Der komplette selbstbau eines Frauenhofers (hoffentlich)

Julian F T

Neues Mitglied
Hallo werte Astrofreunde!

Ich hab vor mein eigenes Refraktor-Teleskop zu bauen (mit selbstgeschliffenen Linsen)! Anders als bei Reflektoren finde ich, dazu leider nicht so viel :/ Was wahrscheinlich an der erhöhten schwierigkeitsstufe des unterfangen liegt :/
Nichtsdestotrotz will ich das in kauf nehmen und hab allerdings auch sehr viele Fragen!
Was ich aber im vorhinein schon weiß:
Ich bräuchte Kronglas und Flintglas.
Die Linsen müssten zumindest sphärisch geschliffen sein.
Zwischen den gläsern kommt ein kleiner Luftraum.
Ich will damit Planeten und den Mond beobachten. (alles andere kann ich aber auch probieren)
Ich werde wahrscheinlich viel scheitern aber auch herumexperimentieren (muss ich aber wahrscheinlich auch in form von mini-Fernrohren um zu gucken was geht/ nicht geht).
Ich muss die Linsen am ende auch halbwegs Kollimieren.
Es wird eine Alt-Az Montierung.
Es soll am ende mind. 100mm Öffnung und mehr als f/10.

Nun zu meinen Fragen
1. Könnt ihr ein gutes Buch bzw. eine gute anleitung mit allerlei Tipps und tricks empfehlen?
2. Woher kriege ich Kron-und Flintgläser zu einem günstigen Preis?
3. Wie kann ich herausfinden welche genauen Glassorten ich brauch ? (oder brauche ich keine präzisen glassorten wenn ich das ohne professionelle Maschinerie mach?)
4. Bräuchte es einen Mykrometer genauen Luftzwischenraum oder reicht es, wenn ich im Milimeter bereich experimentiere? (Oder sollte ich den Luftraum komplett lassen?)
5. Besteht für mich oder für meine Umwelt eine Gefahr in Form von Schadstoffen (denn z.B. sollen manche Glassorten bleihaltig sein)
6. Könnte man Linsen auch in anderen Formen wie einer hyperbolischen schleifen für ein schärferes Bild?

Wie dem auch sei. Ich hoffe auf ein paar Tipps und Tricks oder vorschläge von euch. Mein Ziel wäre das ich am Ende die Gasgürtel vom Jupiter erkenne. Und vielleicht baue ich noch Okulare oder weitere Teleskope.

Ich wünsche allen klare Nächte!

Julian
 
Hallo Julian,

da ist aber jemand sehr mutig.

Das neueste, was ich kenne, wo die Anfertigung von Linsen mit behandelt wird, sind die
3 Bände "amateur telescope making" und die sind so alt wie ich.

Betr. optische Gläser gibt es nicht viele Glashütten am Markt und die beliefern kommerzielle Hersteller. Da wirst du als Kleinkunde mit 2 Scheiben kein Interesse finden. Kron- und Flintglas hört sich einfach an. So ein Fraunhofer Objektiv muss für die verwendeten Glassorten berechnet werden. Nicht umsonst hat Joseph Fraunhofer bei den vorhandenen Gläsern erst Brechungsindex und Farbdispersion bestimmt, bevor er ans Schleifen ging. Das war ein entscheidender Faktor für die Qualität seiner Optiken; bis dahin machte man das Pi x Daumen. Dann müssen die 4 Krümmungsradien ausgerechnet werden. Dafür gibt es heute Rechenprogramme. Der Breite des Luftspaltes beim Fraunhofer Objektiv ist übrigens auch eine der zu berechnenden Größen.

Zum Schleifen und Polieren ist zu sagen, dass Linsenoberflächen für gleiche Leistung weniger genau sein müssen als Spiegel (Faktor 4). Da hören die guten Nachrichten aber schon auf. Entsprechend den Berechnungen müssen die Radien der Oberflächen genau eingehalten werden. Für einen Newton Spiegel ist es egal, ob der 1000mm oder 1050mm Brennweite hat, wenn die Qualität stimmt, bei Linsensystemen sieht das anders aus.
Linsen müssen zentriert werden, d.h. rundum gleich dick sein. Das ist nicht trivial. Wenn das nicht stimmt, hilft auch justieren nichts!. All das erfordert die passenden Messinstrumente. Die gibt es nicht an jeder Ecke zu kaufen, vom Preis will ich gar nicht reden.

Der Schliff nicht sphärischer Linsen ist noch ein ganz anderes Kapitel und kommt deshalb auch in der Industrie nur selten zur Anwendung.

Mein Tipp: Bestell dir zum Einstieg mal den Bausatz für ein Fernrohr bei Astro Media. Wenn du das gebaut hast, kannst du dich ja mal nach einer vorhandenen Optik umschauen und ihr einen würdigen Tubus verpassen. Da kannst du viel lernen und die Dimension deines ursprünglichen Unterfangens realistisch einschätzen.

Beste Grüße Gerhard
 
Hallo,

Wolfgang Busch aus Ahrensburg hatte mal ein Objektiv für den Selbstbauer gerechnet und es wurde in 2 Größen (5 Zoll und 6 Zoll) als Rohbausatz angeboten, das HAB Objektiv. Er entschied sich damals für eine Ölfügung. Er selbst bestätigte mir mal, dass es die Herstellung deutlich vereinfacht. Der Bausatz bestand aus den Glasrohlingen, einer Fassung und dem Öl. Angeblich sollen später die ersten ölgefügten Objektive, die Roland Christen von Astro Physics Anfang der 1980er hergestellt hat auf Basis des HAB entstanden sein, so erzählte es mir Wolfgang Busch.

Hier findet man Infos dazu: Wolfgang Busch - HAB

Grundsätzlich meinte er mal zu mir, dass jemand dafür entsprechende Erfahrung, z. B. durch Spiegelschleifen haben sollte, um das Objektiv herstellen zu können. Weil mir diese Erfahrung fehlt, habe ich damals da von Abstand genommen. Heute sind meines Wissens keine Rohbausätze nicht mehr erhältlich.

Gruß
Jan
 
Hallo Jan,

Grundsätzlich meinte er mal zu mir, dass jemand dafür entsprechende Erfahrung, z. B. durch Spiegelschleifen haben sollte, um das Objektiv herstellen zu können. Weil mir diese Erfahrung fehlt, habe ich damals da von Abstand genommen. Heute sind meines Wissens keine Rohbausätze nicht mehr erhältlich.
Das sehe ich auch so. Wenn jemand einen schönen 6-8 Zoll Newtonspiegel hinbekommen hat, dann sind wenigstens die Basis und die wichtigsten Methoden vorhanden. Andernfalls ist die Gefahr des Scheiterns wohl schon einigermaßen groß.

Aber wie sagt man gerne? Mut zum Risiko ist aller Ehren wert…

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Jan,

in aller Kürze ....

Die Infos von Roger Ceragioli zum Refraktor-Selbstbau waren eine gute online-Quelle.
Die site ist aber nicht mehr erreichbar - evtl. noch über web-archive:


Ein paar dürftige Infos von Newport gibt's hier:


Die hatten auch einmal (zumindest kurzzeitig) Glasmaterial für FHs angeboten.

In früheren Zeiten konnte man Schott-Glasrohmaterialien beim Optik-Kontor Dipl-Ing. Färber GmbH & Co KG bekommen.
Die gibt's sogar immer noch (seit 1984 !):


Der aktuelle Bestand an (Roh- ! )Glasmaterial (ca. 7,5t an 103 Sorten) ist hier einzusehen:


BK-7 und F2 für einen Standard-FH wären da, allerdings befürchte ich, dass die Preise für das hier erhältliche Rohmaterial die Kosten für einen fertigen China-FH-Refraktor wahrscheinlich übersteigen werden ...

Ciao Werner
 
Hallo Julian, es gibt ein Buch zum Thema:
CS Mike
Also ich überlege mir nochmal ob ich mir das wirklich hole. Denn 1. Kostet es ca.80€ und 2. Ist es auf English. Trotzdem Danki
 
Hallo Julian
Ja kann man machen, wenn man Spaß am ATM hat oder die Herausforderung sucht.
Meiner Meinung nach steht jedoch der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen.
Gebrauchte Achromate bekommt man im Gebrauchtmarkt quasi für einen Apfel und ein Ei.
Wenn du auch noch das ganze Equipment für die Herstellung anschaffen musst rechnet sich das hinten und vorne nicht.
Die Linsen zu vergüten wird dich vermutlich mehr kosten als ein neues Objektiv und wenn du das nicht machst, hast du später einen Streulichthof um den Planeten.

Bei der Planetenbeobachtung geht es um Kontrast, Auflösung und Farbreinheit, um letzteres halbwegs mit einem Achromaten hinzubekommen braucht es lange Brennweiten mit f/15-20.
Das geht noch ganz gut bei 80mm Öffnung, bei 100-130mm wird es dann wegen dem Hebel schon anspruchsvoll für die Montierung.
Ab 150mm ist das Rohr schon nicht mehr wirklich transportabel und die Montierung muss über Kopfhöhe montiert werden, um später nicht auf dem Boden liegen zu müssen bei der Beobachtung.
Hinzu kommt das jeder ED/SD vermutlich ein besseres Bild haben wird als jeder noch so perfekte Achromat.
LG
 
Da gibt es ein Buch, welches deine Fragen komplett beantworet: "Telescope Optics" von Rutten & van Venrooij.
Am Ende sind sogar geeignete Gläser aufgeführt. Insbesondere sollte dir dieses Buch die Aufgabe verdeutlichen.
Auch kann man die Optik-Programme "Oslo" oder "Zemax" hierfür nutzen.
 
Die Frage die mir sich stellt ist, hast Du Erfahrung im Spiegelschleifen oder ist es einfach nur die pure Neugier die Dich treibt?
Ich hatte bei meinem ersten Newton 10“ bei der Parabolisierung schon gut zu tun das er so wird wie ich es wollte.
Du musst aber 4 Flächen zueinanderbringen, ich könnte mir gut vorstellen das es als Erstprojekt etwas heftig wird.
Die Linsen müssen ja auch in einem Tubus und aufeinander eingestellt werden, der Werkzeugpark sollten dann schon etwas umfangreicher sein.

Nicht missverstehen, ich finde so was super, aber eventuell ist der Umfang doch etwas hoch?

Wäre nicht schlecht wenn man wüsste inwiefern Du da „vorbelastet“ bist.
 
Und da wäre noch die wirtschaftliche Seite. Selbst, wenn du deine Arbeitszeit nicht rechnest, wird das Projekt ein vielfaches von einem fertigen Teleskop kosten.
Du wirst nicht sparen.
Die Aufgabe die vor dir seht gliedert sich in folgende Teilaufgaben:
- Entwurf des Objektivs
- Beschaffung der Glasrohlinge
- Berechnung des Objektives unter Berücksichtigung des Brechungsindex der Rohlinge
- Herstellung der Linsen bei ständiger Prüfung der Form im Sub-Mikrometerbereich
- Anfertigung einer Objektivfassung mit Einstellelementen für die Linsen
- Testmöglichkeiten für das fertige Objektiv
- Herstellung des Teleskop-Tubus mit Blende und Auszug (Innenblenden berechnen und einbauen)
- Farbgebung
- Montierung bauen
- Okulare? ... das ist nur die grobe Auflistung
- Jetzt kannst du durchschauen und wirst einen Vergleich mit fertigen Teleskopen ziehen
der kann dann positiv oder negativ ausfallen und du kannst Bilanz ziehen!

Vielleicht wäre eine mögliche Lösung ein fertiges Objektiv zu verwenden und den Rest darum zu bauen. Da hättest du wenigstens keinen Ärger mit dem "Hauptelement" des Projektes. Händler bieten solche als Einzelstücke an.
Allerdings erschließt sich mir deine Motivation nicht. Mit Verlaub, ich möchte dich nicht demotivieren, aber es macht keinen Sinn.
 
Ich finde das toll!
Wenn man Spaß und Zeit hat und eine Herausforderung sucht, ist das doch super. Da rechnet man nicht wie ein Buchhalter, sondern wagt sich in das Abenteuer, egal was es kostet.

Für die Ökonomen und Buchhalter: Ist ja nicht ausgeschlossen, dass er irgendwann einemal ein Business daraus machen kann. So haben ja viele erfolgreiche Firmen angefangen, mit einer Bastelei ohne gleich ans Geld zu denken. Oder man macht daraus "nur" ein Hobby, das einem Glück und Freude schenkt - beides unbezahlbar, finde ich.

Viel Erfolg und viel Ausdauer, dann werden wir bald die ersten Fotos mit einem selbstgebauten Fraunhofer neidisch erblicken dürfen.
Übrigens gibts hier auch jemand, der eigene Singlett-Objektiven a la 18. Jht selbst schleift und damit beobachtet - extrem cool dieses Projekt, finde ich.:

Claus
 
Hallo zusammen,

Nochmals: Es ist doch nichts gegen die Motivation etwas schönes in der Refraktorwelt zu bewegen zu sagen. Aber ein gewisser Pragmatismus und die bewusste Beurteilungsfähigkeit eigener Möglichkeiten kann man dennoch nicht wegleugnen.

Meine feste Überzeugung besteht nicht darin, dass ein solches „Refraktorprojekt inkl. Herstellung der Linse“ zwangsläufig zum Scheitern verurteilt wäre, sondern darin, dass man erst einmal eine gewisse Expertise aufbauen und Erfahrung in der Methodik bei vergleichsweise einfacheren Spiegelschleif-Projekten sammeln sollte, bevor man sich an das um Größenordnungen anspruchsvollere Vorhaben stürzt.;)

Ein Scheitern tendiert m.E. ansonsten mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit jenseits der 95%.

P.S.: Jemand, der noch nie das Matterhorn o.ä. bestiegen hat, wird auch bei bester Planung kaum in der Lage sein, den K2 (evtl. noch ohne Sauerstoff) zu bezwingen, korrekt?

Viele Grüße
Werner
 
Zuletzt bearbeitet:
Werner, Nicht einverstanden!
Linsen zu schleifen ist wirklich nicht mit einer Besteigung des K2 vergleichbar.

Linsen schleifen tun hier sicher Duzende von Hobbyastronomen ohne eine Optiker-Ausbildung abgeschlossen zu haben.
Welcher Freizeit-Bergsteiger wagt sich jedoch an den K2?

Es gibt jedoch tatsächlich Projekte, die von Vorneherein zum Scheitern verurteilt sind, so z.B. Musks Traum von der Reise zum Mars und zurück. Das werden wir 100%ih nicht erleben.

Aber Linsenschleifen konnte man schon vor dem 17. Jhdt und ist sicher nicht sehr viel schwieriger, als Spiegel zu schleifen.
Warum sollte man da mit etwas Ausdauer und Geschick keine guten Resultate erziehlen können?

Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen machen hier übrigens keinen Sinn, da die Stichprobe zu klein ist.
Claus
 
Wie weiter oben schon erwähnt, wenn ich einen Spiegel schleife, dann parabolisiere ich einmal.
Eine Linse muss ich auf beiden Seiten parabolisieren und ich brauche 2 davon…

Ich hab mich bereits durch einen 10“ f4 Spiegel gekämpft, durch wirklich langsames herantasten ist er auch für ein Erstschliff messbar sehr gut gelungen.
Ob ich es wiederhole? Vermutlich nein, das Glas lag teilweise monatelang im Schrank weil ich immer wieder die Lust verloren habe.

Du hast da schon recht mit das konnte man schon früher, die Teleskope waren dafür aber auch teilweise absurd lang um die Abrebationen in den Griff zu bekommen.
Erst der junge Fraunhofer experimentierte erfolgreich mit den Glasmischungen und setzte danach Blei hinzu um ein reines Glas herzustellen.
Der war allerdings bereits Optikergeselle ;)

Nochmal, so ein Projekt ist megastark, ich bin für so etwas auch zu begeistern, weiß aber mittlerweile wo es Grenzen gibt, SO viel Freizeit habe ich dann doch nicht zur Verfügung…
 
Hallo,

sorry, Linsen muss man nicht parabolisieren. Beim Fraunhofer Objektiv wird durch die 2 Glassorten und die Konstruktion sowohl die CA als auch die SA so gut wie möglich korrigiert. Natürlich bleibt ein Rest Farbfehler, deshalb hat ein echter Fraunhofer auch ein Öffnungsverhältnis von wenigstens 1:15.

Selbst beim Spiegelschliff kommt man bei passendem Öffnungsverhältnis mit Kugelspiegeln aus.

Das Blei im Flintglas hat nichts mit "reinem Glas" zu tun. Deshalb gab es das auch schon vor Fraunhofer z.B. für Kronleuchter. Da machte die starke Farbzerstreuung was her. Auch achromatische Fernrohre gab es schon; Dollond in England war der erste, der sie in größerer Anzahl kommerziell anbot. Seine Objektive waren allerdings verkittete 3 Linser, die bikonkave Flintglas Linse lag zwischen 2 bikonvexen Kronglas Linsen. Alle sphärischen Oberflächen hatten den gleichen Krümmungsradius. Durch die Verkittung wurde die Anzahl der Übergänge Glas - Luft reduziert, das führte zu weniger Lichtverlust und Streulicht durch Reflexion. Auch die Konstruktion der Objektiv Zelle blieb so recht einfach. Die ganze Konstruktion ging von der Annahme aus, dass Flint ungefähr den gleichen Brechungsindex aber die doppelte Farbdispersion von Kronglas hat. Das kam ja auch ungefähr hin und die damaligen Kunden waren recht zufrieden; zurecht beschränkte man sich auf für heutige Verhältnisse kleine Fernrohre.

Weiter viel Freude bei der Beschäftigung mit Optik und CS Gerhard
 
Hallo Claus,

Werner, Nicht einverstanden!
Linsen zu schleifen ist wirklich nicht mit einer Besteigung des K2 vergleichbar.

Linsen schleifen tun hier sicher Duzende von Hobbyastronomen ohne eine Optiker-Ausbildung abgeschlossen zu haben.
Welcher Freizeit-Bergsteiger wagt sich jedoch an den K2?
Ich glaube du hast meine Analogie nicht vollumfänglich verstanden. Den Vergleich mit dem Matterhorn davor läßt leider unter den Tisch fallen.
Auch ein Freizeit Bergsteiger wird das Matterhorn nicht ohne weiteres bewältigen, sondern erst einmal eine gewisse Expertise im Vorfeld für die ein oder andere durchaus schon anspruchsvolle Route sammeln. Nach erfolgreicher Besteigung…und dann erst… kann er daran denken, ob er sich an noch schwierigere Gipfel wie den K2 heranwagt. ;)

Für einen sehr erfahrenen Spiegelschleifer mit vielen großen Öffnungen und kritischem F wird ein einfaches Linsenprojekt natürlich nicht der K2 sein. So war das aber auch nie von mir gemeint.

Gruß
Werner
 
Zuletzt bearbeitet:
Das Schleifen von Linsen ist deutlich einfacher als das Schleifen von Spiegeln. Ich habe selbst schon achtzöllige Korrekturlinsen für einen Houghton aus BK7 geschliffen, war echt kein Thema.
Das ist nur viel Arbeit, weil man für konvexe Linsen auch die Schleifschale zur Prüfung polieren muss.
Problematisch ist eher die Materialbeschaffung. Das Glas wird von Stangen/Blöcken passgenau geschnitten und selbst wenn man einen Lieferanten finden sollte, wird das recht teuer werden. Kurzum, außerhalb von speziellen Optiken, die es am Markt nicht gibt, lohnt sich das keinesfalls und ist im Vergleich zu einer gekauften Optik irre teuer.
 
Hallo,

wie oftmals, wurzelt sich hier die Gemeinde, aber der Fragesteller scheint abgetaucht, oder fällt euch das nicht auf?

Gruß
 
Hallo, hier ein link auf einen thread auf Cloudynights zum Thema der viele brauchbare weitere links enthält.
@ Werner: Da bin ich ganz anderer Meinung.
Linsenschleifen ist einfacher als Spiegelschleifen.
Erstens ist keine Parabolisierung notwendig da nur Kugelflächen.
Zweitens ist keine so hohe Präzision der Oberflächen notwendig
Drittens ist kein Fangspiegel notwendig.

Andere Dinge sind hingegen mehr Arbeit, da vier Flächen bearbeitet werden müssen und 2 konvexe Flächen sind aufwändiger zu prüfen auch muß auf Keilfehler geachtet werden.

In Summe langwierig aber eher einfacher.
CS Mike
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Mike,

ich denke, das kommt sehr auf den jeweiligen Typ und die Größe der Optik an.

Ein langbrennweitiger Newtonspiegel mit 1200mm-1500 mm Brennweite + 150 mm Öffnung dürfte bei entsprechendem Engagement nicht unüberwindliche Probleme bereiten. Hierzu gibt es auch mehrere sehr schöne englische/deutsche „Kochrezepte“ über die Vorgehensweise im Detail. In deutsch steht z.B. der Trittelvitz bei mir im Regal. Den langbrennweiten Newtonspiegel muss man zudem nicht mal zwingend parabolisieren. Eine kleine Monolinse mit 50 mm Durchmesser und entspannter Sphäre ist sicherlich weit einfacher herzustellen als ein dreilinsiger Apo mit Öffnungsverhältnis ca. 6 oder ein 24“ Newtonspiegel mit F3 und 30 mm Dicke.

Selbst ein zweilinsiger Refraktor ist in Summe aller Komponenten alles andere als trivial. Da geht es nicht nur um den reinen Schliff von 4 Flächen, sondern um die korrekte Zentrierung, den Keilfehler, welchen du bereits erwähnst und das Bestimmen der zueinanderpassenden Gläser hinsichtlich des Farbfehlers. Auch das Abstandsproblem der Linsen muß beachtet werden. Freiheitsgrade bzgl. der Brennweite habe ich auch keine wie beim Newtonspiegel (aber das wurde ja alles schon oben erwähnt).

Bei fast allen Refraktoren benötigt man außerdem einen Umlenkspiegel oder Zenitprisma (quasi anlog zum FS beim Newton) wenn man nicht die halbe Beobachtungssession auf dem Boden liegend verbringen möchte bzw. sich eine Genickstarre beim Sternegucken holen möchte. Da kann man sich überlegen, ob man den auch noch selbst herstellen soll oder nicht.

Ich weiß mit Sicherheit, beispielsweise bei meinen beiden Refraktoren komme ich kaum ohne zusätzliche sehr präzise Umlenk-Optik aus… ;)

Viele Grüße
Werner
 
Zuletzt bearbeitet:
Kleine Linsen sind für den Amateur mit vertretbaren Aufwand nicht herstellbar, die Grenze liegt meiner Meinung nach irgendwo bei 80-100mm. Ein sechszöller APO hingegen ist machbar, wenn die Gläser zur Verfügung stehen. Fluorit würde ich mal ausklammern.
Der Keilfehler muss natürlich beachtet werden, aber der tritt beim rotationssymetrischen Arbeiten eigentlich nicht auf, bzw. da muss man schon arg was falsch machen.
Alles andere, wie Abstand der Linsen zueinander und Genauigkeit der Brennweite bekommt man mit viel Arbeit und Geduld hin.

Nur, es lohnt sich nicht und deshalb macht es fast niemand. Für einen Spiegel schleift man eine Fläche, für einen Refraktor mindestens vier Flächen. Das Glassubstrat ist für einen Spiegel fast egal, bei Linsen habe ich ganz spezielle Anforderungen.
Wenn das Hobby das Schleifen an sich ist, kann man natürlich auch Refraktoren, Houghtons oder Schupmanns machen, als Mittel zum Zweck macht das keinen Sinn.
 
Nabend,

für meinen Planspiegelexkurs habe ich mir ein paar Bücher zugelegt, im Prinzip die hier schon genannten. Das Buch von Remer ist m.M. nach das beste was man dazu lesen kann, und sowohl die 80USD als auch das Englisch sind das Minimum an Aufwand den man betreiben muss um wenigstens zu verstehen was man da machen möchte. Und mal abseits von Kosten und Sinn, das Machen ist hier der Sinn, ich mein das ganze Hobby ist doch sonst für die Katz.
Das eigentliche Linsen schleifen ist nicht so schwierig, ähnlich einem 8" Kugelspiegel und auch hier gilt: Ausdauer, ein bisschen Geld (1-2K), und Verständnis für Testverfahren sowie der Bau von Testapparaturen muss man schon Bewältigen. Wenn der Gedanke war diese dann doch komplexe Aufgabe zu Meistern, voran.
Für ein günstiges Teleskop bitte beim Shop Deiner Wahl anrufen und dort die 80euro plus x investieren

Grüße Sebastian
 
Hallo

Ich meine Linsenrohlinge auf Aliexpress schon gefunden zu haben,
Such oder Frage da irgendwo, die Asiaten sind wesentlich Service orientierter, hier in D wirst du schon wegen der Steuerformalitäten abgewimmelt.

Gruß Frank
 
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