Bernd Limburg
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
ich wollte hier kurz von meinem Projekt "Säule auf Balkon" berichten, das ich nun fertiggestellt habe.
Den Gedanken, eine irgendwie geartete fixe Aufstellung des Teleskops zu realisieren, hatte ich schon länger. Die Gründe waren zum einen, nicht jedesmal die Poljustage durchführen zu müssen, und zum anderen, weniger schwere Einzelteile raus auf den Balkon schleppen zu müssen. Eine feste Hütte im Garten, in der das gesamte Equipment komplett aufgebaut stehen bleiben kann, wäre natürlich optimal, war aber aus Platz- und auch Sichtversperrungsgründen nicht möglich.
Der Balkon war schon mit dem Stativ der Beobachtungsort der Wahl, aktuell habe ich eine EQ6R, und die fand ich inkl. Achsenkreuz und Stativ schon grenzwertig für mich durch die Wohnung raus auf den Balkon zu schleppen, und dann tief in der Nacht wieder rein... Wenn dann draußen alles aufgebaut und (mittels KStars/Ekos) eingenordet war, ging es dann wieder rein ins Warme und der Rest der Session lief von dort über einen remote gesteuerten Raspi, der mit allem Drum und Dran am Stativ befestigt war.
Da der Balkon anderweitig nicht genutzt wird, kann dort auch eine fest montierte Säule stehen, dachte ich mir, und habe mich mal umgeschaut. Fündig geworden bin ich bei JD-Astronomie, wo ich mir dann eine 70 cm hohe Stahlsäule inkl. Adapterplatte für die EQ6R bestellt habe. Mit Eike von JD-Astronomie gingen einige Mails mit Wünschen, Details, techn. Zeichnungen etc. hin und her, und nach ein paar Wochen hatte ich meine Wunschsäule in Händen (vielen Dank an Eike für die Beratung, Tips und Realisierung der Säule!). Die Stahlteile hatte Eike mir noch verzinken lassen, und ich habe sie final 2x mit Hammerite Ultima weiß gestrichen, was auch perfekt zur weißen EQ6R passt. Somit sollte die Säule ausreichend gegen die Witterung geschützt sein, zumal ich sie bei Nichtbenutzung mit einem dicken Folienbeutel abdecke. Das Säulenrohr selbst ist noch mit Sand gefüllt, um ggf. Schwingungen zu reduzieren bzw. zu dämpfen. Ob's was bringt, weiß ich nicht, aber schaden tut es ja auch nicht.
Hier die bereits am Boden mittels Beton-Schwerlastankern verschraubte Säule:

Die Adapterplatte, also das obere, über Gewindebolzen nivellierbare Ende der Säule, ist mit Passstiften versehen, so dass ich darauf perfekt justiert ein Aluteil aufsetzen (und festschrauben) kann, auf das wiederum fest das Achsenkreuz der EQ6 geschraubt ist. Somit setze ich jetzt beim Aufbau immer nur noch das Achsenkreuz mit dem daran befindlichen Aluadapter auf die Passstifte, verschraube das Ganze und die Montierung steht. Schon ein Unterschied, nur die Monti statt des gesamten Setups inkl. Stativ zu tragen.
Hier die Adapterplatte mit den Passstiften, noch ungestrichen aber verzinkt:

Und hier fertig gestrichen und testweise im Zimmer aufgebaut:

Letzten Donnerstag hatte ich dann Gelegenheit, das Ganze erstmalig auszuprobieren, wenn auch nicht lange dank der Wolken, aber immerhin (man beachte nebenbei die fürchterliche Straßenlaterne, vom Achsenkreuz verdeckt, direkt auf Teleskophöhe etwa 7 m entfernt):

Meinen Raspi, der bisher mit allen Hubs, Kabeln, Netzteilen etc. am Stativ befestigt war (auch nochmal 1-2 kg...), habe ich nun mit allen Komponenten auf einem Brett befestigt, von dem dann Kabel zu den Kameras, Fokusmotor und Montierung abgehen sowie ein Netzkabel zur Steckdose. Somit ist die gesamte Steuerung eine Einheit (das "Raspibrett"), die ich einfach an die Säule lehne, anstöpsele und fertig.
Nach dem ersten Aufbau und groben Einnorden der Montierung über das Polsucherfernrohr habe ich dann meinen 130er TS-APO aufgesattelt und mittels Ekos eine platesolving-gestützte Polausrichtung durchgeführt. Danach habe ich das Teleskop und die Montierung nochmal abgenommen und wieder aufgesetzt. Danach war die Polausrichtung in AZ unverändert gut (< 10" Abweichung laut Ekos), während die Alt-Ausrichtung mit 2' etwas mehr abwich. 2' ist das, was ich mit der manuellen Polausrichtung mit dem Polsucherfernrohr auch erreiche. Habe die Polhöhe dann nochmal nachjustiert und die Polachse mit den Alt-Schrauben noch etwas fester gezogen. Werde beim nächsten Mal sehen, ob die Höhenjustage noch etwas besser erhalten bleibt.
Was bei so einer Säulenaufstellung noch von Vorteil ist, ist die verringerte Kollisionsgefahr des Teleskops, da ja keine abgespreizten Stativbeine mehr vorhanden sind. Man kann also viel weiter durchschwenken und ich denke, dass ich in den meisten Fällen dadurch auf den Meridianflip verzichten kann.
Zum Abschluss der ersten Session habe ich dann noch testweise ein paar Objekte angefahren und bin bei der Fireworks Galaxy inkl. dem benachbarten Open Cluster hängengeblieben, von der ich dann tatsächlich noch ca. 1 h Licht sammeln konnte, bis es sich zuzog und sie mit 30° auch schon recht tief stand. Eigentlich war das gar nicht geplant und ich habe auch keine Flats gemacht, und wirklich nur eine ganz quick'n'dirty Bearbeitung mit PI durchgeführt. Aber immerhin ist es das erste Bild auf der neuen Säule und nebenbei auch das erste Bild seit fast einem Jahr, denn in 2021 war ich abgesehen vom Frühjahr astromäßig fast vollständig abstinent.

ASI294MC Pro, -10°C, L-Filter, leichter Crop, 22 x 3 min Frames, 0.8x Reducer/Flattener, 730 mm Brennweite, f/5.6. Guiding über ein 70/405 mm Guidingrohr und eine ASI183MM.
Als nächstes steht dann noch ein Test mit meinem 10"-Newton auf dem Programm, der mit seinen 15 kg nochmal um einiges schwerer ist als der APO. Mal sehen, wie das Setup sich da schlägt.
Clear Skies,
Bernd
ich wollte hier kurz von meinem Projekt "Säule auf Balkon" berichten, das ich nun fertiggestellt habe.
Den Gedanken, eine irgendwie geartete fixe Aufstellung des Teleskops zu realisieren, hatte ich schon länger. Die Gründe waren zum einen, nicht jedesmal die Poljustage durchführen zu müssen, und zum anderen, weniger schwere Einzelteile raus auf den Balkon schleppen zu müssen. Eine feste Hütte im Garten, in der das gesamte Equipment komplett aufgebaut stehen bleiben kann, wäre natürlich optimal, war aber aus Platz- und auch Sichtversperrungsgründen nicht möglich.
Der Balkon war schon mit dem Stativ der Beobachtungsort der Wahl, aktuell habe ich eine EQ6R, und die fand ich inkl. Achsenkreuz und Stativ schon grenzwertig für mich durch die Wohnung raus auf den Balkon zu schleppen, und dann tief in der Nacht wieder rein... Wenn dann draußen alles aufgebaut und (mittels KStars/Ekos) eingenordet war, ging es dann wieder rein ins Warme und der Rest der Session lief von dort über einen remote gesteuerten Raspi, der mit allem Drum und Dran am Stativ befestigt war.
Da der Balkon anderweitig nicht genutzt wird, kann dort auch eine fest montierte Säule stehen, dachte ich mir, und habe mich mal umgeschaut. Fündig geworden bin ich bei JD-Astronomie, wo ich mir dann eine 70 cm hohe Stahlsäule inkl. Adapterplatte für die EQ6R bestellt habe. Mit Eike von JD-Astronomie gingen einige Mails mit Wünschen, Details, techn. Zeichnungen etc. hin und her, und nach ein paar Wochen hatte ich meine Wunschsäule in Händen (vielen Dank an Eike für die Beratung, Tips und Realisierung der Säule!). Die Stahlteile hatte Eike mir noch verzinken lassen, und ich habe sie final 2x mit Hammerite Ultima weiß gestrichen, was auch perfekt zur weißen EQ6R passt. Somit sollte die Säule ausreichend gegen die Witterung geschützt sein, zumal ich sie bei Nichtbenutzung mit einem dicken Folienbeutel abdecke. Das Säulenrohr selbst ist noch mit Sand gefüllt, um ggf. Schwingungen zu reduzieren bzw. zu dämpfen. Ob's was bringt, weiß ich nicht, aber schaden tut es ja auch nicht.
Hier die bereits am Boden mittels Beton-Schwerlastankern verschraubte Säule:

Die Adapterplatte, also das obere, über Gewindebolzen nivellierbare Ende der Säule, ist mit Passstiften versehen, so dass ich darauf perfekt justiert ein Aluteil aufsetzen (und festschrauben) kann, auf das wiederum fest das Achsenkreuz der EQ6 geschraubt ist. Somit setze ich jetzt beim Aufbau immer nur noch das Achsenkreuz mit dem daran befindlichen Aluadapter auf die Passstifte, verschraube das Ganze und die Montierung steht. Schon ein Unterschied, nur die Monti statt des gesamten Setups inkl. Stativ zu tragen.
Hier die Adapterplatte mit den Passstiften, noch ungestrichen aber verzinkt:

Und hier fertig gestrichen und testweise im Zimmer aufgebaut:

Letzten Donnerstag hatte ich dann Gelegenheit, das Ganze erstmalig auszuprobieren, wenn auch nicht lange dank der Wolken, aber immerhin (man beachte nebenbei die fürchterliche Straßenlaterne, vom Achsenkreuz verdeckt, direkt auf Teleskophöhe etwa 7 m entfernt):

Meinen Raspi, der bisher mit allen Hubs, Kabeln, Netzteilen etc. am Stativ befestigt war (auch nochmal 1-2 kg...), habe ich nun mit allen Komponenten auf einem Brett befestigt, von dem dann Kabel zu den Kameras, Fokusmotor und Montierung abgehen sowie ein Netzkabel zur Steckdose. Somit ist die gesamte Steuerung eine Einheit (das "Raspibrett"), die ich einfach an die Säule lehne, anstöpsele und fertig.
Nach dem ersten Aufbau und groben Einnorden der Montierung über das Polsucherfernrohr habe ich dann meinen 130er TS-APO aufgesattelt und mittels Ekos eine platesolving-gestützte Polausrichtung durchgeführt. Danach habe ich das Teleskop und die Montierung nochmal abgenommen und wieder aufgesetzt. Danach war die Polausrichtung in AZ unverändert gut (< 10" Abweichung laut Ekos), während die Alt-Ausrichtung mit 2' etwas mehr abwich. 2' ist das, was ich mit der manuellen Polausrichtung mit dem Polsucherfernrohr auch erreiche. Habe die Polhöhe dann nochmal nachjustiert und die Polachse mit den Alt-Schrauben noch etwas fester gezogen. Werde beim nächsten Mal sehen, ob die Höhenjustage noch etwas besser erhalten bleibt.
Was bei so einer Säulenaufstellung noch von Vorteil ist, ist die verringerte Kollisionsgefahr des Teleskops, da ja keine abgespreizten Stativbeine mehr vorhanden sind. Man kann also viel weiter durchschwenken und ich denke, dass ich in den meisten Fällen dadurch auf den Meridianflip verzichten kann.
Zum Abschluss der ersten Session habe ich dann noch testweise ein paar Objekte angefahren und bin bei der Fireworks Galaxy inkl. dem benachbarten Open Cluster hängengeblieben, von der ich dann tatsächlich noch ca. 1 h Licht sammeln konnte, bis es sich zuzog und sie mit 30° auch schon recht tief stand. Eigentlich war das gar nicht geplant und ich habe auch keine Flats gemacht, und wirklich nur eine ganz quick'n'dirty Bearbeitung mit PI durchgeführt. Aber immerhin ist es das erste Bild auf der neuen Säule und nebenbei auch das erste Bild seit fast einem Jahr, denn in 2021 war ich abgesehen vom Frühjahr astromäßig fast vollständig abstinent.

ASI294MC Pro, -10°C, L-Filter, leichter Crop, 22 x 3 min Frames, 0.8x Reducer/Flattener, 730 mm Brennweite, f/5.6. Guiding über ein 70/405 mm Guidingrohr und eine ASI183MM.
Als nächstes steht dann noch ein Test mit meinem 10"-Newton auf dem Programm, der mit seinen 15 kg nochmal um einiges schwerer ist als der APO. Mal sehen, wie das Setup sich da schlägt.
Clear Skies,
Bernd




