Dobson oder doch Refraktor für totalen Anfänger?

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Hallo Gunni,

ich würd sagen .... Kaufen....
ich hab einen etwas längeren 6" (weil Eigenbau), dessen Tubus ist 135cm lang und wiegt 8kg. Die Rocker-Box wiegt dasselbe nochmal. Ich wohne im 3Stock in einem Altbau und zwar mitten in der Stadt und muß wenn ich gute Bedingungen für Deep-Sky haben will auf jeden Fall raus aus der Stadt. Der 6 Zöller hat mich wegen seiner Transportabilität noch nie davon abgehalten (Das sieht bei dem 14" schon anders aus!). Es gibt eine Möglichkeit den Transport des Tubus wesentlich zu erleichtern. Du kannst Dir im Baumarkt einen schönen Griff für eine Schrankschublade oder so aussuchen und dann mit Bohrungen und entsprechenden Schrauben den Griff ungefähr auf der Höhe der Höhenräder (da wo man das Teleskop mit rauf und runter bewegt) oben auf den Tubus schrauben (Selbstsichernde Schrauben nehmen, sonst plumpst noch was auf den Spiegel <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />).

Gruß
Winfried
 
Hi gunni,
ganz klar, mit 6 Zoll Öffnung sieht man weitaus mehr als mit einem 3 Zoll-Refraktor. Da dein gewünschter Schwerpunkt auf Deep Space liegt, ist es wohl auch ein Dobson die richtige Wahl. Dennoch kann man auch mit kleineren Optiken Deep Space Objekte erkennen, bei ausgewählten Objekten wie M31 oder den Orionnebel sogar Einzelheiten erkennen. Ich habe mich zwei Jahrzehnte unabhängig von der Astroszene von Zeit zu Zeit mit einem Tasco-Refraktor mit 5 cm Öffnung amüsiert, und weiß jetzt im nachhinein, dass der schwerwiegenste Fehler des Gerätes der grausige Sucher war. Ansonsten hätte ich bedeutend mehr deep space Objekte gefunden!
Es macht macht aber einen Unterschied, ob man den Orionnebel als struktiertes weißliches Fleckchen sieht oder im großen Gerät (6 Zoll) die Filamentierung des Nebels in einer beginnenden, leichten Grünfärbung! Bei dunkleren Objekten ist es ein Unterschied zwischen Ahnen und Sehen. Und genau hier trennen sich die Einschätzungen der Hobbyastronomen, für die ersten bereitet das erstere offensichtlich keinen Spaß, andere können sich trotz leistungsfähigeren Teleskopen in ihrem Teleskoppark immer noch dafür begeistern, mit 30 mm Öffnung maximal viele Deep Space Objekte zu erkennen. Ich habe mit meinem 2 Zöller viel Planeten , den Mond(!!) und Doppelsterne und einige ausgewählte Deep Space Objekte beobachtet, und mich nie gelangweilt, und immer noch nutze ich das Teil. Ich kannte zwar schon früher den Durchblick durch ein 6-Zöller, aber ich konnte mir damals in deinem Alter aber nicht so ein Gerät leisten( da kostete der 2-Zöller inflationsbereinigt so viel wie heute der 6-Zoll-Dobson), umgekehrt gab es auch keine billigere Einsteigsmöglichkeit.

Der Schlüssel auf die "richtige" Antwort auf deine Frage #1 liegt also darin, was Du vom Teleskop erwartest, was Dich an der Astronomie begeistert. Und da die Motive unterschiedlich sind, werden Leute, die mit der Astronomie beginnen wollen, durch die Antworten hier in schöner Regelmässigkeit maximal irritiert.

Bei einigen Antworten wie
Jetzt willst du plötzlich einen 114/500 auf Wackelmontierung weil der so billig ist.
Von diesen Gerät muss ich dir dringend abraten . Mit so einem "Teil" macht´s
keinen Spaß!!

hör ich immer die Tendenz raus, für Anfänger grundsätzlich den Dobson mit maximaler Öffnung für den zur Verfügung stehenden Finanzetat zu empfehlen. Um es weiterzuspinnen, warum nicht mit 350 mm Öffnung anfangen, man sieht ja alles viel deutlicher und immer mehr in Farbe als nur mit den "kröpligen" 200 mm Dobsons?
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Andere Teleskope wie parallaktische Newtons, Refraktoren, Maks und SC hätten umgekehrt ihre Daseinsberechtigung verloren oder wären nur was für Spezialeinsätze für Fortgeschrittene wie Fotografie oder Reiseteleskope.

Meine Meinung: Selbst mit 14 Zoll und 99 % Strehl wird es immer Leute geben, die nach anfänglicher Euphorie enttäuscht darüber sind, dass die Bilder doch viel schwächer sind als die Aufnahmen des Hubble-Space Teleskops, das Galaxien, Kugelsternhaufen etc. immer "gleich" aussehen und das es nachts, speziell bei klaren Nächten doch eisig kalt ist, und Astronomie deshalb doch keinen Spass macht. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/cool.gif" alt="" />
In diesem Zusammenhang : Eine schöne, etwas veraltete Überblicksseite , die ich empfehlen möchte. Einen Kernsatz möchte ich zitieren, weil er auch meine Entwicklung genau dokumentiert.

Preisfrage: Woran erkennt man einen Laien? Er fragt nach der Vergrößerung eines Fernrohrs. Woran erkennt man den Amateur? Er fragt nach der Öffnung. Und der fortgeschritte Amateur? Der fragt nach der Qualität. Erkenntnis: Öffnung ist gut, solange die Qualität stimmt.

PS: Mit einem 114/500 wäre ich als Anfänger auch vorsichtig, weil dieses Gerät eine gute regelmässige Justage bedingt.
 
Re: Dobson oder doch Refraktor für totalen Anfänge

Hallo Gunni,

viele Tipps und Ideen konntest Du den Postings bereits entnehmen. Auch ich möchte meine Meinung gerne äußern. Doch eine Frage vorweg. Zu Anfang hast Du von 200 Metern gesprochen, die Du das Teleskop tragen müsstest. Zum Schluss war es durch die halbe Stadt?

Auch ich betone immer wieder (wie hier bereits mehrmals angesprochen), dass man vor dem Kauf unbedingt durch verschiedene Teleskope beobachtet haben sollte. Die Sternwarte Diez bietet hierzu gute Möglichkeiten. Neben Deinen individuellen Erfahrungen mit den Geräten (und das ist das Wichtigste), kannst Du von den anwesenden Amateuren schon eine Menge mitnehmen.

Nun meine Meinung zu den von Dir erwähnten Geräten. Das ein Dobson Teleskop ein Newton ist, wurde erwähnt. Je nach Deiner finanziellen Lage würde ich zum 8 Zoll Dobson greifen. 200mm Öffnung mit Zubehör für unter 400 Euro ist vom Preis her der Hammer. Der 114mm Newton bietet mit Sicherheit eine bessere Transportabiltät (vor allem ohne Auto) und ist ein sehr gutes Einsteigergerät. Alleine musst Du in diesem Kontext wieder auf die Montierung achten und von der EQ-1 würde ich Dir "abraten". Wenn es doch ein Gerät dieser Kategorie sein sollte, unbedingt zu 900mm Brennweite greifen. An sich kann ein 8 Zoll Dobson aber noch ansprechend von Hand allein getragen werden.

Schau gerne auf unsere Homepage NightSky vorbei, wo wir viele Artikel auch für den Einsteiger veröffentlich haben.

Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfüng.

NightSky - Zeitschrift von Amateuren für Amateure

Grüße, Christoph Lohuis.

 
Re: Dobson oder doch Refraktor für totalen Anfänge

200 m neben meiner Wohnung ist ein Sportplatz und da könnte ich es rein theoretisch aufbauen. Da könnte ich aber erst gegen 23:00 Uhr anfangen, da die Scheinwerfer erst dann Flächendeckend ausgeschaltet werden und das ist für mich als Schüler ein wenig spät, jedenfalls an Wochentagen. Am WE, soweit ich nicht in die Schule muss, ist auch das kein Problem. Es gibt dann noch einen Park und müsste ich wie schon gesagt durch die Halbe Stadt ziehen.

Die Vergrößerungen ist nebensächlich, das sehe ich an meinen Mini-Fernglas mit lediglich 30mm Öffnung. Da erkenne ich nur die wirklich stark leuchtenden Objekte und die erkenne ich mit dem Auge mindestens genauso gut. Aus dem Grund ist soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, die Öffnung direkt nach der Qualität das wichtigste.

Ich werde mir die Page mal anschauen.
 
Re: Dobson oder doch Refraktor für totalen Anfänge

Hallo,

OK, stimme Dir zu! Für den Transport mit Fahrrad ist ein 8" Dobson wirklich nicht gebaut. Besitzt Ihr einen Garten? Aber auch einen 114mm Newton und eine stabile parallaktische Montierung trägt man nicht mal eben mit sich herum. Das sollte auch beobachtet werden!
Wir erwähnt ist der persönlich Eindruck in letzter Konsequenz das entscheidene Kriterium und bekommst einen Eindruck von den Größen unterschiedlicher Geräte.



Liebe Grüße und schönes Wochenende, Christoph Lohuis. NightSky - Zeitschrift von Amateuren für Amateure
 
Re: Dobson oder doch Refraktor für totalen Anfänge

Bei einem 114er kann ich den Tubus zummindest in eine Sporttasche tun (Ich habe eine riesige) und das Stativ kann man eher in der Hand tragen als eine Rocker Box.

Leider haben wir keinen Garten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />
 
Re: Dobson oder doch Refraktor für totalen Anfänge

Hallo Gunni!
Dann frag doch mal Deine Elten, ob Du mal mit auf die Sternwarte Diez darfst. Ich wohne auch in Wiesbaden und nehm Dich gerne mal mit. Wer ich bin, kannst Du auf meiner homepage www.widato.de nachlesen und auch auf der homepage der Sternwarte Diez www.sternwarte-diez.de.
Gruß Berthold vom WIDATO
 
Re: Dobson oder doch Refraktor für totalen Anfänge

Hi Gunni,

hier noch einmal eine direkte Gegenüberstellung:
8" (?)-Newton auf parallaktischer Montierung
Link zur Grafik: http://www.astronomie.de/technik/teleskop-systeme/images/newton_teleskop_1.jpg

verschiedene Newtons auf Dobson-Montierung:
Link zur Grafik: http://www.astronomie.de/technik/teleskop-systeme/images/dobson_teleskop_2.jpg

Die Bilder sind von den Einsteigerseiten von Astronomie.de. Auf den Bildern ist schön zu sehen, dass auf Parallaktischen Amateur-Montierungen meist kurzbauende Teleskope montiert werden. Diese haben einen schwache Hebelwirkung und sind nicht so anfällig gegen Wind.

Hast Du Fragen zu den Montierungen, schaue hier

Ein Newton ist gegenüber einen Reflektor beim Preis-Leistungsverhältnis weit überlegen.

Dobson-Montierung:
-einfach und schnell aufzubauen
-billig
-kann unhandlich und schwer sein
-sperrig (Transport im Auto)
-Nachführung über zwei Achsen

Parallaktische Montierung:
-teuer
-für Anfänger: Objekte sind leichter im Okular zu halten, bei elektrischer Nachführung wandert nichts mehr aus dem Gesichtsfeld, selbst bei längeren Blick auf Sternkarten oder einen Plausch mit Astrokollegen.
-je nach Grösse sehr schwer und völlig ungeeignet bei längeren Transporten
-Stative schlechter Qualität wackeln und stören das Sehvermögen.
-Nachfürung über eine Achse
-feine und genaue Steuerung des Teleskops
-nahezu ein Muß fürs Photographieren
-Aufbau dauert länger und muss sorgfältig erfolgen (nach Norden ausrichten).
-Falls mit Motoren: viel Kleinkram zu transportieren (Stativ, Montierung, Steuerung, diverse Kabel, Batterie, etc, etc.)

Azimutale Montierung mit Stativ:
-meist miserable Qualität (Wackeln)
-Nachführung über zwei Achsen
-hat nur bei Billig-Linsenteleskopen (Refraktoren) oder schweren Ferngläsern eine Daseinsberechtigung.

. Ich muss halt erst einmal lernen wie man am Sternenhimmel Navigiert, denn den einzige Stern den ich sehe und mit Name kenne, ist die Sonne und vielleicht noch der Polarstern.

Das Navigieren geht bald ins Blut über. Wichtig ist die Orientierung am Himmel. Du wirst Dich nicht mit Koordinaten befassen müssen, wichtiger sind die Sternbilder. Auf den oben genannten Sternatlanten und -Karten sind die Himmelsobjekte den Sternbildern zugeordnet. So kannst Du die Objekte schnell finden. Zum Beispiel der Eulennebel M97 in Ursa Major (= Grosser Wagen = Grosser Bär) befindet sich nahe dem rechten-unteren Kastenstern (Merak).

Clear skies und viel Spass mit dem neuen Hobby
Jens

P.S. die Andromeda-Galaxie ist schon mit blossen Auge kein Punkt, sondern hat schon eine erstaunliche Ausdehnung.
 
Re: Dobson oder doch Refraktor für totalen Anfänge

Hi Gunni,

ich hab "nur" ein 114/900 mm newton. meins war auch auf einer EQ2, wobei ich diese Montireung relativ schnell gegen etwas stabileres getauscht habe.

Ich dachte am Anfang auch, das die Montierung ausreichend sei. Ist sie aber nicht. Sie ist viel zu wackelig finde ich. Für den Anfang reicht es, ganz klar. Aber auf Dauer nervt es Dich, wenn die Montierung so wackelt und schwingt.

meine jetztige ist eine Meade LXD 500...auch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber ich empfand den Umstieg von der EQ2 auf die LXD 500 als Quantensprung ;-) Ein Bild kannst du auf meiner Homepage sehen.

Noch ein Tip: Schau, wenn Du in Wiesbaden zu einem Treffen gehst, nicht durch die ganz grossen Megaröhren...du müsstest zu lange sparen *gg*

gruß
Guido Homepage
 
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