Ein gutes Setup für die Astrofotografie

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Ruminahui

Mitglied
Guten Abend an alle,
ich überlege mir derzeit nach Jahren des ausschließlichen Beobachtens mit verschiedenen Ferngläsern und Teleskopen mal einen Vorstoß in Richtung Astrofotografie zu unternehmen. Mir ist klar, dass das kostet - sowohl Zeit, wie auch Geld und Nerven.

Nun wird bei der Frage nach einem guten Einstiegsteleskop zum Beobachten ja überdurchschnittlich häufig der 8" Dobson genannt. Damit verbindet man relativ günstige Anschaffungskosten mit einem breiten Einsatzgebiet - mit genügend erreichbaren Objekten für jahrelanges Beobachten - und einem vergleichsweise einfachen Handling. Dafür ist er kein Spezialist am Planeten oder ausgedehnten Weitfeldbetrachtungen.

Bei der Suche nach einem guten Setup für die Astrofotografie bin ich auch nach der Lektüre diverser Threads zu dem Thema noch nicht ganz durchgestiegen, ob es etwas vergleichbares wie den 8er Dobson auch für die Astrofotografie gibt, einen einen "VW Golf" gewissermaßen, stellvertretend für ein einigermaßen unkompliziertes Handling, Anschaffungskosten die nicht durch die Decke gehen und einer gewissen Vielseitigkeit im Einsatz.

Sieht man sich Bilder einiger bekannter Standardobjekte an, dann stecken dahinter eine ganze Bandbbreite an unterschiedlichen Optiken, Montierungen und Kameras - mit oft erstaunlich ähnlichen Ergebnissen.

Deshalb meine Frage an die Astrofografen unter Euch. Gibt es Eurer Erfahrung nach eine bestimmte System, d. h. eine Kombination aus Optik (Öffnung/Brennweite), Montierung und Kamera (das Geraffel mit Stromversorgung, Kabelage, Laptop etc. mal außen vor), die generell besonders empfehlenswert ist?

Schon mal vielen Dank für Eure Gedanken und
schöne Grüße,

Rolf
 
Hallo Rolf,

also ich stecke selbst noch in den Anfägen der Fotografie,aber auch ich habe mal mit dem berühmten 8"Dobson für visuell angefangen und mir irgendwann deine Fragen gestellt.
Der Dob wird ja meist empfohlen wenn es darum geht erstmal ohne riesige Kosten in das ganze Thema "rein zu schnuppern".
Das Äquivalent dazu sehe ich in nem einfachen Tracker ala StarAdventurer/Skyguider mit DSLR und Objektiv.
Da geht wirklich schon einiges mit und das Erfolgserlebnis wenn das erste schöne Bild enstanden ist, steht der Freude bei größerem Equipment in nichts nach.
Wenn du aber schon die Worte Laptop, Stromversorgung und (richtige) Montierung in den Mund nimmst, dann ist das in meinen Augen schon ein eher ambitionierterer Einstieg.
Ich finde den Weg über einen Tracker (wie ich ihn auch gegangen bin) als Anfang aber eigentlich den Besseren.
1.lernt man damit den handwerklichen Teil der ganzen Sache "von Grund auf"-denn mit je mehr Hardware man anfängt, desto mehr muss man sie auch bedienen können.
Und das ist am Anfang ein nicht zu unterschätzender Faktor!
Das musste ich auch feststellen, daß fotografieren nochmal ne ganz andere Nummer ist als alle paar Sekunden einen Dobson anzuschubsen.
Wenn man nämlich das allererste mal Nachts vor dem aufgebauten Equipment steht, kann einen das mitunter schon ein bisschen überfordern-auch wenn es "nur" ein kleiner Tracker ist.
Und wenn man dann auch noch direkt mit Laptop,Guiding etc einsteigt und mehrere Dinge wie Hard UND Software in Einklang bringen muss, dann kann das auch schnell in großen, wenn nicht sogar ZU großen, Frust ausarten.
2. ist so ein kleiner Tracker auch kein rausgeschmissenes Geld-denn wenn einem das ganze gefällt und man aufrüstet, bleibt der (ebenfalls wie bei mir) meist für Reisen oder so auch weiter im Besitzt.
Was viele auch unterschätzen und anfangs nur so als notwendiges "Beiwerk" sehen is das Thema Bildbearbeitung.
Das is nochmal sooo ein riesiges Feld für sich.... Aber nur damit fördert man halt zu Tage wofür man da stundenlang draußen gestanden hat.
Und es bringt auch nicht viel wenn man mal ein paar Tageslichtaufnahmen bearbeitet hat.
Es ist zwar hilfreich, weil man die Software schon bedienen kann, aber es ist einfach ein, im wahrsten Sinne, Unterschied wie Tag und Nacht.
Naja und letztenedes ist es natürlich auch wieder ne Geldfrage und damit zusammenhängend ob man schon irgendwas an Objektiven und Kamera besitzt.
In der Fotografie ist die Frage nach der eierlegenden Wollmilchsau für den Einstieg nicht ganz so leicht zu beantworten wie fürs rein visuelle.
Aber in meinen Augen kommt dem ein Tracker mit DSLR und Objektiv oder kleinem Apo noch am nächsten.
Aber da werden sicher noch andere und vielleicht auch ganz andere Meinungen kommen.
Das is halt nur der Weg und die Erfahrung die ich selbst gemacht habe.

Gruß
Tim
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo,

So von den Kosten her ist man für den ambitionierten Einstieg - das nehme ich jetzt mal an - so mit 3000€ - 3500€ etwa gut bedient, wenn wirklich nix vorhanden ist vorher.
Da wären bspw. Software für Bildbearbeitung (PI kostet 200€, das geht aber auch günstiger) deutsche Montierung, Optik der Wahl, Stromversorgung, alle möglichen Adapter, T-Ringe und oder Abstandshülsen, evtl. erforderliche Gegengewichte, alle möglichen Kabel und Gelumps, Kamera, Laptop, Autoguider, Taukappe, evtl Heizung, Prismenschienen.

Da kommt schon einiges zusammen. Man darf vor allem die Kosten für den Kleinkram nicht unterschätzen.
Hab grad mal zurück gedacht, meine ganzen notwendigen Gegengewichte, Adapter und Hülsen und die Prismenschiene haben alleine 290€ gekostet, das ist „nur“ ein bisschen Metall!

Und nach oben ist wie immer keine Grenze, die berühmten Tak APOs liegen so bei 7000€ nur für die Optik.

Planetenfotografie ist mMn erstmal günstiger für den Anfang, oder halt eben nen kleinen Tracker, DSLR mit Samyang drauf und Weitfeld machen


Nicht abschrecken lassen, aber der Einstieg in die Fotografie wenn man „alles will“ ist relativ teuer. Deswegen würde ich mich meinem Vorredner anschließen.

ABER und das ist mein Schlusssatz, es gibt hier auch Menschen und die werden sich ganz sicher noch melden welche echte Sparfüchse sind und auch sehr viel selber basteln und machen - das muss man aber auch können - und richtig was raus hauen für wenig Investition.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Moin,
also ich schreib Dir mal auf womit ich eingestiegen bin, das war eigentlich ein perfektes Anfänger Setup:
6" Newton (gebraucht) f5 (tu Dir erstmal kein f4 an)
HEQ5 (gebraucht) oder vergleichbar
Guiding mit 50mm Sucher, QHY sw Planetencam, PHD2 - langt völlig
Canon 1000DA
später Komakorrektor
Alles zusammen für knapp 1000 Euro gebraucht.
Vorteile - Der Newton bietet recht viel Öffnung, brauchbare Brennweite und eine schöne Lichtstärke.

Damit kannst Du gehörig Erfahrungen sammeln und sehen wohin sich die Dinge entwickeln und sehen wohin Dich die Öffnungs usw welle treibt!
Gutes Gelingen
CS
Andreas
 
Hallo Rolf,

ich denke da wirst du so viele Vorschläge bekommen wie es Setup's gibt ;)
Dein Budget und eventuell schon vorhandeneres Equipment wäre interessant und auch welche Objekte dich am meisten interessieren.

Normalerweise halte ich mich ja mit Empfehlungen zurück da eben jeder andere wünsche und Ansprüche hat und man seinen Weg sowieso selber finden muss.

Ich mache das jetzt ja auch schon eine weile und hatte schon einige Optiken und Montierungen.
Aktuell nutze ich neben meinem Hauptsetup sehr gerne das 135mm Samyang auf einer EQ5.
Genau das wäre auch meine Einsteiger Empfehlung, weil beides ist relativ günstig und recht leicht gebraucht zu bekommen.
Bilder mit dem Samyang 135
Dazu dann noch eine Farbkamera für den Einstig, ob das dann eine Canon 6D oder eventuell einer der dreistelligen oder gleich eine gekühlte Astrokamera wäre ist Geschmacks und Budget Sache.

Soweit meine Empfehlung.

Grüße
Carsten
 
Hallo,
Deshalb meine Frage an die Astrofografen unter Euch. Gibt es Eurer Erfahrung nach eine bestimmte System, d. h. eine Kombination aus Optik (Öffnung/Brennweite), Montierung und Kamera (das Geraffel mit Stromversorgung, Kabelage, Laptop etc. mal außen vor), die generell besonders empfehlenswert ist?
es hängt davon ab, was Du fotografieren willst. Für die Fotografie von Objekten außerhalb des Sonnensystems finde ich die Kombi aus einer Reisemontierung wie z.B. Star Adventurer plus einer DSLR (z.B. Canon 1000d) + 200mm Teleobjektiv für den Anfang relativ günstig und auch frustfrei.
Was mit 200mm möglich ist, siehst Du hier:
Klickmich

Falls es keine Reisemontierung sein soll, dann würde ich mir die Montierung kaufen, die ich noch schleppen möchte, falls ich mobil sein muss und die das schwerste Teleskop trägt, das ich mir zukünftig zulegen möchte.
Beispielsweise eine HEQ-5 Pro Synscan. Darauf könntest Du dann auch wieder eine DSLR+200mm Objektiv oder einen kleinen Apo, wie z.B. den 72/432 von TS oder einen Newton anbringen. Für Autoguiding brauchst Du dann entweder einen Klapprechner mit PHD2 oder den MGen.

Aber Ausrüstung ist nicht alles. Hinzu kommt noch die Bildbearbeitung.

Gruß
Ronald
 
Ich würde eine vernünftige Montierung empfehlen (z. B. Heq-5, die trägt bis 10kg fotografisch) und dann erstmal mit DSLR und Fotoobjektiven fotografieren. Wenn das Spaß macht und man an der Bildbearbeitung Freude hat, kann man ausbauen, je nach Belieben: Guiding, Schmalbandfilter und Monokamera, Apo oder kleiner Newton, Motorfokus, Automatisierung, etc. Zumindest hab ich es so gemacht und würde es auch so weiter empfehlen (bin 1 Jahr dabei, Fotos unter http://astro.van-hees.name). Mit der Heq-5 ist man ausbaufähig, gleichzeitig ist sie noch nicht allzu schwer und auch mobil gut nutzbar. Bein höherem Budget ist auch die EQ-6R gut und nochmals ausbaufähiger, aber deutlich schwerer. Die Fototracker finde ich im Vergleich eher fummelig einzustellen, besonders ab 200mm Brennweite muss man da schon Vieles sehr richtig machen. Bei ner größeren Montierung weiß man bei z. B. 200mm zumindest, dass sichtbare Fehler relativ grobe Schnitzer von einem selbst sein müssen.
 
Hallo Rolf,

ich selbst bin zwar ausschließlich visuell unterwegs, aber mein Frau macht Astrofotografie, hat sich auch von anfangs DSLR mit Teleobjektiv zu inzwischen mehreren Teleskopen auf EQ-6R mit MGEN etc. vergrößert. Als "außenstehender Beobachter" im Thema Astrofotografie erscheint mir der Schwerpunkt dieses Hobby, insbesondere aber die Ergebnisse, eher in der Zeit nach den Aufnahmen am Rechner und ganz viel auch von den hier stattfinden Verarbeitungen und Aufbereitungen zu liegen.

Jetzt weiss ich nicht, wie firm Du darin schon bist, Dich mit den ganzen Softwaretools sowie der Bearbeitung in Photoshop / Gimp etc. rumzuschlagen, aber gerade wenn das für Dich noch eher "Neuland" ist, mache ich mal einen ganz anderen Vorschlag:
Bevor Du Dir diese ganze Technik anschaffst, buche Dich doch mal bei einem Remote Teleskop Service ein. Meine Frau hat das aufgrund des schlechten Wetters hier über Weihnachten mal bei itelescope.net gemacht. Da kann man auch monatlich wieder kündigen und es gibt einen Promocode für Neukunden, der Deine Points, mit denen man die Aufnahmen bezahlt, verdreifacht. Hier ist also mit überschaubarem finanziellen Aufwand das Anfertigen von einigen Aufnahmen möglich, Du bekommst ganz nebenbei ein Gefühl für die richtige Auswahl / Abstimmung von Objekt und Teleskop, kannst Dir den Unterschied zwischen Mono und Farbkameras erarbeiten, da die natürlich alles am Start haben und – aus meiner Sicht der absolute Vorteil – Du bekommst Bilder, mit denen Du Dich dann mal mit den ganzen Tools etc. auseinandersetzen kannst, denn aus meiner Sicht ist das der Knackpunkt bei dem ganzen Thema Astrofotografie.

Allerdings auch die Warnung, dass man die Ergebnisse, die man da angeliefert bekommt, zum einen kritisch prüfen muss (da passte auch mal der Fokus nicht oder man sammelt erste Erfahrungen mit Blooming bei CCD Kameras...kann man aber unkompliziert reklamieren und bekommt in der Regel auch eine Erstattung), vor allem aber aufgrund des Standorts der Teleskope und wahrscheinlich auch der Aufnahmetechnik kommt dann aber auch eine Qualität, die wir zumindest hier in Stadtrandlage Hannover von unserem Himmel so nicht gewohnt sind...das gibt unser Standort einfach nicht her. Das darf man dann also nicht 1:1 auf den heimischen Garten übertragen :cool:

Wenn es Dir mehr um die Faszination an den technischen Spielereien geht, die damit verbunden sind, dann würde ich wohl eher zum Thema EAA / Video-Astronomie greifen...da hat man wenigstens dann gleich was zum Anschauen und Geld kann man dafür auch ausgeben ;)

Beste Grüße und klare Nächte
Frank
 
Hallo und vielen Dank an alle für Eure Antworten,

tatsächlich möchte ich mich erst einmal mit Weitfeldaufnahmen und dem gelegentlichen Messier-Objekt beschäftigen.

Corona sei dank wurde die Reisekasse 2020 kaum angezapft, so dass ich im
Moment mit einem Budget von 2500 - 3000 Euro an die Sache herangehen kann. Ich tendiere nun zu einer Lösung von (H)EQ-5 für DSLR (vorhanden) und/oder einen kleinen ED oder APO-Refraktor. Den könnte ich auch mal als Reiseteleskop mitnehmen auf meine kleine AZ-Montierung setzen.

Die große EQ-Montierung hätte dafür auch den Vorteil, noch fürs Beobachten da zu sein.
Als Macbook-Nutzer muss ich dann mal sehen, was da an Bildbearbeitungssoftware am Markt ist, ist auf jeden Fall weniger als in der Windows-Welt.

Euch einen guten Start in die Woche und
hoffentlich bald wieder klare Nächte,

Rolf
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben