Ein Anfänger packt aus

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Henning81

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17.-18. Mai, 22:30-03:30 Uhr

8" Dobson, 10x43 Fernglas

Was für eine Nacht!
Nachdem ich einem Freund abends noch mal eben ein paar Objekte im Fernglas gezeigt hatte und darüber locker eine Stunde verstrichen war, machte ich mich gut vorbereitet in den Garten auf, denn die Nacht versprach gut zu werden.
Hatten wir Jupiter und seine Monde noch unter der Strassenbeleuchtung beobachtet und spätestens bei h&chi Persei im noch hellen Osten das Ende der Fernglaskapazitäten erreicht, sollte es nun, kurz vor Mitternacht, so richtig los gehen.

Komet C/2015 V2 Johnsen wartete nochmal im Bootes auf mich und obwohl es dann auch irgendwann etwas an Reiz verliert, schaute ich ihn mir ein weiteres Mal an, denn bald ist er ja nicht mehr da. Diesmal sah ich definitiv, aber indirekt zwei Schweife, etwa rechtwinklig geöffnet.

Angestachelt von meiner gesehenen, aber nicht sicher bestimmten Edge-on-Galaxie im Sternbild Jungfrau hatte ich mich für diese Region vorbereitet, fand auch die Galaxie wieder, nur bestimmen konnte ich sie immer noch nicht. So richtig passte die Umgebung nicht zu den Kandidaten in meinen Karten.
Na, die wird ja mir ja noch ein paar Jahrzehnte zur Verfügung stehen. Nach einigem Rumgejage gab ich die Virgoregion erstmal auf, bis auf weiteres.

Epsilon Lyrae wartete darauf, nochmal angefahren zu werden und das wurde er (wurden sie) dann auch, wobei ich bemerkte, dass das Seeing doch nicht so ganz perfekt war, obwohl ich mich beim Blick zur Milchstrasse am liebsten am Beckenrand festgehalten hätte, wie damals beim Schwimmkurs.

Dennoch stürzte ich mich die Tiefe verachtend zu Albireo, heute nur ungewürdigt hastig gesucht als Wegmarke zu M56, einem Kugelsternhaufen, den ich noch nicht hatte.
Hab ich jetzt.

Da schwante es mir, hier gab es noch eine offene Rechnung. Ich schubste runter zum Pfeil, kurzer Schwenk, ob ich richtig war, und vorsichtig gings von gamma Sagitta zurück Richtung Albireo, mit leichtem Linksdrall. Und da war er, endlich, zum ersten Mal wie hatte ich den nur übersehen könnnen:
Der Hantelnebel, ein fettes, graues Teil, soviel präsenter als der Ringnebel in der Leier. Da saß er also, wie ein abgegessener Apfel, und ich äugte um ihn herum, bis ich der Meinung war, dass es reicht.

Gegen mittlerweile 02:10 Uhr fand ich M71 im Pfeil, der Kugelsternhaufen erschien mir eher wie ein Dreieck, weshalb ich zunächst nicht sicher war, ob er es ist. Ist er aber.

M29 versucht, aber in der Ecke waren einfach zu viele Sterne, ich denke, ich habe ihn gesehen, dennoch, klar bestimmen konnte ich ihn nicht.

Ich muss dann kurz vom Teleskop aufgeschaut haben, als mir im Augenwinkel etwas sehr helles erschien. Das musste die ISS sein, klarer Fall. Bekloppt, wie man ist, riss ich das Teleskop herum und knallte mir den Sucher vor die Brille. Fand die ISS, die letze Sicherung flog mir raus und ich schaute durchs Okular, bei ca. 50x, leider ja ohne Graufilter. Unglaublich, ich kriegte sie zu packen und schlenkerte ihr hastig hinterher, wild fokussierend, rein ins Blickfeld, wieder raus, unscharf, scharf, verloren, Sucher, zack, nix, wieder Sucher, dann Okular, nochmal eingefangen, wieder verloren. So fünfmal deke ich, konnte ich sie mit Unterbrechungen im Okular halten, und obwohl überblendet, meine ich Strukturen erkannt zu haben. Mir bot sich ein relativ rundes Bild, ja, ich meine die ISS, links und rechts begrenzt durch blendend helle Punkte und in der Mitte eben etwas kreuzförmiges, vielleicht auch eine H-Form. Besser gings nicht. Ich endete mit einem Bein in der Luft, den Stuhl auf Kipp balancierend, mit meiner einäugigen Velours-Skibrille im Gesicht, als die ISS errötend am Horizont verschwand. Vielleicht habe ich irgendwas mit Filter geschrien oder es war ein lauter Wunschgedanke, jedenfalls konnte ich den Gedanken daran, von Deep Sky zur spontanen ISS Beobachtung an einen Filter zu kommen, noch eine Weile nicht loslassen. Richtung Horizont, weniger hell, wurde sie leider auch schnell zu klein, um noch irgendwelche Details zu offenbaren und verschwand marsgleich gegen 2:29 Uhr im Dunst über dem Wald. Yeah!

Zeit für ruhigere Objekte. Komet Johnson war nun bereits weit im Südwesten und nicht mehr sehr präsent, denn der aufkommende Mond hellte den Himmel zu sehr auf. Warum also nicht gleich hinschwenken und sehen, was da so geht.
Viel Gewabere so horizontnah, da aber nun einmal der Polarisationfilter drin war, konnte ich ebensogut kurz zu Saturn rüber. Ich freute ich, ihn nach so langer Zeit erstmals wieder zu sehen. Der mit seiner blöden Frühschicht. Die Ringe konnte ich cassinisch nicht teilen, dafür kam mir die Frage, ob die nahebei stehenden Sternchen vielleicht Monde von Saturn sind.
Das bedarf noch der Recherche. Schön, aber seeingbedingt nicht sehr scharf. Oder ist es mein Teleskop?

Zurück zum Mond, denn ich hatte mir vorgenommen, die Landestelle von Apollo 15 zu beobachten, genauer die Hadley-Rille und den Hadley-Krater. Leider ging mein Plan nicht ganz auf. Zwar verbesserte sich das Bild, je höher der Mond stieg, leider war der Mondterminator aber bereits zu weit fortgeschritten und mir kam der Gedanke, dass eine Beobachtung der Region vielleicht besser bei zunehmendem Mond gelingt. Dabei hatte ich zunehmend mit angestrengten Augen zu kämpfen und Reflexionen, die ich immer erleide, wenn ich sehr helle, flächige Objekte beobachte. Damit meine ich natürlich den Mond.

Es wurde zunehmend heller draussen, die Sonne hellte den Nordhorizont auf, die Vögel versuchten noch lauter zu werden, als sie es sowieso schon die ganze Nacht gewesen waren.

Mein Fernglassessel hatte Taufeuchte gesammelt, nur kurz zwischendrin hatte ich ein bisschen darin gesessen und mir h&Chi in voller Pracht angesehen, ebenso den Granatstern und ein wenig Milchstrasse. Nördlich von Deneb habe ich einen wunderschönen Doppelstern gefunden, ähnlich Albireo, aber schon bei 10x so schön wie Albireo bei ca. 120x und mit einem kleinen Begleiter beim hellblauen Stern (Stimmt meine Erinnerung?).

Es wurde Zeit, einzupacken. Ich trug den Kram die 20 Meter ins Zelt, nahm den Rest mit ins Haus und ergänzte noch meine Notizen, so dass ich gegen 04:00 Uhr sternensatt ins Bett taumelte.

Meine neuen Sternkarten erwiesen sich als sehr hilfreich, Vorbereitung ist immer gut. Der Wecker erinnerte mich an den Mond, als ich schon lange meine Blicke über die Mondberge schweifen liess, in sehr lauer Morgenluft.

M13, Capella, Bode's- und die Zigarrengalaxie per Fernglas sollen auch nicht unerwähnt bleiben.

Danke fürs Durchlesen!

Henning
 
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Hallo Henning,

danke für Deinen interessanten Bericht. "Ein Anfänger packt aus" hat mich angelockt. Dein Schreibstil ist hingegen nicht mehr anfängerhaft und dafür schon sehr ambitioniert. Das gefällt mir sehr.
Deine Kombination FG + 8" erinnert mich an meine Anfangszeit. Mit dem Fernglas habe ich den Himmel kennen gelernt, dann fiel mir das Aufsuchen von Objekten mit dem Dobson später leichter.
Dein Programm enthielt ja wirklich alles, was das Herz begehrt.
Stichwort ISS. Ich hatte auch mal so eine Nacht, wo wir mit einem Freund spontan die ISS mit 14" und etwas über 100-fach verfolgt haben. Gut, wenn man sie noch weit entfernt sichtet, dann zieht sie noch gefühlt langsamer über den Himmel und man kann sich mit der Nachführung ein wenig auf sie einrichten. Wir haben seinerzeit schön die Segel der ISS erkennen können. So eine Sichtung kann schnell zum Highlight einer Beobachtungsnacht werden.

Dein Doppelstern nördlich von Deneb mit dem Fernglas kann eigentlich nur Omicron1 Cygni (20h13m38s/ +46°44'29") etwas nordwestlich sein (aber wenn der Schwan im Osten aufgeht, steht das System ja scheinbar nördlich von Deneb). Ein sehr reizvolles Dreifachsternsystem mit Helligkeiten von 3m8, 4m8 und 7m7. Die drei Sterne schimmern in den Farben rotorange, weiß und blauweiß. Es ist aber nur ein optisches Mehrfachsternsystem, die Entfernungen der Komponenten betragen 1.350, 1.720 und 720 Lichtjahre. Es kann sein, dass Du die dritte Komponente nicht als solche gesehen hast.

M 71 habe ich auch mit 8" und 12" durch, den dreieckigen Eindruck hatte ich aber erst mit 12". Gratuliere zu dieser Beobachtung. In beiden Öffnungen wirkte der Haufen bei mir nach Westen definierter und in Richtung Osten etwas zerrissen.

Hantelnebel und "abgegessener Apfel"! Der ist gut. Habe ich so noch nicht gehört. Wenn Du M 56 besucht hast, nur ein Grad weiter westlich hättest Du Dir auch einen schönen PN anschauen können - NGC 6765. Nicht so leicht, aber gut erreichbar mit 8" und er zeigt schön Filterwirkung. Gehören UHC- und/oder OIII-Filter schon zu Deiner Ausrüstung? Die Frage ist rhetorisch.

Und wie ich sehe, bist Du auch Gartenbeobachter. Eine ganz seltene Spezies ;-) Wie dunkel wird es bei Dir im Garten? Wenn ich Lychen lese, dann klingt das so ziemlich am Ar... der Welt - ne, am Ar... von Brandenburg ;-D

Viele Grüße

Rene

PS: Hier wirst Du nicht viele Reaktionen auf Deinen schönen Bericht erhalten. Die Visuellen tummeln sich doch mehr im blauen Forum.
 
Hallo Rene,

und danke für die überaus nette Reaktion auf meinen Bericht.

Für mich wr eindeutig der Hantelnebel das Highlight, die ISS war ja auch gut, aber das war dann eher so eine unerwartete Slapstick-Einlage. Klar, dass es auch abgefahren war, die mal nicht nur als Punkt im Fernglas zu sehen.

Omicron 1 Cygni, da hast Du recht! Der kleine dritte Begleiter ist also entgegen meiner Erinnerung neben dem orangenen.
Es war vielleicht einfach ein bisschen viel.

Wenn ich nun ungefähr weiss, wo NGC 6765 liegt, dann kann ich den ja mal angehen. Solche Hinweise mag ich, es müssen noch so viele Lücken gescghlossen werden, um vernünftig starhopping betreiben zu können.
Was die anderen Lücken angeht, habe ich leider ausser einem variablen Polfilter noch nichts. Ich war mir noch nicht sicher, was bei mir am besten wirkt (Ruf nach Beratung).

Mein "Garten" ist meine Streuobstwiese hinter meinem Garten. Ich kann wählen zwischen ganz dunkel und ganz viel Himmel. Gerade baue ich mir eine Beobachtungsplattform, da ist noch nicht das letzte Urteil gefallen, wohin genau. Es gibt an manchen Stellen Strassenlicht aus 200m Entfernung. Vielleicht opfere ich ein wenig Horizont und spare mir eine Blendschutzplane.
Aber das wird bereits in einem anderen Beitrag diskutiert.

Gruss,

Henning

 
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Hallo Henning,

mich hat auch der "Anfänger" im Topic angesprochen ;) Danke für deinen lebendigen und netten Bericht! Ich konnte mich an einigen Stellen wiederfinden, auch Geburtsjahr, Ausrüstung und Beobachtungsplatz scheinen wir in etwa zu teilen ;)

Welche Sternenkarte verwendest du? Ich hab mir neulich mal die von DeepskyHunter ausgedruckt (gratis, sehr detailliert, mit Übersichtskarten z.B. zum Virgo-Galaxienhaufen), mir die Kreise für diverse Okulare und den Sucher eingezeichnet (für Starhopping) und alles Interessante mit grünem Neonstift markiert (im Rotlicht gut sichtbar, aber nicht störend). Der Vorteil der Gratiskarte ist: Wenn mich die Notizen nerven, kann ich sie neu ausdrucken. Wäre vielleicht was für dich?

Sehr subjektive Frage: Wieviel Zeit nimmst du dir pro Objekt? Hast du manchmal auch fast ein schlechtes Gewissen, von Sternhaufen zu Galaxie zu hasten, weil die einzelnen Objekte nicht genug Aufmerksamkeit bekommen?

Ich bin gespannt auf weitere Berichte von dir! Den Hantelnebel hast du mir jetzt ins Ohr gesetzt ;)

Zu den Filtern kann ich den UHC 1,25" von ES empfehlen. Der lässt bei mir zwar die Sterne grünlich aussehen, dafür kommt aber z.B. der Ringnebel auch bei Zürcher Hellhimmel besser raus. Einen 2" O-III und Graufilter schaff ich mir an, sobald ich rausfinde, welche Teile des Hausrats ich gewinnbringend und folgenfrei verscherbeln kann... Grau in 2" deshalb, weil ich die QTurret-Barlow von Baader hab und in 1,25" immer entweder einen Filter oder die Barlow verwenden kann. Hartes Schicksal. *abschweif*

Gruss,
Simon

EDIT: Was ist denn das blaue Forum?
 
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Hallo Simon,

ich habe mir vor ein, zwei Wochen genau die alte Version davon ausgedruckt, mit etwas weniger Objekten. Ich habe mir von der alten Version mehr Übersicht bei hinreichend ausreichender Menge an Objekten versprochen. Dazu noch von Astronomylogs die Messier Objects Liste zum loggen. Das ist mir eigentlich nicht so wichtig, aber ich habe das Gefühl, erstmal meine Wissensbasis schaffen zu müssen. Den Deepsky Reiseführer habe ich auch, ansonsten nutze ich Stellarium und neu den Lunar Field Atlas und noch ein weiteres Mondprogramm, um die Mondfrustration in Faszination umzuwandeln. Mann, bin ich von diesen Mondlandungsleugnern genervt, die sich überall reindrängeln. Die Infos zu den Themen verändern die Beobachtung enorm positiv. Und ich kritzele auch gern in meinen Papierkram rein, da hab ich keine Hemmungen.

Zum Thema Zeit kann ich nur sagen, dass ich auch mit einem Objekt pro Abend zufrieden bin. Oft habe ich aber das Gefühl, beim Aufschauen vom Okular nochmal eine Art Abschiedsblick auf das Objekt werfen zu müssen, wenn mir wieder ein Einfall gekommen ist, was ich noch ansteuern könnte.
Irgendwann versuche ich mich im Zeichnen, den Kram dazu habe ich schon, der wartet noch auf mich.

Was die Filter angeht, da empfinde ich den Himmel hier schon als ziemlich dunkel. Manchmal stören eben die orangenen Strassenlaternen, besonders, wenn der Boden nass ist und reflektiert. Bisher habe ich mich immer im "Schatten" positioniert. Polfilter für den Mond und Planeten ist ein Segen,
ja, ich denke über UHC oder OIII nach, es kommt ja auch auf das jeweilige Objekt an. Und darauf, einen Schritt nach dem anderen zu tun.

Genau, welches blaue Forum, da sind mehrere.

Gruss,

Henning
 
Hi Henning,

Appelgriebsch.....so heisst der M27 bei mir seit eh und je. Wer daran schon alles geknabbert hat? Aber immer wieder eine Überraschung den im Okular zu haben.
Du bist ja unschlagbar flessig Henning, bis 4h Morgens! Echter Beobachter, so muss das auch sein. Kein Wunder dass du im späten Frühjar so detailiert von den Sommer-und sogar schon Winterobjekten berichtest. Dir gehört der klare Morgen!

Ja, die ISS reißt bei mir auch immer das Prgramm rum...bin ihr ganz wie Du beschrieben schon hinterhergeeiert, ich beneide die, die einen Schnappschuss von ihr machen können und auch noch die Sonnenpanele mit reinbekommen.

Nun hätte ich aber noch gewusst, was das blaue Forum ist?

Und schön, dass ein Visueller mal wieder so einen Bericht abliefert.

Begeisterte Grüsse von Anette
 
Hallo Henning,

auch von mir: toller Bericht! Liest sich super interessant und man "fühlt" richtig mit ;-)

Ist schon schön was man alles sehen kann. Die ISS peile ich demnächst auch mal mim Dobson an - bisher nur im Fernglas und per Auge. Danke für die Anregung.

Freue mich auf weitere Berichte von dir!

Am tollsten finde ich immer wenn man es "Astrofremden" zeigen kann - sprich Freunden, Familie etc. Für die sind ja am Himmel einfach nur Sterne. "Wie man kann die ISS oder Planeten sehen? Das soll Jupiter sein ? Ist doch nur ein Stern..."

@Anette: das "blaue Forum" ist entweder Astrotreff (eher lila ;-) oder Astrotreff-Deep-Sky (das ist wirklich blau *g*). das erstere ist aber deutlicher aktiver - demnach wird er das meinen.

Viele Grüße
Oliver
 
Hallo zusammen,

@Oliver - ich meine Astrotreff, hier darf man nur nicht öffentlich darüber schreiben, sonnst wird man von den Moderatoren gleich hart angezählt. Hier das Forum ist in erster Linie Tummelwiese der Kometenfans. Aber egal.
Mir hat Astronomie.de früher ja auch besser gefallen, aber ich bin wegn der geballten Kompetenz visueller Beobachter komplett zu Astrotreff gewechselt und lese hier nur noch sporadisch.

@Henning - NGC 6765 ist schwer zu finden ohne Filter! Da hätte ich Dir doch lieber ein paar andere Empfehlungen geben sollen. Der Blinking Planetary NGC 6826 ist ein gutes Beispiel. Bei dem solltest Du abwechselnd direkt und indirekt drauf schauen, dann blinkt er. Das soll heißen => direkt siehst Du nur den Zentralstern, indirekt erscheint der Nebel. Wirklich in toller PN. Bei mir hat er übrigens auch Farbe gezeigt.

Ein weiterer PN, bei dem Du mit 8" und kleinen Vergrößerungen Farbe sehen dürftest ist NGC 6210 im Herkules, einer meiner Lieblings-PN.
Ach schön und bald wieder erreichbar ist NGC 7008 im Schwan. Der PN war mal Objekt des Monats bei Astrotreff. Kuckst Du hier.
Das soll erstmal reichen an Tipps für PN.

Du hast auch wegen einer Filterempfehlung geschrieben. Hier kannst Du 10 Leute fragen und Du bekommst 10 verschiedene Meinungen. Das wichtigste wird sein, dass Du mit einem UHC-Filter beginnst, der ist nicht so engbandig und ist überaus hilfreich bei vielen Objekten. Ich empfehle die Astronomik-Filter, wieder mal teuer aber eben ihr Geld wert.
OIII kannst Du später nachkaufen. Der wird unverzichtbar, wenn Du bei Planetarischen Nebeln mal richtig Blut geleckt hast und Dich an viele der schwachen PN herantrauen solltest, die faktisch erst mit OIII sichtbar werden. Aber alles nach und nach und Schritt für Schritt.
Auf jeden Fall würde ich Dir empfehlen, gleich Filter mit 2"-Fassung zu kaufen, denn irgendwann wirst Du den Filter auch in Dein Übersichtsokular schrauben wollen für großflächige Nebel wie NGC 7000 & Co. Wenn du die Okulare mit kleiner Brennweite nutzt, hast Du in der Regel eine 2"=>1,25" Reduzierung, in die Du die 2"-Filter auch schrauben kannst. Wenn Du Fragen dazu haben solltest, schreibe mich bitte direkt an.

Dann noch zu Deiner Frage nach geeignetem Kartenmaterial. Für Anfänger uneingeschränkt geeignet finde ich den interstellarum Deepsky Atlas. Der ist zwar teuer (Normalversion 89 EUR / wasserfeste Version irgendwas um 140 EUR), aber in jedem Fall sein Geld wert. Denn dort sind die Objekte so abgebildet, dass Du an der Schrift und am SYmbol erkennen kannst, ab welcher Öffnung so ein Objekt überhaupt sichtbar ist. Das dürfte Dir sehr entgegen kommen und ich kenne keinen weiteren Sternatlas, der das leistet.
Falls Du mal Aufsuchkarten für Planetarische Nebel brauchst: hier (der zweite Download-Link PN-Guide).

Ansonsten klingt Deine Beschreibung zum Beobachtungsstandort ja paradiesisch. Ich bin in meinem Garten auch von viel Vegetation umgeben und muß mitunter mein ganzes Geraffel in einer Nacht komplett umräumen. Ich bin also ein Lückensucher ;-). In jedem Fall solltest Du das Plätzchen wählen, wo Du keine Lichtquelle mehr hast. Das kann echt störend werden in einer Nacht und man schaut automatisch immer wieder hin und versaut sich die Dunkeladaption.

Viele Grüße

Rene

 
Eine tolle Übersicht die ich empfehlen kann und sonst so noch nicht woanders gefunden habe:

http://www.astro-okulare.de/nebelliste.htm

Vielleicht kennt ihr sie noch nicht.

Hier kann man bei vielen Objekten sehr gut ablesen welcher Filter am besten geeignet wäre - zumindest laut Empfehlung des Erstellers. ich habe Sie gedruckt im Koffer liegen :-)

Mit einem guten (Astronomik UHC und OIII) kann man also fast alle Objekte abdecken.

@Mikuneko: Ja, in gewisser Weise kann man das natürlich verstehen. Es soll ja auch keine Werbung gemacht werden. Ich nutze beide Foren und beide haben Ihre Vorteile und Unterschiede.

VG
Oliver

 
Hallo in die Runde,

Ich kann gleich mehrere Dinge berichten und beantworte damit einige Fragen:

Neuer Beobachtungsbericht , scheinbar untergegangen. Speziell zum Blinking PN.

Meine Beobachtungsplattform ist fast fertig. Details dort.

Rene, warum sollte NGC 7008 erst bald wieder erreichbar sein?
Ich habe diese Region gestern Nacht mit dem Fernglas durchstreift, Wahnsinn, da waren lauter flächige Lücken in der Milchstrasse.

Danke für diese und die Filtertipps, auch an die anderen Leute hier. Vielleicht komme ja da nun mal weiter.
Als Kartenmaterial habe ich mich ja ganz bewusst für etwas schlankere Infos entschieden, damit ich nicht überfordert bin. Aber dann fehlt eben auch schnell Wissen.

Danke nochmal an alle netten und konstruktiven Kommentare hier!
Schaut Euch mal meinen anderen Bericht an, das war witzig.

Bis dann,

Henning
 
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