Hallo Ulrich,
Euphorisch und technikverliebt, Einzelteile auch auf Empfehlung hier aus dem Forum, habe ich mir vor ca. 5-7 Jahren diese Ausrüstung zusammengekauft.... und steinigt mich, bis heute noch nie richtig im Einsatz gehabt.
ja, weil Du mutterseelenalleine und nur im Urlaub mit rießengroßer Erwartungshaltung aber ohne Plan rumprobierst. Deinen Frust, weil dann nix klappt, kann ich nachempfinden.
Vergiß für den Anfang bitte mal, daß Du fotografieren möchtest. Lern erstmal die Technik zu beherrschen. Und die grobe Orientierung am Himmel. Also ein paar Sternbilder.
Goto ist ne feine Sachen, wenn man sich soweit am Himmel auskennt, daß man weiß, welcher Lichtpunkt da oben der vorgeschlagene Alignmentstern ist.
Noch wird es abends so früh dunkel, daß Du auch unter der Woche das Teleskop aufbauen kannst. Oder arbeitest Du permanent Nachtschicht?
Also, ich schlage vor, daß Du am Anfang kleine Brötchen bäckst. Zu Hause oder auf einer Wiese vor der Stadt Montierung in der beginnenden Dämmerung aufbauen, einnorden, das Alignment machen. In aller Ruhe. Als Vorbereitung dazu zuerst mal Deine Koordinaten (brauchst fürs Lignment) raussuchen und aufschreiben. Und dann fahr als erstes Venus an. Die steht im Westen. Ist sooooo hell, daß man die am Dämmerungshimmel sieht.
Im Teleskop ist sie derzeit als "Halbmond" zu sehen. Halt klein (weil weit weg) und ohne die Krater, die unser Mond bietet.
Dann fährst Jupiter an, der steht weiter "links" und deutlich höher. In der Nähe von Jupiter hat es ein paar weitere Objekte. Für die muß es aber schon richtig dunkel sein. "Rechts" von Jupiter steht die Krippe (M44), unterhalb von Jupiter M67. Das sind 2 Sternhaufen. Noch weiter rechts ist noch der Eskimonebel (NGC 2392) in den Zwillingen, der ist auch ein nettes Ziel.
Wenn Du richtig eingenordet hast, sollte das Goto diese 5 Objekte finden. Probier dann jeweils alle Okulare aus. Laß Dir Zeit beim Gucken. 5 Minuten mindestens pro Objekt/Okular, damit Dein Auge die feinen Einzelheiten erkennen kann. Und dann pack wieder ein und fahr heim.
Oder such in Deiner Stadt nach Sternfreunden, die zusammen mit Dir rausfahren. In Hannover und Umgebung gibt es definitiv Amateurastronomen.
Das machst mehrmals, bis der Umgang mit der Montierung klappt und Du ein bissy Beobachtungserfahrung hast. Dann kannst im Löwen (links vom Jupiter) die helleren Galaxien (M 95, M96, M65, M 66) versuchen. Für Galaxien darf kein Mond am Himmel stehen, durch dessen Licht saufen die sofort in der Hintergrundhelligkeit ab.
Du mußt Dir die Übung im Umgang mit der Montierung erarbeiten, da beist die Maus keinen Faden ab. Üben, üben, üben. Net auf den Urlaub in 2 Monaten warten. Jetzt üben. Ist wie Schlittschuhfahren. Erst eiert man fürchterlich auf den Kufen übers Eis und fällt dauernd hin, irgendwann machts "Klick" im Kopf und man bleibt auf den Kufen.
Der nächste Schritt, der sicherlich wieder viel zu schnell nach dem Ersten erfolgt, sollte die Astrofotografie sein. Also eine parallaktische Montierung ( hier im Forum gebraucht gekauft) musste her, die Advanced GT Montierung und als Tribut an die Technikliebe der Guider.
ja, das war definitiv zu schnell. Du kannst noch nicht auf den Schlittschuhen stehen, willst aber mit aller Gewalt nen doppelten Rittburger springen. :mauer:
Rein theoretisch habe ich das wohl verstanden. Rektaszensionsachse parallel zur Rotationsachse der Erde...Ausbalancieren beider Achsen.... Und dann kommt's das Alignment:
Set to Index, gemeint sind die Markierungen an den RA und DE Achsen. Wenn ich das, wie ich meine Alles richtig montiert habe, taucht das Problem auf.
Alles schick, wenn das Teleskop Richtung Norden schaut... Aber wenn ich es nach Süden ausrichte behindern sich Motor- und Elektronikeinheit der GT Steuerung so, dass ein freies Drehen nicht möglich ist. Der Tubus ist dabei westlich.( nennt man das so?)
Also einfach Tubus nach Osten gedreht, prima jetzt dreht sich alles frei, aber das Sucherfernrohr befindet sich jetzt unterhalb des Tubus und der Zenitspiegel könnte nur schräg eingebaut werden, oder man müsste das Fokussierrad absägen.
Dann sitzt das Telesko genau verkehrt rum auf der Montierung. Säße es richtig drauf, würde die Montierung von alleine Umschlagen (in Deklination um 180 Grad drehen und dann auch in Rektaszension drehen).
Jedesmal, wenn das Teleskop auf der Montierung über den Meridian (Süden, Norden) läuft, muß "umgeschlagen" werden. Dann ist das Sucherfernrohr wieder oben.
Beim Beobachten Richtung Südwesten, Westen, Nordwesten sitzt das Teleskop im Osten und die Gegengewichtsstange im Westen. So kann es unbehindert stundenlang von Süden bis Norden nachgeführt werden.
Willst dagegen nach Nordosten, Osten oder Südosten gucken, sitzt das Teleskop westlich der Montierung und die Gegengewichtsstange befindet sich östlich davon. Dann kann die Montierung auch problemlos nachführen, ohne daß das Teleskop gegen die Beine vom Stativ läuft. Und wenn das Wunschobjekt "Kulminiert", also im Süden über den Meridian läuft, wird umgeschlagen.
Daher macht sich ein erfahrener Amateurastronom vor der Beobachtung im Kopf ne Liste, wo seine Beobachtungsobjekte in dieser Nacht stehen und fährt die dann in Ruhe der Reihe nach ab. Net Kreuz und Quehr über den Himmel schwenken, weil man dann dauernd umschlagen muß...
Ich habe jetzt nach langer Pause den 2. Anlauf gewagt und bin schon wieder am Verzweifeln. - ich stelle mir das Hobby wirklich interessant vor und will das einfach erleben.
Wenn Du das alleine net raffst, geh zu ner Sternwarte in der Nähe und schau den Mitarbeitern beim Einstellen der Objekte über die Schulter. Dann siehst, wie die das machen. Oder geh mit Sternfreunden aus Deiner Region raus zum Beobachten. Am ersten Abend ohne eigenes Gerät! Schau blos bei denen durch. Damit Du erlebst, was im Okular wie ausschaut. Und schau ihnen auf die Finger, wie sie ihre Gerätschaften bedienen. Am 2. Abend bringst dann Dein Geraffel mit und bittest um Hilfe beim Einnorden und Umschlagen. Und am dritten Abend versuchst es dann alleine...
Anbieten würden sich die Sommerferien Niedersachsen vom 24.7. bis Ende August. Die Ausrüstung ist derzeit an der Ostsee in Dahme (Ostholstein) Lübecker Bucht.
diese Vorstellung ist völliger Quatsch. Juli/August wird es abends an der Küste net dunkel. Und wer in den Sommerferien mit der Familie an der Lübecker Bucht ist, kriegt übel Schelte von der Family, wenn er bis weit über Mitternacht weg ist und dann tagsüber schlafen muß. :mauer:
Hol Deinen Krempel nach Hause. Und übe da. Jetzt, solange es noch dunkle Abende/Nächte hat.
Und in 1 oder 2 Jahren, wenn Du den Umgang im Schlaf beherrschst, dann kannst mal ans Fotografieren denken. Denn das ist im Vergleich zur Bedienung vom Teleskop und seiner Steuerung wirklich komplex. Kamera ranflanschen und nach 2 Minuten purzelt ein geiles Bild aus der Kamera is nicht. Schon garnicht mit nem C8. Das ist für nen blutigen Anfänger in Sachen Astrofotografie so, als ob ein Mensch ohne jemals Auto gefahren zu sein sich nen Formel 1 Rennwagen kauft und glaubt, blos weil er die Kohle dafür hat, gewinnt er gleich beim ersten Rennen.
Für den Einstieg in die Astrofotografie wären ne DSLR auf ner Prismenschine mit nem Teleobjektiv (so 200 bis 300 mm Brennweite) viel eher was.
Schau mal, diese
Bilder hab ich mit 300 mm Brennweite gemacht. Oder auch
dieses.
Schau auch auf die Belichtungszeiten, dann bekommst ein Gefühl dafür, wie lange man belichten muß. Mehrere Stunden für 1 fertiges Bild. Verteilt auf 10, 20 oder noch mehr Einzelbelichtungen in mehreren Nächten. Die müssen dann im Rechner weiter bearbeitet werden. Das ist ne aufwändige Sache. Sowol beim Erlernen der Bedienung der einzelnen Programme, als auch die eigentliche Bearbeitung. Die dauert ebenfalls Stunden.
Ich hab den Eindruck, daß Du recht blauäugig an die Sache rangegangen bist. Ohne jemals durch ein Teleskop geschaut zu haben eines zu Kaufen führt eigentlich immer zu Frust. Denn die bunten Bilder auf der Verpackung haben nix mit der Beobachtungsrealität am Teleskop zu tun. Und Bilder im Internet von Fotografen sind auch was anderes...