ToSto64
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Im Februar gestatte nun endlich das Wetter wieder klarere Blicke auf den nächtlichen Himmel.
Um unserer Auswahlfindung im Bereich der Ferngläser endlich näher zu kommen, haben wir uns einige interessante Optiken ausgeliehen, um sie für unsere Bedürfnisse zu testen.
Im Bereich 10 fache Vergrösserung:
Zeiss Victory HT 10 x 54
Leica Ultravid 10 x 50 HD
Zeiss Victory SF 10 x 42
Swarovski EL 10 x 42 W
Leica Trinovid 10 x 32 HD
Im Bereich 12 fache Vergrösserung:
Leica Ultravid HD 12 x 50
Nikon Monarch M5 12 x 42
Was die technischen Feinheiten, die messtechnischen Details und die lichtphysikalischen Eigenschaften betrifft, gibt es Experten, die sich da sicher sehr gut auskennen. Ich habe nur unsere Eindrücke und Beobachtungserfahrungen hier zusammengefasst.
Beginnen werde ich heute mit dem Zeiss Victory HT 10x54. Es werden dann Step by Step die anderen folgen.
Zeiss Victory HT 10 x 54
Beim ersten Blick durch dieses FG waren wir von der Optik schon sehr angetan. Die Auflösung und die Lichtstärke sind im Vergleich zu unserem Steiner Skyhawk 3.0 in einer anderen Dimension. Auch die Mechanik und das Design lassen den Unterschied deutlich werden. Wo wir dachten, dass das Fokussierrad des Steiner eigentlich sehr gut zu bedienen ist, mussten wir beim Drehen am Victory doch einen Klassenunterschied feststellen. Dieses geht butterweich und bleibt trotz schneller Bewegungen und immer wieder Ablegen und Aufnehmen exakt eingestellt. Wir mussten es nie nachjustieren. Das Verstellen der Brücke ist präzise straff. Auch hier bleibt nach Ablegen und wieder Aufnehmen alles perfekt eingestellt. Beim Steiner verstellt sich die relativ leichtgängige Brücke beim Ablegen und wieder Aufnehmen doch minimal.
Die Dioptrineinstellung beim Victory ist ziemlich schwergängig, störte uns aber nicht weiter, da, wenn einmal eingestellt, diese nicht wieder verstellt werden muss. Ich selbst benötige sie nur, wenn ich ohne Brille beobachte, da ich jeweils +5.25 habe und das Zeiss bis maximal +/-3 ausgleicht. Bei Daniela sieht es schon anders aus, da sie auf dem linken Auge wegen einer Hornhautverkrümmung nur ca. 35 Prozent Sehkraft besitzt. Das rechte Auge mit gut 90 Prozent muss da alles auffangen. Sie konnte bei +3 Dioptrin (Speziallinse im Auge) die besten Sehresultate erzielen. Mit Brille kam sie überhaupt nicht zurecht und hatte ständig Schatten im GF.
Allerdings war dies bei allen anderen FG auch der Fall. Am besten funktionierte es noch mit den beiden Leica Ultravid FG.
Das zentrale GF von gut 50-60 Prozent waren im Victory HT super scharf und hell. Der Kontrast und die Tiefenschärfe perfekt. Vor allem bei tief stehender Sonne wirkte das Bild fast wie 3D.
Bei Naturbeobachtung am Tag waren wir sehr angetan von den satten aber trotzdem sehr strukturierten und abgestuften Güntönen. In den äusseren 30 Prozent GF nahm jedoch dieser klare Kontrast ab und zeigte eher matte Grüntöne.
Das Beobachten des Fluges eines Roten Milans vor blauem Himmel ist ein Genuss. Auch in der Bewegung hatte das Victory keine Probleme. Als der Milan dann in der Perspektive tiefer kam und vor den Bergen kreiste, zeigte das Victory diesen messerscharf. Hier spielt die grosse Öffnung von 54mm die Lichtstärke als Trumpf aus. In der Dämmerung nahmen wir dann die beleuchtete Nachtpiste am Pizol von der Gaffia zur Furt ins Visier. Visuelle Entfernung Luftlinie: 21km
Deutlich zu erkennen waren das Pistenfahrzeug, die Gondeln und im Flutlicht die Skifahrer.
Bis hier hat uns das Ergebnis überzeugt.
Nun hatte ich bereits in verschiedenen Reviews gelesen, dass es am Nachthimmel leider nicht so überzeugend wäre. In vier Nächten sollte es uns nun zeigen, ob dem wirklich so ist.
Venus und Jupiter am Abendhimmel geben den Startschuss zu den astronomischen Beobachtungen. Im Zentrum des GF sind beide Planeten super scharf aufgelöst. Die Kugelform der beiden Planeten ist eindeutig erkennbar. Ohne Lichteffekte oder Brechungen an den Planeten (das Skyhawk zeigte Brechnungslinien, vor allem an der Venus) überzeugte es aus unserer Sicht perfekt. Bei Jupiter waren alle vier Galileischen Monde eindeutig erkennbar. An dem Abend standen drei oberhalb von Jupiter und der äusserste Mond Callisto unterhalb. Allerdings spürte Daniela das Gewicht von 1040g beim freien Halt. Aufgestützt und sitzend ging es ihr aber dann ruhig über die Arme.
Dann ging es zum Sternbild Orion und dort zu M42/43. Obwohl das Seeing durch etwas Dunst beeinträchtigt war (lt. MB 4/3 mit zunehmender Nacht 3/3), konnten wir 2 Sterne im oberen Nebel (M43) deutlich sehen. Oberhalb von M43 war die längliche Sternenkette schön zu sehen und eine mit drei Sternen horizontal gegen Westen laufend. Der Nebel war in seiner Struktur grob erkennbar. Vor allem der zum südlichen Horizont auslaufende Schleier war sehr schön zu sehen. Auch der dunkle Nebelschleier zwischen M42 und M43 war diffus sichtbar.
Die Lichtstärke des Victory ist schon beeindruckend. Auch bei anderen Objekten konnten wir das später noch eindrücklich geniessen.
Weiter ging es zu den Plejaden. Funkelnde Diamanten in mitten kosmischer Finsternis. Ja… genauso wollen wir sie durch ein FG sehen. Fast wie mit dem 28mm Meade SWA am 8“.
Vorteil des FG, man kann sie sehr schön im Gesamten überblicken. Wir fanden den Anblick mit dem Victory einfach nur faszinierend. Der Zentralbereich war gestochen scharf und die Sterne waren dort perfekt abgebildet. Aber hier bemerkten wir dann tatsächlich, was in den Reviews angemerkt wurde, dass ab etwa 60 Prozent vom zentralen GF die Sterne unter Aberration litten.
Am Orionnebel fiel uns das gar nicht auf, klar, eine leichte Verzerrung im Randbereich war auch dort feststellbar, doch da wir aufs Zentrum von M42/43 fokussiert waren, störte es uns nicht.
In der zweiten Beobachtungsnacht waren wir unter dunklerem Nachthimmel (Seeing (5/4 und 8-12m/s Jetstream) unterwegs. Ausgerüstet mit zwei Rucksäcken die bepackt mit 4 Ferngläsern waren, einer Kanne Tee und Notizblock, ging es zu Fuss auf den Schellenberg.
Neben M42/43 und M45 standen auf unserer Beobachtungsliste noch M41, M47, M31, M44 und die Hyaden (Mel25). Natürlich waren auch Mars und Uranus vorgesehen. Letzteren habe ich bisher nur mit dem Teleskop gesehen, wobei es auf Grund der Entfernung nicht allzu viel zu sehen gibt, ausser einen leicht grünbläulichen, leuchtenden Punkt.
So starteten wir wieder beim Orion. Wir konnten die beiden Sterne Mizan Batil I und 45 Ori ausmachen und Hatysa war deutlich zu sehen. Dazu ein etwas orangefarbener Stern bei M43.
Der Nebel um das Trapez und die südlichen Nebelfilamente waren jetzt noch deutlicher als bei der ersten Beobachtung vor zwei Tagen vom Balkon. Einige feine Details konnten wir diffus ausmachen.
Mel 25 war dann der zweite Kandidat und dort fiel uns dann diese Aberration doch deutlicher auf, auch auf Grund der grossen Ausdehnung, wo viele Sterne ausserhalb des zentralen GF eine andere Beobachtungswirkung entfalten.
Während es mich am Anfang doch störte, weil natürlich die Reviews sich bestätigten und ich mich darauf konzentrierte, war es für Daniela überhaupt kein Problem. Sie sah diese Verzerrung natürlich auch, aber sie sagte mir, sie schaut ins Zentrum des GF, weil sich dort das für sie interessante Objekt befindet. Um das wirklich störend wahrzunehmen, müsste sie die Augen ja ständig am Rand kreisen lassen, was anstrengend ist und ihr am Ende leichte Kopfschmerzen bereiten würde. Einen Tunnelblick im negativen Sinne konnte sie auch nicht erkennen. Sie empfand das Zentrum sehr angenehm hell und sehr detailliert. Den Unterschied sah sie dann beim Swarovski EL 10x42, wo sie absolut zustimmte, dass das Bild dort extrem flach war und keine Verzerrung zeigte. Nur schaute sie auch mit diesem zu 80% immer ins Zentrum.
Auch ich kann nicht unmittelbar von einem eingeengten Tunnelblick sprechen. Es hat im Zentrum eine extreme Tiefenschärfe und die Objekte wirken sehr plastisch, was ich als sehr spannend empfand. Das dies nur innerhalb der zentralen 60% beim Victory der Fall ist, mag sicher nicht perfekt sein, jedoch bekommt man dafür ein super scharfes, detailreiches und lichtstarkes Bild geliefert. Kompromisse muss man halt eingehen. Grundsätzlich sind Ferngläser ja auch nicht in erster Linie für Astronomie gemacht. Es ist schön, dass man sie dafür nutzen kann und sie auch dort einen hohen Abbildungs-Level erreichen.
Bei den anderen Objekten zeigte das Zeiss Victory im zentralen GF ebenfalls tadellose Ergebnisse. M31 war aus unserer Sicht ein Genuss. Das Zentrum perfekt ausgeleuchtet und zu den äusseren Regionen schön abgestuft. M101 war eindeutig zu sehen. M32 konnten wir nicht ausmachen.
Am Tag testeten wir dann das FG mit Sonnenfilter an der Sonne. Sieben Sonnenflecken konnten wir sehen. Farbsäume gab es auch hier nicht.
Zum Mond können wir nichts sagen, da der gerade nicht den nächtlichen Himmel erleuchtet. Jedoch ist er jetzt wieder auf dem Weg zum Vollmond. Da ich das Victory HT 10x54, das Leica Ultravid 12x50 HD und das Trinovid 10x32 HD noch bis zum kommenden Montag habe, werde ich dies aber noch testen.
Zusammenfassend zum Victory HT 10x54 bleibt zu sagen, ein extrem lichtstarkes FG mit einer sehr kontrastreichen und detaillierten Abbildung im Zentrum des GF (ca. 60%). Die Farben werden sehr neutral wiedergegeben. Spiegelungen und Lichtreflexe konnten wir in keiner Situation feststellen. Bestechend aus unserer Sicht die Tiefenwirkung, die fast einem 3D Effekt nahe kommt. Das hat vor allem Daniela fasziniert. Im Gegensatz zu allen anderen FG hat das Victory HT 10x54 die unterschiedlichen Abstufungen der Grüntöne bei Wiesen am perfektesten wiedergeben. Am Sternenhimmel zeigt es im Zentrum eine aus unserer Sicht perfekte Abbildung, welche aber auf den äusseren 40% des GF abnimmt und die letzten 20% vom Rand starke Verzerrungen der Sterne zeigt. Das stört natürlich bei einem StarWalk. Allerdings kommt es eben auch darauf an, wo man die Prioritäten setzt.
Ohne Brille finden wir das Einblickverhalten besser. Mit Brille war es vor allem in der Dämmerung etwas schwierig. Die Haptik ist sehr gut, aber hier empfanden wir die Leica und das Swarovski angenehmer in der Hand (unabhängig vom Gewicht). Doch reden wir hier von Unterschieden auf einem sehr hohem Niveau. Die Verarbeitung ist tadellos, jedoch stört mich der etwas weniger hochwertig wirkende Kunststoff des FG an der Innenseite. Da bekommen die Leica und das Swarovski einen Punkt mehr.
Hier noch die technischen Daten:
Vergrösserung: 10 x
Durchmesser : 54mm
Austrittspupille: 5.4mm
Dämmerungszahl: 23.2
Sehfeld auf 100m: 110m
Subjektiver Sehwinkel: 63°
Naheinstellgrenze: 3.5m
Dioptrinausgleich: +3/-3
Pupillendistanz: 58 - 76mm
Augenabstand: 16mm
Objektivtyp: FL/HT
Prismensystem: Abbe-König
Funktionstemperatur: -30° - + 63° C
Gewicht: 1050 g
Es folgt das Leica Ultravid 10x50 HD.
CS Daniela und Thomas
Um unserer Auswahlfindung im Bereich der Ferngläser endlich näher zu kommen, haben wir uns einige interessante Optiken ausgeliehen, um sie für unsere Bedürfnisse zu testen.
Im Bereich 10 fache Vergrösserung:
Zeiss Victory HT 10 x 54
Leica Ultravid 10 x 50 HD
Zeiss Victory SF 10 x 42
Swarovski EL 10 x 42 W
Leica Trinovid 10 x 32 HD
Im Bereich 12 fache Vergrösserung:
Leica Ultravid HD 12 x 50
Nikon Monarch M5 12 x 42
Was die technischen Feinheiten, die messtechnischen Details und die lichtphysikalischen Eigenschaften betrifft, gibt es Experten, die sich da sicher sehr gut auskennen. Ich habe nur unsere Eindrücke und Beobachtungserfahrungen hier zusammengefasst.
Beginnen werde ich heute mit dem Zeiss Victory HT 10x54. Es werden dann Step by Step die anderen folgen.
Zeiss Victory HT 10 x 54
Beim ersten Blick durch dieses FG waren wir von der Optik schon sehr angetan. Die Auflösung und die Lichtstärke sind im Vergleich zu unserem Steiner Skyhawk 3.0 in einer anderen Dimension. Auch die Mechanik und das Design lassen den Unterschied deutlich werden. Wo wir dachten, dass das Fokussierrad des Steiner eigentlich sehr gut zu bedienen ist, mussten wir beim Drehen am Victory doch einen Klassenunterschied feststellen. Dieses geht butterweich und bleibt trotz schneller Bewegungen und immer wieder Ablegen und Aufnehmen exakt eingestellt. Wir mussten es nie nachjustieren. Das Verstellen der Brücke ist präzise straff. Auch hier bleibt nach Ablegen und wieder Aufnehmen alles perfekt eingestellt. Beim Steiner verstellt sich die relativ leichtgängige Brücke beim Ablegen und wieder Aufnehmen doch minimal.
Die Dioptrineinstellung beim Victory ist ziemlich schwergängig, störte uns aber nicht weiter, da, wenn einmal eingestellt, diese nicht wieder verstellt werden muss. Ich selbst benötige sie nur, wenn ich ohne Brille beobachte, da ich jeweils +5.25 habe und das Zeiss bis maximal +/-3 ausgleicht. Bei Daniela sieht es schon anders aus, da sie auf dem linken Auge wegen einer Hornhautverkrümmung nur ca. 35 Prozent Sehkraft besitzt. Das rechte Auge mit gut 90 Prozent muss da alles auffangen. Sie konnte bei +3 Dioptrin (Speziallinse im Auge) die besten Sehresultate erzielen. Mit Brille kam sie überhaupt nicht zurecht und hatte ständig Schatten im GF.
Allerdings war dies bei allen anderen FG auch der Fall. Am besten funktionierte es noch mit den beiden Leica Ultravid FG.
Das zentrale GF von gut 50-60 Prozent waren im Victory HT super scharf und hell. Der Kontrast und die Tiefenschärfe perfekt. Vor allem bei tief stehender Sonne wirkte das Bild fast wie 3D.
Bei Naturbeobachtung am Tag waren wir sehr angetan von den satten aber trotzdem sehr strukturierten und abgestuften Güntönen. In den äusseren 30 Prozent GF nahm jedoch dieser klare Kontrast ab und zeigte eher matte Grüntöne.
Das Beobachten des Fluges eines Roten Milans vor blauem Himmel ist ein Genuss. Auch in der Bewegung hatte das Victory keine Probleme. Als der Milan dann in der Perspektive tiefer kam und vor den Bergen kreiste, zeigte das Victory diesen messerscharf. Hier spielt die grosse Öffnung von 54mm die Lichtstärke als Trumpf aus. In der Dämmerung nahmen wir dann die beleuchtete Nachtpiste am Pizol von der Gaffia zur Furt ins Visier. Visuelle Entfernung Luftlinie: 21km
Deutlich zu erkennen waren das Pistenfahrzeug, die Gondeln und im Flutlicht die Skifahrer.
Bis hier hat uns das Ergebnis überzeugt.
Nun hatte ich bereits in verschiedenen Reviews gelesen, dass es am Nachthimmel leider nicht so überzeugend wäre. In vier Nächten sollte es uns nun zeigen, ob dem wirklich so ist.
Venus und Jupiter am Abendhimmel geben den Startschuss zu den astronomischen Beobachtungen. Im Zentrum des GF sind beide Planeten super scharf aufgelöst. Die Kugelform der beiden Planeten ist eindeutig erkennbar. Ohne Lichteffekte oder Brechungen an den Planeten (das Skyhawk zeigte Brechnungslinien, vor allem an der Venus) überzeugte es aus unserer Sicht perfekt. Bei Jupiter waren alle vier Galileischen Monde eindeutig erkennbar. An dem Abend standen drei oberhalb von Jupiter und der äusserste Mond Callisto unterhalb. Allerdings spürte Daniela das Gewicht von 1040g beim freien Halt. Aufgestützt und sitzend ging es ihr aber dann ruhig über die Arme.
Dann ging es zum Sternbild Orion und dort zu M42/43. Obwohl das Seeing durch etwas Dunst beeinträchtigt war (lt. MB 4/3 mit zunehmender Nacht 3/3), konnten wir 2 Sterne im oberen Nebel (M43) deutlich sehen. Oberhalb von M43 war die längliche Sternenkette schön zu sehen und eine mit drei Sternen horizontal gegen Westen laufend. Der Nebel war in seiner Struktur grob erkennbar. Vor allem der zum südlichen Horizont auslaufende Schleier war sehr schön zu sehen. Auch der dunkle Nebelschleier zwischen M42 und M43 war diffus sichtbar.
Die Lichtstärke des Victory ist schon beeindruckend. Auch bei anderen Objekten konnten wir das später noch eindrücklich geniessen.
Weiter ging es zu den Plejaden. Funkelnde Diamanten in mitten kosmischer Finsternis. Ja… genauso wollen wir sie durch ein FG sehen. Fast wie mit dem 28mm Meade SWA am 8“.
Vorteil des FG, man kann sie sehr schön im Gesamten überblicken. Wir fanden den Anblick mit dem Victory einfach nur faszinierend. Der Zentralbereich war gestochen scharf und die Sterne waren dort perfekt abgebildet. Aber hier bemerkten wir dann tatsächlich, was in den Reviews angemerkt wurde, dass ab etwa 60 Prozent vom zentralen GF die Sterne unter Aberration litten.
Am Orionnebel fiel uns das gar nicht auf, klar, eine leichte Verzerrung im Randbereich war auch dort feststellbar, doch da wir aufs Zentrum von M42/43 fokussiert waren, störte es uns nicht.
In der zweiten Beobachtungsnacht waren wir unter dunklerem Nachthimmel (Seeing (5/4 und 8-12m/s Jetstream) unterwegs. Ausgerüstet mit zwei Rucksäcken die bepackt mit 4 Ferngläsern waren, einer Kanne Tee und Notizblock, ging es zu Fuss auf den Schellenberg.
Neben M42/43 und M45 standen auf unserer Beobachtungsliste noch M41, M47, M31, M44 und die Hyaden (Mel25). Natürlich waren auch Mars und Uranus vorgesehen. Letzteren habe ich bisher nur mit dem Teleskop gesehen, wobei es auf Grund der Entfernung nicht allzu viel zu sehen gibt, ausser einen leicht grünbläulichen, leuchtenden Punkt.
So starteten wir wieder beim Orion. Wir konnten die beiden Sterne Mizan Batil I und 45 Ori ausmachen und Hatysa war deutlich zu sehen. Dazu ein etwas orangefarbener Stern bei M43.
Der Nebel um das Trapez und die südlichen Nebelfilamente waren jetzt noch deutlicher als bei der ersten Beobachtung vor zwei Tagen vom Balkon. Einige feine Details konnten wir diffus ausmachen.
Mel 25 war dann der zweite Kandidat und dort fiel uns dann diese Aberration doch deutlicher auf, auch auf Grund der grossen Ausdehnung, wo viele Sterne ausserhalb des zentralen GF eine andere Beobachtungswirkung entfalten.
Während es mich am Anfang doch störte, weil natürlich die Reviews sich bestätigten und ich mich darauf konzentrierte, war es für Daniela überhaupt kein Problem. Sie sah diese Verzerrung natürlich auch, aber sie sagte mir, sie schaut ins Zentrum des GF, weil sich dort das für sie interessante Objekt befindet. Um das wirklich störend wahrzunehmen, müsste sie die Augen ja ständig am Rand kreisen lassen, was anstrengend ist und ihr am Ende leichte Kopfschmerzen bereiten würde. Einen Tunnelblick im negativen Sinne konnte sie auch nicht erkennen. Sie empfand das Zentrum sehr angenehm hell und sehr detailliert. Den Unterschied sah sie dann beim Swarovski EL 10x42, wo sie absolut zustimmte, dass das Bild dort extrem flach war und keine Verzerrung zeigte. Nur schaute sie auch mit diesem zu 80% immer ins Zentrum.
Auch ich kann nicht unmittelbar von einem eingeengten Tunnelblick sprechen. Es hat im Zentrum eine extreme Tiefenschärfe und die Objekte wirken sehr plastisch, was ich als sehr spannend empfand. Das dies nur innerhalb der zentralen 60% beim Victory der Fall ist, mag sicher nicht perfekt sein, jedoch bekommt man dafür ein super scharfes, detailreiches und lichtstarkes Bild geliefert. Kompromisse muss man halt eingehen. Grundsätzlich sind Ferngläser ja auch nicht in erster Linie für Astronomie gemacht. Es ist schön, dass man sie dafür nutzen kann und sie auch dort einen hohen Abbildungs-Level erreichen.
Bei den anderen Objekten zeigte das Zeiss Victory im zentralen GF ebenfalls tadellose Ergebnisse. M31 war aus unserer Sicht ein Genuss. Das Zentrum perfekt ausgeleuchtet und zu den äusseren Regionen schön abgestuft. M101 war eindeutig zu sehen. M32 konnten wir nicht ausmachen.
Am Tag testeten wir dann das FG mit Sonnenfilter an der Sonne. Sieben Sonnenflecken konnten wir sehen. Farbsäume gab es auch hier nicht.
Zum Mond können wir nichts sagen, da der gerade nicht den nächtlichen Himmel erleuchtet. Jedoch ist er jetzt wieder auf dem Weg zum Vollmond. Da ich das Victory HT 10x54, das Leica Ultravid 12x50 HD und das Trinovid 10x32 HD noch bis zum kommenden Montag habe, werde ich dies aber noch testen.
Zusammenfassend zum Victory HT 10x54 bleibt zu sagen, ein extrem lichtstarkes FG mit einer sehr kontrastreichen und detaillierten Abbildung im Zentrum des GF (ca. 60%). Die Farben werden sehr neutral wiedergegeben. Spiegelungen und Lichtreflexe konnten wir in keiner Situation feststellen. Bestechend aus unserer Sicht die Tiefenwirkung, die fast einem 3D Effekt nahe kommt. Das hat vor allem Daniela fasziniert. Im Gegensatz zu allen anderen FG hat das Victory HT 10x54 die unterschiedlichen Abstufungen der Grüntöne bei Wiesen am perfektesten wiedergeben. Am Sternenhimmel zeigt es im Zentrum eine aus unserer Sicht perfekte Abbildung, welche aber auf den äusseren 40% des GF abnimmt und die letzten 20% vom Rand starke Verzerrungen der Sterne zeigt. Das stört natürlich bei einem StarWalk. Allerdings kommt es eben auch darauf an, wo man die Prioritäten setzt.
Ohne Brille finden wir das Einblickverhalten besser. Mit Brille war es vor allem in der Dämmerung etwas schwierig. Die Haptik ist sehr gut, aber hier empfanden wir die Leica und das Swarovski angenehmer in der Hand (unabhängig vom Gewicht). Doch reden wir hier von Unterschieden auf einem sehr hohem Niveau. Die Verarbeitung ist tadellos, jedoch stört mich der etwas weniger hochwertig wirkende Kunststoff des FG an der Innenseite. Da bekommen die Leica und das Swarovski einen Punkt mehr.
Hier noch die technischen Daten:
Vergrösserung: 10 x
Durchmesser : 54mm
Austrittspupille: 5.4mm
Dämmerungszahl: 23.2
Sehfeld auf 100m: 110m
Subjektiver Sehwinkel: 63°
Naheinstellgrenze: 3.5m
Dioptrinausgleich: +3/-3
Pupillendistanz: 58 - 76mm
Augenabstand: 16mm
Objektivtyp: FL/HT
Prismensystem: Abbe-König
Funktionstemperatur: -30° - + 63° C
Gewicht: 1050 g
Es folgt das Leica Ultravid 10x50 HD.
CS Daniela und Thomas