reines Glasgewicht von 702 Gramm. Darunter eine verkittete Gruppe mit 400 Gramm.

Etwas zum Thema Schmierung:
Zwischen kurzfaserig/ölig und langf./zäh, sowie für versch. Temperaturbereiche, gibt es viele Schmierstoffe, die zur Verwendung passen und an die Umgebungsbedingungen angepasst sein müssen. Das variiert also auch bei identischen Geräten die in verschiedenen Klimazonen eingesetzt werden. Behandlung der Linsenflächen, wenn bei hoher Luftfeuchtigkeit ein Linsenpils droht....
Ich habe mir eine "kleine Fett-Bar" zusammengestellt, die gewisse Schmierstoffe für die Fernoptik- und Mikroskopwartung bereithält. Auch bei Mikroskopen gibt es, neben den Fokussiertrieben, aufwändigere Linsenführungen (Zeiss Stemi 2000).
Fettbar.JPG016.JPG

War eine Justage des im Video gezeigten Canon-Glases nicht notwendig? :unsure:

Entschuldigung für diesen off-topic-Ausflug.
Frank
 
Was mir im Video als zweites auffiel: die Okularzahnradmechanik ist geschmiert und im selben Luftraum die Rückseite der Okulare. Da wird dort zwangsläufig bei warmen Temperaturen etwas sich auf die Okulare oder gar Korrekturgläser des IS Systems was niederschlagen?

Aber anscheinend wurde so etwas noch nicht als Problem von den Langzeit Nutzern berichtet.
 
Peleng 7x50 Stabiscope

Hallo zusammen,
der Umbau auf handelsübliche Akkuzellen machten es mir möglich, das Innenleben dieses Peleng Stabiscops näher zu betrachten. Gleichzeitig konnte ein vorher nicht bekannter Defekt behoben werden.

peleng stabiscope.jpg

Es handelt sich um ein monokulares, kreiselstabilisiertes Handglas, dessen Stabilisierung sich, gegenüber dem oben beschriebenen Peleng 1240-GS und auch dem Zeiss 20x60 S, stark unterscheidet. Im Gegensatz zum 1240-GS und dem 20x60 S, wird hier nicht ein Prismenrahmen gegenüber dem Fernglasgehäuse entkoppelt, sondern nur ein dem Objektiv vorgelagerter Planspiegel.

Vorweg ... und ohne Bezug auf andere Diskussionen, denn der Anwendungsfall entscheidet über die Wahl des Fernglases:
Obwohl nur 7-fach, Monokular und obwohl sich eine Schwungscheibe mit hoher Drehzahl im Gerät bewegt, ist die Detailauflösung bei Tageslicht höher als in einem handgehaltenen 7x50 Fernglas. Warum? Auch wenn der eigene Tremor gering und das Fernglas "besonders" gehalten wird, gibt es eine Grenze in der Auflösung. Diese nimmt man ohne darüber nachzudenken hin und erfreut sich über die kleinen sichtbaren Details. Diese Grenze wird noch einmal unterschritten, wenn in einem stabilisierten Glas keine Vibrationen durch bewegliche Teile innerhalb des Glases, oder von außen auf das Glas einwirken. Und hier kann sich dann der Beobachtungsfokus auf die feineren Details verlagern. Wie bei dem hier vorgestellten Peleng, dessen Verwendung eigentlich für die Beobachtung aus einem bewegten Fahrzeug heraus vorgesehen ist und sich nicht für Wanderungen in der Natur eignet.


Der optische Strahlengang:

IMG_8695_1.JPG
Durch eine Schutzscheibe im Gehäuse, fällt das Licht auf einen beweglichen Planspiegel ( 1 ), geht durch das 50mm-Objktiv ( 2 ), wird durch einen zweiten Planspiegel ( 3 ) zu den Umkehrprismen ( 4+5 ) geleitet und tritt an Punkt ( 6 ) in das Okular.

Die Stabilisierung:
Über den Schalter ( 1 ) bringt ein Gleichstrommotor ( 2 ) die Schwungmasse ( 3 ) auf ca. 10.000 U/min (geringer als beim 1240-GS). Über die Taste ( 4 )

IMG_8703_1.JPG


wird die Stange ( 5 ) nach oben gedrückt und mit ihr der Zylinder ( 6 ) nach oben geschoben. Dieser gibt die beweglichen Einheiten der Stabilisierung frei.
Diese bestehen aus den gelb und grün umrandeten Baugruppen sowie dem primären Spiegel inkl. Führungsstange ( blau ).

Gelb steht immer rechtwinklig zur Drehachse der Schwungmasse (rote Linie) und pendelt um einen Mittelpunkt. Dieser befindet sich im Zentrum, auf Höhe des grünen Punktes.
Grün erhält seinen Neigepunkt durch zwei Kugellager, deren Drehpunkte sich ebenfalls in der Achse des grünen Punktes befinden.
(Ein Lager ist noch so eben hinter der Schwungmasse, oberhalb des grünen Punktes, sichtbar)

Daraus ergeben sich zwei grundlegende Bewegungen:
B1: Schwenkt Gelb -in dem Foto- nach rechts oder links, verbleibt Grün am seinem Ort. Es ändert sich lediglich der Achsenwinkel zwischen Gelb und Grün.
B2: Schwenkt Gelb -in dem Foto- nach vorne oder hinten, bewegt sich Grün mit und kippt um den gemeinsamen Mittelpunkt.

Beide Bewegungen, oder deren Kombination, nehmen Einfluss auf die Spiegelposition, die allein für das stabilisierte Bild verantwortlich ist.

Bei B1: Über die Führungsstange ( 8 ) wird der Spiegel geneigt. Eines der beiden Kugellager ist mit einem blauen Punkt gekennzeichnet.
(Der Neigungswinkel des Spiegels entspricht nicht dem Bewegungswinkel des Beobachters. Das liegt daran, dass der Spiegel zum Beobachtungsobjekt und zusätzlich noch zur Objektivebene ausgerichtet werden muss. Denn würde der Spiegel der Stabilisierungsbewegung 1:1 folgen, träfe zwar der einfallende, objektseitige Lichtstrahl immer in einem 45°-Winkel auf den Spiegel, der Winkel zur Objektivebene wäre aber immer verschieden. Und somit würde das Bild ebenfalls "wandern".

Bei 2: Einfacher ist es bei der Kippbewegung. Denn hier folgt der Spiegel 1:1 der vertikalen Bewegung des Beobachters, der Winkel zur Objektivebene ist immer gleich.

Ein Gegengewicht ( 9 ) dient als Balancegewicht.

Fotos aus unterschiedlichen Positionen:
IMG_8697.JPGIMG_8698.JPGIMG_8699.JPG

Der Defekt:

IMG_8705_1.JPG

Die Führungsstange ist auf beiden Seiten über eine Klemmfeder mit den Achsen verbunden. Es handelt sich um solide Stahlfedern, die in eine Achsennut eingreifen. Der Arm einer Feder saß nicht in der Nut, sondern schabte auf dem Arm des Spiegelträgers. Man sieht noch die Kratzspuren auf dem Träger.
Dadurch war natürlich keine einwandfreie Stabilisierung mehr möglich.
Da das Peleng noch versiegelt war und keinen Sturzschaden zeigte, die Feder meiner Meinung nach auch bei einem heftigen Schlag nicht abrutschen kann, gehe ich davon aus, dass der Fehler schon seit der Montage (1992) vorlag.


später mehr

VG
Frank
 
Zuletzt bearbeitet:
....

IMG_8706.JPG
Mit Okular


IMG_8707_1.JPGIMG_8708.JPG
und den zwei Gehäusehälften. Die beiden Hälften greifen ineinander und sind, wie alle Bedienelemente, durch Gummi abgedichtet. Ganz links die nach außen geführte Stabitaste und mittig oben der Ein/Aus-Schalter. Darunter eine Testtaste, die bei ausreichender Betriebsspannung eine LED auf der linken Seite - wo man ein weiteres Okular vermuten würde - aufleuchten lässt.
Das Foto daneben zeigt den Grundkörper in der hinteren Gehäusehälfte.

Der Umbau:

IMG_8710.JPGIMG_8711.JPG

Als Spannungsversorgung dienen vier riesige Knopfzellen-Akkus (D=33 mm), die in der vorderen G.hälfte untergebracht sind. Die Geräte-Betriebsspannung liegt bei 4,6 bis 5,45 VDC.
Leider war das Batteriefach für Mignon-Akkus nicht tief genug.

IMG_8712.JPGIMG_8715.JPGIMG_8716.JPG
Hier habe ich den Boden des Batteriefachs aufgeschnitten und von unten ein Blech für die Einschubbegrenzung des Akkupacks angebracht. Damit waren die Platzprobleme beseitigt und der Betrieb mit vier AA-Akkus möglich.

.....
 
Zuletzt bearbeitet:
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IMG_8719.JPG
Die Trockenpatrone neu befüllt und alles wieder zusammengebaut.

IMG_8734.JPGIMG_8736.JPGIMG_8738.JPGIMG_8739.JPGIMG_8740.JPGIMG_8741.JPG
Das ursprünglich vorhandene Stoffpolster an der Augenmuschel habe ich entfernt. Diese dienten wohl als Gesichtsschutz bei extremen Schlägen. Die Gummimuscheln sind aber so weich wie Silikon und erfüllen ihren Zweck bei der normalen Verwendung.
Wie bei der Objektiv-Schutzkappe des Zeiss 30x60 BGAT Spiegelspektivs, überrascht mich auch an diesem Glas die Funktionstüchtigkeit des Gummigelenks. Geschmeidig und ohne Risse.

Viele Grüße
Frank

peleng_stabiscope_man02.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
Gerne Dominique!
Ich hatte bei Zeiss mal nachgefragt, ob sie evtl. einen defekten Monoblock für mich hätten. "Die werden alle wieder aufgearbeitet" kam als Antwort.

Viele Grüße
Frank
 
Noch eine Besonderheit zu dem Stabilisator des Peleng Stabiscops:
Vereinfacht beschrieben, erfolgt der Endanschlag bei Fernglasschwenks und Neigungen im "Normalbetrieb" durch eine mehr oder weniger kurze Berührung der Drehachse mit dem Gehäuse. Das führt während der Beobachtung zum kurzfristigen Bildstop, der sich dann wieder in eine stabilisiertes Bild verwandelt, wenn der Beobachter das Objekt in die Nähe der Gesichtsfeldmitte bringt.
Sehr Starke Auf-/Ab-Bewegungen, wie sie z.B während einer schnellen Autofahrt über eine Wellenpiste vorkommen, würden das Beobachtungsobjekt ständig auf-, und ab-"schlagen" lassen. Es geriete sogar aus dem Gesichtsfeld.
Um diese Schläge zu kompensieren und das Bild dafür in eine stark schwimmende Bewegung zu verwandeln, wurde eine Wippe (roter Kasten) angebracht, die am beweglichen Teil des Stabilisators, ihrerseits auf einer Achse hin- und herschwenken kann.

Wir das Fernglas also durch starke Ruckelbewegungen beansprucht, geraten die Ausgleichsgewichte der Wippe immer näher an die beiden Haltearme des Spiegels und drücken diese, vor erreichen der "normalen" Endanschläge, in die andere Richtung. Der Stabilisierungswinkel wird dadurch zwar verringert, das Objekt verbleibt aber im Gesichtsfeld. Denn dadurch, dass die Schwungmasse ja noch aktiv ist, erfolgen diese Bewegungsänderungen nicht sprunghaft sondern schwimmend.

IMG_8695_2.JPG

Dies ist auch mein letzter Beitrag in dieser Reihe. Der Zeitaufwand ist für eine doch recht geringe Interessengemeinschaft zu hoch und ich bleibe dann lieber bei kürzeren Beiträgen zu astronomischen Themen.

Viele Grüße und einen klaren Himmel
Frank
 
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