Hallo Holger,
wenn auch etwas spät, so möchte ich Dir doch auf Deine Frage gern antworten. Erstaunt bin ich schon über die Antworten. Ich habe sie konkreter erwartet.
Nun zu meinen Wünschen.
Was sollte heute ein Spitzenfernglas haben:
1. Eine sehr gute Ranschärfe! Bei den meisten Ferngläsern ist diese immer noch schwach und trübt somit das Seherlebnis.
Es gibt aber folgende Ausnahmen: Fujinon - nahzu perfekt, Zeiss Victory 10x32 und 8x32 - sehr gut, Swarovski EL-Modelle - gut. Bei dem Zeiss 10x32 hat der Einsatz 7-linsiger Okulare viel gebracht.
2. Eine sehr gute Farbkorrektur. Hier ist Zeiss absolut führend.
3. Eine hohe Transmission. Auch hier ist Zeiss klar vorn.
4. Ein hoher Kontrast. Hier liegen alle drei Premiummarken auf hohem Niveau.
5. Ein geringes Gewicht. Das Leica 10x50 z.B. mit gut 1000g setzt hier Maßstäbe.
6. Ein möglichst großes Gesichtsfeld. 115 bis 120m wären bei 10facher schon sehr gut.
Und nun ganz konkret:
Ideal wäre - für viele Naturfreunde die ein leistungsfähiges Universalglas suchen - ein 10x50 mit dem Gewicht und dem Gesichtsfeld des 10x50 Ultravid, der Tranmission der Zeiss-Victorys und der Randschärfe der Fujinons bzw. des Zeiss 10x32.
Hallo Joachim,
ich fürchte bei so vielen konträren Zielen (z.B. geringes Gewicht, Randschärfe) müssen auch die Chinesen passen. Wenn es eine Fernglaswunschfee gäbe, würde ich dir aber sicher recht geben. Einige Anmerkungen:
1. Aus der Anzahl von Okularlinsen lässt sich kein Rückschluss auf die Abbildungsqualität ziehen. 7 Linsen sind bei 10x32 Ferngläsern auch nichts Besonderes. Wir können die Konstruktion, den Aufbau einer Optik als solcher auch nicht beurteilen, sondern nur das, was sie leistet oder, um einen früheren Bundeskanzler zu zitieren: Entscheidend ist, was hinten (am Okular) rauskommt. 10x32er sind bezüglich der Randschärfe fast immer besser als deren 8x Pendant. Das Zeiss 8x32 FL finde ich diesbezüglich zwar ganz ok und besser als das 8x42. Doch ist es andererseits auch nicht soo berauschend, zumal seine Randunschärfe nicht nur auf das Konto der Bildfeldwölbung geht, sondern auch Astigmatismus aufweist. Das bedeutet, dass die Unschärfe auch bei individuell ausgezeichnetem Akkomodationsvermögen und auch durch Refokussieren nicht ausgeglichen werden kann. 8x32 Nikon SE, HG-L sind in dieser Beziehung z.B. besser und auch Swarovski EL zeigt mehr scharfes Feld. Die Größe bzw. der Durchmesser dieses scharfen Feldes ist übrigens das, was den Aufwand der Konstruktion ausmacht und nicht die Schärfe am Rand, wenn wir einmal genau sein wollen. Die Randschärfe lässt sich z.B. auch durch Abblenden verbessern. Die Randunschärfe des 10x50 Leica empfinde ich andererseits als wenig störend und ausgeprägt. Aber das liegt vielleicht daran, dass es sich da um eine "reine" Bildfeldwölbung handelt. Man muss schon kräftig mit den Augen rollen und absichtlich den Rand anstarren, um sie wahrzunehmen. Ich vermute, das liegt an dem sehr großen scheinbaren Feld. Das Alter einer Optikrechnung sagt natürlich auch erst einmal nichts aus über die Qualität des betreffenden Fernglases.
2. Einverstanden. Nikon HG-L ist allerdings fast genauso gut. Das geht also auch ohne ED-Gläser.
3. Korrekt, doch ab einem bestimmten Transmissionsniveau (ca. 85 %) kommt es entgegen aller optischen Schulbuchweisheiten und Werbetexten der Hersteller mehr auf
4. Kontrast an. Der steigt offensichtlich nicht automatisch mit der Transmission an. Dafür gibt es unter Qualitätsoptiken zahlreiche Beispiele. Kontrast ist das, was zählt, ganz besonders auch bei Astrogebrauch. Wer es nicht glauben will: testen und vergleichen.
Ich dachte, Fujinon FMT hätte auch eine Transmission von über 90 %. Bequemer Einblick, Brillenträgereignung, Griffergonomie und gute Streulichtunterdrückung sollten wir, wenn schon, auch nicht vergessen. Aber ehrlich gesagt, ich denke, diese Wünsche sind bei den europäischen und japanischen Qualitätsherstellern besser aufgehoben, als bei no name Firmen unbekannter Herkunft. Ich lasse mich natürlich sehr gerne vom Gegenteil überzeugen...
Steve