Hallo Johannes,
OK, ich weiß nicht, wie ihr so geschnackt habt. Aber ein paar Anmerkungen:
Richfield: Das müsstest Du mal definieren. Wenn Du 4° Feld möchtest, bist Du tatsächlich bei einem Refraktor, wenn es von der Stange sein soll. Für reines Richfield kann das aber schon ein (a)chromatischer Refraktor sein.
Fluorit: Heute wird die Unschärfe des Begriffes Fluorit für Fluoritkristall (CaF2) und Fluorithaltiges ED-Glas (z.B. FPL-Gläser) gerne vom Marketing ausgenutzt. Schnelle Refraktoren mit Sonderglas sind praktisch immer mit ED-Glas aufgebaut, um nun FPL drin ist oder etwas anderes. So schnelle Optiken hätten selbst mit CaF2 wohl noch einen Restfarbfehler, weshalb man dann auch auf ED setzen kann. Referenz von einigen Optikrechnern ist, dass ein 100mm f/9 CaF2 wirklich farbrein ist und dass ein 100mm f/9 ED-Triplett mit Luftspalt sogar einen Hauch besser sein kann. f/9 ist aber kein absoluter Richfielder mehr! Der erreicht nur knapp 3°.
Was FPL-Gläser und ähnliche ED-Gläser mit Fluor darin (oder auch nicht) leisten, hängt sehr von der restlichen Konstruktion ab, nicht nur von den Partnergläsern, usw.
Für Richfield ist das aber nicht so wichtig, die Geräte leisten schon mehr, als ein normaler (A)chromat mit diesen Eckwerten.
Wenn 3,4° reichen - die erzielt man auch mit einem 114/450 Parabol-Newton mit 1,25" Okularen. Die müssen zwar für f/4 taugen, aber wenn man sich den Preisunterschied betrachtet...
Auch die AP sollte man beachten. Wenn ein Richfielder auch helle Bilder liefern soll, kommt man mit kleinen Geräten schnell in Feldstecher-Bereiche. Bei 80mm Öffnung liegt man bei 11,4x Minimalvergrößerung (AP 7mm). Man hebt sich damit zu wenig vom 7x50 oder 10x50 Feldstecher ab, mit dem man beidäugig beobachten kann. Will man da einen lohnenswerten Unterschied haben, wird man sich 120mm Öffnung wünschen (17x bei AP 7mm). Oder wenigstens 110mm.
Man muss dann aber auch schauen, ob man die AP auch "geschmackvoll" erreicht, denn bei einem f/7-ED-Refraktor braucht man ein 49mm (also 50mm) Okular, das geht aber nicht mehr ordentlich weitwinklig, sondern da kommt man wieder um 50° scheinbares Feld heraus. Ich persönlich habe mich daher für f/6 entschieden, da man hier mit einem 42mm Okular je nach Bauart (Verzeichnung) bis zu 72° scheinbares Feld bekommt.
Dein Vorschlag 90/600 liegt nun in jeder Beziehung dazwischen: 46,67mm Okular für 7mm AP, also ein "gibt's nicht", dann reduziert auf 42mm und somit 6,3mm AP. Das gibt es und es ergibt 14x. Es erreicht fast 4,5° wahren Himmelsausschnitt, wenn die Feldblende 2" voll ausnutzt (z.B. 41mm Panoptic).
Der Preis dafür ist hoch und man muss sich schon die Frage stellen, ob nicht andere Optiken mehr für's Geld leisten. Wie gesagt, Minimallösung der 114/450 Parabol-Newton, zu dem man ja schöne 1,25" Okulare (für f/4 passend) anschaffen kann, und der auch sehr kompakt und leicht ist und vor allem auf einer EQ-2 gut montiert ist, während 90/600 als Refraktor da schon kritisch sind, die sehe ich auf der Klasse EQ-3/Skyview. So ganz unkritisch mit Okularen ist auch f/6,67 nicht!
Ein 150/750 Newton als Variante mit 2" Okularauszug kann mit einem 31mm Nagler 3,2° wahren Himmel zeigen (42mm Feldblende). 3,58° gingen mit einem Okular, das 47mm Feldblende ausnutzt - wenn man da ein 35mm finden würde.
Ein 6" Newton hat aber neben diesen Richfield-Qualitäten noch ein ganz anderes Leistungspotenzial für Deepsky, als 90mm Öffnung.
Fragt sich eben, wie konsequent man Richfield machen will. Meine Konsequenz war 110mm f/6 als ED (FPL) als Ergänzung zum 12" f/4 Hauptgerät.
Clear Skies
Sven