Dobson-Nachführplattform mit einfachem Aufbau („Quick-and-Dirty-Alignment“)

Alexander21

Aktives Mitglied
Liebe Astro-Community,

vor eineinhalb Jahren habe ich mir einen 10-Zoll-Dobson (ICS Galaxy Dobson D10, f/5) zugelegt, um ein großes und unkompliziertes Teleskop zu besitzen. Zuvor hatte ich immer ein GoTo-Teleskop (ein Celestron Nexstar 5, das auch noch in meinem Besitz ist), das trotz aller Vorteile aufgrund der stets notwendigen Stromversorgung leider zuletzt nur unregelmäßig genutzt wurde. Mit dem Dobson bin ich sehr zufrieden. Kürzlich habe ich jedoch eine mögliche Lücke bei der Hochvergrößerung entdeckt: die fehlende Nachführung bei hoher Vergrößerung. Ausgelöst wurde diese Erkenntnis durch einen anderen Thread. Die bisherige „Lösung“ waren Okulare mit großem Gesichtsfeld (Nagler, XWA, Pentax XW), aber bei der Beobachtung von Planeten (primär Jupiter) ist mit einfachen Okularen möglicherweise noch mehr möglich, insbesondere noch höhere Vergrößerungen.

Deshalb habe ich folgende Fragen an euch:
1. Habt ihr Erfahrung mit Dobson-Nachführplattformen für einen 10-Zoll-Dobson und eine konkrete Empfehlung?
2. Wie viel zusätzliche Aufbauzeit benötigt die Nachführplattform?
3. Eine genaue Ausrichtung bringt sicher sehr viel. Aber kann man bei der ausschließlich visuellen Nutzung (das Objekt soll bei hoher Vergrößerung nur einige Minuten im Gesichtsfeld bleiben) auf ein kompliziertes Ausrichten verzichten („Quick-and-Dirty-Alignment“)?

Hintergrund zu den Fragen 2 und 3 ist natürlich, dass ich die einfache Nutzung des Dobsons nicht wieder komplizierter machen möchte. Aufgrund dieses Foreneintrags ist die EQ-Plattform von astrothingy.de mit den gedruckten Füßen aktuell mein Favorit, aber ich bin da noch nicht festgelegt.

Im Voraus vielen Dank und freundliche Grüße
Alexander
 
Hi Alexander,

Wenn die Plattform grob = auf wenige Grad genau nach Norden ausgerichtet ist und solide gebaut ist, wird sie sicher die Zeit, die ein Objekt/Planet im Okular GF sichtbar ist deutlich verlängern (um Faktoren, also sagen wir 5x und mehr, grobe Schätzung).

Dennoch sind UWW Okulare IMMER ein essentielles Zubehör, in das ich mittelfristig investieren würde. Erst Okulare, dann Plattform wäre mein Ratschlag.
Lies mal hier:
(Weiteres click auf e4s Symbol oben rechts...)

Deine Einschätzung halte ich für sehr valide: zusätzliche (vor allem elektrische) Devices 'manipulieren' einfach das genial direkte / einfache Dobson- Feeling. Letzteres würde ich eher nicht so 'leichtfertig' aufgeben wollen...

Ich lebe seit viele Jahren mit 20" f/4 Dob komplett ohne Plattform, bin aber auch kein Liebhaber von Planeten...;) und besitze 82° UWW Okulare (alle Brennweiten UWW). Viele Hardcore Kollegen haben aber tatsächlich Plattformen (auch für's Zeichnen z.B.).

Zu bedenken wäre, ob Du später noch grössere Teleskope (16...24") planst (das wäre nicht verwunderlich nach einigen Jahren) --> Sizing der Plattform !

LG,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Alexander,
ich kenne EQ-Plattformen und Goto Rockerboxen.
Beides ist meiner Meinung nach nicht unbedingt miteinander vergleichbar.

Die Goto Rockerbox ist stabiler, führt dauerhaft nach, der Einblick variiert nur in der Höhe, sie bietet eine Aufsuchhilfe usw.
Doch der wesentliche Unterschied besteht in der Handsteuerbox!
Damit kann man z.B. bequem bei 350x das Objekt mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten anfahren oder ausrichten, oder am Mondterminator entlang fahren, ohne dass Teleskop berühren zu müssen, also wackelfrei.
Das hebt die Goto Rockerbox in der Summe qualitativ deutlich über eine EQ Plattform.

Für die Planetenbeobachtung braucht es auch kein Aligment bzw. exakte Ausrichtung, da man den Restfehler ja einfach mit der Handsteuerbox ausgleichen kann.

Der Aufbau ist auch nicht viel anders als mit der normalen Rockerbox, vielleicht 5 min länger da man Strom anschließen und die Handbox mit Daten füttern muss.
Ich habe meine auf ein Rollbrett gepackt dann muss man nicht mal etwas tragen.

Das Dobson Feeling geht natürlich ein Stück weit verloren.
Da wäre es gut gewesen erst einen Skywatcher Flextube Dobson zu kaufen und dan den Upgradekit bei Lacerta.
Dann hättest du zwei Rockerboxen eine zum nachführen und eine zum Dobson.
LG
 
Hallo Alexander,

neben dem, was oben bereits berichtet wurde: Eine Goto Rockerbox hat auch den Vorteil, dass beliebige Objekte schnell und präzise angefahren werden können.

Wie genau das funktioniert hängt von der Bauweise der Box ab. Teilweise geht das bis ca. 400x, und die jeweiligen Objekte sind wenigstens noch am Rande des Gesichtsfeldes. Selbstverständlich kann in aller Regel nicht die Genauigkeit einer präzise aufgestellten parallaktischen Montierung erreicht werden, aber das ist hier auch nicht der Anspruch.

Für zwei meiner mit ServoCAT betriebenen Geräte habe ich separate Rockerboxen ohne Nachführung und Kabel, falls ich mal Sehnsucht nach dem ursprünglichen „Dobson Feeling“ haben sollte.

Für die Einstellung/Eichung einer Goto Rockerbox braucht es normalerweise nur 2 Sterne. Nicht allzuviel Extraaufwand wie ich meine.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo zusammen,

zunächst einmal vielen Dank an Peter, Quanten und Werner für die Rückmeldung.

Vielleicht noch einmal eine kurze Erläuterung zum gedachten Einsatzszenario einer Nachführung: Im heimischen Garten am Rande einer Großstadt macht Deep-Sky-Beobachtung wenig Sinn, daher beobachte ich dort primär den Mond und die Planeten. Gleichzeitig habe ich unter der Woche familienbedingt nur wenig Zeit, vielleicht eine Dreiviertelstunde. Diese Zeit würde ich dann hauptsächlich in die Beobachtung investieren wollen, weshalb ich das Alignment kurz halten möchte.

Aktuell habe ich aufgrund meines Dobsons schon viele Weitwinkelokulare im Einsatz (ES 82 Grad 30 mm, Nagler 16 mm T5, Nagler 11 mm T6, Pentax XW 7 mm, Pentax XW 5 mm, APM XWA 4,7 mm). Die Limitierung besteht vor allem bei der Hochvergrößerung, insbesondere, da ich auch einfachere Okulare (z. B. Takahashi TOE o. Ä.) mit kleinerem Gesichtsfeld verwendet möchte (sofern die Bildqualität dadurch steigt).

Natürlich fahre ich auch ab und zu mit dem Teleskop aus der Stadt raus und beobachte andere Objekte. Dann macht ein GoTo-Teleskop Sinn, wobei ich mit dem Telrad inzwischen auch (fast) alles finde. Über mein Celestron Nexstar 5 kenne ich die Vorteile des Anfahrens und der Nachführung, allerdings kam das Nexstar im Garten nur sehr selten zum Einsatz, weil Aufbau, Strom und Alignment aufwändig sind (vielleicht auch in neueren Versionen verbessert, ich habe die erste Generation des Teleskops).

Freundliche Grüße
Alexander
 
Hi Alexander,

Die Auflösungsgrenze (Beugung) eines 10" Teleskops liegt bei 0.5arcsec. Um das am Planeten voll ausnutzen zu können (also optimale Details zu sehen) brauchst Du bestes Seeing im Bereich von <1arcsec. Oft ist das Seeing jedoch bei 3arcsec FWHM... (und schlechter). D.h. Du bist durch Seeing limitiert, nicht durch instrumentelles Equipment.

Jetzt wirst Du aber am Rande einer Grossstadt solches Seeing so gut wie nie bekommen. Selbst in den Bergen muss man mit Location und Atmosphäre viel Glück haben für solch gute Luftruhe.

Daher:
- Kann man bezweifeln ob mit Deinem Setting besondere Planetenokulare im Bereich f=5...2.5mm irgendeinen Benefit liefern werden. Insofern ist auch Hochvergrösserung in diesem Bereich unter diesen Bedingungen recht wahrscheinlich nur Wunschtraum. Insofern wäre eine Equipment- Optimierung in dieser Richtung wahrscheinlich ein recht ineffizienter Finanzmitteleinsatz.
- Man muss die äusseren Bedingungen optimieren, also rausfahren, unter guten, dunklen Himmel (per LPM), Transparenz (stark höhenabhängig meist, aber nicht immer) und Seeing (höhenabhängig, manchmal bei Dunst aber gut). Equipment hilft da wenig. Transparenz + Seeing fallen großteils unter die Kategorie Wetterglück, Himmelshelligkeit i.a. nicht.
- Man könnte durch Linienfilterung (UHC, OIII, HBeta) auch unter schlechtem Himmel (!) sein Beob.Spektrum an Objekten erweitern. Vor allem durch Beobachtung von PN. Davon gibt es ja sehr sehr viele und teilweise mit interessanten Details.
- Stellare Objekte (z.B. spezielle Sterne, Veränderlicge, Quasare, Kleinplaneten...) profitieren von höherer Vergrösserung (AP=1...2mm).
- Weiteres unter

Soweit wären meine Assoziationen hierzu...

( In der Community wird oft gekauft auf Teufel komm raus. Sog. GAS = Gear Acquisition Syndrome ;). Ob es tatsächlich was hilft - und glücklicher macht - bleibt fraglich. )

Good luck,
Peter

LPM:
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Alexander,
die maximal Vergrößerung hängt schon sehr stark von der Nachführung ab, aber auch noch von weiteren Faktoren wie z.B. Stabilität des Ganzen, Feinfühligkeit der Fokussierung, Justage, Auskühlung, Objekthöhe usw.

Daher vielleicht ein Tipp, immer das Ganze im Blick zu behalten, dann klappt es auch mit den hohen Vergrößerungen.
300-350× sind bei mir sehr häufig möglich wenn die Objekte hoch kulminieren.

Je nach Kulminationshöhe, lösen 10" nicht nur Details prima auf, sondern auch die Atmosphärische Dispersion.
Wenn dir irgend wann einmal farbige Ränder an den Planeten oder Mondkratern auffallen kommen diese vielleicht nicht von den Okularen ;)

Übrigens profitiert man auch bei der DeepSky Beobachtung sehr von einer Nachführung, auch hier wird die Beobachtung meiner Meinung nach auf ein anderes Level gehoben, da die Objekte im Okular stehen bleiben.
Damit bekommt man erst die Ruhe sich auf Details zu konzentrieren, welche man im bewegten Bild vielleicht gar nicht oder nur schwer zu sehen bekommt.

Das können Asterismen also Sternformationen und Sternfarben in Kugelsternhaufen sein, Lichtknötchen oder Dunkelwolken in Galaxien, PN, oder Nebeln usw.
Von der entspannten und ermüdungsfreien Beobachtung ganz zu schweigen.
LG
 
Hallo Peter,

Hi Alexander,

Die Auflösungsgrenze (Beugung) eines 10" Teleskops liegt bei 0.5arcsec. Um das am Planeten voll ausnutzen zu können (also optimale Details zu sehen) brauchst Du bestes Seeing im Bereich von <1arcsec. Oft ist das Seeing jedoch bei 3arcsec FWHM... (und schlechter). D.h. Du bist durch Seeing limitiert, nicht durch instrumentelles Equipment.

Die Nächte mit gutem Seeing sind generell in unseren Breiten limitiert, allerdings habe ich wohnend in einer Kleinstadt diesen Sommer und letzten Herbst durchaus des öfteren Seeing besser als 1“ gehabt. Mit meinem 9er APO waren sehr detaillierte Beobachtungen an Saturn und Mond bei ca. 400x möglich und Doppelsternbeobachtungen bei Pickering 6-7 (bezogen auf 9“ Öffnung).

Ich kenne auch die Boebachtungsbedingungen der Volkssternwarte Köln sowie die der Schwäbischen Sternwarte auf der Uhlandshöhe in Stuttgart. Auch dort kommen die oben angesprochenen Seeingbedingungen öfter vor, als man auf‘s erste glauben möchte.

Sehr wichtig ist das lokale Umfeld. Grünflächen Richtung Süden bzw. etwas höhere Lage in Bezug auf die turbulente Bodenströmung ist dabei sehr von Vorteil.

Viele Grüße
Werner
 
( In der Community wird oft gekauft auf Teufel komm raus. Sog. GAS = Gear Acquisition Syndrome ;). Ob es tatsächlich was hilft - und glücklicher macht - bleibt fraglich. )

Ich habe den Thread bewusst jetzt gestartet, da ich die Anschaffung erst einmal durchdenken möchte. Aktuell sind die Planeten kaum zu sehen, sodass eine Anschaffung erst ab Herbst geplant ist – dann ist hoffentlich alles gut überlegt.

Das "GAS" kenne ich bei mir bereits vom Okularkauf. ;)
 
Hallo zusammen,

kurz vor Weihnachten ist die Astrothingy-Plattform (kleine Version) bei mir angekommen. Ich musste zwar ein wenig länger darauf warten, aber rechtzeitig zur Jupiter-Opposition habe ich nun eine Nachführung. Dazu möchte ich ein paar Eindrücke schildern, auch zur Aufbauzeit.

Wie zuvor geschrieben, ist es mir wichtig, dass das grundsätzliche Dobson-Gefühl erhalten bleibt. Das bedeutet, dass das Teleskop bei klarem Himmel schnell von der Garage in den Garten gestellt werden kann und nur wenig Beobachtungszeit verloren geht.

Im Garten muss die Montierung zuerst waagerecht aufgestellt (diesen Schritt habe ich bisher aber aus Faulheit ausgelassen), mit einer Powerbank verbunden und dann nach Norden ausgerichtet werden. Für die Nordausrichtung ist in der Astrothingy ein elektronischer Kompass verbaut, der die Stromverbindung benötigt und sich über Bluetooth mit dem Android-Handy verbindet (iOS wird nicht unterstützt). Die Montierung kann über die Astrothingy-App gestartet werden, was aber auch automatisch passiert, sodass das Smartphone für den Start eigentlich nicht mehr benötigt wird. Wenn man die Schritte in der richtigen Reihenfolge ausführt, geht das erstaunlich schnell, und der zeitliche Mehraufwand beträgt etwa drei Minuten. Zuletzt wird noch die Dobson-Montierung auf die Astorthingy gesetzt. Harald Feigel bietet passende Schuhe dafür an (auf dem angefügten Bild sind die drei passenden Zylinder-Schuhe in Blau für mein Galaxy Dobson D10 zu sehen). Mit den Schuhen geht das ebenfalls schnell und kostet etwa zwei weitere Minuten. Der restliche Aufbau läuft wie gewohnt, sodass der Mehraufwand für mich und meinen Garten bei etwa fünf Minuten liegt, was auf jeden Fall noch im Rahmen ist.

Astrothingy.jpg


Die Plattform wird primär für hohe Vergrößerungen am Planeten genutzt. So habe ich Jupiter und Saturn mit dem Pnetax XW 5mm bei 250-facher Vergrößerung beobachtet. Die Planeten bleiben bei dem beschriebenen Aufbau etwa drei Minuten im Gesichtsfeld, was ich für visuelle Beobachtungen für ausreichend halte. Das Setup hat sich auch in den letzten Frostnächten bewährt: Trotz Frost auf Montierung und Teleskop (siehe Bild) hat die Nachführung konstant gut funktioniert.

Astrothingy_nacht.jpg


Inzwischen überlege ich – auch aufgrund der positiven Berichte im Forum – die Montierung auch für Fotos der Planeten zu nutzen. Hierfür muss das Einnorden sicherlich noch etwas genauer durchgeführt werden. Harald hat in der Anleitung zur Astrothingy beschrieben, wie sich die Genauigkeit der Ausrichtung weiter verbessern lässt. Das werde ich für Fotozwecke beherzigen, für visuelle Beobachtungen ist das jedoch nicht notwendig.

Freundliche Grüße
Alexander
 
Hallo zusammen,
gerade habe ich auf der astrothingy-Homepage gelesen, dass Harald Feigel die Produktion der Montierung eingestellt hat. Das ist sehr schade. Die Montierung leistet mir seit über einem halben Jahr sehr gute Dienste.

Freundliche Grüße
Alexander
 
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